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20.07.13 - Eiger Ultra Trail

Fixstern am Trailhimmel

Das erste Mal ins Sonnenlicht hinaustreten kann ich unmittelbar nach der Verpflegung auf der Grossen Scheidegg. Es verstärkt die Urlaubsgefühle, in welchen ich schon schwelge, und treibt mich an.

 
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Der Weg auf den nächsten fünf Kilometern bis First ist einfach zu belaufen und erlaubt es, das herrliche Panorama in der Morgensonne ausgiebig zu genießen. Das gelingt nach der dortigen Verpflegung weniger. Hinunter nach Bort gibt es auf vier Kilometern 600 Höhenmeter abzubauen, da empfiehlt es sich, die Füße konzentriert voreinander zu setzen.

Für einmal ist es umgekehrt: „Wie zerronnen, so gewonnen“, heißt es nach der erneuten Verpflegung bei der Bergbahnstation. Auf Wiesen, durch schönen Wald und zum Schluss auf steilem Bergpfad geht es wieder dorthin, woher wir eben gerade kamen. Da oben ist mittlerweile richtig was los.

 
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Die zwei Stunden nach uns gestarteten Läufer des E51 sind auf dem Durchmarsch. Sie haben diese Schlaufe nicht eingebaut, womit sich bei der Verpflegung die beiden Felder für die nächsten dreißig Kilometer vermischen.

Zusammen mit Japanern und anderen Touristen geht es zum Bachsee, Endstation Wanderautobahn, über welchem im Hintergrund das Faulhorn grüßt. Es gibt einen Wanderweg entlang des Sees direkt dorthin, doch wir sind nicht im Klassenlager, also geht es um den Reeti und das Simelishorn herum. Jetzt wird es - nicht nur wegen der zu querenden Schneefelder - so richtig alpin unter den Füßen.  Auf den acht Kilometern dieses Teilstücks gibt es nur 350 positive und 450 negative Höhenmeter zu meistern, womit ein flotter Trab bis zum nächsten Verpflegungsposten und Cut Off bei Oberläger Bussalp möglich ist.

 
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Von den Beinen her ist nach diesen 30 Kilometern alles im hellgrünen Bereich. Wenn ich mich aber weiter mit nach hinten,  zur Prachtskulisse des Oberländer Dreigestirns, gedrehtem Kopf weiterlaufe, handle ich mir eine Genickstarre ein. Aber auch der Blick nach vorne und oben hat seine Tücken. Das Gasthaus auf dem Faulhorn scheint so nah und ist doch so fern, zudem verschwindet es mehr und mehr im aufziehenden Nebel. Der Weg zum höchstgelegenen Punkt der Strecke beschreibt einen Bogen, auf welchem auch noch Schnee liegt, bevor der nächste Etappenort in Griffweite liegt. Mit der Bergpreiswertung habe ich definitiv nichts zu tun, aber es gibt Blumen für alle. Auf beiden Seiten des Weges leuchten die zierlichen Boten des Bergfrühlings, dann kommt der Schlussanstieg vor der Zeitnahme auf dem Faulhorn.

 
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FAULHORN 2683 m. Gipfel in der nach ihm benannten Gebirgsgruppe zwischen Brienzersee einerseits, Grindelwald und Grosser Scheidegg andererseits, ein schon seit vielen Jahren oft besuchter Aussichtspunkt. Wird gewöhnlich von Grindelwald über das Wirtshaus Waldspitz auf einem guten Maultierpfad in 4 ½ Stunden bestiegen, kann aber auch auf gutem Weg von der Schynigen Platte aus in 3 ½, vom Hotel auf der Grossen Scheidegg aus über die schönen Rasenflächen der Grindalp in 4 Stunden…erreicht werden. Etwas s. unter dem Gipfel in 2672 m ein kleiner Gasthof. Prachtvolle Aussicht, deren Glanzpunkt das wunderbare Hochgebirgs- und Gletschergebiet zwischen Wetterhorn und Blümlisalp bildet.  ...

Im Anschluss auf die Verpflegung folgt das mit elf Kilometern längste Teilstück nach Schynige Platte. Für die ganz harten Socken mögen die Gebirgswege mit Schneefeldern kein Thema sein, für meinen Begriff sind ein paar recht technische Passagen darin enthalten, welche meine volle Konzentration fordern. Deshalb schalte ich ein paar Zwischenstopps ein, denn die Aussicht auf den kleinen Sägistalsse und hinab zum 1400 Meter tiefer liegenden Brienzersee mit seiner charakteristischen Färbung lasse ich mir nicht entgehen. Der Weg ist so richtig nach meinem Gusto und erlaubt mir ein zügiges Vorwärtskommen. Oder liegt es daran, dass hier im zarten Alter von sechs Jahren bei mir der Grundstein zu meiner heutigen Begeisterung fürs Trailrunning gelegt wurde? In umgekehrter Richtung war dieser Streckenabschnitt die erste Etappe einer dreitägigen Wanderung nach Meiringen, welche fest und gut in meinem Gedächtnis hängengeblieben ist.

 
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Auf dem dritten Drittel entlässt uns die Bewölkung in die Sonne; Sommersonne, Mittagssonne, die auch auf über 2000m unerbittlich sein kann. Dafür ist der Rundblick großes Kino. In eine Richtung Brienzer- und Thunersee und die Stadt zwischen den Seen, Interlaken; in die andere die Krone der Berner Alpen.

SCHYNIGE oder SCHEINIGE PLATTE 2070 m. So heisst einer der Drei Gipfelpunkte am WSW.-Ende der Faulhorngruppe. Liegt unmittelbar sö. über Interlaken, mit welchem Fremdenzentrum er durch eine 10.6 km lange elektrische Zahnradbahn verbunden ist. … um die Endstation Schynige Platte in 1970 m Höhe zu erreichen. Hier steht ein Hotel, dessen Terrasse bereits eine prachtvolle Aussicht auf die Bergriesen des Berner Oberlandes bietet. …

Die Wärme setzt mir zu, vielmehr meinem Magen. Es ist früher Nachmittag und in meinem Wasserbauch entwickelt sich ein Bärenhunger. Den Verpflegungsplan habe ich zwar genau studiert und die Bestückung der einzelnen Posten mit Iso, Wasser, und verschiedenen Gels und Riegeln sowie teilweise mit Brot, Käse, Trockenfrüchten, Schokolade und Biberli ist reichhaltig. Ich habe allerdings zu wenig bedacht, dass ich bei höheren Temperaturen schlecht auf funktionale Sportlernahrung anspreche. Mein Vorrat an Cola ist aufgebraucht und des Ultraläufers Lieblingsgetränk wird leider erst ab Burglauenen angeboten, womit ich mich bis dort mit Wasser und meinem Notproviant durchschlagen muss. Also verlasse ich Schynige Platte mit einem Ernährungsdefizit, dafür mit mittlerweile zwei Stunden Zeitpolster.

 
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Keine neun Kilometer sind es bis Burglauenen, aber die haben es in sich. 1200 Höhenmeter abwärts, von denen jeder einem Robinson und seinem Kalender gleich eine Kerbe in den Oberschenkeln hinterlässt. Dafür, dass die nicht die einzigen Leidtragenden sind, sorgt der neu mit spitz gebrochenem Alpenkalk geschotterte und bleibende Eindrücke auf der Fußunterseite hinterlassende Wirtschaftsweg.  Damit nicht nur die Physis zu beißen hat, gibt es einige ausgesetzte, mit Seil gesicherte Passagen. Herunterschalten muss ich da nicht, da ich sowieso gemütlich unterwegs bin und mich von einem Damenteam des E51 anstecken lasse und mir in einem schattigen Waldstück auch eine kurze Sitzpause gönne.

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