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06.07.13 - Montafon Arlberg Marathon

Der Anton in St. Anton

Schon im letzten Jahr habe ich mit Patric vereinbart, dass wir zusammen etwas Besonderes zu machen und ich ihm sprichwörtlich die Hand reiche, wenn es schwierig werden sollte. Denn Patric ist ein Handicap-Runner mit spastischer Lähmung.

Den Montafon Arlberg Marathon habe ich vorgeschlagen, weil er von den Höhenunterschieden leichter ist als der Bündner Marathon oder der an der Jungfrau. Das Spezielle ist natürlich die Streckenführung: Du läufst von Silbertal nach St. Anton am Arlberg, von Vorarlberg nach Tirol, von einem kleinen Ort zu einer gerade im Winter brodelnden Schicki-Micki-Gemeinde. Aber im Sommer siehst du hier nur Wanderer, die Ruhe suchen auf den Wegen ins Verwall oder auf dem Arlberg.

Am Nachmittag zuvor reise ich nach St. Anton an. Rechnet für eine Anreise mit mehr Zeitbedarf, besonders wenn ihr über München, Garmisch und dem Fernpass anfahren wollt. Da ist meist hohes Verkehrsaufkommen. Wenn ihr euch dann im Inntal Richtung Landeck orientiert und die Arlberg Schnellstraße vor dem mautpflichtigen Tunnel verlässt, dann sind es nur mehr einige Kilometer bis zum Zielort.

 
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Ob man jetzt in St. Anton oder in Silbertal übernachtet, ist eigentlich egal. Wer am Startort sein Domizil aufschlägt, kann am Vortag auf spezielle Art Kohlehydrate bunkern, denn es werden saurer Käse mit Kartoffeln (Sura Kees Party) aufgetischt. Nach dem Lauf muss man dann halt mittels öffentlicher Verkehrsmitteln (mit Gutschein kostenlos) zurückfahren (1,5 Stunden Zeitbedarf). Oder man übernachtet in St. Anton, dann steht man halt etwas früher auf und fährt mit Bahn und Bus zum Start. So halte ich's.

Als Service können Startnummer und Zeitmesschip im ARLBERG-well.com hinterlegt werden. In der Starttüte sind daneben noch einige nützliche Sachen wie Schwamm, Riegel, Gutschein für die Beförderung und Funktionsshirt enthalten.

Im Jahr 2002 taten sich beide Gemeinden zusammen, um eine sportliche Veranstaltung zu lancieren. Dass es dabei kein Straßenlauf werden sollte, sondern ein Rennen in den Bergen, war von vorneherein klar. Und dass man nicht über den Arlberg-Pass laufen wollte, sondern entlang der Berge durch das hintere Silbertal zum Silbertaler Winterjöchli und hinunter durchs Verwall, die logische Konsequenz. Natur pur, kein Autoverkehr, aber professionelle Organisation sind die Ziele, die man sich ins Handbuch geschrieben hat. Und die man auch akribisch verfolgt, so viel verrate ich schon mal.

Bei der ersten Veranstaltung war ich bei Sonnenschein dabei und konnte dabei gleich einen Pokal als Dritter der Klasse mit nach Hause nehmen. Aber heute ist der Job nicht nur fotografischer Art, sondern auch meinen Freund Patric gesund über die Strecke zu bringen. Dass er läuferisch im Flachen stärker ist, hat er in Rodgau bewiesen. Aber wenn er Hilfe braucht, wird er auf mich warten.

Bei meinem Rundgang in St. Anton dominiert die 1698 geweihte Kirche das Ortsbild. Das katholische Gotteshaus wird auch Mariahilf genannt. Sie wurde zu Ehren des Hl. Franziskus und des Ortspatrons Antonius von Padua geweiht. Und an letzteren müsst ihr denken, wenn ihr mal etwas verloren oder verlegt hat, denn der Schlampertoni, so der Spitzname des Heiligen, soll helfen.

 

Vor dem Start in Silbertal

 

Zum Transfer von St. Anton nach Silbertal werden zwei Züge angeboten. Der eine fährt kurz nach sechs in der Früh, der andere eine gute halbe Stunde später. Und da staune ich schon mal nicht schlecht: Kein Regionalzug kommt aus dem Tunnel, sondern ein EuroNight. Wer vorne einsteigt und noch eine freie Pritsche erwischt, kann auf der Fahrt nach Bludenz eine halbe Stunde schnarchen. Das gemeine Volk sitzt hinten im Abteil, ratschend, was der Tag bringen soll.

 
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Und der Tag im Klostertal (westlich des Arlbergpasses) beginnt heiter, denn keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Nach zwei Mal umsteigen stehe ich am Feuerwehrhaus in Silbertal, wo schon Moderation, Musik und Hinweise zum Laufgeschehen durchgegeben werden. Die letzten Nachmeldungen werden getätigt. Eine gute Idee ist die Online-Nachmeldung bis kurz vor dem Renntag, denn da sind noch 50, 60 Meldungen eingegangen. Eine hohe Zahl an Sportlern, die das Wetter noch abgewartet haben, aber die Daten sind dann wenigstens schon erfasst.

Das Gepäck wird beschriftet und in den bereitstehenden Lkw verladen. Eine Hüpfburg wurde aufgebaut und Kinderschminken ist möglich. Kurz vor dem Start werden noch Geltüten ausgegeben, es wird eifrig zugegriffen.

Fünf Bewerbe sind ausgeschrieben: Der Marathon über die klassische Distanz zum Hineinschnuppern in die Berge (so meine Auffassung), der Marsch sowie der Speed Hiking Bewerb auf kurzem Weg nach St. Anton über 32 Kilometer, der Panoramalauf über 20 Kilometer (Start in St. Anton) sowie Kinderläufe (hier in Silbertal). 550 Sportler sind zusammengekommen, eine gute Zahl.

 

Einlaufen in Silbertal

 

Ganz unspektakulär ist der Start. Wir werden aufgerufen, uns in die Startzone zu stellen. Aber nicht mit Blick in die Berge, sondern talauswärts Richtung Schruns. Ein Schuss und gut 200 Marathonis machen sich auf den Weg von Vorarlberg nach Tirol, auch wenn auf den ersten zwei Kilometern die Richtung total verkehrt ist. Der Umweg ist nötig, damit auch die 42,195 Kilometer zusammenkommen. Gäste und Einheimische feuern uns an.

 
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Genau nach zwei Kilometern biegen wir links ab. Übrigens, markiert ist jeder zweite Kilometer. Und es ist zu lesen, wie viel Weg wir noch zurücklegen müssen und wie viel Kilometer schon hinter uns liegen. Eine Steigung gibt uns schon erste Höhenmeter als Aufgabe, der Kreislauf springt an. Wenige Teilnehmer legen schon einen Wanderschritt ein.

Nun stimmt unsere Laufrichtung. Hinter der Kirche zum Hl. Josef und Nikolaus rennen wir talabwärts zur Kristberg-Bahn, die Touristen auf den Kristberg transportiert. Der Ortsteil auf 1400 Meter Höhe ist ganzjährig bewohnt. Dort oben wurde nach einer Rettung verschütteter Bergknappen im 15. Jahrhundert die Bergknappenkapelle Hl. Agatha errichtet. Ein Besuch lohnt.

Ein paar Meter danach durchlaufen wir das Starttransparent. Die jungen Buam und Madln haben sich zum Abklatschen hingestellt, immer weiter hinein in die Strecke, dass du fast nicht vorbeikommst, dir aber doch die Zeit nimmst, die Hand herauszuhalten.

Hinter dem Feuerwehrhaus können wir bereits verpflegen: Wasser, Iso, Säfte mit Wasser verdünnt, später Cola, Obst, Manner-Schnitten, verhungern braucht da keiner, zumal alle fünf Kilometer diese Tankstellen benützt werden können. Und wer seinen Rüssel nach der Kuh in die vielen Bäche halten will, auch kein Problem. Bei moderater Steigung endet der Asphalt bei der Freilichtbühne und die Straße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Nur mehr Biker, Wanderer und Personal auf den Hütten werden wir zu Gesicht bekommen.

 

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