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Fußballfieber oder Fußballallergie?

Bereich: Kommentar

17.06.14

Ich habe eine ausgeprägte Fußballallergie. Keiner meiner Freunde würde ernsthaft von mir verlangen, ein ganzes Spiel anzuschauen. Ich bekomme juckende Ausschläge und Atemnot. Mir brennen die Augen und es kratzt der Hals. Der Kreislauf geht in die Knie und manchmal habe ich sogar Fieber. Fieber vom Fußball kucken, Fußballfieber eben. In einem Stadion nimmt das ganze dann zusätzlich noch klaustrophobische Ausmaße an.

Als begeisterte Läuferin mit Fußballallergie ist es trotzdem extrem wichtig zu wissen, wann die Deutschen spielen. Denn natürlich spielen wir alle mit. In den Kneipen und den Biergärten. Zu Hause und bei Freunden. Dann ist es wunderbar auf allen Laufstecken. Es sind kaum Leute unterwegs. Nur ein paar, die vermutlich auch an dieser seltenen Krankheit leiden.

Allerdings ist es äußerst ratsam, den richtigen Zeitpunkt für die Fußballallergierunde zu wählen. Bricht man nämlich zu früh auf, sind die Straßen voller Menschen, die mit wehenden Deutschlandfahnen am Auto oder am Rad versuchen, noch rechtzeitig vor den Bildschirm zu kommen. Diese Menschen sind u.U. keine aufmerksamen Verkehrsteilnehmer.

 
 
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Gestern war die erste Gelegenheit. Deutschland spielte - gegen wen eigentlich? Ich habe die Chance genutzt. Es war eine entspannte Runde. Sonst ist im Sommer um diese Uhrzeit meine Hausrunde komplett überfüllt. Hecktische Radler auf dem Feierabend-Nachhauseweg. Hunde im unberechenbaren Zickzackkurs. Kleine Kinder, die natürlich ebenso spontan ihre Richtung ändern. Jugendliche, die ihre 25. Abi Party schon mal zeitig beginnen und dafür großzügig die Wege nutzen.

Schön war das, bei sommerlichem Wetter die Strecke am Fluss für sich alleine zu haben. Am Steg stand glücklich ein Angler. Er habe auch die Fußballallergie, meinte er. Und bei dieser Stille würden die Fische besser beißen. Wenn man das so sieht, macht jede WM jeden glücklich, die Allergiker und die anderen. So leer wie heute ist diese Strecke nur im Winter bei +3°C und heftigem Landregen. Ob da die Fische auch gut beißen? Jedenfalls wäre es aus diesem Grund für fußballallergische Läufer und Angler gut, wenn die Deutschen ins Finale kommen.


Den Spielstand übrigens bekommt man trotzdem mit. Viermal erfüllte das vielstimmige Brüllen die Luft über Stadt. Brrr... das ist nichts für mich. Mit einem Blick auf die Uhr beschleunigte ich meine Schritte. Das erste Hupen ließ einen alkoholisierten Autokorso befürchten. Ich wollte zügig von den Straßen.

Beim Dönerladen an der Ecke lief noch die Glotze. Der Inhaber ist ein guter Nachbar. Er wollte mir gratulieren und bat mich herein. In der Analyse werden nach dem Spiel bekanntlich alle wichtigen Spielzüge besprochen. Ich beobachtete, wie 44 millionenschwere Beine immerzu auf eine Lederkugel traten, die ganz bestimmt nichts dafür kann. Warum sich die Jungs allerdings gegenseitig schupsen, treten und stoßen, kann ich einfach nicht verstehen. Auch nicht, wenn mir das in Zeitlupe noch einmal gezeigt wird; und ich glaube, so steht das nicht in den offiziellen Spielregeln.

Erst ganz am Ende eines Spiels gibt es Szenen, worauf sich sogar eine Frau mit Fußballallergie freuen könnte: die Jungs ziehen ihre Trikots aus und zeigen die gut trainierten Oberkörper mit Waschbrettbauch. Leider gibt es hier selten eine Wiederholung in Zeitlupe. Schade eigentlich.

 

 
 
 
 
 
 

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