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18.02.17 - TexelTrail

Texel Trail: Heimspiel in Orange

Normalerweise falle ich mit meinen orangenen M4Y-Shirts immer auf. Aber hier ist Orange völlig normal.  Ich bin in den Niederlanden auf der schönen Insel Texel. Hier findet zum fünften Mal der Texel Trail statt. Ich will mir den Wind um die Ohren blasen lassen und über Strand und durch die Dünen 50 Km laufen.Neben dem 50er gibt es noch einen 40er, 25er und 15er. Insgesamt ist die Zahl der Startplätze auf 350 begrenzt. Der Lauf führt durch das Naturschutzgebiet Park Duinen Texel und da sind nicht mehr Teilnehmer aus Naturschutzgründen erlaubt.

Wir reisen Freitag an. In Holland beginnen heute die Tulpenferien. In Den Helder nehmen wir die Fähre hinüber nach Texel. Nach 20 Minuten sind wir auf der Insel. Der Lauf startet in De Koog. Wir nehmen unser Quartier in der Ferienanlage De Krim in De Cocksdorp im Norden der Insel. Bis De Koog sind es nur 13 Km.

 

Ausgeschlafen

 

Die Startunterlagen gibt es am Start- und Zielgelände am Campingplatz Texelcamping Kogerstrand in De Koog am Samstag vor dem Lauf. Da der Start des 50er und 40er erst um 10 Uhr erfolgt – damit Teilnehmer am Wettkampftag noch rechtzeitig vom Festland anreisen können – können wir es gemütlich angehen lassen.

Um 9 Uhr parken wir unmittelbar am Start und gehen in das Restaurant Kaapsnol. Hier gibt es die Startunterlagen. Wir haben Glück. Als wir eintreffen, ist noch nichts los und wir erhalten rasch unsere Startnummern mit dem Zeitmesschip der am Schuh zu befestigen ist. Gerade als wir unsere Unterlagen haben kommt ein Pendelbus von der Fähre und bringt einen Schwung Teilnehmer.

Aber es bleibt überschaubar. Den 50er nehmen 43 Starter in Angriff, für den 40er haben 32 Läufer gemeldet. Der Rest läuft 15 und 25 Km. Wer mitlaufen möchte, muss sich sputen. Der Lauf ist aufgrund des Teilnehmerlimits sehr schnell ausgebucht.

 

 
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Ich schaue mir die Expo an. Sie besteht aus einem Stand von Salomon und ich entdecke den Speedcross 4 den ich für 65 € sofort kaufe. Mit dem Speedcross 3 werde ich heute den Lauf angehen. Unsere Taschen mit Wechselkleidung deponieren wir im Nebenraum. Draußen ist es frisch und wir bleiben bis 9.55 Uhr im warmen Restaurant

 

Frisch, aber trocken

 

Ohne großes Brimborium werden die 75 Starter für die 50 und 40 Km auf die Strecke geschickt. Erst um 13 Uhr werden 15er und 25er folgen. Gelaufen wird auf einer großen Acht. Erst nach Norden 15 km, wieder am Kogerstrand vorbei und 10 Km in einer südlichen Schleife. Das Ganze für die 50er zweimal. Die 40er biegen nach der zweiten Nordschleife ins Ziel.

Leider ist von Sonne nichts zu sehen. Es ist diesig und frisch, der Wind ist kräftig. Aber es ist trocken und gegen Wind und Kälte bin ich gut geschützt.  Ich habe Mütze und Handschuhe an. Wir freuen uns auf einen Lauf in der ungewohnten Umgebung der Strand- und Dünenlandschaft. Stefan hat allerdings ein Heimspiel, war er doch schon bestimmt 20mal in Urlaub auf Texel. Wiederholungstäter. Mal sehen, ob wir nach dem Lauf auch zum Wiederholungstäter in Bezug auf den Texel Trail werden wollen.

Die ersten Meter geht es abwärts und um das Rezeptionsgebäude von Texelcamping herum nach Norden auf den ersten Teil der Acht. Rasch lassen wir die wenigen Meter mit Asphalt hinter uns und tauchen ein in die Dünenlandschaft. Die Dünen sind mit Gras bewachsen, auch  Büsche gibt es hier.

Nach einigen Hundert Metern biegen wir auf einem mit Grasschnitt überdeckten Pfad nach links ab. Es geht aufwärts. Die erste Strandpartie steht an. Dazu müssen wir hinauf auf die Dünen. Ein Sandpfad bringt uns hinauf und vor uns liegt der kilometerlange breite Sandstrand.

 

 
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Sand ohne Ende

 

Nahe am Wasser ist der Sand fester und am besten zu belaufen. Also zieht sich das Band der Läufer hin zum Wasser. Ein schönes Bild oben von der Düne. Von der Düne hinunter kann man so richtig in den weichen Sand springen. Im Flachen ist es schon sehr anstrengend, durch den Sand zu laufen. Also zieht es auch mich zum Wasser.

Hier geht es einigermaßen. Es macht Spaß. Links tobt das Meer, rechts liegen die grasbewachsenen Dünen. Und soweit das Auge reicht das gleiche Bild. Es ist diesig und der Wind bläst uns um die Ohren. Allerdings haben wir zunächst Rückenwind, da wir nach Norden laufen. Ich bin begeistert. So hatte ich es mir vorgestellt.

Die Läufer sind schon weit auseinander gezogen. Vor mir laufen fast alle, hinter mir nur noch wenige. Ich lasse mich nicht beirren und bleibe bei meinem langsamen Trott. Dieser Lauf fordert Kraft. Bei dem Untergrund will ich keine Körner verschenken. Ein Mitläufer meint, er werde wohl unter 5 Stunden bleiben können. Ich halte mit einer erwarteten Zielzeit von 6 Stunden dagegen.

Der erste Strandabschnitt nähert sich seinem Ende. Die Läufer ziehen nach rechts in die Dünen. Wieder heißt in den weichen Sand hinein und hinauf stampfen. Oben weist uns ein Schild darauf hin, dass wir auf einem Wandelpad laufen.

 

De Muy

 

Hinter der Düne biegen wir links ab und laufen windgeschützt zwischen den Dünen links und Hecken rechts. Ich ziehe Mütze und Handschuhe aus. Wir laufen im Bereich De Muy. Drei Seen gibt es hier. An zwei langgestreckten Seen laufen wir unmittelbar vorbei, ein dritter ist weiter inselwärts zu sehen. Die Strecke ist hier schon abwechslungsreich.

Nach den Seen steht die zweite Strandpartie an. Wieder müssen wir auf tiefgründigem Sand hinauf auf die Düne. Und wieder macht es einen Riesenspaß, mit weiten Schritten hinunter zum Strand zu springen. Am Wasser bietet sich uns ein ähnliches Bild wie vorher. Kilometerlanger Strand. Wir kämpfen uns Meter um Meter voran. Ich bin froh, dass ich die Speedcross an den Füßen habe. Definitiv die richtige Schuhwahl heute.

Irgendwann ist weit voraus eine Biegung nach rechts zu sehen. Das ist doch mal ein Ziel. Es geht rechts herum um einen lagunenartigen Strandabschnitt. Am Ende der Lagune warten wieder Dünen auf uns. Ein Wasserlauf wird auf einer Brücke überquert und vor einem langgezogenen Dünenrücken biegen wir rechts ab. Auf weichem wiesenartigem Untergrund laufen wir bis zu einem Viehgatter. Und weiter geht es zwischen Dünen und Hecken.

Nochmals über einen kleinen Wasserlauf und geradeaus geht es vorbei an zottligen Viechern. Die erste Verpflegungsstelle (VS) ist nach 9 Km erreicht. 58 Minuten bis hierher, das geht. Ich greife mir eine Cola und Honigkuchen. Nach der Stärkung geht es weiter durch das Naturschutzgebiet De Slufter.

 

 
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Flach ist anders

 

Im steten Auf und Ab laufen wir auf abwechslungsreicher Strecke durch die Dünen des Slufter. Mal hat es mehr Hecken, mal mehr Gras. Und sogar ein kleines Kiefernwäldchen gibt es. Hinter diesem ist ein kleiner Wasserlauf auf großen Steinen zu überqueren.

Wir sind in den Niederlanden. Ja, dieser Teil der Insel heißt wirklich De Nederlanden. Die Landschaft hat hier Heidecharakter. Ein typisches altes Texelhaus steht rechts in einer Ummauerung. Eine Straße wird – gut gesichert – gequert. Wenige Meter laufen wir parallel zur Straße, dann biegen wir links ab in einen kleinen Kiefernwald. Wir sind schon nahe von De Koog. Durch die Bäume kann man die ersten Häuser sehen.

Es ist herrlich, auf dem weichen Waldboden zu laufen. Eine willkommene Abwechslung. Leider ist dieses Waldstück nur recht kurz, aber ein zweites längeres wird ja noch auf der Südrunde folgen. Aus dem Wald kommen wir schon auf das langgestreckte Gelände von Texelcamping.

 

 
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Nach 15 Km laufen wir rechts unten am Rezeptionsgebäude vorbei. Nein stopp, erst einmal greifen wir bei VS 2 im Untergeschoss zu. Drink Post steht auf einem Hinweisschild, finde ich gut. Klar, Cola und Honigkuchen. Das ist meine heutige Kombination.

Es geht ziemlich direkt in den zweiten Kiefernwald. Klasse. Aber auch hier wie in den Dünen ist Auf und Ab angesagt. Flach ist der Lauf überhaupt nicht. So an die 400 Hm wird der 50er schon haben. Und das stets mit kleinen giftigen Steigungen. Und das geht mir in den Rücken. Den spüre ich schon jetzt noch in der ersten Hälfte. Das kann ja noch was geben.

 

 

Traumhaft schön

 

Aber ungeachtet des befürchteten Ungemachs ist es einfach nur schön hier zu laufen. Ich genieße jeden Meter. Der Wald bietet schöne kleine Singlepfade, leider nur viel zu kurz. Für ein Stück durch die Dünen verlassen wir den Wald, kehren zurück und tauchen dann wieder in die Dünen ein.

Vor uns liegt ein Parkplatz. Wir biegen rechts ab und laufen parallel zur Straße, bis wir wiederum gut gesichert diese überqueren und zum südlichsten Punkt der Strecke kommen. Wieder geht es hinauf auf die Dünen und hinunter zum Strand. Puh, war das vorhin auch schon so anstrengend auf Sand? Ich merke, wie meine Kräfte schwinden. Und ich bin immer noch auf der ersten Runde.

Am Strandrestaurant Paal 17 verlassen wir den Strand. Hinter Paal 17 wartet bei Km 21 die nächste VS. Wenige Meter weiter über Asphalt nach einem Parkplatz tauchen wir erneut in die Dünen ein. Und noch einmal müssen wir die Düne rauf und wieder runter zum Strand. Der Untergrund kommt mir mit jedem Strandbesuch weicher und schwerer zu laufen vor.

 

 
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Wieder geht es durch die Dünenlandschaft. Der Untergrund ist auch hier sandig und schwer zu laufen. Links rum und auf einem Singletrail durch das Gras hinunter führt die Strecke nun zum weitläufigen Campingplatzgelände von Texelcamping.

Aber zu früh gefreut. Es geht noch einmal nach links hinauf auf die Düne und hinunter zum Strand zur Surfschule Foamball. Ich will aber heute nicht surfen. Es ist mir zu kalt. Daher laufe ich das letzte Strandstück der ersten Runde bis Paal 19 Half.

 

 

Erste Runde geschafft

 

Beim Strandrestaurant Paal 19 Half geht es ein letztes Mal in der ersten Runde hinauf auf die Düne und wenige hundert Meter später kann ich in die zweite Runde starten. Vorher wird natürlich wieder Verpflegung getankt an der VS Kogerstrand.

2.47 Std., ich bin schlapp. Aber ich freue mich trotzdem auf die zweite Runde. So eine abwechslungsreiche Strecke habe ich selten erlebt, jeder Meter macht Spaß. Trailvergnügen pur. In 13 Minuten werden die 15 und 25 Km gestartet. Dann wird es wieder etwas voller auf der Strecke.

Ich kämpfe mich die nun bekannte Strecke hinauf zu De Muy. Die Strandabschnitte fallen mir immer schwerer. Bis zur VS bei Km 34 bleibe ich im Laufschritt, auch bei stellenweise starkem Gegenwind. Dann streue ich Gehpausen ein. Der schwer zu laufende Untergrund, die Steigungen und der Wind fordern ihren Tribut. Oder bin ich nach Infekt noch nicht wieder im Vollbesitz meiner Kräfte? Egal, ich kämpfe, beiße und nutze gefühlt jede Bank um mich darauf zu setzen und meinen strapazierten Rücken zu dehnen.

Der Rücken ist heute meine Schwachstelle. Aber auch so komme ich Meter um Meter vorwärts. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der letzte Abstieg vom Strand die Düne hinunter zum Ziel am Kogerstrand. Geschafft, und das noch knapp unter 6 Stunden. Da hätte ich doch eine  halbe Stunde Zeit bis zum Zielschluss gehabt.

 

 
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Mir ist es völlig egal, dass ich als 19. Mann Letzter in der Wertung bin. Insgesamt sind von 43 gestarteten Läufern und Läuferinnen nur 25 ins Ziel des 50ers gekommen. Der Rest hat entweder aufgegeben oder hat nach 40 Km den Lauf beendet. Eine hohe Ausfallqoute, aber angesichts der anspruchsvollen Strecke nicht verwunderlich.

Ich hole mir mein Finisherpräsent, einen kleinen, handgemachten, schwarz-roten Strandpfahl als Schlüsselanhänger, den ich mir wahrlich hart erarbeitet habe. Eine warme Dusche später geht es mir schon viel besser, der Rücken gibt Ruhe und wir gehen entspannt und glücklich zum All you can eat in der Ferienanlage.

Am Sonntag sehen wir dann bei strahlend blauem Himmel, wie schön Texel bei Sonne sein kann. Wir wandern – am Strand entlang – von De Krim zum Leuchtturm am Nordende der Insel. Tipp: Eine Besteigung des Turmes ist seit einigen Jahren möglich und unbedingt zu empfehlen.

Stefan und ich sind uns einig, dieser Lauf hat eine Wiederholung verdient. Ich bin ab sofort angehender Texel-Trail-Wiederholungstäter.

 

Fazit

 

Unbedingt zu empfehlen ist auch der Texel Trail, egal welche Strecke. Ein sehr abwechslungsreicher schöner Lauf durch Dünen und über den Strand. Immer hart am Wind und für in orange Laufende ein Heimspiel.

 

 

 

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