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18.04.15 - Dreiburgenland-Marathon

Rauf und runter

Das Dreiburgenland liegt im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet, inmitten eines Dreiecks zwischen Deggendorf, Passau und dem Nationalpark Bayerischer Wald in einem scheinbar endlosen Ineinander und Hintereinander von Höhen und Tälern. Sobald man die Autobahn A3 verlässt und sich Richtung Osten in den „Woid“ schlägt, ist es vorbei mit flachen Geraden. Es geht eigentlich nur mehr rauf und runter und genau das erwartet uns auch beim Dreiburgenland-Marathon. Etwa 15 km liegt unser Veranstaltungsmittelpunkt Thurmansbang von der Autobahn entfernt.

Drei beeindruckende Waldschlösser standen bei der Namensgebung des Dreiburgenlandes Pate: Schloss Englburg, Schloss Fürstenstein und die alte Ritterveste Saldenburg. Bei allen drei Burgen sind allein die Außenbesichtigungen schon lohnenswert, hinein kommt man eh nur manchmal zu besonderen Anlässen.

Leider steht keines in unmittelbarer Nähe der Laufstrecke des Dreiburgenland-Marathon, bestenfalls die Schlösser Englburg und Fürstenstein sind in einigen hundert Metern Entfernung auszumachen. Das Wetter am Samstag ist sonnig und so statten Jan und ich den Burgen noch einen Besuch ab.

Als erstes geht‘s zur Saldenburg, sie liegt etwa 8 Kilometer von Thurmansbang entfernt und wird im Volksmund auch Waldlaterne genannt. Im Jahre 1368 erhielt Ritter Heinrich Tuschl zu Söldenau ein Lehen mit der Auflage, auf dem dabei gelegenen Berg eine Feste zu errichten. So entstand die Saldenburg („sälde“ steht für Glück, der Ritter hatte dies aber nicht). Seit 1929 dient das noch erhalten gebliebene Herrenhaus als Jugendherberge. Mir würde es sicher auch gefallen, hier zu übernachten. Mit Ihren 133 Betten zählt sie zu einer der schönsten und gepflegtesten ihrer Art. Ein noch höher gelegener Aussichtsturm neben der Burg bietet eine wunderbare Aussicht über die idyllische Mittelgebirgslandschaft des Bayerischen Waldes bis weit hinüber nach Tschechien.

Die beiden imposanten Schlösser Englburg und Fürstenstein sind von den mächtigen Grafen von Hals bei Passau zum Schutz des Bayerischen Waldes im 11. Jahrhundert erbaut und bereits mehrmals renoviert worden und daher noch in hervorragendem Zustand. Sie stehen in ca. 580 m Höhe auf Kristallgranit-Untergrund, einen guten Kilometer voneinander entfernt. Beide Schlösser sind heute im Privatbesitz und nur noch von außen zu besichtigen.

 
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Nachdem im Vorjahr auf der Marathon-Distanz ein deutlicher Teilnehmerrückgang zu verspüren war, hat sich erfreulicherweise die Anzahl der Marathonis heuer wieder mit über 70 Voranmeldern mehr als verdoppelt. Neben Marathon werden noch ein Halbmarathon und Läufe über 12,5 und 5 km angeboten. Bis auf den Marathon können alle Strecken auch im Nordic Walking absolviert werden, so versammeln sich hier jährlich immer etwa 300 Sportler. Zum 14. Mal wird der Lauf heuer ausgetragen.

Wer nachmelden will, das geht hier problemlos und ohne großes Aufheben bis kurz vor dem Start. Als erster Bewerb wird der Marathon um 10 Uhr gestartet, erst eine Stunde später der HM. So ist gewährleistet, dass kaum ein Marathoni später einmal von einem schnellen Halbmarathoni überrundet wird.

Die Zeitmessung erfolgt mit dem Laptop. Chip oder Transponder benötigt man bei der überschaubaren Teilnehmerzahl noch nicht. Der Marathon wird in zwei Runden gelaufen. Nach der ersten Runde wird die Zeit genommen.  An allen Verpflegungsstellen wird die Startnummer notiert. So haben Betrüger auf dem kaum kontrollierbaren Kurs keine Chance. Wer es besonders eilig hat, sollte beim Start ganz vorne stehen, es gilt nämlich die Bruttozeit. Bestzeitenfähig ist ein 21 km Rundkurs mit fast 500 Höhenmetern aber sicherlich nicht.

Streckenchef Edi gibt uns kurz vor dem Start noch einige Informationen mit auf den Weg: „Der Wald ist geräumt.“ Nach Sturm Niklas von vor gut zwei Wochen wurde die Laufstrecke aufwändig in vielen Stunden Handarbeit vom ihm persönlich gesäubert. Für Trailliebhaber wie mich hätten natürlich auch gerne ein paar größere Hindernisse liegen bleiben können. Pünktlich geht es los, die große Uhr der Zeitmessung zeigt uns bereits seit dem Morgen die verbleibende Restzeit bis zum Start. Mit 7 Grad zur Startzeit hat es in der Nacht deutlich abgekühlt, aber nach den heftigen Regenfällen bei der Anreise schaut der Himmel doch wieder richtig super aus: Bayrisch Weiß-Blau und mit erneutem Regen ist nicht zu rechnen.

 
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Nach Durchquerung von Thurmansbang bekommen wir auch gleich einen ersten Vorgeschmack auf die heutige Topografie der Strecke geboten. Auf den ersten zwei Kilometern sind bereits ein Drittel aller Höhenmeter pro Runde zu meistern, es wird heute im Prinzip nur rauf oder runter gehen. Alles nicht sonderlich steil, aber immer wellig. Anschließend verlassen wir auch gleich die befestigen Straßen und dürfen rein in den Wald. Wunderbar sind die Waldwege zu laufen, Edi hat die Wege wieder hervorragend präpariert und markiert. Jeder Kilometer wird mit einem Schild angezeigt. Feste Streckenmarkierungen sorgen im Übrigen dafür, dass die Runde jederzeit nachgelaufen werden kann.

Nach gut 4 Kilometer ist auch schon die erste Getränkestation erreicht. Wenig später geht’s links ab in die Prager Schikane. Die Trail-Passage hat ihren Namen nach einem Sportkameraden erhalten, den es hier bei einer der ersten Austragungen anständig zerbröselt hat. Mir taugt die Sequenz besonders und ich hätte liebend gerne mehr davon, vor allem weil es wieder einmal richtig schön bei mir läuft. Um bei meinen Fotos auch ein paar Mitstreiter abbilden zu können, bin ich heute deutlich schneller unterwegs, als ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Aber ich kann das Tempo ganz gut halten und so bleibe ich vorerst noch dran an den Kollegen.

 
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Bis etwa Kilometer 7 geht der Spaß, dann verlassen wir den Wald und der Boden unter den Füßen wird wieder härter, sprich: Asphalt ist die Unterlage auf den folgenden  Kilometern. Nach der Durchquerung des kleinen Weilers Altfaltern passieren wir einen Autofriedhof. Ein Anblick, den man so gar nicht mehr gewohnt ist. Auf einer riesigen Fläche stehen hier hunderte von Autowracks und warten …ja, auf was warten sie eigentlich? Ich weiß es nicht, wie das hier gehandhabt wird. Auf alle Fälle gibt es keine Einzäunung, man könnte sich problemlos bedienen.

Am Ende des Schrottplatzes biegen wir nach links auf die Staatsstraße FRG40. Da hier mit Straßenverkehr zu rechnen ist, werden wir per Schild angewiesen, auf der linken Straßenseite zu laufen. Aber man könnte das auch vernachlässigen, mir kommen auf den 5 Kilometern, die über die Straße führen, nicht mehr als eine Handvoll Fahrzeuge entgegen, meist auch nur Traktoren, die nicht mit größerem Tempo unterwegs sind. Aber auch der Abschnitt bleibt recht anspruchsvoll und auch kurzweilig, denn es geht natürlich …immer rauf und runter.

Bei KM 11 sind rechts der Strecke mit Adleraugen unsere Schlösser Englburg und Fürstenstein auszumachen. Wenig später wartet in Kollnberg die zweite Verpflegungsstelle auf uns, neben Wasser, Iso und Cola werden für Hungrige auch Bananen angeboten.

 
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Kurz nach dem „Museumsdorf Bayerischer Wald“ ist der Asphalt-Abschnitt beendet, am Dreiburgensee (KM 14) geht es wieder auf Naturwege. Wer sich die Hinweistafeln und auch Markierungen an Bäumen um den See näher ansieht, wird bestimmt auf ein Zeichen aufmerksam, das wie ein blaues „S“ aussieht. Hierbei handelt es sich um Zubringer, Rundwege oder Alternativrouten zum Goldsteig Premium-Fernwanderweg, der im Übrigen mit demselben Logo gekennzeichnet ist, nur in Gelb. Mit 660 Kilometern ist er der längste und vielseitigste unter Deutschlands Qualitätswanderwegen. Er führt durch die faszinierenden Mittelgebirgslandschaften des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes, dabei durch einen Nationalpark und fünf Naturparks.

Natürlich wird für besonders Hartgesottene auch hier ein verrückter Trail angeboten. Beim vom „Hexer“ Michael Frenz organisierten Goldsteig Ultra Race sind bei einem Zeitlimit von 192 Stunden die kompletten 661 km zurückzulegen, die auch noch 19.000 Höhenmeter im Anstieg aufweisen. Damit ist er auch Europas längster nonstop Ultralauf. Im Vorjahr waren im Übrigen 32 „Verrückte“ am Start, davon konnten fünf die Strecke bewältigen. Da brauchen wir uns heute über unser „Marathönchen“ nicht beklagen. Nächster Starttermin ist der 24. September. Na, wer hat Lust?

Nach halber Seenumrundung ist vor einem Biergarten die nächste VP3 aufgebaut, hier steht auch alkoholfreies Bier im Angebot. Trailig geht es weiter um das natürliche Ende des Dreiburgensees herum. Eine weitere Trinkstation erwartet uns 2,5 km später an der Bründl-Kapelle. Zum Wallfahrtskirchlein Maria Bründl pilgern schon seit vielen Jahrhunderten immer wieder Gläubige um mit der heilsamen Quelle ihre Augenleiden zu heilen. Meine Sehkraft ist noch einigermaßen ok, daher begnüge ich mich mit Cola, das hilft mir eher. Obwohl, es läuft für meine Verhältnisse immer noch ausgesprochen super. Ich warte ja eigentlich darauf, dass Jan mich von hinten aufrollt. Ihn konnte ich schon lange nicht mehr auf Distanz halten. Aber nix ist von ihm zu sehen, auch nicht beim Zieldurchlauf zur zweiten Runde.

 
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Am VP1 hat man aufgerüstet. Ich erkundige mich nach dem goldgelben Inhalt in den Bechern auf dem Tisch. „Das ist Bier, aber mit Alkohol“, bekomme ich zur Antwort. Ich opfere mich, bevor das Gebräu lack wird. Anton und Joe hätten es sicher nicht anders gehandhabt. Weiter geht’s mit meinen Lieblingsabschnitt durch die Prager Schikane. Von hinten kommt heute nix mehr, ich kann meinen Platz halten und bin total happy, auch wegen der Zeit. Aber vor allem, weil ich heute absolut beschwerdefrei unterwegs bin.

 
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970 Höhenmeter zeigt mir meine Uhr am Ende. Wirklich steil war‘s nie, aber wie gesagt: es geht nur rauf oder runter und ist schon recht anspruchsvoll. Aber es macht wirklich Spaß. Hinterm Zieleinlauf gibt es, wie bei Sportveranstaltungen mittlerweile gewohnt, alkoholfreies Weissbier, vor dem Eventzelt Gemüsesuppe gratis für alle Teilnehmer und dazu das herrliche Ambiente des Bayerischen Waldes. Da kommt man doch gerne wieder.

 

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