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15.11.15 - Special Event

Olympia-Alm-Crosslauf München: Back to the Roots

In November 2014 fand zum ersten Mal ein Crosslauf im Olympiagelände in München statt. Dieses Jahr stand das Event nicht im Laufkalender, so war für mich lange nicht klar, findet der Cross statt oder war es eine Eintagsfliege. Doch bereits im Frühherbst fanden sich erste Hinweise auf eine Neuauflage.

Im letzten Jahr hatte ich viel Freude mit dem ganzen Umfeld des Laufes. Du bist oberhalb von Schwabing, blickst vom Olympiaberg hinunter, kannst mit ein wenig Glück bis in die mit Schnee angezuckerten Alpen schauen, kannst in der Olympia Alm einkehren und vielleicht noch in der Olympiaschwimmhalle baden. Alle Wege sich offen.

Der Crosslauf, eine Unterart von Trailrunning? Jeder hat da so seine eigene Definition. Auf jeden Fall ist es ein Heidenspaß. Du läufst zwar nicht eine große Runde oder von A nach B, beim Cross musst du eher mehrere Runden drehen, bis du deine Kilometer zusammenhast. Eintönig ist die Rundendreherei nicht, denn immer wieder kommst du beim Start und Ziel vorbei, wo die meisten Zuschauer stehen. Und wenn der Streckenverantwortliche mitdenkt und den Kurs gut aussteckt, dann können die Zuschauer die Strecke fast zur Gänze einsehen. Ideal ist eine Rundenlänge von etwa 1000 Meter mit einem kurzen Startzubringer und einem kurzen Zielkanal.

Was bringt mir als Läufer denn der Cross? Bei einer ersten Teilnahme mit Sicherheit einen gehörigen Muskelkater, wenn viele kleine Steigungen und Richtungswechsel eingebaut sind. Doch die Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Koordination wird gut geschult beim Springen über Stock und Stein und vielleicht stellt der Veranstalter gleich noch ein paar Strohbüschel als Hindernis auf die Strecke. Der schnelle Läufer geht meist im Spätherbst und im Winter auf den rustikalen Untergrund und misst sich mit seinesgleichen. Auch für den ambitionierten Läufer und Freizeitläufer bietet sich eine Teilnahme an. Du bekommst garantiert schnelle Beine und es ist eine schöne Abwechslung vom Lauf auf Asphalt und vielleicht der Einstieg zum Trailrunning.

 
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Was braucht es zum Cross? Mit Trailschuhen ist man schon gut dabei. Wer noch ein paar Euro investieren will, der sollte sich Spikes anschaffen. Da kannst du verschieden lange Nägel in die Sohle schrauben, je nach Beschaffenheit des Untergrundes. Auch ist es möglich, mit kurzen Nägeln im Sommer auf der Tartanbahn schnelle Einheiten zu laufen. Nur, an Spikes muss man sich gewöhnen. Ansonsten ist ein Crosslauf ein günstiges Vergnügen. Die Teilnahme kostet in der Regel deutlich unter zehn EUR. Bei Hindernisläufen werden bis zu 50 EUR abgenommen.

Der Förderverein Leichtathletik & Events München als Veranstalter hat gegenüber 2014 einige Änderungen vorgenommen und erwartet dadurch rund 300 Teilnehmer. Insgesamt werden sieben Rennen auf zwei verschieden langen Runden ausgetragen. Leider kann ich keine Bilder liefern vom ersten Rennen, wo Läufer in Dirndl und Lederhosen barfuß unterwegs waren. Wir können nur noch einige Sportler sehen, die ihre Auszeichnung, ein Lebkuchenherz in Fußform, stolz umhertragen. Drei Rennen sind dem Nachwuchs vorbehalten, es ist sogar eine Schulmeisterschaft im Crosslauf ausgeschrieben.

Die Läufe der Erwachsenen bieten gerade auf der Mittelstrecke (3300 Meter) und auf der Langstrecke (6600 Meter) internationale Klasse. Mit Richard Ringer, Martin Grau, Manuel Stöckert und Joseph Katib sind gleich mehrere Deutsche Meister gemeldet. Das größte Feld mit knapp 100 Crossern wird sich auf die acht Runden des Jedermanncross über 8800 Meter messen. Da werde ich mitmischen, zumal in diesem Rennen eine Klassenwertung vorgesehen ist. Die Schnupperläufer dürfen sich dagegen auf der Mittelstrecke austoben.

Parkplätze findet man entlang der Ackermannstraße. Bis 2014 hat man da die Langstreckler beim München Marathon losgeschickt. Dann marschierst du einfach den Olympiaberg hoch in Richtung Aussichtspunkt und siehst dann das Laufgelände in einer Senke liegen.

Zwei Minuten später erhalten wir in Sekundenschnelle unsere Startnummern. Und weil man sich weiterentwickeln will, drückt uns die Helferin einen Wunschzettel in die Hand mit der Frage, ob es einem gefallen hat, wie man auf den Cross aufmerksam geworden ist und was man verbessern kann. Eines kann man nicht verbessern, das Wetter. Es ist zwar windig, aber trocken und für die Jahreszeit rekordverdächtig warm, von 20 Grad sind wir nicht weit weg. Die einlaufenden Sportler und die Jugendlichen an der Startlinie sind fast ausschließlich in kurz-kurz gewandet. 

Genau um 12.00 Uhr muss dann Henriette Appel ran. Sie darf zusammen mit den Mittelstrecklern

auf den Kurs gehen. Ob das Zusammenlegen mit den Schnupperläufern sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen, da sind die Teilnehmer gefragt. Auf jeden Fall wird es auf den drei Runden zu etlichen Überholmanövern kommen. Der Start erfolgt pünktlich und die Sprinter machen sich gleich auf und davon. Mit Kraft und Eleganz ziehen die um die Kurven und springen über die Strohbüschel. Henriette kämpft sich tapfer und ausdauernd über ihre Runden und belegt dann später zu ihrer Überraschung den vierten Rang. Mit Glück wäre da noch Edelmetall gegangen. Aber sie wollte Spaß und den auch genossen. Zumindest konnte ich sie immer lächelnd vorbeilaufen sehen.

 
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Dann werden die Eliteläufer aufgerufen. Knapp 30 Crosser, darunter nur fünf Frauen, stehen an der Startlinie. Nach dem Geläut von Kuhglocken beginnt die Stampede über sechs Runden. Lange laufen Richard Ringer und Manuel Stöckert Kopf an Kopf an der Spitze, Endisu Getachew und Bastian Grau verlieren frühzeitig den direkten Kontakt zu den Führenden. Erst in der letzten Runde kann sich Ringer von Stöckert absetzen. Bei den Frauen läuft es auf ein Fotofinish hinaus, das Julia Kick mit sieben zehntel Sekunden Vorsprung gewinnt. Kurios am Rande: Einer der Deutschen Meister scheitert an einem Strohballen, kommt ins Straucheln und stürzt mit einem Gegner zu Boden. Die Folge: Rippenprellung und Aufgabe. Wer also meint, nur Anfänger fallen, liegt falsch.

Und dann muss ich im letzten Lauf des Tages ran. Eine Woche vorher konnte ich in Ingolstadt meine Crosssaison beginnen, doch ob schon die schweren Beine vom Indoor Marathon Geschichte sind, wird sich gleich zeigen. Start, ich komme gut weg und bin schon erstaunt, dass ich mich im vorderen Feld behaupten kann. Nach ein paar Schritten wendet sich der Kurs nach links. Erste kleine Steigung hoch zu einem Wäldchen, wo der erste Strohbüschel übersprungen wird. Bei den 100, 150 flachen Metern könnten wir nach links unseren Blick zum Olympiasee und zum Olympiastadion schweifen lassen, doch jetzt wäre das fatal. Der Boden verlangt Konzentration, denn immer wieder sind unebene Stellen und Löcher zu sehen, auch einige Wurzeln könnten dir den Fuß legen.

Wir umrunden eine Skulptur, anschließend wieder einen Hügel, an dessen Ende ein paar Wurzeln warten. Mit Schwung geht es wieder hinunter, dann biegen wir auf der Grasfläche wieder rechts ab. Leicht bergauf warten nun sogar zwei Strohballen zum Überhüpfen. An Ende drehen wir um einen Baum, dann rennen wir wieder parallel hinunter. Mit einem Rechtsbogen müssen wir eine weitere Steigung erlaufen, wo nach dem höchsten Punkt ein weiteres Strohhindernis wartet. Die erste Runde mit 1100 Meter ist gleich geschafft. Der Moderator treibt uns weiter. Rechts steht eine mitlaufende Uhr. Knapp unter fünf Minuten, es ist zu schnell. Ich muss den Drive etwas herausnehmen.

Die nächsten Runden verlaufen etwas ruhiger. Überholmanöver halten sich in Grenzen. Doch dann passiert mir kurz nach dem Wäldchen im Bergablauf ein Missgeschick. Ich habe für ein paar Sekunden meinen Straßenlaufschlappschritt drauf und die langen Nägel meiner neuen Spikes

werden an einem dichten, aus dem Boden herausragenden Grasbüschel jäh gebremst. So, dass ich nach Sekundenbruchteilen quer in der Luft daherkomme. Die Landung ist nach einem seitlichen und schlampigen Radumschlag wenig grazil, dafür wegen des trockenen und weichen Boden nicht hart. Mein Verfolger reißt die Augen auf, als ich ihm fast zu seinem Füßen liegend anschaue. „Wenn du liegst, musst du aufstehen und weitermachen“ sage ich nur. Ich rapple mich hoch und bin nach 20 Sekunden wieder an ihm dran.

Dann häufen sich die Überholmanöver. Viele Teilnehmer eines Spartan Race haben die Billigvariante eines Hindernislaufes gewählt. Der Erlebnisfaktor ist hier genauso hoch. Ich kann sogar ein jüngst verheiratetes Pärchen überholen.  Meine Rundensplits dauern nun knapp über fünf Minuten. So ist es ein leichtes, die acht Runden vorschriftsgemäß abzuspulen, denn zählen musst du selbst. Erst in der vorletzten Runde überholt mich Ulrike Mayer-Tancic, die ebenfalls eine Woche vorher die Treppen hinauf und hinunter gerannt ist. Nur mit einigen Sekunden Abstand erreiche ich das Ziel. Rieke wird zweitschnellste Frau, gewinnt natürlich ihre Altersklasse und bei mir steht ebenfalls eine 1 vor der Altersklasse. Ha, mit dem Erfolg habe ich nicht gerechnet.

Nach einer kurzen Erholung mache ich mich auf eine langsame Runde zum Auslaufen. So kann ich noch ein wenig das Rennen beobachten und den einen oder anderen fotografieren. Zurück am Start hat Henriette ein Weißbier geordert. Genau richtig.

 

Mein Fazit:

Liebe Organisatoren, macht so weiter. Der Kurs ist abwechslungsreich, bietet alles, was es zum Cross braucht. Vielleicht könnte man beim nächsten Mal ein Zielgetränk anbieten. Das ist das einzige, was mir zur Verbesserung einfällt.

Wer sich informieren will:

www.olympia-alm-cross.de.

 

Ergebnisse findet ihr da:

www.trackmyrace.com/running/event-zone/event/olympia-alm-crosslauf/.

 

Na, wie wäre es? Neugierig auf einen Cross? Beim Blick in den Laufkalender werdet ihr sicher fündig .

 


 
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