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18.06.17 - Ebbser KOASA-Marathon

Der Koasa hat es in sich

Mit „Koasa“ ist in Tirol mundartlich der Kaiser gemeint. Nein, nicht unser Kaiser Franz, obwohl der ja hier um die Ecke residiert, sondern das Kaisergebirge und das Kaisertal an der Grenze zu Deutschland, zwischen Kufstein und St. Johann. Es besteht aus zwei markanten Gebirgszügen, dem Wilden Kaiser und dem Zahmen Kaiser. Der größte Teil des Kaisergebirges ist Naturschutzgebiet und weder durch Straßen noch durch Seilbahnen erschlossen. Somit ideal für Trailrunner, wir wollen ja zu Fuß auf den Berg. Gelaufen wird auf den Wanderrouten und Trails des Zahmen Kaiser, in Sichtweite die hohen Felskronen des Wilden Kaiser.

Die wenigsten Läufer werden schon mal etwas vom Ebbser Koasamarsch gehört haben, obwohl heuer bereits die 48. Austragung stattfindet. War ja bisher auch eine reine IVV-Wanderveranstaltung, bei der man natürlich auch laufen darf, wie es Anton bereits einige Male praktiziert hat und vermutlich einige andere mit ihm auch. Seit heuer hat man zu den vier Wanderstrecken auch ganz offiziell noch drei Trailrunning-Distanzen hinzugenommen.

Königsdiszipin für uns Trailrunner ist der Ebbser KOASA-Marathon mit 44 Kilometern Länge und über 2100 Höhenmetern. Dazu ein Halbmarathon und der KOASA-Classic-Run mit 33 km und 1700 Höhenmetern. Auf den 21,1 km sind rund 1000 hm zu erkraxeln. Im alpinen Gelände des Kaisergebirges wird teilweise Trittsicherheit verlangt, so schreiben es die Veranstalter. Jan und ich sind für etwas Action jederzeit zu haben. Und darum sind wir hier.

Die Ortschaft Ebbs liegt nur wenige Kilometer von Kufstein entfernt. Die Autobahn-Ausfahrt, von Deutschland kommend, befindet sich noch vor dem früheren Grenzübergang Kiefersfelden-Kufstein. Das ist prima, somit erspare ich mir einen Pickerlkauf. Der Veranstaltungsmittelpunkt mit Start und Ziel liegt im Schulhof von Ebbs. Nicht schwer zu finden, weil er einschließlich mehrerer Parkplätze gut ausgeschildert ist. Viel ist am Samstagabend noch nicht los, die Ausgabe der Startunterlagen geht schnell und man braucht auch keinen längeren Aufenthalt einplanen.

Zwei Kilometer weiter haben wir uns einquartiert beim Sattlerwirt, ein wirklich tolles Hotel mit noch besserem Ausblick. Von unserem Zimmer haben wir direkten Blick auf die Gipfel des Zahmen Kaiser und die Anfangskilometer unserer Laufstrecke. Kann ich direkt weiterempfehlen.

Am Sonntag um 8 Uhr erfolgt der Massenstart für uns Marathonis – den gibt’s ja bei den Wanderstrecken nicht, hier kann man in einem Zeitfenster von 6 – 9 Uhr starten. Eine Stunde später starten gemeinsam der Halbmarathon und der KOASA-Classic-Run, wo dann vermutlich die Nachzügler mit uns zusammentreffen. Natürlich gibt es auch eine Zeitmessung. Etwas antiquiert ist der Chip, er wird noch mittels eines Klettbandes um den Fuß gebunden und muss im Ziel auch wieder abgegeben werden. Aber er funktioniert tadellos und das weiche Material des Bandes stört auch nicht am Fuß.

Da unser Zimmer im Sattlerwirt nur 5 Minuten vom Ebbser Schulhof entfernt liegt, müssen wir auch nicht viel Zeit einplanen um rechtzeitig zum Start vor Ort zu sein. Wirklich interessant finde ich das bunte und stylische Starterfeld. Sei es jetzt den Mann mit Hut, der ein paar außergewöhnliche Aufwärmübungen vollführt oder die Mädels in modischen und knappen Bustiers. Die Favoriten werden interviewt und viele lassen sich vor der Sponsorenwand fotografieren. Jan und mir fällt auf, die meisten sind doch deutlich jünger als wir. Auf der ausgehängten Startliste bestätigt sich unser Verdacht, wir hängen hier Jahre hinterher, das kann ja heiter bzw. einsam werden.

 

 
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Um Punkt 8 Uhr werden wir von Andi Moser vom OK-Team per Startschuss auf die Reise geschickt. Zehn Stunden, bis um 18 Uhr gibt man uns Zeit, um wieder hier zum Ziel zurückzukommen. Die junge Meute schlägt gleich ein irres Tempo an, mir kommt’s vor, als befinden wir uns in einem Sprintrennen. Nach ein paar hundert Metern erreichen wir am Ortsende von Ebbs bereits die Ausläufer des Zahmen Kaiser.  Auf einer Teerstraße geht es vorerst noch aufwärts. Vom Starterfeld vor uns ist kaum mehr einer zu sehen, nur noch ganz wenige gehen es auch etwas langsamer an. Ich kann mich nicht erinnern, das bei einem Lauf mit dieser Länge so extrem schon einmal erlebt zu haben. Ich komme mit Alice ins Gespräch, sie kommt direkt vom Montafon Totale Trail, der gestern stattfand. Eine Woche zuvor war sie beim Scenic Trail und ihr nächstes Ziel ist dann der 112er beim GGUT am Großglockner. Soviel Fleiß lob ich mir doch.

Nach etwa 3 km passieren wir die Markierung der Streckentrennung. Zu beachten sind heute farblich unterschiedlich gekennzeichneten Pfeile am Boden. Gelb für Marathon, Schwarz für den Classic-Run und Rot für den Halbmarathon. Die Marathon-Schleife führt uns in Richtung Walchsee. Die Wege und gelegentlichen Trails sind allesamt noch ohne große Schwierigkeiten. Am Berghof Zahmer Kaiser (km 8,7), unmittelbar nach den Liftanlagen sitzt ein einsamer Kontrolleur und notiert unsere Startnummern. Da ich mit Alice nur mehr eine Läuferin hinter uns vermute, hat er bald Feierabend. Noch etwa einen Kilometer geht es leicht aufwärts, bis wir die erste Spitze auf dem Höhenprofil erreicht haben und somit etwa 600 Höhenmeter eingesammelt haben.

Insgesamt 6 Verpflegungsstationen werden wir heute passieren, die erste erreichen wir nach 10,7 km an der Aschinger Alm. Wasser und Isogetränk, dazu Bananen werden angeboten. Angenehm zu Laufen sind die nachfolgenden vier Kilometer, bis auf ein paar Gegenanstiege geht es meist leicht bergab über abwechslungsreiches Terrain.

 

 
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Nach 15 Kilometern haben wir unsere Marathonschleife beendet, am steilen Anstieg zur Vorderkaiserfeldenhütte stoßen die Läufer und Wanderer der kürzeren Strecken wieder zu uns. Bei einem Gespräch heute Morgen vor der Streckenkarte im Startbereich konnte ich bereits vernehmen, dass jetzt der längste und steilste Aufstieg auf uns wartet. Jan und ich sind etwas mehr als zwei Stunden unterwegs. Den zwei Kilometer langen und supersteilen Aufstieg müssten wir in etwa einer halben Stunde bewältigen, um noch rechtzeitig das hier gesetzte Zeitlimit von 10.30 Uhr zu erreichen. Puuh, das wird aber eng, obwohl wir beide eigentlich der Meinung sind, gut unterwegs zu sein. Angeblich wird der Höhenweg Richtung Stripsenjoch nach 2:30 Std. gesperrt. Ob man da von Veranstalterseite her nicht etwas knapp kalkuliert hat?

Steil und wurzlig geht’s auffi und immer wieder Stufen, Stufen, Stufen. Das geht ordentlich in die Oberschenkel. Ein besonders prekäres, aber sehr reizvolles Stück an einer Felswand entlang ist mit einem Stahlseil gesichert. Allerhöchstens 30 Zentimeter ist der Pfad breit, vorsichtig ist hier geboten. Man muss sich aber nicht fürchten, sind vielleicht gerade mal 10 Meter die man am Seil entlang hangeln muss. Die Aussicht ins Tal ist großartig.

Schnell voran kommen wir hier nicht, an Laufen ist nicht zu denken. Die zweieinhalb Stunden sind längst durch, als wir aus dem Kaiserwald heraustreten und etwas oberhalb die Vorderkaiserfeldenhütte (1388 m) sehen können. Irgendwie ist‘s mir wurscht, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir aus dem Rennen genommen werden, das Limit ist meines Erachtens viel zu eng. An der dort installierten zweiten Labe gibt es Cola, Vitalstoffgetränke und Wasser zum Trinken. Das ist mittlerweile gut temperiert, dem Käfer macht das plantschen im warmen Wasser sichtlich Spaß. Wir sind nicht so zimperlich, der ungebetene Gast wird entfernt. Dazu werden uns auch Apfel- und Zitronenschnitze und Bananen angeboten. Wer es deftiger mag, die Hütte ist offen und bewirtschaftet. Für den Fall sollte man ein wenig Geld mitführen.

Irgendwie komme ich mit den Helfern dann doch bezüglich des Zeitlimits ins Gespräch. „Ihr seid noch auf der Marathonstrecke? Dann läuft ihr von hier auf eure eigene Verantwortung weiter“, bekomme ich als Statement. Das ist für Jan und mich ok, wir wären so oder so weitergelaufen, ob mit oder ohne Startnummer. Hier sollte man von Veranstalterseite nochmal drüber nachdenken, gegebenenfalls früher starten, sind ja nicht immer nur „Jungspunde“ am Start, sondern auch mal reifere ältere Herren.

 

 
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Für Halbmarathonläufer geht’s rechts ab, wir laufen geradeaus weiter. Nach etwa einem Kilometer kommen uns zwei Läufer entgegen. „Ihr seid falsch“ bekommen wir zu hören. Einer der beiden ist von der Bergwacht, der den Irrläufer zurückholt. Also, Kommando zurück. Für Jan und mich, sind das ca. 2 Extra-Kilometer und etwa 20 Minuten Zeitverlust. Somit haben wir auch die rote Laterne im Läuferfeld übernommen, Alice ist zwischendrin an uns vorbeigezogen. Zurück an der Abzweigung, müssen wir uns eingestehen, selbst daran schuld zu sein. Der gelbe Pfeil ist eindeutig, da hat uns wohl der breitere Pfad in die falsche Richtung gelockt. Aber noch einmal Glück gehabt, der Trail hätte uns ins Nirwana geschickt.

Knapp sechs reguläre Kilometer beträgt der folgende Abschnitt, der uns zu unserem nächsten Versorgungspunkt an der Hochalm führt. Dieser hat es aber gewaltig in sich, es gibt keine längeren Steigungen, aber immer wieder rauf und runter. Der Single-Trail ist technisch sehr anspruchsvoll und erfordert höchste Aufmerksamkeit. Meist laufbar, aber äußerst unrhythmisch. Unterhalb des Elferkogel und der Pyramidenspitze führt er immer am Hang entlang. Es geht über Wurzeln, Felsen, Steine und durch Geröllschluchten. Je höher wir kommen, umso grandioser wird die Sicht auf das unter uns liegende Kaisertal und den gewaltigen Spitzen des gegenüber liegenden Wilden Kaiser. Für mich eindeutig der läuferisch schönste Teil der Strecke.

Nach 4:20 Stunden erreichen wir die Hochalm (km 22,5).  Als erstes dürfen wir uns vor der Hütte frisches Quellwasser über den Kopf fließen lassen. Aber nicht davon trinken, mahnt uns der Hüttenwirt, das ist von der Umweltbehörde verboten, obwohl es bestes Gebirgswasser ist. Unsere Wasservorräte sind leer, wir benötigen dringend Nachschub.  Den bekommen wir ein paar Meter weiter an der offiziellen Station. Ein Liter Getränk ist in der Pflichtausrüstung vorgeschrieben und die haben, besonders bei den heutigen, hochsommerlichen Temperaturen absolut ihre Berechtigung.

 

 
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Über einen Wiesentrail geht es weiter, wir haben den letzten längeren Aufstieg bis zum Stripsenjochhaus vor uns. Mit uns macht sich ein Wanderer mit einem großen Rucksack auf den Weg, der immer an uns kleben bleibt, auch wenn wir an laufbaren Bergab-Passagen das Tempo erhöhen. Bei einem Gespräch stellt sich heraus, dass er der Besenläufer von der Bergwacht ist. Aber er ist sehr nett, macht auch Fotos von uns und folgt uns unaufdringlich.

Immer näher rücken die imposanten Spitzen des Wilden Kaiser in unser Blickfeld. Fleischbank, Totenkirchl und Predigtstuhl nennen sie sich unter anderem. Auf etwa 1580 Meter haben wir unseren höchsten Punkt erreicht. Vor uns liegt das Stripsenjochhaus (km 25,6), das 1902 fertig gestellt wurde. Das Haus sitzt auf dem Stripsenjoch wie eine Burg. Es markiert den Übergang von Kaiserbachtal und Kaisertal und ist der Schnittpunkt zwischen Wildem und Zahmem Kaiser. Die exponierte Lage macht das Haus zu einem alpinen Verkehrsknotenpunkt.

Vor dem Haus ist die Getränkestation. 25 Grad hat es mittlerweile, da darf das Trinken nicht vernachlässigt werden. Der Bergwachtmann stattet seinen Kollegen im Haus einen Besuch ab, wir nutzen die Chance und machen uns aus dem Staub.

 

 
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Dreieinhalb Kilometer liegen nun vor uns, die es wieder gewaltig in sich haben. Es geht abwärts ins Kaisertal. 700 Höhenmeter in einem Rutsch auf einer steinigen Piste. In kurzen Serpentinen und treppenartig abgestützt von Brettern, die oft auch noch mehr als 10 cm über den Schotter ragen. Nur mit ganz kleinen Schritten kann ich irgendwie einen Rhythmus finden um einigermaßen in Schwung darüber zu kommen. Sehr unangenehm.

Am Hinterbärenbad, auch Anton-Karg-Haus genannt, ist der steile Downhill beendet, wir können wieder Getränke aufnehmen. Den interessanten Namen hat das Hinterbärenbad seiner Lage zu verdanken. Auf 829 m Höhe liegt es an einer besonders schönen Stelle des Kaiserbachs. Der Überlieferung nach kühlten sich hier bis ins 19. Jahrhundert die Braunbären an heißen Sommertagen durch ein Bad.

Nach einer kurzen Waldpassage geht unser Abwärtsdrang weiter. Eine gepflegte Schotterstraße führt uns über viele Kilometer mäßig steil und daher gut laufbar, weiter hinab ins Tal. Jan hat einen Hänger, ihm fehlt Wasser, er muss daher abreißen lassen. Kurz vor Kufstein aber nochmals Treppen. Ich kann den Aufstiegshilfen heute nichts mehr abgewinnen. Am untersten Ausläufer des Gebirges und Kaisertals macht unser Kurs eine Spitzkehre. Am Talboden des Zahmen Kaiser geht es im Schatten zurück nach Ebbs.

Die letzten 3 Kilometer im Tal dürfen wir noch in der prallen Sonne zurücklegen. Viele Wanderer sind jetzt auf den letzten Kilometern noch unterwegs, so kann ich heute doch noch jemand überholen. Nachdem ich ja praktisch wegen Überschreitung des Cut Offs schon aus dem Rennen war, kann ich noch fast eine Stunde unter dem Zeitlimit das Ziel erreichen. Erwartet werde ich im Zieleinlauf von niemand mehr …außer der Dame, die meinen Chip einsammelt.

 

 
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Die Siegerfeierlichkeiten sind schon längst vorbei, es ist nicht mehr viel los. Ich freue mich jetzt auf etwas Deftiges. Hier leider auch Fehlanzeige, der Grill wird nicht mehr befeuert, alles ist ausgegangen. Mit so einer hohen Teilnahme hat man wohl nicht gerechnet. Fast 220 Trailrunner auf den drei Laufstrecken und insgesamt über 700 Meldungen mit den Wanderern sorgen für einen neuen Teilnehmerrekord.

 

 

Die Strecke ist superschön, der Koasa hat es wirklich in sich und ist nicht leicht zu bewältigen. Nächstes Jahr werden auf der Marathonstrecke die österreichischen Trail-Meisterschaften ausgetragen, diesen Ansprüchen kann der KOASA-Marathon locker genügen. Ein paar Verbesserungen gibt es meiner Meinung nach noch durchzuführen. In erster Linie wären das deutlich mehr Pfeil-Markierung am Boden. Jan und ich waren uns doch einige Male unsicher, ob wir überhaupt noch auf der richtigen Strecke sind. Insbesondere schnellere Läufer werden hier sicher auch nicht zufrieden gewesen sein. Aber die Richtung stimmt, dem Koasa für Trailrunner gehört die Zukunft.

 

Informationen: Ebbser KOASA-Marathon
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