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21.08.10 - Mountainman

Vom Moor gen Abend

Kaum hatte ich seinerzeit die Ausschreibung für den ersten Mountainman gelesen, stellte ich mich Klaus als Berichterstatter für die Premiere zur Verfügung. Auf was ich mich bei dem gemäß Werbung längsten (81km) und härtesten Traillauf (4920 Höhenmeter)in der Schweiz einlasse, ahnte ich damals noch nicht.

„Moment mal“, höre ich sagen, „da gibt es doch einen noch längeren Trail in Verbier“. Stimmt, der ist noch länger und packt nochmals 2000Hm drauf, aber er führt ein Stück über italienisches Gebiet. Damit kann er sich nicht dieser Exklusivität rühmen.

Das mit der Härte ist eigentlich relativ. Im Falle des Mountainman jedoch nicht. Absolut hart ist das vom Tageslicht um diese Jahreszeit vorgegebene Zeitlimit  von 14,5 Stunden. Diese Einschränkung hatte ich noch nicht gebührend berücksichtig, als ich mich für diesen Reportereinsatz in die vorderste Reihe stellte.

Obwohl die Startnummern auch noch am Samstag in der Früh ausgegeben werden und der Gutschein für das Pastaessen auch dann noch eingelöst werden kann, reise ich schon am Freitagabend nach Alpnachstad. Bei der Talstation der Pilatusbahn, der steilsten Zahnradbahn der Welt, erhalte ich die Starttüte mit verschiedenem Werbematerial und einer Mountainman-Mütze und unterschreibe die Ehrenerklärung, dass ich mich an das Reglement halte, welches auch eine Pflichtausrüstung vorgibt.

Bevor ich mich in die für eine bescheidene Gebühr gebuchte Massenunterkunft in Alpnach zurückziehe, habe ich noch Zeit, mich im sich laufend vergrößernden Kreis von Bekannten aus der Laufszene  bei einer Auswahl leckerer Pastagerichte gemütlich niederzulassen.

 

Vorabend und Start

 

 
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Es dauert lange bis ich endlich einschlafe. Ich schlafe unruhig, wache immer wieder auf, vor allem aber habe ich ziemlich schräge Träume. Kein Wunder, schon seit längerer Zeit macht mir die knapp bemessene Zeit für den bevorstehenden Monsterlauf Sorge und beim zeitigen Aufstehen verspüre ich ein leicht flaues Gefühl im Magen.

Kurz nach halb sechs Uhr bin ich bereit zur Abfahrt nach Ämsigen, der Mittelstation der Pilatusbahn. Es ist ein sonderbares Bild, wie sich die Schar der Ultras in der Dunkelheit in den altehrwürdigen Waggons mit Pullmann-Ambiente steil den Berg hochfahren lässt, wo beim Aussteigen die Morgendämmerung über dem Vierwaldstättersee zu bewundern ist. Viel Zeit, um diese Morgenstimmung zu verfolgen, bleibt uns nicht. Es sind noch eineinhalb Kilometer Fußmarsch bis zum Start auf der Chretzenalp, zuerst in Serpentinen den Hang hoch, dann auf einer Forststraße hinunter. Schon jetzt bin ich im Zeitdruck. Gemäß den Angaben meiner Uhr bleiben mir bis zum Start nur noch drei Minuten, doch ich bin noch ein Stück von der Startlinie entfernt. Der letzte Ankömmling reiht sich schließlich gerade mal fünfzehn Sekunden vor dem Startschuss hinten ans Feld.

Auch in anderer Hinsicht hat der Start etwas Besonders: Zum ersten Mal überquere ich eine Zeitmessmatte unmittelbar neben einem Schweinepferch. Steinböcke, die touristisch und marketingtechnisch besser zum Mountainman passen würden, sind eben erst zum Gipfel des Pilatus hin zu sehen. Pflichtbewusst stehen sie seit 50 Jahren dort, so dass die Touristen sie aus der Zahnradbahn heraus beobachten können.

Die Bergtauglichkeit dieser mit lateinischen Namen „Capra ibex“ bezeichneten Wildziege ist noch nicht gefragt, denn die ersten Kilometer sind harmlos, mit sanftem Gefälle, geteert und breit genug. Wenn es aber so lang so locker bleibt, dann wird die Rechnung später präsentiert. Es gilt also einzuteilen. Jetzt nur nicht übertreiben, aber auch nicht bummeln. Carpe diem capra ibex, sozusagen.

Das erste Schild mit Kilometerangabe zeigt die Fünf. Irgendwie kann ich das nicht glauben. Meine Mathekenntnisse reichen aus, um mit Bestimmtheit sagen zu können, dass ich niemals mit einem solchen Kilometerschnitt unterwegs bin. Mein lautes Denken wird von einer angeblich gut unterrichteten Quelle mit dem Hinweis quittiert, dass der Marsch von der Mittelstation zum Start in diesen fünf Kilometern inbegriffen sei. Damit ist zumindest der Zeitdruck um ein paar Minuten reduziert.

 

Aemsigen bis Glaubenberg

 

 
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Bald schon tauchen vor uns lange Schatten auf dem Boden auf und die Bäume und taunassen Weiden werden in das Licht der Morgensonne getaucht. Nicht nur auf den Gräsern und Blättern liegt viel Feuchtigkeit, auch die Luft ist damit gut gesättigt. Die erste Verpflegungsstelle kommt also gerade zum richtigen Zeitpunkt. Danach dauert es nicht lange und das nächste, bereits zweistellige Kilometerschild taucht auf. Bis hierher würde ich den Lauf eher als Landschaftslauf bezeichnen, doch rein rechnerisch weiß ich, dass ich den wahren Charakter des Mountainman dafür in komprimierter Form erleben werde.

 

Informationen: Mountainman
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