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02.09.12 - Ultra Trail du Mont Blanc

Wintertraum am Mont Blanc

Autor: Joe Kelbel

Es hätte ein Winter-Albtraum werden können, doch Dank der Umsichtigkeit des Veranstalters hat der Mont Blanc nicht noch mehr Menschenopfer gefordert.

Dienstags erreichte uns die erste SMS:

“TDS, CCC, UTMB Achtung! Wettervorhersage: Regen, Schnee ab 2000 m, Wind, Kälte. Die Temperaturen sinken unter -5 C. Nehmen Sie winterliche Ausrüstung!”

5300 Läufer aus 67 Nationen packen ihre Ausrüstung neu. Die Läufer des PTL sind da schon auf der Strecke.

Es gibt folgende Disziplinen zwischen dem 27.Aug und 02. September:

CCC (Courmayeur-Champex-Charmonix) ca 100 km, 6000 Hm (26 Std)
TDS (Sur les Traces des Ducs de Savoie) ca 112 km, 7200 Hm (31 Std)
UTMB (Ultra-Trail du Mont-Blanc) ca 168 km, 9600 Hm (46 Std)
Diese drei Läufe haben eine teilweise Autonomie, es wird etwa alle 10 Kilometer Wasser/Nahrung angeboten.

Völlig ohne Versorgung, ohne Begleitfahrzeuge oder irgendeine Hilfe wird der
PTL (La Petite Trotte a Leon) ca 290 km, 22000 HM (138 Std) in Teams mit zwei bis drei Teilnehmern gelaufen.

Ich laufe den CCC.

Voraussetzung für die Teilnahme an den Läufen sind Qualifizierungspunkte, die man in 2011 und 2012 bei Ultraläufen erworben hat. Somit ist sichergestellt, dass die Läufer ausreichende Erfahrung im Extremlaufen haben, trotzdem liegt die Ausfallquote bei 30-50 %.

Es wird durch drei Länder gelaufen: Frankreich, Italien, Schweiz.
Veranstaltungszentrum ist Charmonix, Frankreich, auf der nordwestlichen Seite des Mont- Blanc-Massivs.

Die Wettkampfordnung ist streng, Verstöße werden mit Strafstunden bis hin zur Disqualifikation auf Lebenszeit geahndet. Eine Stunde brauche ich, nur um durch die Ausrüstungskontrolle zu kommen und meine Startunterlagen zu erhalten. Akribisch werden meine Kleidungsstücke auf Wasserdichtigkeit geprüft, das Handy auf Abspeicherung der Notrufnummern aller drei Länder und der Rennleitung.

 
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Am frühen Abend bricht oben in den Bergen das Unwetter los. 500 TDS-Läufer werden am Pass mit Privatautos evakuiert, 200 weitere schickt man zurück ins Tal, der Rettungshubschrauber kann nicht landen, der Läufer mit Beinbruch wird abwärts getragen.

Von den übrigen 800 TDS-Läufern erreicht Dawa Sherpa zuerst das Ziel. Er läuft für das Team Petzl. Ein Foto von ihm und ich erlange eine Aufstockung meiner Aufrüstung: Die neue Petzl Stirnlampe. Sie hat einen Sensor, der das zurückgeworfene Licht von Nebel und Schnee registriert und das Licht automatisch dimmt, damit man noch den Weg erkennen kann. Erst als ich Dawa Sherpa am Samstag wieder treffe, begreife ich, dass dieses teure Ding meine Gesundheit gerettet hat.

Freitagmorgen: Letzter Shuttlebus zum Start nach Courmayeur (Italien, 1220 m, Aostatal). Die Fahrt geht durch den Mont Blanc Tunnel. Die Bilder des Tunnelfeuers  mit 39 Toten sind in meinem Kopf und hinter mir schnattern aufgeregt und laut die Italiener. Meine Nerven liegen blank, die Klamotten sind klitschnass, die Scheiben des Busses beschlagen, eine Sardinendose angenehmer.

 
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Von der Rennleitung kommen per SMS neue Ermahnungen bezüglich der Kleidung,  Änderung der Strecke, der Cut-Off-Zeiten, doch die lese ich nicht, das Handy ist tief im Rucksack und wasserdicht verpackt. Thomas steht am Start, schießt Fotos für The North Face, schnauzt mich zusammen, weil ich ihn wirklich nicht erkannt habe. Der ganze Trubel hier, diese hochgerüsteten Trailläufer aus den fernsten Ländern und die Aussicht auf eine unbegreifliche Eiswelt blockieren mein Wahrnehmungsvermögen.

Die Durchsage über die Streckenänderungen gehen zwischen Vangelis und Morgennebel unter, ich bin Ultraläufer, kein Vorzeigeschüler. Carbon- und Alustöcke im Gegenwert von `ner halben Millionen Euro strecken sich beim Startschuss kampfeslustig in die Höhe, ich trage ein angebissenes Butterbrötchen bei mir.

Schon kommt die erste Steigung, viele Läufer legen ihre Top-Überhosen -jacken und sonstiges Überlebensgedöns ab, ich meine Hemmungen und jage freudestrahlend an den besten Ultraläufern der Welt vorbei, habe zwei kurze Hosen im Gepäck.

 
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Irgendwie merke ich, dass es nicht zum Tete de la Tranche (2584m) geht, im dichten Läuferfeld ist eine Unterhaltung schwierig. Der Finne mit dem unmerkbaren Namen, den ich vom KUT kenne, erklärt mir die Änderungen der Strecke. Egal, ich muss laufen. Dass der CCC weitaus schwieriger wird als der UTMB wusste da noch niemand, obwohl die SMS mit der Streckenänderungen des UTMB in diesem Moment rausgehen: 101-110 km, ca 6000 Hm, ohne die Gipfel über 2000 m.

Refuge Bertone (1989m), km 14, vor der Streckenänderung war das km 12. Carsten, mein Bierlieferant bei den 100 Meilen von Berlin, versucht mir noch mal die Streckenänderung zu erklären: “Hoch auf den Col de Verreck! Aber du hast Zeit, Cut Off hier in Bertone ist 14:30!”

Prima, da lass ich mir doch Zeit, es ist etwa 12 Uhr, Fotos schießen, der Leser will informiert sein. Unter mir das Val Ferret, es läuft sich doch locker.

 

Informationen: Ultra Trail du Mont Blanc
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