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03.06.17 - Ultra Skymarathon Madeira

Hoch hinaus

Wo es mir gefällt, da fahre ich gerne nochmals hin. Also bin ich wieder auf Madeira, der schönen Blumen- und Wanderinsel im Atlantik. Zum vierten Male bereits verbinde ich hier Urlaub mit Laufen.

Mein Ziel ist erneut ein beeindruckender Lauf durch die großartige Landschaft der Insel. Die drei Buchstaben USM stehen für Ultra Skymarathon Madeira. In der Königsdisziplin geht es über 55 Km mit 4000 Hm rauf und runter. Das ist mein Ding. Zur Veranstaltung gehören weiterhin der Santana Vertical Kilometer (4,8 Km, 1.003 Hm), Santana Sky Race (20 Km, 1.350 Hm) und Mini Sky Race (13 Km, 400 Hm).

Wir nehmen Quartier in Machico. Von unserer Ferienwohnung haben wir einen wunderschönen Blick auf die Bucht von Machico. Von hier aus können wir schöne Wandertouren durch die Insel unternehmen. Insbesondere die Wanderwege entlang der Levadas, der Wasserkanäle, haben es uns angetan. Dank der guten Busverbindungen kommen wir auch ohne Auto gut kreuz und quer über die Insel.

Am Mittwoch fahren wir mit dem Bus ins nahe gelegene Santana. Hier gibt es bereits täglich von 10-20 Uhr in der Santana Town Hall (Câmara Municipal) die Startunterlagen. Achtung: Keine Startnummernausgabe am Renntag!

Am Freitag vor dem Lauf entspannen wir bei einer leichten Wanderung von Machico nach Canical. Unterwegs genießen wir vom Aussichtspunkt am Pico do Faro den tollen Blick über die Bucht von Machico. In Canical besuchen wir das sehenswerte Walmuseum (Museu da Baleia). Es erinnert an die Zeit des Pottwalfangs vor Madeira von 1940-1981. Am Nachmittag besuchen wir noch den mittelalterlichen Markt in Machico (Mercado Quinhentista). Dann ist Ausruhen angesagt.

 

 
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Es geht früh los

 

IDer Start am Samstag in Santana auf der Nordseite der Insel ist schon um 6 Uhr. Es heißt also früh aufstehen. Ein Taxi bringt mich von Machico nach Santana. Die Temperaturen sind angenehm am Morgen, die alte Kleidung die ich mitgebracht habe, um sie vor dem Start ausziehen und liegen zu lassen, hätte ich nicht gebraucht.

Ich freue mich sehr auf die vor mir liegenden 55 Km. Viele Abschnitte der Strecke kenne ich schon von meinen drei Teilnahmen am Madeira Island Ultra Trail (MIUT) und unseren Wanderungen. Aber es warten auch unbekannte Streckenabschnitte.

Der Lauf heute ist ein kleines Abenteuer für mich. Nur eine Woche nach dem 111er in Bödefeld steht erneut ein harter Brocken an. Ob ich da schon wieder die Kraft zu habe? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Das Profil des Laufes kommt mir heute sehr entgegen. Vom Start auf 425 m geht es steil bergauf bis bei Km 13,3 Km schon der höchste Punkt der Strecke am Pico Ruivo mit 1862 m erreicht wird. Dann geht es hinunter bis 10 m bei Calhau de Sao Jorge. Von dort führt uns die Strecke wieder bis auf gut 900 m hoch und die letzten 10 Km hinunter nach Santana.

Bis 13,3 Km musst Du kommen, das ist mein erstes Ziel heute. Ich gebe meinen Kleiderbeutel an der Santana Town Hall ab und reihe mich kurz vor dem Start in die Schlange der Läufer auf dem Platz vor der Town Hall ein. Die Ausrüstung wird kontrolliert. Ich muss Thermodecke und Mobiltelefon vorzeigen. Wer bei der vorgeschriebenen Pflichtausrüstung schummeln will bekommt saftige Zeitstrafen aufgebrummt.

Der Startschuss erfolgt und ich trabe locker und entspannt los. Es ist  mit 15-18 Grad angenehm temperiert, aber es nieselt. Ich bin mir aber sicher, dass der Regen sich im Tagesverlauf geben wird. Da fallen eben die vorhergesagten 20% Regenwahrscheinlicheit schon direkt morgens.

 

Aufwärts

 

Es ist noch dunkel und alle laufen mit Stirnlampe. Rasch geht es unter dem Applaus der wenigen Zuschauer aus Santana hinaus. Ein Polizist sichert eine Straße. Ich finde mich bald am Ende des Feldes wieder. 167 Starter sind auf der Strecke, von denen bin ich der Älteste. Der Laufweg ist mustergültig markiert. Die blau-weiß-roten Fähnchen leuchten im Dunkeln und sind gut zu erkennen.

Wir kommen auf einen breiten Waldweg. Die Forststraße wurde erst kürzlich verbreitert. Ich hoffe, dass der leichte Nieselregen nicht stärker wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie unangenehm die Wege auf Madeira im Regen werden können. Aber der Nieselregen wird nicht stärker und verschwindet bald ganz.

Ich freue mich auf den Sonnenaufgang. Dann kann ich endlich sehen wo wir laufen. Auf Madeira geht die Sonne um diese Jahreszeit um 7 Uhr auf, also werde ich nicht mehr lange warten müssen. Und der erste helle Schein am Himmel zeichnet sich schon ab. Der Geruch verrät, dass wir durch einen Wald von Eukalyptusbäumen laufen.

Ich stapfe weiter aufwärts. Und da ist es auch schon passiert. Ich bin einen Moment unaufmerksam,  rutsche aus und schon liege ich auf dem Boden. Das linke Knie ist angeschlagen, aber ich kann weiterlaufen. Das soll mir eine Warnung sein. Ausrutscher können hier im Gelände auf Madeira unangenehme Folgen haben.

Nach gut einer dreiviertel Stunde passieren wir Queimadas. Hier wartet die letzte Verpflegung (VS) des Tages nach 49,5 Km auf uns. Aber jetzt heißt es direkt weiter aufwärts ziehen. 853 m Höhe haben wir schon erreicht. Ein Zehntel der Steigung liegt schon hinter mir denke ich.

Auf typischen Treppenstufen aus abertausenden kleinen Steinen geht es aufwärts. Zum Steigen haben diese Stufen genau die richtige Höhe für mich, um jeweils eine zu nehmen. Abwärts ist es anders. Da sind diese angerundeten Stufen unangenehm zu laufen.

 

 
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Am Ende

 

Wir steigen weiter in den Wolken. Der Nieselregen ist plötzlich verschwunden. Gut so. Plötzlich sehe ich vor mir die ersten hellen Strahlen in der milchigen Brühe auftauchen. Die Sonne kommt durch und wir sind bald über den Wolken.

Und ich bin schon am Ende, am Ende des Feldes. Nach mir kommt nur noch der Besenläufer, passenderweise auch mit M4Y-orangefarbenem Shirt. Die Vegetation wechselt, wie auch das Laufumfeld. Mal sind es eingetiefte Hohlwege, mal gestufte Passagen. Langeweile kommt keine auf. Baumstämme liegen auf dem Weg, große Farne sind zu sehen, herabhängende Flechten an den Bäumen zeugen von Feuchtigkeit und einen intakten Natur.

Auf einmal bietet sich uns ein toller Blick hinab auf die Wolkendecke. Sieht klasse aus. Alleine dafür hat sich die Plackerei schon gelohnt. Jetzt liegen einige Stunden rein blauer Himmel und in purer Sonne vor uns. Und das alles verbunden mit herrlichen Weitblicken. Madeira zum Genießen. Wie sagt einer aus dem Feld passend: "That is Madeira".

Wir passieren die Straße, die herauf zum Wanderparkplatz Achada do Teixeira führt. Über einen Meter hohe Margeritensträucher fallen mir ins Auge. Ich genieße das Steigen im Wacholder und die sich immer wieder bietenden Ausblicke. Hier ist Madeira noch sehr ursprünglich und es zeigen sich weite noch intakte Wälder an den Bergflanken.

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Informationen: Ultra Skymarathon Madeira
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