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13.09.14 - P-Weg Marathon

Grenzerfahrungen

Autor: Joe Kelbel

Als 1976 die Idee eines Rundweges um Plettenberg im Sauerland geboren wurde, ahnte man noch nicht, dass eine uralte Tradition wiederauflebt: Der Schnadegang. Am Schnadegang (Schnade = Schneise= Grenze) nahmen schon mal mehr als 10.000 Bürger teil, die Anwesenheitspflicht wurde mit Speis und Trank schmackhaft gemacht. An den Getränken lag es dann wohl, dass es zu ausufernden Prügeleien zwischen den Gemeinden um die Grenzen kam

Karten gab es noch nicht, Grenzsteine erst ab dem 17.Jahrh.. Doch die wurden gerne versetzt. Eine wichtige Rolle bei den Grenzfestlegungen spielten Kinder und Jugendliche, die man als Zeugen der nächsten Generation hinzuzog.  Damit sie sich die Grenzmarken ja gut merken, gab es für jede Markierung ein paar Ohrfeigen. „Schreib dir das hinter die Ohren!“, sagt man heute noch.

1817 verboten die Preussen den Schnadegang wegen „Verübung mehrerer grober Exzesse“. Die Katastererfassung der Preussen erübrigte sowieso den Schnadegang.

Nun wird wieder gekämpft. Nicht um die Gemeindegrenze, sondern auf dem Grenzweg, und der ist 73 Kilometern lang. Seit meiner letzten Teilnahmen ist der P-Weg  länger geworden, man gönnt uns zusätzlich einen Teil der besonders reizvollen Halbmarathonstrecke.

Die Verpflegung ist gleich der im Mittelalter: Schmalzbrote, Kuchen, Haribo, Cola, Erdinger und Iso. Alle Einwohner der Gemeinde Plettenberg sind wie damals in die Veranstaltung  involviert und machen daraus ein atmosphärisch dichtes und bestens organisiertes Ultraevent. Es gibt kaum eine Laufveranstaltung mit mehr Partystimmung.

Der Zeitmessungschip ist in der Startnummer integriert, die Staffelläufer (neuer Wettbewerb) erhalten ein Fussband mit dem Transponder. Es gibt noch Marathonläufer, HM-Läufer, Walker und sonntags die Mountainbiker. Samstagnachmittags sind die Kinderläufe und spätabends, das ist auch neu, die 5 km Jugendläufe mit Stirnlampen. Ein echtes Highlight und eine sehr gute Idee!

 

Der Lauftag

 

 
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Während des 30-jährigen Krieges mussten die Spanier in Plettenberg 38 Wochen versorgt werden. Mir reicht schon das Frühstück in der  „Alten Feuerwache“, wo ich gefühlt 600mal auf meine Haxen angesprochen werde. Dabei sind doch nur 140 Ultras gemeldet. Bitte,  zwingt mir um diese Zeit kein Gespräch auf, die Nacht im Auto war schlimm genug.

Zwar ist die Versorgung (alle 5 k ) bestens, aber 73 km mit 2000 Hm sind kein Pappenstiel für jemanden, dem man vor einem Jahr nicht mal mehr die Chance für einen Halbmarathon gegeben hat. Entsprechend unsicher stehe ich kurz vor 7 Uhr unter dem Startbogen.

Der erste Anstieg hoch zur Tanneneck ist nach 2 km geschafft. Der Sauerländer sagt nie: Ich habe Durst! Ein Sauerländer hat Brand wie ne Bergziege! Deswegen ist die Bergziege das Maskottchen des P-Weges. In schnellem Tempo geht es nun hinunter zur Lenne.

 
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Vom Felsen oberhalb des Flusses stürzte sich einst ein Burgfräulein auf der Flucht vor dem wilden Ritter Dietrich in den Fluß, es ist der Jungfernsprung.

Auch dort oben ist die Burg Schwarzenberg. Zwei gefangene  Raubritter gruben den Brunnen. Als sie auf Wasser stießen, durften sie wieder nach oben und fielen im Sonnenlicht tot um. Sonnenlicht wird es heute nicht geben, aber schaurig-schöne Nebelbilder.

Nördlich der Burgruine, ist der  Engelbertstuhls. Hier ist eine sitzartige Vertiefung im Felsen, wo Graf Engelbert von der Mark sich nach seinen Kämpfen ausruhte. Kurzes Ausruhen für uns in Pasel (km 5) am ersten VP.

Zweiter Aufstieg, sehr steil. Oben, bei Hohenwibbecke, einem Ort, der nur aus einem Wohnhaus und einer fünfstelligen Postleitzahl besteht, verfängt sich der Nebel in tausenden von Netzen der Baldachinspinne. Vera verfängt sich am VP, Peter hat Mühe sie loszureissen. Schnell passieren wir den Grenzstein der Landkreise HSK, MK und OE. Die Laufstrecke versinkt im herbstlichen Nebel, irgendwo ist der Hommert, ein fieser Berg.

 
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Nach der Passhöhe zwischen Lenne und Sorpetal führt die Strecke extrem schnell hinunter nach Blemke. Von nun an geht es entlang der Lenne. Am anderen Ufer befindet sich die ehemalige Bleierzgrube Neu Glück. Sie kann besichtigt werden. Hier mündet auch die  von Plettenberg kommende Else in die Lenne.

Immer wieder hat man eine beeindruckende Sicht in die Fabrikhallen der metallverarbeitenden Mittelstandsbetriebe. Imposante Maschinen auf meterhohen Regalen.

Dann ein traditioneller Abstecher, weg vom Uferweg ins Seniorenzentrum St. Joseph. Dieser  Umweg ist einfach der Hit. Allerdings haben dieses Jahr, wohl wetterbedingt, nur wenige Alte Freigang, aber die freuen sich umso mehr und bejubeln uns Verrückte.  

Der nächste Umweg führt ins Spaßbad AquaMagis. Echte Palmen und zwei 128 Meter lange Wasserrutschen weisen uns den Weg, der, weil ja Trail, über Schutt, Dreck und durch Wasserlachen auf dem unvollendeten Parkplatz führen muss. Dann folgt die traditionelle Gerüstbrücke, die matschige Liegewiese und schon sind wir wieder am Uferweg. Klasse.

Imposant die 1914 gebaute Fischbauchbrücke, die ihren Namen von den nach unten gebogenen Stahltträgern hat. Es sind die Reste der 1969 stillgelegten Bahnstrecke Herscheid-Plettenberg.

Das rote Springkraut raubt mir die Luft. Es sieht zwar gut aus, wie es die Ufer überwuchert, ist aber ein im 19.Jahrhundert importierter Fremdling aus Indien. Die giftigen Blüten nutzt die Pharmaindustrie als Brechmittel. Kein Wunder,  bei diesem Gestank. Ich finde heute ein anderes Mittel.

Hinter dem Ortsteil Ohle wechseln wir wieder die Flussseite und schauen links hinauf auf die Bergkuppe des Sundern (375m) mit der Hühnenburg, etwa 700 n. Chr. von den Sachsen gegen die vordringende Westfranken erbaut.

Am anderen Ufer Schloss Brüninghausen (14. Jahrh) und wieder Wechsel der Flussseite. Kurzer Blick auf die  Stahlbrücke (1920) bei Hilfringhausen, die den Obergraben überbrückt. Die Brücke hat eine Holzfahrbahn, ist geschütztes Kulturgut, so wie es die lustigen Helfer, die uns den Weg zum dritten Anstieg zeigen. 

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