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26.08.12 - Moormarathon

Weder See noch Land

Autor: Klaus Duwe

Voran, voran, nur immer im Lauf,  voran, als wollt es ihn holen; von seinem Fuße brodelt es auf,  es pfeift ihm unter den Sohlen wie eine gespenstige Melodei.

Was wird das denn für ein Laufbericht? Schon die Einleitung ist geklaut.  Annette von Droste-Hülshoff wird es mir verzeihen.  Die Zeilen stammen aus ihrem Gedicht „Der Marathon im ….“, äh, sorry, „Der Knabe im Moor.“ Vielleicht spielt es sogar hier im Goldenstedter Moor, denn die Dichterin stammt aus Münster, und das ist nicht weit weg . Goldenstedt liegt bei Vechta (ca. 10 km) zwischen Oldenburg und Bremen.

Nie im Leben wäre ich hier her gekommen, gäbe es diesen Marathon nicht. Neu ist der Lauf nicht, er wird in diesem Jahr schon zum 10. Mal ausgetragen. Tja, liebe Jubiläumssammler, da habt ihr was verpasst. Das kann passieren, wenn ein Veranstalter so wenig Aufhebens darum macht. Wenn ich daran denke, wie andere alle 5 Jahre auf den Putz hauen.

Das muss an der Mentalität der Leute hier liegen. Die ziehen das Ding hier durch, als wäre es das Normalste der Welt, von Hektik keine Spur.  400 Teilnehmer alles in allem, inklusive der Kinderläufe, das haut einem sonst nicht vom Hocker. Wer mit seiner Berichterstattung nur einen viele Klicks versprechenden Link auf der Veranstalterseite im Sinn hat, kann zu Hause bleiben und tut es auch.  So kommt es, dass man am Streckenrand nur die regionale Presse trifft und auf der Strecke 70 Hardcore-Marathon-Runner, von denen allerdings sieben und ich vorzeitig nach einer Runde aussteigen.  Nicht, dass sich eine zweite Runde nicht lohnen würde. Ganz im Gegenteil. Aber jeder hat so sein Alibi.

Das Ganze spielt sich im Haus im Moor in der Arkeburger Straße ab. Man kann gerne schon samstags anreisen und mit der Moorbahn eine kleine Rundfahrt machen. Genau genommen muss man das machen. Wenn man nach 90 Minuten wieder zurück ist, hat man viel erlebt, sich halbtot gelacht und die gleiche Gelassenheit wie die Einheimischen.

Die Bahn fährt nur einmal am Tag, um 15.00 Uhr. Bei Massenandrang gibt es Sonderfahrten. Heute ist Massenandrang, die Sonderfahrt muss aber entfallen, weil gleich nach der Rückkehr die Bahngleise teilweise mit Torf zugeschüttet werden, damit die Läufer am Sonntag verletzungsfrei finishen können.

 
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„Ihr kommt von weit her, Ihr könnt noch mit“, wird uns mitgeteilt.  Zwischen lauter Leuten, die mit wenigen Ausnahmen alle noch viel älter sind als wir, finden wir tatsächlich noch Platz in einem der fünf Wagen, Marke Eigenbau. Im Schritttempo geht’s los. Beim ersten Halt mitten im Moor, dort wo Flucht zwecklos ist, wird abkassiert. 5 Euro pro Nase.  Der nächste Halt ist nicht eingeplant. Der letzte Wagen ist aus den Gleisen gesprungen. Alles aussteigen.  Zug- und Fremdenführer bringen den Leichtbau  mit nur wenig Mühe wieder auf die Spur - alles Routine.  Beim nächsten Halt ist ein Fußmarsch von 300 m angesagt. Das ist zu viel, einige bleiben lieber sitzen. Als wir zurück sind, bin ich sicher: Der weite Weg hat sich schon jetzt gelohnt.

 
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Sonntagmorgen, 8.00 Uhr. Eine Stunde vor dem Start trudeln die ersten Läufer ein. Parken kann man noch gegenüber dem Haus im Moor, später auf einer präparierten Wiese mit anschließendem 150 m Fußmarsch. Die Startunterlagen hat man ruck-zuck, den Rat, die Nummer wegen des Einwegchips nicht zu knicken, inklusive. Duschen, Umkleiden und Gepäckdepots, alles dicht beieinander. Irgendwann gibt es Musik und der Moderator nimmt seine Tätigkeit auf. Die Moorhexen fegen den Startbereich sauber, dem Bürgermeister wird eine kleine Leiter gerichtet, von der aus er den Startschuss abgibt. Der Lauf durch’s  Moor beginnt.

 
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Gestern habe ich gelernt, dass das Goldenstedter Moor zur Diepholzer Moorniederung gehört, das eine der bedeutendsten Moorlandschaften in Deutschland ist. Es ist ein Hochmoor, das entsteht, wenn mehr Regenwasser fällt, als abließen oder verdunsten kann. Eine wichtige Funktion bei der Bildung von Mooren haben die Torfmoose. Durch den Wasserstand und den Sauerstoffmangel ist die Stoffproduktion dieser Pflanzen größer als ihr Abbau. Nach und nach bildet sich Torf und das Moor wächst in die Höhe. Daher auch die Bezeichnung Hochmoor.

Übrigens, Torfmoos ist eine wahre Wunderpflanze. Es kann das 25fache ihres Gewichtes an Wasser speichern, ist also ein wahrer Schwamm. Früher legten die Mütter Torfmoos in die Windeln ihrer Kinder. Denn, wer hat’s gewusst, Pampers gibt es erst seit 1973 in Deutschland.

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