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11.02.12 - Brocken-Challenge

Hart - Kalt - Schön

Autor: Joe Kelbel

Grausame  Berichterstattung. Das Gefühl von Weltuntergang durch Gefrierbrand  wird durch die Meldung, dass in einer Grundschule der Unterricht wegen eines Rohrbruchs ausfällt, ins Unermässliche gesteigert. Ich denke da vor allem an die armen Eltern.

Am Montag konnte Deutschland noch Strom exportieren, am Mittwoch wurde es so dramatisch, dass Strom aus Österreich importiert werden musste!  500 Tote in der Ukraine. Die apokalyptischen Reiter fegen mit Eiseskälte über die Nordhalbkugel und Freunde und Bekannte mir  in den Rücken:  „ Das  Ding zu laufen ist doch unverantwortlich!“

Doch wer sich vor Monaten mitten in der Nacht vor den PC gesetzt hatte, um einen der begehrten 150 Plätze beim Brocken Challenge zu ergattern, der weiß, was er vorhat.

Zu laufen sind in diesem Jahr 80 km + 1900 Hm – 1100  Hm.
Start Göttingen -13 Grad.
Ziel: Gipfel des Brocken, -13 Grad, Windstärke 5.
Zeitnahme per Hand.
Nach dem  Zieleinlauf 2 Stunden Fußweg zum Rücktransport.
Neuschnee auf festem Altschnee.

Der Brocken ist wegen seiner exponierten Lage ein harter, ich aber auch.

Pflichtausrüstung: Handy, wasserfeste Kleidung, Stirnlampe, Thermoskanne (Trinkrucksack friert ein), Notverpflegung, Rettungsfolie, Trillerpfeife, Erste-Hilfe Kit, Schneeketten und Pflichtlektüre über den „Entsafter“, einem 20 km steilen Teilstück ohne Versorgung, Routenmappe. Zeitlimit 14 Std.. Die tatsächlichen Cut-Off-Zeiten an den Stationen werden erst am Veranstaltungstag unter Berücksichtigung der Strecken- und Wetterverhältnisse festgelegt. 2 Quali-Punkte für den UTMB.

 

Freitag 18 Uhr

 

Startnummernausgabe. Auf der Nummer steht: „ Hart - Kalt - Schön“ darunter mein Name. Die kennen mich. Aber es ist eine Erfindung von Günter Kromer und mehr als passend für den BC und deswegen der Leitspruch dieses Extremlaufes.

 
© trailrunning.de 32 Bilder

Vorbesprechung im Hörsaaal des Instituts für Sportwissenschaften, Uni Göttingen, Abgabe des Gepäcks für das Ziel, damit man warme Kleidung für den zweistündigen Rückweg hat. Verhaltensregeln, Routenbesprechung, Vorstellung des Orgateams und der Spendenempfänger.Verlosung zweier Freistarts für den Bilstein Marathon. Wer gewinnt? Ich.

19:30: Diejenigen, die Sammelunterkunft gebucht haben, fahren, nein irren zum Startort. Dort  im Jägerhaus am Kehr gibt es ein großes Buffet. Ich habe keinen Appetit, habe Muffensausen, wegen der Kälte. Den Anderen geht es genauso, selbst das Bier schockt mit seiner Temperatur.

„Wo legen wir denn unsere Isomatten hin?“ – „Na, hier im Speisessal, oder in dem anderen, zwischen die Tische. Aber erst, wenn alle gegessen haben“, sagt die Wirtin.

Wenige Meter oberhalb des Jägerhauses ist beim Hainholzhof ein Reitstall. Dort wird der genaue Startort sein, dort gibt es zwei spartanische Räume. Dieses Jahr sind die sogar beheizt. Dahin verziehe ich mich, bin dankbar für das gute Essen und ein wärmendes Dach, auch wenn es fürchterlich nach Pferd stinkt. Ausdrücklichen Dank ans Jägerhaus und an den Reitstall. Bernd, Barbara und Ingolf pennen im Auto. Tipp: Kontaktlinsenbehälter und Bierdosen warm lagern.

Samstag 4:30, die Unruhe reißt uns aus den Schlafsäcken. Schlange vor den zwei Klos. Es gibt auch Wasser, ein wenig, die Leitungen sind gefroren.

5:00 Frühstück im alten Tanzsaal. Die Heizlüfter können nicht angefeuert werden, aus dem hier geparkten Auto ist der gesamte Tankinhalt ausgelaufen. Das NDR-Team will nicht, dass  Musik angemacht wird, will Interviews. Doch wer hat Zeit zum Reden? Gedrückte Stimung, nur leises Gemurmel, belanglose Worte: „Wie fühlst du dich?“ – „Beschissen!“ Irgendwie hektisch, es gibt nicht die üblichen Fotos, jeder versucht Nahrung oder Kaffee aufzunehmen, das Frühstücksbuffet ist perfekt, aber wie jetzt was runterwürgen? Ausrüstung sortieren, Zeitpunkt abpassen, wenn wieder Wasser im Spülkasten eines der Klos ist.

5:45  Einschreiben in die Starterliste, keine Gepäckabgabe mehr.     

     
6 Uhr: Das Abenteuer beginnt

 

- 13 Grad, Schneegriesel. Stirnlampe an, los gehts. Kalt, mir ist so kalt. Auf den ersten sechs Kilometern keine Markierungen, also dranbleiben. Doch! Fackeln markieren den Weg bis Mackenrode. Kann nicht atmen, ist es zu kalt? Eher drücken die vielen Zwiebelschalen auf meinen Brustkorb. Und ein wenig äh ja, Respekt. Nein, ich habe Schiss, und der klebt mir die Bronchien zu.

Im Grenzlandmuseum liegt der originale Heissluftballon, der bei einer Flucht genutzt wurde. Tut jetzt nichts zur Sache, es ist nur kalt,  Angstschweiß und Rotz sammelt sich in langen Zapfen in Haaren und Bart, die Handschuhe sind klatschnass.

 
© trailrunning.de 53 Bilder

Landolfshausen km 11, die erste Verpflegungsstation. Das Sterbehospiz, einer der Spendenempfänger, kocht Tee, guten Tee, keinen künstlichen. Kamillentee. Es ist keine Zeit zum Sterben, für uns nicht, auch wenn ich total tiefgefroren bin und mir die Eiskristalle an den Wimpern kleben. Zum Glück habe ich ein zweites Paar Handschuhe, also drüber damit. Essen kann ich immer noch nichts, das könnte noch gefärlich werden.

Der Seeburger See, nächste Verpflegungssation bei km 16. Orangensaft mit heissem Wasser in meine Thermosflasche.  Der See, falls er unter der Eislandschaft zu sehen wäre, ist nur 3,5 Meter tief. Unter dem See lag ein Steinsalzlager, welches sich vor etwa 2500 Jahren auflöste und durch Nachsacken diesen See bildete.Die ganze Gegend weist Erdfälle und gefährliche Tiefen auf.  Die Brüder Grimm erzählen in der Sage vom Grafen Isang, wie ein Schloss hier in  der Erde verschwandt. Tatsächlich fand man im See Steine und Eichenbohlen, sowie einige Silbergefäße. Und die Altarstühle in Berenshausen sollen die Schenkung des Grafen sein.

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