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26.05.17 - Bödefelder Hollenmarsch

Im Land der Hollen

Hier ist für jeden was dabei, egal ob Läufer oder Wanderer, egal ob kurz oder lang. Ich habe mir die längste Variante ausgesucht und vor mir liegen 111 Km. Freiwillig, zum einen wegen der Herausforderung, aber auch wegen der schönen Landschaft. Angeboten werden insgesamt je 5 verschiedene Laufstrecken vom L14, über L21, L 42 und L75 bis hin zum L111 und Wanderstrecken (W14, W21, W42, W55 und W101).

Hier, nicht weit von meiner oberbergischen Heimat, sind wir mitten im Herzen des schönen Sauerlandes. In Bödefeld, Gemeinde Schmallenberg, hat das Wandern und Laufen eine gute Tradition. Der Hollenmarsch/Lauf findet heuer bereits zum 13. Male statt.

Ich bin froh, für meinen dritten Hunderter nicht weit fahren zu müssen und mache mich am Freitag auf den Weg. Nach gut zwei Stunden bin ich am Ziel und quartiere mich in der Bödefelder Turnhalle für eine kurze Nacht ein.  Mit 5 € eine preiswerte Unterkunft. Rasch noch die Startunterlagen in der Bödefelder Schule holen und dann ab in den Schlafsack auf die Liegematte. Vorher wird noch der Bon zur Pasta Party eingelöst. Die Ultra-Wanderer sind bereits seit 19 Uhr auf der Strecke.

 

Erst mal Frühstück

 

Am Samstag beginnt der Tag mit einem Frühstück in der benachbarten Schützenhalle ab 4.30 Uhr. Es ist kostenlos und lässt keine Wünsche offen. Um 5.45 Uhr erfolgt ein kurzes Briefing und um 6 Uhr starten Wanderer über 55 Km und Läufer über 75 und 111 Km.

Ich habe großen Respekt vor der Strecke. 111 Km mit 2.294 Hm rauf und runter, das ist schon eine echte Herausforderung. Etwas Sorge bereitet mir das Zeitlimit. Ich habe nur 15.30 Std. Zeit für den Lauf. Zudem muss ich Km 49 spätestens um 13.00 Uhr, also nach 7 Std. erreichen. Komme ich später, werde ich in den L75 aufgenommen.

Aber mir ist nicht bange. Ich freue mich auf einen Lauf in der herrlichen Landschaft des Sauerlandes und auf sicherlich viele neue Eindrücke. Zudem meint der Wettergott es gut mit uns. Die Vorhersage verspricht Sonnenschein pur. Allerdings meint es der Wettergott zu gut mit uns. Die Sonne soll vom  wolkenlosen Himmel brennen und es soll heiß werden.

 

 
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Pünktlich um 6 Uhr erfolgt der Startschuss. 58 gut gelaunte Läufer machen sich auf den Weg des L111. Es geht zunächst 1,5 Km durch den Ort. Es ist tag,  die Dunkelheit der Nacht hat sich verzogen. Ich lasse es langsam angehen und schaue mir den hübschen kleinen Ort an. Heute werde ich sicher kämpfen müssen ob der Länge und Höhenmeter, aber ich will den Lauf genießen und so viel wie möglich aufnehmen.

Durch die wunderschöne Landschaft führt die Strecke zum Rhein-Weser-Turm bei Oberhundem. Hier ist nach 67,7 Km der Wendepunkt und es geht zurück nach Bödefeld. Hin- und Rückweg sind über weite Strecken identisch.

 

Im Frühtau zu Berge

 

Vorbei geht es an einem kleinen Bach der durch Ort fließt und der Kirche der alten Hansestadt Bödefeld. Im Feld sind auch einige Läufer mit Hund unterwegs, so z. B. Moja mit Herrchen. Der Ort liegt noch im Schatten, die Sonne ist noch nicht zu sehen.

Auf Straße geht es aus Bödefeld hinaus in die Berge. Ein großes Feuerwehrauto steht quer über der Straße und sperrt diese unmissverständlich ab. Auf zunächst breitem Forstweg geht es aufwärts. Bald verlassen wir die Waldautobahn und wenden uns einem schönen Trailstück zu. Dazu kommen passend die ersten Sonnenstrahlen, noch nicht mit hohen Temperaturen verbunden. Der Spaßfaktor ist schon zu Beginn des L111 hoch.

Das Gelände ist wechselhaft. Mal im Wald, dann hinaus in die offene Landschaft mit schönen Weitblicken in der aufgehenden Sonne, dann wieder im Schatten. Die Sonne wirft noch lange Schatten. Später wird sie uns braten, denke ich mir.

200 Hm führt uns der erste Aufstieg schon hinauf, Gellinghausen wird dann nach einer längeren Abwärtspassage erreicht. Hier ist nach 9 Km der erste Verpflegungspunkt. Es gibt  alles, was das Läuferherz begehrt. Ich greife zu. Wieder in der Sonne vollenden wir den weiten Bogen um Bödefeld und laufen wieder auf den Ort zu. Vorbei geht es an den ersten Baumplantagen. Hier wachsen unsere Weihnachtsbäume in Spe. Ob ich mir schon einen aussuchen sollte?

Ich konzentriere mich lieber auf den Lauf. Herrlich, so im ersten Sonnenschein zu laufen. Nicht nur ich habe meinen Spaß. Ich treffe auf Uwe aus Duisburg. Er war wie ich im letzten Jahr beim Mozart 100 in Salzburg dabei. Heute hat er die 75 km vor sich.

Der Planetenweg führt uns nach Bödefeld hinein. Rasch geht es wieder aus dem Städtchen hinaus und der zweite VP Zur Wahr erwartet uns nach 15 Km. Er liegt schon in der Sonne, die uns heute nicht mehr verlassen wird.

 

 
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Nasse Wiese

 

Wir laufen oberhalb von Bödefeld in Richtung Kreuzbergkapelle. Zunächst wieder auf breitem Waldweg, dann auf schmalen Pfad. Hinweisschilder zu Loipen zeigen die sportlichen Nutzungsmöglichkeiten im Winter auf - wenn denn Schnee liegt.

Ich bin froh, dass wir wieder im Schatten laufen. Es ist jedoch nicht einfach bei den gegensätzlichen Lichtverhältnissen zu fotografieren. Die Kapelle erreichen wir in der Sonne. Kurz darauf passieren wir im Wald den Abzweig der 21er Läufer. Wir halten uns rechts, breite Forstwege bringen uns zum VP 3 Nasse Wiese. Ja, der VP heißt wirklich so und die Wiese ist auch nass, ganz so wie es der Name verspricht.

Ich denke kurz, es wäre schön, wenn Du schon wieder hier wärest. Denn an der Nassen Wiese kommen wir auf dem Rückweg wieder vorbei. Und von hier geht es dann ohne Umweg direkt nach Bödefeld ins Ziel. Zunächst aber liegt noch der Großteil der Strecke vor uns. Rechts geht es wieder in den Wald und es heißt erneut bergan stampfen.

Wir sind im Naturschutzgebiet Hunau unterwegs. Dass es hier Wintersport gibt, erfahren wir hautnah, als wir eine Skipiste steil bergan steigen müssen. Puh, dabei kommen alle ordentlich ins Schwitzen.

Breite Waldwege bringen uns an einen markanten Fernsehturm. Hier wechseln wir für wenige Meter auf Asphalt als Untergrund, den verlassen wir aber bald und biegen scharf ab nach links und machen uns daran die mühsam erklommenen Höhenmeter wieder zu vernichten.

Es geht lange bergab, bis wir den vierten VP in Obersorpe bei Km 28 erreichen. Ein Viertel der Distanz haben wir schon, denke ich mir und greife zu. Das Angebot ist einfach zu verlockend. Und ein Schnittchen geht immer. Dazu einige Rosinen. Schließlich ist der Lauftag heute sehr lang und da bedarf es des richtigen Nachschubs. Der Magen läuft ja auch mit.

 

 
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Auf und Ab

 

Nach dem Abstieg nach Obersorpe steht zur Abwechslung wieder ein Aufstieg an. Es geht von einem Naturschutzgebiet in das nächste. Die Landschaft des Sauerlandes gefällt mir ausgesprochen gut. Die Strecke ist weiterhin sehr abwechslungsreich. Mal im Wald auf breitem Forstweg, mal auf einem schmalen Pfad, mal mehr, mal weniger steil. Dann wieder in der offenen Landschaft mit herrlichen Panoramablicken.

Auf einer Straße laufen wir wenige Meter bevor es uns wieder in den Wald zieht. Wir passieren den Wendepunkt der 42er. Die L 742 wird aber rasch wieder erreicht und an einem Parkplatz überquert. Vorher entdecke ich im Wald ein Schild mit der Aufschrift „Zum Ziel 8 Km“. Das muss wohl für den Rückweg sein.

Die ersten Hinweisschilder auf den Kahlen Asten tauchen auf. Der Berg ist aus den Wetternachrichten stets präsent, ist jedoch nicht der höchste Berg Nordrhein-Westfalens. Dazu reichen seine 841 m nicht aus. Der Langenberg ist zwei Meter höher.

Die Strecke führt auf der Höhe ein Stück parallel zur L 742. Es geht durch Bergheidengebiet.  Nochmals die L 742 queren, wenige Meter Asphalt unter die Füße nehmen und wieder in den Wald eintauchen. Vor dem Skigebiet zu Füßen des Kahlen Astens kommen wir wieder aus dem Wald heraus und queren erneut die L 742.

Über den Parkplatz des Skiliftes geht es an den zweiten Anstieg einen Skihang hinauf. Dieser Anstieg ist schon etwas länger als der erste Skihang. Ich bemerke als ich oben ankomme, dass ich unterwegs unbemerkt die Belichtungseinstellung der Kamera verändert habe und korrigiere diese rasch.

 

 
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Vorbei am Astenturm

 

Oben angekommen, haben wir den höchsten Punkt des Kahlen Astens im Blick. Die Strecke führt uns jedoch etwas unterhalb des Astenturms entlang. Der Gipfel ist nahezu baumfrei, es herrscht Bergheide vor. Eine Liege lädt mich zum Verweilen ein. Derart ausgeruht kann ich den kurzen Steilabstieg in Angriff nehmen.

Es wird mal wieder Zeit für einen VP, denke ich mir. Auf der Hochfläche hinter dem Kahlen Asten ist es in Lenneplätze wieder so weit. Die VP 5 steht an, 40 Km sind geschafft. Ich werde lautstark begrüßt. Die Mädels hier sind Klasse. Allein wegen ihnen hat sich die Mühe gelohnt und verspreche wieder zu kommen. Ich muss ja auf dem Rückweg hier noch einmal vorbei.

Zur Stärkung greife ich Kuchen mit Schlagsahne ab. Lecker! Danke nicht nur an die netten Mädels von Lenneplätze. Alle Helfer haben uns durch den Tag geholfen und die Leiden in der Hitze erleichtert.  Und leiden müssen wir mittlerweile sehr. So schön es ist bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Blau zu laufen, heute ist es mörderisch heiß. Der Hollenlauf wird zum Höllenlauf. Viele 111er ziehen die Konsequenz und drehen am VP Kühhude um und laufen in die 75er Wertung.

Wir sind im tiefen Rothaargebirge. Das Rothaargebirge ist Teil des Naturraumes Sauerland. Der Name leitet sich aus „Rod-Hardt-Gebirge" ab, das bedeutet "Gerodetes Wald-Gebirge". Angesichts der weiten offenen Landschaft, die wir nach Lenneplätze durchlaufen, kann man die Namensgebung nachvollziehen.

 

Von VP zu VP

 

Vor und nach Langewiese ist diese offene Landschaft besonders schön zu sehen. Wir laufen auf Asphalt in praller Sonne. Da ist mentale Stärke gefragt. Ich denke nur von einem VP zum nächsten. Die 111 als Gesamtstrecke blende ich aus.

Vor Langewiese ist ein Barfußpfad angelegt und ein Kneippbecken. Wie gerne würde ich jetzt hier hinein. Aber das erlaubt mir das enge Zeitfenster nicht. Ich muss mich schon sputen, um in der Zeit zu bleiben. Diese Sorge höre ich aus vielen Unterhaltungen mit anderen Läufern heraus. Den nächsten VP Kühhude bei Km 49 müssen wir um 13 Uhr passiert haben.

Also bleibe ich dran, genieße aber dennoch das Laufen auf dem alten Grenzweg mit den tollen Fernblicken von der Höhe. In weiter Ferne grüßt uns der von uns vor Obersorpe umlaufene markante Fernsehturm.

Das Laufen ist brutal hart. Es ist grenzwertig bei diesen Bedingungen. Da spielt es auch keine große Rolle, ob wir im Wald oder auf freier Fläche laufen. Schön ist es aber trotzdem. Die Landschaft und die wechselvolle Strecke entschädigen für die Mühen.

Die B 236 wird gequert. Es geht teilweise steil bergan. Weite, offene Flächen in praller Sonne sind zu durchlaufen. Und im Wald gibt es herrliche Passagen mit schmalen Wegen. Ein Genuss. Wenn nur diese Hitze nicht wäre. Die Sonne steht senkrecht über uns, auch im Wald gibt es kaum noch Schatten.

Weite Flächen werden zum Weihnachtsbaumanbau genutzt. Moja kommt mir mit Herrchen entgegen. Die beiden haben sich am VP Kühhude zum Umkehr und für den 75er entschieden.

 

 
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Kühhude voraus

 

Ich freue mich über die ersten Hinweisschilder zur Kühhude. Hier am gleichnamigen Gasthof  ist der nächste VP, nicht nur von mir sehnsüchtig herbei gesehnt. Immer mehr Läufer kommen mir entgegen, nicht nur 75er mit dem Grün auf der Startnummer, auch etliche rote 111er. Verstehen kann ich sie ja, aber ich bleib dabei und will den Lauf durchstehen. Kontrolliert laufe ich weiter, stets von VP zu VP denkend.

Endlich liegt Kühhude an einer größeren Lichtung vor mir. Noch rasch die Wiese hinunter und schon kann ich wieder zugreifen. Neben Ess- und Trinkbarem ist die Kühlung durch das Wasser aus den Bottichen absolut notwendig. Ich kühle vor allem mein Haupt, aber auch Arme und Beine. Nach wenigen Metern in der Sonne ist aber alles schon wieder trocken.

In Kühhude sind 50 Km geschafft. Fast die Hälfte,  denke ich und mein Glaube an das Erreichen des Ziels innerhalb des Zeitfensters steigt. Noch ein VP in Jagdhaus und dann steht auch schon für mich der Wendepunkt am VP Rhein-Weser-Turm an.

Aber schön eins nach dem anderen. Bis zum Turm ist es noch ein weiter Weg in der Hitze. Erst einmal volle Konzentration Richtung VP Jagdhaus. Wir laufen auf der Grenze. Das Rothaargebirge ist nicht nur politische Grenze gewesen, es ist auch in sprachlicher Hinsicht eine Grenze. Nördlich wird das niederdeutsche Platt gesprochen, südlich der mitteldeutsche Dialekt.

 

 
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Jagdhaus

 

Nach 9 Km wird endlich der VP Jagdhaus erreicht. Weitere 9 Km bis zum Wendepunkt am Rhein-Weser-Turm liegen vor mir. Nach einer Stärkung überquere ich die K 42 und muss erst einmal eine Steigung bewältigen.

Auf dem Weg kommen mir einige 111er entgegen. Ich beneide sie alle. Wäre ich doch nur auch schon auf dem Rückweg. Aber Schritt für Schritt kämpfe ich mich weiter. Trotz der qualvollen Hitzebedingungen genieße ich den Lauf weiterhin. Ich lasse mir den Spaß bei meinem dritten Hunderter nicht verderben.

Auf einer längeren Steigung auf Waldautobahn komme ich an der Sombornquelle vorbei. Klar, hier heißt es die Gelegenheit zur Kühlung nutzen. Es ist einfach nur herrlich. An der Bank liegt ein schwarzer Labrador im Schatten. Er wird mir mit Herrchen später noch einmal begegnen. Dabei trägt nicht nur Herrchen einen Rucksack, auch den Labrador hat mit zwei Packtaschen seine Last zu tragen.

Ich erreiche eine Höhe und bin am Potsdamer Platz. In der Ferne ist ein Sendeturm nahe beim Rhein-Weser-Turm zu sehen. Da will ich hin. Darauf konzentriere ich mich. Vorbei geht es am Margaretenstein, weiterhin kommen mir 111er entgegen und ich versuche einige zu fotografieren. Bei den Licht-Schattenverhältnissen ist das heute nicht einfach.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sehe ich den Rhein-Weser-Turm. Auf einem Parkplatz vor dem Turm ist der VP und ich kann endlich das herbeigesehnte Schild Wendepunkt L 111 sehen. Nach 66,7 Km geht es zurück auf nunmehr kürzerer Strecke. Die beiden Schleifen zu Beginn mit VPs in Gellinghausen und Obersorpe sind nicht mehr zu laufen.

 

 
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Köstlicher Kaffee

 

Erst einmal heißt es sich zu stärken. Ich greife gerne zu und nehme zur Cola auch einen Kaffee. Der ist schön heiß und schmeckt köstlich. Derart gestärkt kann ich den Rückweg in Angriff nehmen. Aber noch liegt mehr als ein Drittel der Strecke vor mir.

Drei 111er kommen mir noch auf dem Weg zum Wendepunkt entgegen. Ich sehne mich nach der Sombornquelle. Der Weg dorthin kommt mir länger vor als beim Hinweg. Die Kühlung tut gut, hält nur wieder viel zu kurz. Ich muss alle mentalen Kräfte mobilisieren. Noch liege ich im Zeitlimit, aber das Polster ist nicht groß und ich habe Sorge wegen eines möglichen Einbruches wegen der Hitze.

Ich spüre schon seit Stunden die Einsamkeit des Langstreckenläufers, nur ab und an unterbrochen durch einen entgegenkommenden Läufer. Mitläufer vor oder neben mir habe ich schon lange nicht mehr.

Ich kämpfe mit mir. Der innere Schweinehund sagt “Mach doch langsam, gehe etwas, ruhe Dich aus“. Der Kopf sagt klar, das kannst Du Dir nicht leisten. Du musst dran bleiben. Der Kopf gewinnt und ich merke zum wiederholten Male, was alles möglich ist, wenn man nur will. Ich arbeite mich die Steigungen hinauf und laufe immer wieder auf den flachen Passagen oder Abstiegen. Auch wenn es weh tut. So halte ich mein kleines Zeitpolster.

Und wie auf dem Hinweg arbeite ich mich von VP zu VP. An denen ist nun kaum noch etwas los. Ich bin der einzige „Gast“ und habe volle Aufmerksamkeit. Zwischen Kühhude und Lenneplätze ist die Hitze auf der Höhe und den offenen Flächen kaum auszuhalten.

 

Zweifache Hilfe

 

Die Rettung kommt in zweifacher Weise. Zum einen haben freundliche Gäste eines Ferienhauses einen Eimer mit kühlem Wasser bereitgestellt. Während ich mir wieder die Rübe kühle, höre ich eine nette Dame fragen: „Möchten Sie auch etwas zu trinken. Vielleicht ein Bier oder ein Radler?“ Und wie ich möchte. Rasch habe ich mein kühles Radler. Danke, das war großartig.

Die zweite unverhoffte Linderung erfahre ich in Langewiese. Hinter dem Barfusspfad ist ein Wasserkanister an einem Zaun befestigt und ich kann mich nochmals abkühlen. Danke an den unbekannten Wohltäter.

 

 
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Nach dieser zweifachen Rettung aus höchster Not freue ich mich schon auf den VP Lenneplätze. Ich hab den Damen doch versprochen, noch einmal vorbeizuschauen. Und ich halte mein Wort. Als einziger Läufer am VP genieße ich ungeteilte Aufmerksamkeit. Man bereitet mir einen herrlichen Bouillon, der bringt mir Lebensgeister zurück. Zudem stellen mir die Damen einen Tanz bei der Hollenparty im Ziel in Aussicht. Was für ein Angebot, leider bin ich begeisterter Nichttänzer. Und im Ziel auch nicht mehr in der Lage zu tanzen.

Meine Stimmung und Zuversicht, den Hollenlauf in der Zeit zu beenden, steigt von Meter zu Meter. Sind es doch nur noch 15 Km bis zum Ziel. Noch einmal geht es über den Kahlen Asten und den Skihang hinunter.

War der Weg vorhin auch schon so lang? Mir kommt es vor, als ob die Km beim Rückweg länger seien. Egal, ich komme voran. Und da kommt auch endlich das schon auf dem Hinweg gesehene Schild „Zum Ziel 8 Km“. Hurra, geht doch. Aber wie lang 8 Km sein können erfahre ich nun, zumal es immer wieder bergauf geht. Ich fluche vor mich hin und muss mich ordentlich sputen. Nix ist mit gemütlich ins Ziel traben. Ich muss auch bergauf Druck machen.

 

Nasse Wiese zum Zweiten

 

Wann endlich kommt der VP Nasse Wiese? Ich gönne mir keine Verschnaufpause und bleibe dran. Zwar fluchend, aber stetig mich aufwärts arbeitend. Dann endlich kommt der finale Abstieg zum VP. Diesmal von der anderen Seite. Drei nette Mädels bejubeln mein Erscheinen. Ich trinke eine Cola und haste weiter. Viel Zeit habe ich nicht mehr. Aber es sind ja nur noch 5 Km, und alles nur noch bergab.

 

 
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Und wie bergab. Ganz schön steil geht es hinunter. Ich lasse es laufen. Nach 10 Minuten raschen Bergablaufens kommt ein Km-Schild in Sicht. Ich denke, das wird das 3-Km Schild sein. Denkste, es ist das 4 Km-Schild. Ich bin stinksauer. Das kann nicht sein. Da war irgendetwas nicht richtig. So muss ich sicherheitshalber mein Tempo hoch halten und den inneren Schweinehund an der kurzen Leine führen. Erst als in Bödefeld ein Schild noch 1300m zum Ziel zeigt, entspanne ich mich und genieße die letzten Meter in vollen Zügen.

Ein Plakat an einem Haus begrüßt die zurück kommenden Läufer als Helden. Das erscheint mir nach den Strapazen des heutigen Tages als angemessen.

Im Zielbereich ist die Hollenparty längst in vollem Gange. Mein Einlaufen wird bejubelt. Ich bin absolut glücklich, den Lauf in der Zeit geschafft zu haben. Mir tut zwar alles weh und unter der Dusche bin ich kaum noch in der Lage, mir die Füße zu waschen, aber was tut das alles zur Sache?

Ich habe den härtesten Lauf meines bisherigen Läuferlebens geschafft!

 


 

Fazit:

 

Ein großartiger Lauf mit toller Strecke durchs wunderschöne Sauerland. Trotz der Einsamkeit des Langstreckenläufers absolut stimmungsvoll. Ein Höhepunkt meines Läuferlebens. Perfekte Organisation. Absolut zu empfehlen.

 

Informationen: Bödefelder Hollenmarsch
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