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20.07.13 - Eiger Ultra Trail

Fixstern am Trailhimmel

Eiger Ultra Trail (EUT): 
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Wenn immer ich ihn sah, ergriff mich eine schauerliche Ehrfurcht. Sein Anblick und das, was ich über ihn wusste, jagten mir immer wieder einen kalten Schauer über den Rücken. Einiges wusste ich aus Erzählungen, das meiste jedoch aus einem mit Schwarz-Weiß-Fotos bebilderten Buch meines Teenager-Onkels: Weiße Spinne, Todesbiwak, eiskalte Nächte, Erfrierungen und Todesstürze. Eine gruselige Faszination ging von ihm und seiner Nordwand aus. Ich bin mit dem Eiger als Mythos aufgewachsen und obwohl die alpinistische Entwicklung dem Berg in der öffentlichen Wahrnehmung Zähne gezogen hat, hat er für mich diesen Status bewahrt.

Nicht so richtig in dieses Bild einordnen konnte ich die Meldung, als es einen neuen Rekord für das Durchsteigen der Nordwand gab. Im Februar 2008 verbesserte der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck seinen eigenen Rekord auf der Heckmair Route und erreichte den Gipfel nach 2 Stunden 47 Minuten.

Die Ultraläufer im deutschsprachigen Raum sind gut vernetzt. Kaum eindeckt einer eine neue Veranstaltung, wissen die anderen dank sozialer Medien innert Kürze davon. Bestes Beispiel war der Eiger Ultra Trail. Die Kunde seiner Lancierung machte in Windeseile die Runde. Kaum erfuhr ich davon, klickte ich mich auf die Website und erfuhr, dass die 100km mit 6700 Höhenmetern härter seien als die Eigernordwand solo zu durchklettern. Worte aus dem Mund ebendieses Ueli Steck, Botschafter für diese neue Laufveranstaltung. Das ist schon mal eine Ansage.

Je weiter ich das Tal der Schwarzen Lütschine hochfahre, desto augenscheinlicher wird es, dass diese Premiere akribisch vorbereitet wurde. Immer wieder begegne ich Hinweisen auf die Veranstaltung und in Grindelwald selbst grüßt ein großes Banner über der Straße: „Welcome Trail Runners“.

Zu diesem Empfang kommen noch die Komponenten Kindheitserinnerungen und Rückkehr ins Berner Oberland, Heimat meiner Vorfahren, und das Treffen einer Menge von Läuferbekanntschaften. Die dreieinhalb Stunden zwischen Ankunft und obligatorischem Briefing vergehen allzu rasch.

 
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Die Startnummer gibt es nach der Kontrolle der Pflichtausrüstung. Die Augen der Prüfer sind streng, besonders die Regenjacken erfüllen nicht alle den vorgegebenen Standard. Wer durchkommt wird mit dem Vertrauen entlassen, dass er morgen all diese Dinge auch dabei hat. In der Startertüte, einem modischen „Shopping Bag“, sind nebst Gutscheinen und Werbung auch ein Funktionsshirt, ein Buff, ein Stirnband und ein reflektierendes Armband, das morgen ab 21.00 Uhr getragen werden muss.

Vor elf Jahren lief ich anlässlich des Jungfrau Marathons meinen ersten Marathon überhaupt. Weil es davon keinen Bericht gibt und ich erst vor ein paar Jahren in den Besitz des Geographischen Lexikons der Schweiz  aus den Jahren 1904/5 gelangte, streue ich diesmal Wissenswertes aus diesem historischen Dokument zu den verschiedenen zu durchlaufenden Orten ein.

GRINDELWALD (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken). 1057 m. Gem. und Pfarrdorf, mit zahlreichen im obern Kessel des Grindewaldthales zerstreut gelegenen Häusergruppen, zu beiden Seiten der Schwarzen Lütschine und in einer an Schönheiten reichen Hochgebirgslandschaft; … während der Saison zahlreiche Verkaufsläden. Grindelwald eignet sich wegen seines gemässigten Klimas, sowie seiner windgeschützten, sonnigen und nebelfreien Lage zum Sommer- wie auch zum Winterkurort. Zahlreiche Gasthöfe, die zusammen mehr als 1000 Fremde beherbergen können…

Diese Fremdenbetten wären heute von den Teilnehmern der drei Bewerbe E16, E51 und E101 belegt und deren Begleitpersonen müssten schauen, wo sie unterkämen. Im Kongresssaal finden die 450 Mutigen, die den langen Kanten auf dem Programm haben, gerade Platz, um sich beim Briefing die wichtigsten und neusten Informationen geben zu lassen und die Macher des Anlass kennenlernen zu dürfen. Alle sind gespannt, für welche Strecke sich Ueli Steck entscheiden wird. Er bleibt dabei, der E101 ist für ihn härter als die Nordwand solo, und nimmt die Startnummer für den E51 entgegen. Ich kaufe ihm das so nicht ab, habe aber alles Verständnis, dass er die Verletzungsgefahr auf der langen Strecke für sich als zu groß betrachtet.

Eine Kombination von Aufregung und lärmenden Nachtschwärmern lässt mich die wenigen Stunden bis zum Aufstehen unruhig schlafen. Auch wenn es lange dauern wird, bis ich mich wieder ins Bett legen kann: Ich bin bereit, von mir aus kann es losgehen. Ohne Ahnung wie, aber mit der Hoffnung, dass es trotz leichter Beschwerden in der Achillessehne gut gehen wird, trabe ich um 05.00 Uhr im hinteren Teil des Feldes los, hinein in die Morgendämmerung, hinein ins Vergnügen.

 
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Die einzelnen Etappen sind häppchenweise portioniert und zum Beginn gibt es einen acht Kilometer langen Aufstieg zur Grossen Scheidegg.

SCHEIDEGG (GROSSE) 1961 m. Sehr bekannter und stark begangener Passübergang im Berner Oberland, führt von Grindelwald zwischen dem NW.-fuss des Wetterhorns und dem Grindelwald Schwarzhorn hindurch in 7 Stunden nach Meiringen. Guter Saumweg vom Hotel Wetterhorn (1 Stunde hinter Grindelwald)bis zur Station der Drahtseilbahn nach den Reichenbachfällen. Grindelwald – Passhöhe (mit Gasthof) 3 Stunden. …

Der Zeitplan gönnt uns höchsten zweieinhalb Stunden und ich bin gespannt, ob ich auf diesem ersten Teilstück schon eine halbe auf das Zeitlimit heraus laufen kann. Obwohl der Wanderweg schmal ist und wenig Platz zum Überholen lässt, gibt es kein Gedränge und Geschubse und kann ich mich im Wohlfühltempo bewegen. Es bleibt auch Zeit und Raum, um im Schatten des Passes zu verfolgen, wie die Bergspitzen eine nach der anderen von der morgendlichen Sonne berührt werden.

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