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14.09.13 - Sardona Ultra Trail

Wer lesen kann ist klar im Vorteil

 
Gaffia


Wir laufen weiter nach oben, überholen, werden überholt und landen letztlich am VP Gaffia. Der kommt für mich früh, aber wir nehmen ein paar Bananen und trinken anstandshalber, bevor das Zeug schlecht wird. Dann ziehen wir weiter. Der Anstieg zum Baschalvasee macht richtig Spaß. Alpiner Trail, nicht mehr und nicht weniger. Ab und zu brechen durch die Sonneneinstrahlung Eiszapfen aus den Wänden, was sich zunächst wie Steinschlag anhört. Ich bin mir nicht sicher, ob ich lieber vom Stein erschlagen oder von einem Eiszapfen gepfählt werden möchte. Deshalb suche ich mal schnell das Weite.

 
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Von See zu See

 
Am Baschalvasee mache ich Fotos und trödle rum. Diese Seen hier oben haben was. Jeder ist anders, manchmal tiefgrün, manchmal stahlblau, ich will länger bleiben. Gleichzeitig möchte ich ja auch an Gerhard dranbleiben, aber gar keine Fotos zu haben ist auch Kacke. So beginne ich nach jedem vertrödelten Foto eine Aufholjagd zu meinem "Pacemaker".

Hoch zum Schwarzsee wird's jetzt richtig kalt, der Wind pfeift uns um die Ohren, mein lieber Scholli. Die Pfoten frieren mir ab, bin aber dennoch zu bequem, die Handschuhe aus dem Rucksack zu holen. Ich bin zu verschwitzt und das Abnehmen des Rucksacks macht bei dieser Kälte keinen Spaß, zudem würde jetzt jede Pause das Zeitkontingent unnötig strapazieren. Also leide ich und beschwere mich nicht.

 
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Runter zum Schottensee laufen wir wieder in der Windstille. Wieder traumhaft dieser See, unbeschreiblich schön und schon wurmt es mich, dass ich hier irgendwelchen Zeiten hinterherrenne. Die ersten Marathonis rauschen von hinten ran und ich lasse alle artig und mit Applaus vorbei. Außer einem, der kürzt den Hang komplett durch die Botanik ab. Alle anderen schimpfen ihm hinterher und weisen ihn zurecht, aber vergebens, der ist schon weg. Was tut man nicht alles für ein paar Sekunden, da müssen schon mal ein paar geschützte Pflanzen dran glauben. Manche kapieren es einfach nicht. (Übrigens, ich weiß Deine Startnummer.)

Dann geht's 100 Höhenmeter rauf zum Wildsee und dem Latvinasattel entgegen. Die Steigung ist schwierig zu laufen, es liegt 15cm Schnee und die Steine sind glitschig. Zudem kommen viele Wanderer von vorne und permanent Marathonis von hinten. Mittlerweile laufen auch noch Halbmarathonis auf. Es wird eng, die Pizolbahn ermöglicht zudem eine nahezu barrierefreie Eroberung des Terrains.

Der Wildsee hat ein tiefes Blau und ich mache viele Fotos. Streckenposten der Bergwacht schicken uns in Richtung Latvinasattel und dabei umrunden wir ihn - traumhaft, wenn's nur nicht so kalt hier oben wäre. Mit Laufen ist's erst mal nix, zu schmierig das Ganze, aber gut gehbar. Wir queren ein großes Geröllfeld. Die Steine sind mit Schnee und Eis überzogen und ich folge einfach dem Vordermann. Wir stapfen über den schneebedeckten Latvinasattel auf 2597m. Die ersten 100 Meter des Abstiegs sind aufgrund der Schneedecke und dem Frost nochmal sehr speziell. Danach verläuft der Weg in Serpentinen nach unten. Die Wege sind schön, aber schwer zu laufen. Schnell bin ich nicht, aber ich komme voran.

Bis zum nächsten VP Batöni (1536m) laufen wir ganz hinab ins Tal. Den nächsten Gegenanstieg zum Muetertalsattel sehe ich nicht gerade mit Wohlwollen entgegen. Dieser Berg vor mir baut sich mit jedem Meter, den ich nach unten laufe,  immer mehr vor mir auf. Jeden Höhenmeter, den ich jetzt verliere, muss ich nachher wieder hoch, aber das ja der Sinn des Ganzen. Ich habe kein Zeitgefühl und mich interessieren auch keine Zeiten. Ich weigere mich konsequent auf die Uhr zu schauen, kann sein, dass wir an der Zeitbarriere scheitern, kann aber auch sein, dass wir gut in der Zeit liegen. Ich weiß es nicht, ist auch egal, es ändert nichts.

Wir laufen weiter talwärts Richtung Batöni an Stofel vorbei, Gerhard ist weiter vorne und hat sich bedingt durch meine ständige Fotografiererei abgesetzt. Die Gegend ist traumhaft und unten angekommen erwartet mich ein VP, auf den ich mich zugegebenermaßen schon freue. Zuerst die Zeitnahme. "Noch 15 Minuten zum Cutoff" offenbart mir der nette Mensch, der meine Startnummer protokolliert. Das sitzt. Habe ich so lange getrödelt? 18km und knapp +1600 Höhenmeter in über 4 Stunden. Na, das könnte auch schneller gehen, aber das ist ein Schnitt von 4,2 km/h und das wäre ausreichend. Den VP suche ich vergebens. Eine Schachtel mit Riegeln und Gels steht rum, Wasser gibt's aus dem angrenzenden Gebirgsbach. Selbstversorgung ist der neue Luxus.

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Informationen: Sardona Ultra Trail
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