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02.04.17 - SciaccheTrail

Trail, mehr Trail, Cinque Terre!

Was verbindet Ihr mit dem Begriff “Sciacchetrail”? Nichts? Dann geht es Euch wie mir. Zumindest damals, als ich zum ersten Mal zufällig über diesen Lauf gestolpert bin. Und mit Cinque Terre? Viele von Euch waren sicher schon einmal dort, in den berühmten fünf Dörfern, jenem Inbegriff einer italienischen Traumlandschaft an der Küste Liguriens. Und was hat das eine mit dem anderen zu tun? Eine ganze Menge ....

 

Sciacchetrà und Trail Running

 

Sciaccetrail, so nennt sich ein kleiner Ultralauf, der mit 47 km und 2.650 Höhenmetern um, über und sodann durch die Cinque Terre-Dörfer führt: Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza Monterosso. Eingebettet sind die Dörfer in eine einzigartige Terrassenlandschaft, der die Cinque Terre ihre Adelung als Unesco-Weltkulturerbe verdanken. Allein schon die Vorstellung, durch dieses Postkartenpanorama zu laufen, beflügelt die Fantasie ….. und so viel vorweg: der Trail ist ein Traum, allerdings einer, für den man viel Schweiß lassen muss.

Unweigerlich fragt man sich: Wie kommen die Organisatoren nur auf diesen Namen? Für das Aha-Erlebnis muss man sich nur ein wenig mit der Historie und den Beteiligten des erst zum dritten Mal ausgetragenen Laufs befassen. Denn Sciaccetrail ist ein Wortspiel, ein Begriff, der sich zusammen setzt aus den Worten Sciacchetrà and Trail Running. Sciacchetrà wiederum ist ein Passito, ein süßer Dessertwein, der in den Cinque Terre aus der Bosco-, Albarola- and Vermentino-Traube gekeltert wird und die wohl bekannteste der vielen Weinspezialitäten der Region. Womit wir bei den Winzern wären, durch deren Rebkulturen der Lauf verläuft. Diese sind in das Spektakel eingebunden und tragen dieses mit. Sehr zum Wohle der Läufer.

Dass ein solcher Lauf keine Massen verträgt, versteht sich von selbst. So ist das Teilnehmerfeld auf 300 limitiert und schon Monate vor dem Starttermin Anfang April ausgebucht. Fest in italienischer Hand ist es, aber einige Ausländer sind es doch, die der Veranstaltung einen Hauch Internationalität geben.

 

Trailkapitale Monterosso

 

Monterosso, das nördlichste und mit 1.500 Einwohnern größte der fünf Dörfer ist die Trail-Hauptstadt. Start und Ziel liegen hier und auch die gesamte Infrastruktur rund um den Lauf. Wer schlau ist, reist von La Spezia oder zumindest Levanto aus mit dem Zug an. Ich bin es nicht und muss mich daher auf verschlungenen Sträßchen zu meinem Ziel vortasten. Zumindest habe ich Gewissheit, dass für mich als Starter bzw. mein Auto ein sogar kostenloses Plätzlein auf dem im Meer aufgeschütteten Parkplatz im Orteil Fegina bereit steht. Denn für Fahrzeuge ist entlang der Steilküste eigentlich kaum Platz und den wenigen Platz muss man teuer bezahlen.  

 

 
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Bereits das Vorprogramm zum Trail ist ein Erlebnis für sich. Stilgerecht startet es am Samstag schon vormittags mit einem bunten Markt, bei dem lokale Händler Spezialitäten der Region - Schinken, Käse, Öl, natürlich Wein und vieles mehr – anbieten und so schnell Lust auf einen Gastrotrip aufkommen lassen. Eingestreut sind die Messestände der Anbieter von Laufaccessoirs. Beim "MiniSciacchetrail" dürfen sich die kids nachmittags auf 1 bzw. 2 km treppauf - treppab durch die Altstadt beweisen.

Für die Läufer so richtig los geht es ab 16 Uhr. Denn im romatischen Rathaus an der Piazza Garibaldi, am Fuße der Altstadt nahe dem Meer gelegen, können wir uns nun unser Starterpaket abholen. Und dazu gehört auch ein erlesen gefüllter "goody bag" - mit Wein, feinen Nudeln, Pesto und einigem mehr. Final gerüstet geht es weiter zum Veranstaltungszelt gleich am Hafen, wo wir beim "AperInno" mit lokalem Wein und Antipasti-Teller sowie von einem DJ beschallt den Abend einläuten und uns auf das morgige Laufabenteuer einstimmen können.

 

Start in luftige Höhen

 

Die Piazza Garibaldi ist auch am folgenden Morgen der Magnet, dem die Läufer aus allen Himmelsrichtungen entgegen strömen, nun allerdings trailmäßig „aufgebrezelt“. Ein tolles Bild bietet der bunte Haufen vor der Kulisse aus alten Gemäuern, Meer und steilen Bergen. Nur das Wetter will nicht recht mitspielen. Nach herrlichem Sonnenschein am Vortag nieselt es aus dem Himmelsgrau. Der Stimmung tut das keinen Abbruch.

 

 
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Erst kurz vor 7:30 Uhr sammelt sich die Läuferschar vor dem Startbogen. Und während pathetisch die Trailhymne über die Lautsprecherboxen donnert, ertönt der Startschuss. Mit Tempo tauchen wir sogleich ein in den Tunnel, der den festungsgekrönten Felsen, der die Altstadt vom Ortsteil Fegina trennt, durchschneidet. Entlang der Promenade oberhalb des Strandes von Fegina, der wohl einzige, der in den Cinqe Terre diesen Namen wirklich verdient, können wir uns im Flachen noch ein wenig einlaufen und den Wellen lauschen, die gegen den Strand donnern.

Der „Gigante“, eine markant aus dem Felsen gehauene Steinfigur, die früher eine Tanzterrasse (!) hielt, markiert das Ende der Gemütlichkeit. Zunächst weiterhin noch auf Asphalt nehmen wir in Serpentinen den ersten Anstieg den Küstenhang hinauf. Frisch und motiviert werden die ersten Höhenmeter noch gelaufen, aber schnell ergibt sich die Läuferschar dem Unvermeidlichen und verfällt kollektiv in kräfteschonenden zackigen Walkingschritt. Die Belohnung: Ein herrlicher Ausblick über das Meer, hinab nach Monterosso. Von der Punta Mesco (130 m üNN) überblicken wir die gesamte Steilküste und den Golf von Cinque Terre, bis zur fernen Isola Palmaria bei Portovenere.

Aus dem steilen Weg wird ein noch steilerer Pfad, zunächst gestuft, dann naturfelsig. Im Schneckentempo bewegt sich der Läuferlindwum durch die mediterrane Natur aus krüppeligem Nadelgehölz und buschigem Gesträuch. Gute 400 Höhenmeter überwinden wir so im ersten Schwung. Besonders schön ist der Moment, als ich, über einen Hügelkamm empor stapfend, zur Linken wie zur Rechten den Blick über das Meer tief unter mir schweifen lassen kann. Gar nicht mehr so fern ist Levanto, sozusagen das nördliche Einfalltor in die Cinque Terre.

Nach 6,7 km ist die Colla di Gritta (326 m üNN) erreicht, eine Passhöhe, von der abrupt die einzige Zufahrtsstraße nach Monterosso in die Tiefe stürzt. Wir folgen ein Stück weit der moderat ansteigenden autofreien „Hauptstraße“, ehe wir über einen ehemaligen, holprig gepflasterten Eselspfad weiter hinauf zum Santuario Madonna di Soviore (470 m üNN), einer der ältesten Wallfahrtskirchen der Cinque Terre, gelotst werden. Knapp 10 km liegen hinter uns und ich freue mich auf die erste Verpflegungsstation vor dem Kirchenportal.

 

„Alta Via“ – auf dem Höhenweg
durch die Cinque Terre

 

Noch ein weiteres - letztes - Mal müssen wir ein Stück weit mit dem drögen Asphalt einer Straße vorliebnehmen. Dann heißt es nur noch: Natur und Trail pur. Die nächsten 17 km traben wir in stetigem Auf und Ab auf ausgesetzten schmalen Pfaden in der Höhe dahin. Durch frühlingserwachend weiß blühendes Buschwerk geht es zunächst hinab. Spektakulär ist der Blick in die Tiefe bei km 13: Gar nicht fern, aber tief unter uns liegt Vernazza, das wohl berühmteste und meistfotografierte der Dörfer. Auf einem ins Meer ragenden Felsvorsprung thront das Dorf und an dessen Spitze das alles überragende mittelalterliche Kastell Doria.

 

 
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Den Berggang einlegen heißt es auf den folgenden Kilometern: Der „Alta Via“, dem durch die Cinque Terre führenden Höhenwanderweg folgend, gelangen wir in Höhen bis zu 800 m üNN. Das dichte Gestänge des jungen Laubwaldes gibt nicht allzu oft den Blick frei, sodass wir uns ganz auf den durch Stein und Wurzeln holprig-stolprigen Pfad konzentrieren können. Ein kühleres Lüftchen signalisiert, dass wir den Kamm der Hügelkette erreicht haben. Und siehe da: Ab und zu gibt die Natur einen kurzen Blick in Richtung Meer frei. So rummelig es teils in den Dörfern zugeht, so einsam und fern der Zivilisation sind wir hier oben. Für Liebhaber ausgedehnter Waldtrails ist der Weg ein Traum.

Bis km 27 geht es auf diese Weise dahin. Dann erreichen wir beim Colle del Telegrafo den westlichsten Punkt des Kurses. Bis 12:30 Uhr müssen wir die hier positionierte zweite „große“ Verpflegungsstelle erreicht haben, sonst schnappt die Sollzeit-Falle zu.

Herausforderungen neuer Art hält das nächste Wegstück bereit: Über 500 Höhenmeter gilt es in Richtung des südlichsten der Cinque Terre-Dörfer, Riomaggiore, zu überwinden, und zwar downhill auf teils überaus steil abfallenden, schmalen Pfaden. Dazwischen eingestreut sind winkelige Wege durch und um die im Steilhang terassenartig angelegten Wein-, Obst- und Olivenkulturen. Ein optisches „Wow“-Erlebnis bietet vor allem das hoch im Abhang thronende Santuario di Montenero: Denn von hier blicken wir wie aus einem Adlerhorst von oben in das 250 Meter tiefer liegende Riomaggiore.

 

Riomaggiore

 

Spektakulär wie alle Cinque Terre-Dörfer thront Riomaggiore in und über den Küstenfelsen. Die pastellfarbenen hohen Häuser drängen sich zwischen den Felswänden einer Schlucht, die ein Bergbach in das Gestein gefräst hat. Die im Talgrund verlaufende Hauptstraße endet jäh am winzigen Hafen. Das grandiose Ortsbild inmitten der wilden Landschaft offenbart sich aber vor allem aus der Distanz.

Immerhin 2,5 km benötigt unser Kurs noch, bis wir den Ort erreichen. Er führt uns durch die pralle Natur eines Seitentales. Einzelne Gehöfte betreiben hier angesichts der Hanglage Landwirtschaft „extrem“. Holprige, aber gut ausgebaute Wege führen mittendurch. Über eine Treppe mit ungezählten, rutschigen Stufen geht es schließlich direkt hinein in den hinteren Teil Riomaggiores, dorthin, wohin sich die Touristen in der Regel nicht verirren. An einem Getränkestand bei km 31.4 werden die Läufer bereits erwartet.

 

 
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Gerade einmal ein guter Kilometer trennt Riomaggiore vom Nachbarort Manarola. Luftlinienbetrachtet. Ein mehrfaches an Distanz sieht allerdings unser Kurs vor. Und der hat es so richtig in sich. Entspannt geht es zunächst noch los, über einen komfortabel gepflasterten Panoramaweg. Von oben blicke ich über und in den direkt an der Steilküste angelegten Bahnhof Riomaggiores. Auf der Strecke Levanto – La Spezia verschwindet die Bahntrasse fast vollständig im Fels. Nur an den Bahnhöfen der fünf Cinque Terre-Dörfer erblickt sie jeweils kurz das Licht der Welt. Dank 20 Minuten-Takt kann man sich auf diesem Weg ganz einfach von einem Dorf ins andere „beamen“.

Dann ist sie da: Die Treppe. Das klingt zunächst einmal banal, ist es aber nicht, wenn sie extrem steil und einfach nicht enden will. 200 Höhenmeter führen die Stufen schnurstracks hinauf in die Weinberge von Corniolo. Ich schnaufe, fluche innerlich. Aber den Gesichtern und dem schweren Gang der anderen entnehme ich: Ihnen geht es nicht anders. Hoch oben wartet schon ein Trupp Sanitäter auf „Kundschaft“.

Die andere Seite der Medaille: Spektakulärer denn je präsentiert sich die Einzigartigkeit der Terrassenlandschaft. Im Laufe von Jahrhunderten ist sie entstanden. 11.000 km lang sollen die Steinmäuerchen sein, mit denen in den Cinque Terre den steilen, wie ein Faltenwurf geformten Klippen Terrasse um Terrasse abgetrotzt und so eine Kultivierung des an sich unkultivierbaren Geländes mit Gemüse, Oliven, vor allem aber mit Rebstöcken ermöglicht wurde. Auf diese Weise ist ein landschaftliches Gesamtkunstwerk entstanden, zu dessen Erhalt vor allem die Winzer der Region beitragen.

Nicht minder grandios ist der Blick auf die Steilküste und das tief unter uns verschwindende Riomaggiore. Ein schmaler Pfad führt durch die Weinterrassen weiter bis zum Weiler Groppo und dort direkt hin zur „Cantina Cinque Terre“, einem der großen Weingüter der Region. Gerne hätte ich im Showroom an einer Weindegustation teilgenommen, doch begnüge ich mit dem banal Flüssigen, das davor an die durstigen Läuferkehlen ausgeschenkt wird.

Auf verwunschenen Pfaden durch eine archaische Grünlandschaft geht es downhill dem nächsten Dorf entgegen.

 

Manarola

 

Kommunaltechnisch ist Manarola „nur“ ein Ortsteil Riomaggiores. Wie Riomaggiore besteht das Dorf im Wesentlichen aus einer einzigen Häuserschlucht – und das darf man wörtlich nehmen –, durch die sich die im Talboden führende Hauptstraße fast bis ins Meer ergießt, wären da nicht ein paar Klippen, die final im Weg stehen. Optisch noch spektakulärer als in Riomaggiore erscheint allerdings dieser Abschluss gen Meer, wo die Häuser dicht an dicht hintereinander gestaffelt aus den senkrechten Klippen förmlich heraus zu wachsen scheinen. Ein magischer Anblick.

35,5 km liegen hier hinter mir, als ich beim „ristoro“ im Ort einlaufe. War deren Zahl entlang der Alta Via noch eher rar gesät, dürfen wir uns auf den letzten 16 Kilometern durch die Dörfer allein auf sechs Stopps freuen. Und das ist gut so, zehrt der Trip über die Dörfer doch sehr viel mehr an den Kräften.

 

 
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Mental sollte man sich nun auf ein Deja Vu einstellen -  was das Treppensteigen angeht. Nur sind es dieses Mal mit 300 noch mehr Höhenmeter, die der Überwindung harren. Vielleicht reicht die bloße Horrorvorstellung, dass sich die Realität nicht ganz so schlimm anfühlt, vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass der Weg zwischenzeitlich abflacht und der Untergrund wechselt. Jedenfalls: Die steile Treppe geht in einen Single Trail über, der erst durch die terrassierten Weinberge, dann auf einem traditionellen Eselspfad durch alte Olivenbaumbestände zum Weiler Volastra (km 37) und zur Wallfahrtskirche Madonna della Salute führt. Einmal mehr ein Augenschmaus sind unterwegs die Panoramablicke zurück nach Manarola und über die umliegenden Steilhänge.

Die Region um Volastra ist gekennzeichnet durch die wohl höchste Dichte an Weinbergen in den Cinque Terre. Und das wirkt sich natürlich auch auf unseren Laufkurs aus. Im Zickzack, Steinmauer rauf, Steinmauer runter, führt der durch die Rebstöcke. In der Ferne kann ich bereits unser nächstes Zwischenziel inmitten der Natur thronen sehen: Corniglia, unser Dorf Nummer drei.

Jenseits des Weinanbaugebiets tauchen wir wieder ein in teils dschungelartige Natur, durch die sich ein einsamer Höhenpfad windet. Jäh stürzt dieser auf Höhe des Dorfes in die Tiefe. Mit einem Hinweisschild warnt der Veranstalter auf die besondere Gefahr der Passage hin. Zum Glück hat sich der Morgenregen nicht fortgesetzt, sodass der Untergrund trocken ist. Bei Regen und Matsch wäre das Rutsch- und Sturzrisiko beträchtlich.

 

Corniglia

 

Corniglia ist das ruhigste und untouristischste der fünf Dörfer, was wohl auch daran liegt, dass es als einziges nicht direkt am Meer, sondern etwa 150 Meter erhöht auf einem Hügel liegt. Mitten im Ort werden wir nach 40,6 km einmal mehr zum „Einkehrschwung“ erwartet. Gesalzene Nüsse und Cola sind für mich das Gebot der Stunde. Das angebotene Dunkelbier schlage ich deswegen aber nicht aus.

 

 
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Von Corniglia aus setzt sich der Streckenkurs hoch über dem Meer auf dem direkt der Küstenlinie folgenden „blue trail“, dem offiziellen Wanderweg für fußtaugliche „normale“ Touristen, fort. Auch wenn der ausgesetzte Pfad durchaus knackige Auf- und Anstiege ausweist, ist er vergleichsweise gut, etwa mit Geländern an gefährlicheren Stellen, ausgebaut. Sensationell ist feeling, meist in direktem Blickkontakt mit der endlosen Weite des Meeres zu stehen, unter sich die felsige Brandung zu sehen und und die dagegen donnernden Wellen fast schon zu spüren und eins zu sein mit der wundervoll opulenten mediterranen Vegetation ringsum. Besonders markant: Die mächtigen Agaven und Opuntien. Und zwischen ihnen sehe ich schließlich den nächsten Top Spot durchblitzen und schnell näher kommen: Vernazza.

 

Vernazza

 

Ohne Zweifel ist Vernazza das Aushängeschild, das bekannteste „Gesicht“ der Cinque Terre. Und dasjenige mit dem größten Touristenansturm. Kaum ein Werbeprospekt oder -plakat kommt ohne den berühmten Panoramablick aus, den man vom Süden wie auch vom Norden aus, natürlich aus der Höhe, auf das so malerisch in die Küstenklippen eingebettete Dorf erleben kann. Als Läufer habe ich insoweit gleich mehrfach das Vergnügen.

 

 
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Nach dem Adlerblick von der Alta Via aus erwartet mich zunächst der „Südblick“ mit dem halbinselartigen Burghügel und dem Hafen. Kein Wunder, dass an den Aussichtspunkten entlang des Weges spontan die Touristendichte zunimmt. Aber kein Vergleich ist das zu dem, was mich, die verwinkelt-steilen Treppen in das Herzen Vernazzas hinunter hoppelnd, erwartet. Am Verpflegungsstand bei km 44, direkt an der Hauptstraße, wälzt sich ein Besucherstrom ungeahnter Dimension vom Bahnhof gen Hafen und retour dahin und beäugt en passant neugierig die abenteuerlich gewandeten Figuren, die wie aus dem Nichts auftauchen.

So spontan, wie ich in diesen Spuk eintauche, bin ich auch wieder draußen. Ein Helfer sorgt dafür, dass für die frisch gestärkten Läufer eine Trasse zum unbedrängten Queren der Straße freigehalten wird. Welch ein Service.

Und schon entschwinde ich wieder in der Einsamkeit eines schmalen Seitengässleins. So ruhig ist es, dass ich Schritte zwischen den Häuserwänden hallen höre. Über steile Treppen gewinne ich schnell wieder an Höhe. Und einmal mehr offenbart sich aus dieser Perspektive Vernazza in seiner ganzen Schönheit, nun von Norden aus. Dass die Sonne zudem ein kurzes Stelldichein gibt, erhöht den Reiz zusätzlich.

Geradezu harmlos schauen die verbleibenden Steigungen auf dem Streckenplan aus. Anders fühlt sich die Realität an. Erneut, aber nun final, entführt uns der „blue trail“ in ungeahnte Höhen. Die Kulisse, die uns der mitten durch den Steilhang jonglierende Steig offenbart, entschädigt aber mehr als reichlich für die Mühen. Ja, diesen Weg sollte man unbedingt einmal ganz in Ruhe entlang pilgern, den Rucksack mit einem leckeren Picknick gefüllt und an den zahllosen traumhaften Viewpoints die Szenerie einfach entspannt aufsaugen.

Nach Träumereien ist mir allerdings mittlerweile weniger zumute. Ich sehne physisch geplättet primär nur noch eines herbei: Das Ziel. Als ich zwischen den Bäumen zuerst den Strand von Monterosso erblicke und wenig später hoch über dem Bahnhof stehe, schlägt mein Herz höher. Zum letztes Mal gilt es einen steilen Pfad hinab in die Tiefe zu bewältigen, schon ist der Zielbogen erreicht, wo jeder Ankömmling von tapfer ausharrenden Zuschauern auf den letzten Metern ins Ziel heftig angefeuert wird.

 

Zurück in Monterosso

 

Holla – das war ein hartes Stück „Laufarbeit“. Aber einen so grandiosen, begeisternden Naturkurs, vor allem auf dem letzten Drittel, habe ich eigentlich noch nie erlebt.

 

 
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Eine ausgefallene Finisher-Medaille aus Olivenholz krönt ein höchst ausgefallenes Rennen. Wie vor dem Start wird auch im Ziel ausgiebig und opulent gefeiert. Die Zielverköstigung direkt am Meer vor der langsam untergehenden Sonne, unter anderem mit Lasagne, Muscheln, Spinatquiche, Kuchen und natürlich Vino Cinque Terre DOC, setzt Maßstäbe in Sachen Qualität und Ambiente. Eines weiß ich bestimmt: Ich komme zurück in diese traumhafte Gegend. Und das nächste Mal bringe ich vor allem eines noch sehr viel mehr mit: Zeit.

 

Informationen: SciaccheTrail
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