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29.05.13 - Special Event

Tenzing-Hillary Everest-Marathon: Der höchste Marathon der Welt

Start auf 5364m Höhe im Basecamp des Mount Everest und ein 10-tägiges Hochgebirgstrekking, um überhaupt die Startlinie zu erreichen – das sind beeindruckende Daten des höchsten Marathons der Welt, der jedes Jahr am 29. Mai in Erinnerung an die Erstbesteigung des Mount Everest durch Sir Edmund Hillary und den Sherpa Tenzing Norgay in Nepal durchgeführt wird. Dieses Jahr wurde im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums der Erstbesteigung parallel der „60 K Extreme Ultramarathon“ veranstaltet. Ein Laufabenteuer mit vielen Highlight, aber auch unerwarteten Herausforderungen.

Einen Marathon zu laufen, ist eine anstrengende Sache. Dennoch ein Traum, den sich viele LäuferInnen erfüllen möchten und häufig auch erfüllen. Bei einem Marathon in über 5000m Höhe zu starten, kann sich kaum jemand vorstellen. Ungeheuer erscheint die Höhe, zu gewaltig das Gelände und extrem die Strecke zum Startpunkt. Und dennoch versammeln sich Jahr für Jahr rund einhundert Abenteurer aus der ganzen Welt in Nepal und machen sich gemeinsam auf den Weg. Manche von ihnen werden es nicht einmal zur Startline schaffen…

 

Get together & Kulturschock


Mitte Mai ist es wieder soweit. Zum dritten Mal in Folge mache ich mich auf den Weg zum Everestmarathon. Inmitten der quirligen Stadt logieren wir die ersten zwei Tage in einer ehemaligen Palastanlage mit parkähnlichem Garten. Der Ort ist gut gewählt und gleicht einer Oase der Ruhe mit schönem Pool. Hier finden die erste Athleten-Zusammenkunft und ein ausführliches erste Briefing statt. Man trifft auf spannende Menschen mit spannenden Geschichten. Pressevertreter, Tourismusminister und weitere Politiker sorgen für den offiziellen Touch. Expeditionstaschen werden ausgeteilt, in die wir all unser Hab und Gut für das bevorstehende Laufabenteuer unterbringen sollen. Maximal 15 kg, das muss reichen für die nächsten zwei Wochen.

Motivation und Aufbruchstimmung liegen in der Luft. Schon jetzt ist zu spüren, dass hier neue Freundschaften entstehen. Danach verstärkt eine Stadtrundfahrt den Eindruck, dass wir uns in einer völlig anderen Welt bewegen. Für manche deuten sich bereits hier zögerlich Grenzerfahrungen an. Das Essen ist so unterschiedlich, die Kommunikation und das Miteinander auch. Wenn man einem Nepali eine konkrete Frage stellt, erhält man oft keine oder ein sehr unklare Antwort, oder eine Antwort, auf eine Frage, die man gar nicht gestellt hat. Das betrifft mitunter auch Details zum Marathon etc. Wer nach Nepal reist, sollte das aushalten können. 


Gefährlichster Flughafen der Welt


Morgens um fünf ist die Nacht vorbei: Gepäck und Ausrüstung organisieren, Permits vorbereiten, auschecken, Flughafentransfer. Noch kann man atmen in dieser ansonsten abgasgeschwängerten Stadt. Das Treiben im Flughafen ist einmalig. Rein gar nichts scheint hier (nach unseren Maßstäben) zu funktionieren, aber irgendwie geht dennoch alles seinen Weg und all die Menschen und Waren in die Lüfte und finden ihren Bestimmungsort. In unserem Fall ist das Lukla, ein kleines Bergdorf in 2800m Höhe. Nach Lukla kann man nur „auf Sicht“ fliegen und wenn das Dorf in Wolken gehüllt ist, dann heißt es „Lukla is closed“, Lukla ist geschlossen. Dieses Jahr haben wir gutes Wetter und bereits beim ersten Anlauf Glück. Der Flug und die Landung sind spektakulär, nichts für schwache Nerven. Willkommen auf einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt.

 

Expeditions-Feeling


Kurz nach der Landung wird uns direkt ein schwarzer Tee gereicht. Wir warten, dass alle Teilnehmer und das gesamte Gepäck in Lukla eintreffen. Das kann dauern, weil die kleinen Maschinen mehrmals hin und zurück fliegen. Aber dann ist es soweit, wir lernen unser Sherpa-Team kennen. Ein quirliges Gewusel aus Guides, Trägern, Küchenpersonal und Helfern wird uns die nächsten zwei Wochen in den Bergen begleiten und dabei in herausragender Weise für unser Wohlergehen sorgen. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel: das Basecamp des Mount Everest in knapp 5400m Höhe. Es wird rund 10 Tage, bis wir dieses Ziel nach ca. 90 bis 100 km inklusive einiger Trainingsschleifen erreichen. Hier fährt längst kein Bus mehr. Alles wird zu Fuß realisiert und transportiert. Wir nehmen uns Zeit beim Aufstieg. Zeit, um all die Impressionen aufzusaugen und Zeit, um unsere Körper an die stetig wachsende Höhe zu gewöhnen. Während sich unser Sherpa-Team um den Transport der Ausrüstung, das Aufbauen der Camps und die Verpflegung kümmert, vergnügen wir uns mit einem leichten Rucksack im Himalaya. Pünktlich um 6 Uhr wird uns jeden Morgen mit einem herzlichen Lächeln eine Tasse Tee und eine Schüssel warmes Wasser zum Waschen ans Zelt gebracht. Ein Ritual, das wir nicht nur in den höheren, kälteren Lagen zu schätzen wissen.

 
© Michele Ufer 19 Bilder

 

Highlights, Highlights, Highlights


Jeder Tag ist ein Highlight. Kein Wunder, denn wir folgen einem der schönsten Trails der Welt. Die Landschaft ist spektakulär, eröffnet atemberaubende Blicke auf schneegepanzerte Giganten, die schier endlos in den blauen Himmel ragen. Traum-Berge wie Ama Dablam, Nuptse, Everest und Lotse ziehen uns in ihren Bann. Dichte Rhododendren-Wälder, tiefe Täler und reißende Flüsse sorgen für Kontraste. Immer wieder freundliche Menschen und Träger, die auf anspruchsvollen Pfaden Lasten jenseits unserer Vorstellungskraft transportieren. Berühmte Klosteranlagen, lauschige Rastplätze, intensive Gespräche und Hängebrücken, die den Atem stocken lassen. Hier und da ein Akklimatisierungstag und ein kleiner Trainingslauf. Und nachts die Sterne zum Greifen nah. Eine Größe und Weite, die unweigerlich den Blick öffnet und die eigene Gedankenwelt. Des Öfteren denke ich: „Das zu erleben, ist wahres Glück“. Die Teilnehmer kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen zu diesem Rennen. Einige suchen die sportliche Herausforderung, wollen erleben, wie es bei ihnen in der großen Höhe läuft. Andere wollen vor allem die Landschaft genießen und suchen den Kontakt zu den Einheimischen. Es gibt auch spirituelle Beweggründe, wie z.B. das Gedenken an am Mount Everest verunglückter Freunde, die Luftbestattung von Familienangehörigen am Dach der Welt etc. Das hat auf unserer diesjährigen Tour immer wieder zu sehr ergreifenden Momenten geführt.

 

Immer wieder unterschätzt: die Höhe!


Je weiter wir kommen und je dünner die Luft, desto öfter haben einige Läufer mit der großen Höhe und den ungewohnten hygienischen Bedingungen zu kämpfen. Das kostet bereits vor dem Startschuss viel Energie. Respekt macht sich breit. Die Dimensionen sind gewaltig, die Trails anspruchsvoll. „Wie sollen wir hier nur LAUFEN?“ ist eine Frage, die ich immer öfter höre.

Auch dieses Jahr haben Höhenkrankheit und/oder Magen-Darm-Probleme einigen, auch sehr guten Athleten einen Strich durch die Rechnung gemacht und dafür gesorgt, dass diese bereits frühzeitig umkehren bzw. in geringere Höhen absteigen mussten. Zwei Marathon-Kandidaten wechseln vom Marathon auf Halbmarathon, dessen Startpunkt deutlich tiefer liegt, auf „lediglich“ ca. 4500m. Immerhin…

 

Grandioser 360° Rundblick


Kurz vor dem Everest Basecamp lockt mein persönliches Highlight. Der Aussichtsberg Kala Patthar schraubt sich über 5500m in die Vertikale und bietet eine 360°-Aussicht, die ihres gleichen sucht. Zum Greifen nah scheinen die Traumberge Pumori, Nuptse und Mount Everest. Der Khumbu-Gletscher und das Everest Basecamp liegen uns zu Füßen. Gebetsfahnen tanzen im Wind und ein Hochgefühl steigt in mir auf. Der höchste Punkt der Tour ist erreicht. Selbstbewusstsein durchströmt meinen Körper. Auch dieses Jahr haben es einige Teilnehmer leider nicht bis hierher geschafft.

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