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10.09.11 - Jungfrau-Marathon

Mit Hängen aber ohne Würgen

Autor: Klaus Duwe

Der Jungfrau Marathon ist ein Phänomen. Kaum hatte man das Anmeldeportal für die 19. Auflage geöffnet, waren die 4500 Startplätze auch schon an Läuferinnen und Läufer aus 53 Ländern vergeben.  Und das bei einem Startgeld von 135 Franken.  Der Jungfrau Marathon ist der größte Marathon der Schweiz, der teuerste im deutschsprachigen Raum und der schönste der Welt. Auf nach Interlaken.

Kaum bin ich auf der Autobahn, habe ich schon  die erste Begegnung mit dem Kultlauf in der Schweiz. Schwarzer PKW, Siegburger Nummer, sportlicher Typ am Steuer, Jungfrau-Marathon-Aufkleber am Heck. Ein Genießer offenbar, denn er fährt so langsam auf der rechten Spur, dass ich, ebenfalls nicht in Eile, ihn überholen MUSS. Kurzes Hupen, ein Gruß, der Mann erkennt den m4y-Schriftzug an der Autotür, verreißt vor Aufregung fast das Steuer, freut sich, grüßt zurück und weiß jetzt, dass er richtig ist.

Ich bin auf den ersten Kilometern, noch in Interlaken und mitten im riesigen Feld der euphorisierten Marathonis und laufe genüsslich auf der rechten Seite. Von hinter klopft mir jemand auf die Schulter: „Du bist bestimmt der Klaus.“ „Stimmt.“ „Wir sind uns gestern auf der Autobahn begegnet. Ich bin der mit der Siegburger Nummer.“ „Ok, dann darfst Du mich heute überholen.“ 

 
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5000 Einwohner hat Interlaken, auf dem Bödeli zwischen dem Thuner und Brienzer See gelegen. Und die müssen heute alle auf den Beinen sein. Entweder sie gehören zu den 1500 Helfern an der Strecke, oder zu den Fans, die mit Glocken, Tröten oder irgendwelchen anderen Lärminstrumenten die Marathonis feiern. Die Gegend bei der Höhenmatte gleicht bis fast zum Ostbahnhof einer Arena. Schon gestern, als hier die Kinder- und Jugendläufe und die Jungfrau-Meile ausgetragen wurden, war die Hölle los. Prominentester Starter war Marathon-Europameister Viktor Röthlin, der mit JM-OK-Präsident Christoph Seiler (zählt zu den besten Schweizer Marathonläufern), beim Mini-Marathon seine Runden drehte. Der Champion war von der Atmosphäre so angetan, dass er einen Marathon-Start „irgendwann einmal“ in Erwägung zieht. Heute begnügt er sich damit, den Startschuss abzufeuern.

 
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Lange ist es her, dass man das Veranstaltungszentrum noch im ehrwürdigen Kurhaus unterbrachte. Inzwischen ist der Andrang bei Messe, Startnummernausgabe, Pasta-Party und Abschlussfeier mit Siegerehrung so groß, dass man in ein Zelt auf der Höhenmatte umgezogen ist.

Nach dem Ostbahnhof ist das Schaulaufen erst einmal beendet, ein paar Gewerbebetriebe noch, dann ist man von grünen Wiesen umgeben und hat freien Blick auf die Berge. Es wird ein herrlicher Tag mit viel Sonne. Aber es soll auch heiß werden. Um 8.00 Uhr wurden auf der Kleinen Scheidegg, unserem Tagesziel, bereits 16  Grad gemessen. „Viel Trinken“, lautete denn auch der Rat des Sprechers vor dem Start, der an der ersten Getränkestelle gleich ausgiebig beherzigt wird.

 
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Zu den eingangs erwähnten Attributen des Jungfrau-Marathon kommt noch eines: Er ist der schnellste Bergmarathon. Wer über 3 Stunden braucht, hat keine Siegchance. Und wer für die 38 km bis zum Wixi, wo’s auf die Moräne geht, länger als 5:35 Stunden braucht, ist aus dem Rennen. 6 ½ Stunden gibt man den Läufern insgesamt Zeit. Im Vergleich zu den anderen Schweizer Bergmarathon ist das nicht üppig.

Dafür ist die Strecke trotz der imponierenden 1800 Meter Anstieg aber auch vergleichsweise „einfach“ zu laufen. Bis km 26 absolviert man einen Landschaftslauf ohne besondere Schwierigkeiten. Hinauf nach Wengen (km 28,5) wird man dann brutal ausgebremst, läuft wieder ein paar Kilometer und hat bis km 38 fast flache, steile und weniger steile Passagen. Der Rest auf der Moräne ist dann ein Kapitel für sich.

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Informationen: Jungfrau-Marathon
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