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19.03.17 - Trail du Petit Ballon

Bonne Chance - Frühling im Elsass

...wie eine Pralinenschachtel- man weiß nie, was man kriegt. Diese zeitlose Weisheit von Forrest Gump (auch ein begeisterter Läufer) trifft auch hier irgendwie zu. Ein toller Trail, gar keine Frage. Aber jede Menge Überraschungen...

Anreise spät am Samstag. Mein kleines Auto versteckt sich zwischen den Wohnmobilen, davon gibt es jedes Jahr mehr. Schön ausschlafen,  gut frühstücken und ganz entspannt zur Mehrzweckhalle (Salle polyvalente hört sich viel schöner an) marschieren. Erstmalig prüft ein Securitytrupp alle Taschen und Säcke, auch hier macht sich die Sicherheitslage bemerkbar. Die erste Schlange. Die nächste vor der Tafel mit den Startnummern, dann bei der Ausgabe und zum Schluß bei T-Shirt und Cremant. Den sollte man aber erst hinterher trinken!

Bis hierher weiß man noch nicht so recht, was man alles anziehen soll oder auch nicht. Gerüchte über frischen Schnee, über wüste Regenfälle machen die Runde. Dabei kreisen die Störche schon im Tiefflug, es ist warm und trocken, und kein Einheimischer rechnet mit Regen. Und sie haben Recht. (Fast) alle sprechen übrigens deutsch - Sprachprobleme als Ausrede, nicht anzutreten, gibt‘s nicht.

 

 
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Am Start schließlich im Gewühl nur Kommentare auf Deutsch, einige haben diesen Geheimtipp also doch entdeckt. Aber: alle sind entschieden zu warm angezogen, lang-lang plus Mütze plus Handschuhe. Die mit Erfahrung: kurz-kurz und den Rest im Rucksack. Der ist nämlich für die Pflichtausrüstung unerlässlich. Hier hat‘s schon tolles Wetter gegeben, da oben, in der Todeszone am Gipfel...

Aber erstmal geht es völlig unspektakulär durch die Weinberge. Zum warm werden, weil die steil sind, aber so richtig, wandern wir auf den ersten 3 km die meisten Anstiege. Körnchen sparen, da kommt ja noch was. Ach ja, ans Sonnenöl hat wieder keiner gedacht. Lorenz bricht mit Kraft durch die Wolken, schöner kann man kaum laufen.  Aber was das für die zarte Läuferhaut bedeutet... also zügig in den Wald. Am Hang entlang auf schönem, trockenen Trail. Ein paar heftige Anstiege mit Stau und ehe man sich‘s versieht, nach 10 km die erste Raststation. Tolle Versorgung, nette Musik, Stimmung. Ein paar Fans beklatschen uns.

Sofort geht‘s steil wieder hoch, an Klippen vorbei und wer aufpasst, hat tolle Ausblicke zum Rhein rüber. Oben sind Waldwege mit angenehm weichem Boden, auch trocken. Die nächste und wichtigste Versorgung bei Osenbach kommt nach 7 km nach einem knackigen Auf-und Abstieg. Die ersten superschnellen 27km- Läufer holen mich ein. Passe a gauche- und schon sind sie links vorbei. Geht auch von rechts, klar. Heißt dann droit. Also unbedingt ausweichen, ist nur sportlich-fair.

Aber jetzt kommt‘s. Knüppeldick. Was wie eine leichte Verschwenkung der Vorjahreslaufstrecke aussieht, hat es in sich. Am Ortsausgang von Osenbach die letzten Fans. Die wissen, was jetzt kommt. Bonne Chance. Also ran. Guter, breiter Waldweg, mäßig steil. Ich denke ans Vorjahr, da war auf 2 km 400 m Anstieg. Jetzt plötzlich viel, viel steiler. Tödlich. Und weiter oben, wo es etwas flacher wird, dann gleich nochmal so ein Stück. Sehnsucht nach dem Vorjahr, wie leicht das damals war...

Weil es so schön ist, und alle schön warm sind, führt ein Singletrail gleich wieder runter. Gefühlt alles, was wir vorhin rauf sind. Sowas hebt ja bekanntlich die Moral ungeheuer. Unten steht Erste Hilfe. Es gibt Verluste - einige Kameraden in Goldfolie warten bereits auf den Transport...
 

 
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An diesem tiefsten Punkt an der Nordflanke des Petit Ballon beginnt nun der eigentliche Anstieg. Wir trotten hoch. Kaum einer läuft, höchstens um die nächste Kurve. Aber schön ruhig, ein paar Ausblicke hier und da, ab und zu Trail im Wald, mächtig steil und auch matschig. Wie eine Oase taucht bei km 29 Drei Schoepf auf, die letzte Versorgung für die nächsten 14 km. Lange war nicht klar, ob es sie geben würde, das Wetter halt...Immerhin haben wir die Hälfte geschafft, sind aber noch nicht oben. Noch 3 km. Steil. Noch steiler. Gras. Bach. Nasse Füße. Stacheldraht - Durchlässe für uns, nicht so für die Schafe.

Und dann der Schnee. Leichter Nebel, aber im Wald geht es noch. Und nun der Wind. Gut ist dran, wer rechtzeitig eine Jacke und Mütze übergezogen hat (alles Pflichtgepäck). Zum Trost schaut die Madonna gütig auf uns herab. Sie beschützt unsere Auf- und Abstiege, es gibt viel zu tun heute. Checken der Zwischenzeit. Gut aufgelegte Posten, sie wissen, wenn ich komme,  können sie auch bald wieder runter.

Raus aus der Todeszone. Nur runter. Das geht jetzt schnell. Im Wald noch einige knöchelgefährdende Serpentinen, aber ab Boenlesgrab (nein, das war kein Läufer vom Vorjahr) kommen gut laufbare Schotterwege , fast nur abwärts. Trotzdem ist das auch anstrengend genug, ein paar Körnchen müssen schon noch investiert werden. Schöne Waldwege und Trails führen uns zur Versorgung zurück. Auf dem Bauernhof wird es allmählich ruhig, fast alle sind ja schon durch, aber zur Stärkung ist noch genug da. Nur die Elsass-Cola nicht, ich muss  doch schneller laufen, nächstes Mal...

Es folgt ein kurzer Abstieg in den Ort, über eine Kreuzung und gleich wieder in den Wald. So 200 hm folgen jetzt. Für mich eine Tortur. Ich bin platt, und die Steigung fängt fies an, wird allmählich steiler und steiler. Letztes Jahr ging‘s besser, da hatte ich auch ein paar hundert hm weniger hinter mir. Oben nun auf Asphalt- ja, gibt‘s auch- wieder in die Weinberge hinein, direkt über dem Ort. Noch 3 km. Letzter Posten mit Getränken und Knabbereien.

Ich bin immer noch platt. Ein grüner Tunnel führt uns an den Rand des Abhanges, dann mit Karacho abwärts. Scharfe Kurven. Keine Zeit für Fotos. Ab jetzt. Von 9 Stunden Zielschluss war die Rede, auch von cutoff-Zeiten am Bauernhof, ganz egal. Jetzt hält mich nichts mehr auf. Die ersten Häuser, einmal rechts, einmal links. Zielgerade, zur Messmatte kurz scharf rechts und Ende. 8h59min. Fix und alle. Im Zelt dahinter werden die Finisherwesten verteilt, Preisschild ist noch dran... nun könnte auch der Cremant dran glauben.

Fazit

Ein gelungener Trail zum Saisonauftakt. Aber bloß nicht unterschätzen. 52 km und 2300 hm sind hart, das Wetter ist zu allem fähig, die Pflichtausrüstung mehr als sinnvoll. Gutes Trailprofil und Stöcke kann man nur wärmstens empfehlen, eine tolle Kondition kann auch zu tollen Zeiten verhelfen, ich hab‘s ja lieber gemütlicher. Versorgung ist gut, Pastaparty am Samstag und after-run Futter (Baeckeoffe) kann man vorbestellen, kostet extra. Köstlich.

Bis nächstes Jahr. A bientot – zum Frühling im Elsass !

 

Informationen: Trail du Petit Ballon
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