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Auch so hätte es kommen können

Bereich: Gesundheit

Quelle: Bernhard Sesterheim
26.07.16

Nachdem ich mich als 54-jähriger im Jahre 1999 schnaufend und kopferrötend mit einem Lebendgewicht von 103 kg die Treppen hinaufbewegte, begann mein innerer Guthund mit mir zu schimpfen: “Wie soll das denn weitergehen mit Dir? Du solltest Dich schämen, redest Du doch immer davon, wie wichtig Willensstärke als Garant für sein eigenes Glück ist! Wo ist denn Dein Wille geblieben, Du Schwätzer?“

Mein Innerer Schweinehund entgegnete: “Tja, so ist das halt, wenn man in die Jahre kommt…Immerhin wirst Du bald 55, und das ist dann völlig normal! Betrachte Dir doch nur mal den Willibald und den Hannes, gegen die bist Du doch noch ein richtig strammer Kerl! Sei zufrieden mit Dir und trinke am besten gleich ein ordentliches Bier!“

Ich nahm mir aber die Mahnung des Guthundes zu Herzen, bald wog ich keine 103 kg mehr und musste nicht mehr rotgesichtig und nach Luft schnappend die Treppen hochschleichen. Ich war Langstreckenläufer geworden.

 

 
 
Bernhard Sesterheim (rechts) im Ziel beim Badwater Ultramarathon
© trailrunning.de

 

Es hätte aber auch kommen können, hätte ich nicht auf meinen inneren Guthund gehört: Irgendwann wäre ich wohl bei einem Körpergewicht von 125 kg angelangt, hätte dann wie Willibald und Hannes die Körperwaage entsorgt und auch den Spiegel abgehängt…

Abends im Wirtshaus hätte ich den Thekenhero gespielt und mit Willibald und Hannes, die, was das Körperweitenwachstum anbelangt, mir immer noch etwas  voraushaben, wäre dann wohl eine Unterhaltung zum Thema Laufsport folgendermaßen abgelaufen:

Willibald: “Gestern Abend begegnete mir wieder der Berthold, wie er nach Luft schnappend und qualvoll schauend in affig bunter Kleidung und wie ein Känguru hoppsend mir entgegen kam…“

Hannes: „Jo, jo der Berthold, der hat eigentlich schon immer gesponnen… und überhaupt, wisst Ihr eigentlich, was der für einen Drachen zu Hause sitzen hat? Zu melden hat der daheim nichts. Dem bleibt ja auch gar nichts anderes übrig, als sinn- und hirnlos durch die Gegend zu rennen. Wenn der mit uns mal ein Bier trinken würde, seine Alte wäre dann wahrscheinlich außer sich… Ganz sicher würde sie ihn schlagen!“

Ich: „Jo, er ist ein armer, sehr bedauernswerter Mensch. Wenn ich mir diesen halben Hering so betrachte (mir dabei mit Wohlwollen auf meinen Bauch schauend), muss ich immer an das traurige Ende vom Suppen-Kaspar im Kinderbuch der Struwwelpeter denken, der mich in meiner Kindheit stark beeindruckte...; und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, habe ich den Eindruck, er sei schon wieder etwas dünner geworden!

Und dieses Laufen überhaupt, es scheint mittlerweile eine furchtbare krankmachende Volksdroge geworden zu sein. Ständig und überall sieht man diese Narren herumrennen, manche grinsen dann auch noch dabei so blöd, als hätten sie Spaß dabei…

Wie kann man denn nur so dumm sein, sich mutwillig die Gelenke kaputt zu machen, ganz sicher werden die noch in vergleichsweise jungen Jahren am Rollator gehen oder gar auf dem Rollstuhl sitzen…

Willibald und Hannes, danke für Eure Runde. Die nächsten 3 Bier gehen jetzt aber auf meine Rechnung! Prost!“

Ich weiter: "Jo, kürzlich habe ich gelesen, dass es bei solchen Marathonläufen, wo sage und schreibe 42 km gelaufen werden, ständig Läufer umkommen. Sie sterben wie die Fliegen, wundern tut mich das nicht… 42 km, die spinnen doch total!“

Willibald: „Was scheren mich diese masochistischen Dummköpfe, nach 3 l Bier hab‘ ich jetzt richtig Appetit gekriegt… Wisst Ihr was, ich spendiere jetzt für uns drei eine Curry-Wurst…“

Hannes und ich: „ Au ja, Klasse Willibald, da sind wir gern dabei!“

Hannes: “Ja, und ich gebe anschließend eine Runde doppelten Korn aus!

Was hat der Berthold mir mal erzählt, er würde jetzt irgendwo in der Schweiz  100 km laufen? Das ist vielleicht ein Prahlhans und Wichtigtuer… Als wenn ein Mensch jemals 100 km laufen könnte; davon habe ich ja noch nie etwas gehört…der lügt doch!“

Willibald: “Jo, der hat ja schon immer phantasiert, tät mich nicht wundern, wenn er bei seiner Rennerei einen Schlaganfall bekäme…“

Willibald und Hannes (sich an der Theke festhaltend): „ Komm, lass‘ diese Laufhanswürste doch machen… Wir genießen unser Leben und bestellen das 4. Maß…  Prost! Zum Wohlsein!“

 

 

 
 
 
 
 
 

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