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31.07.10 - Swissalpine Irontrail

Der Besondere

 
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Von Weitem grüßt in der Landschaftsmulde der Römerturm von Bergün. Wenn man ihn im Blickfeld hat, dann gibt es schon bald wieder Verpflegung – und für die, die vom Gepäcktransport Gebrauch gemacht haben, eine neue Garnitur Kleider – und eine kurzweilige Querung dieses durch den Engadiner Baustil geprägten ruhigen Straßendorfs. Vor den Häusern mit ihren typischen Erkern, Sgraffiti-Fassaden und charakteristischen Türen stehen immer noch zahlreiche Zuschauer, die hier vor einer halben Stunde den Pulk des K42 mit ihren Anfeuerungsrufen auf die Strecke geschickt haben und nun uns, die wir bereits so viele Kilometer in den Beinen haben, ihre Unterstützung geben.

Das Val Tuors ist trotz der landschaftlichen Schönheit ein Stück zum Beißen. Rein optisch wirkt es, abgesehen von einem kurzen kräftigen Anstieg vor Teva, gar nicht so steil. Meine Beine sind da aber nicht gleicher Meinung und es geschieht mir Gleiches wie nach Filisur. Immer wieder werde ich überholt, und der Unterschied der Geschwindigkeit dünkt mich frappant. Habe ich in diesem Jahr schon zu viel Substanz in den Bergen gelassen, oder ist das Erfahrung, die mich aus dem Unterbewusstsein steuert und mir zu einer vernünftigen Einteilung verhilft? Ich weiß es nicht und zerbreche mir nicht den Kopf darüber, denn je langsamer ich unterwegs bin, desto länger kann ich diesen Traumtag in den Bergen genießen, mit einem Wetter, wie es nur selten zu erleben ist.

In Chants gibt es Verpflegung, Abkühlung am Brunnen und fröhliche Kunst an Hausmauern zu bewundern. Und dann kommt der Einstieg in mein Lieblingsgelände. Zuerst in Serpentinen den Wald hoch, dann nach einer weiteren Verpflegungsstelle auf einem Trail steil einen lichten Arvenwald hoch. Kein Ende ist abzusehen und nicht wenige müssen hier schon ihrem zu hohen Anfangstempo Tribut zollen und sich eine Auszeit genehmigen. Diejenigen, die ich überhole, tragen jetzt zusehends mehr  die blauen Startnummern des K42 oder die Nummern der Frühstarter. Probleme gibt es beim Überholen keine, bis hierher erinnern sich alle an die Fairplay-Regeln, die im Vorfeld, besonders im Hinblick auf den Frühstart, kommuniziert wurden.

 
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So sehr ich dieses Gelände auch liebe, ein Kinderspiel ist es nicht. Am Trail Verbier Saint Bernard, als wir uns im Unwetter über ein Schneefeld plagten und wegen unüberwindbarer Sturzfluten querfeldein einen eigenen Weg suchen mussten, meinte Richi, der Swissalpine sei im Vergleich dazu ein richtiger Kindergeburtstag. Beim Gedanken daran muss ich schmunzeln, denn dort schien mir das auch so, im Moment bin ich mir aber nicht mehr ganz so sicher. Sicher ist es heute im Vergleich zu jenem Erlebnis ein Leiden in der Komfortzone, ein bisschen Verklärung der Erinnerung war aber damals auch dabei.

Auch wenn die üppige Blütenpracht des Bergfrühlings nach den heißen Wochen Anfang Juni und Juli nicht mehr anzutreffen ist, bleibt die Vegetation an dieser Stelle eine Augenweide. Eine Alpweide bildet den Übergang zu der Zone, wo die Vegetation immer karger wird. Je mehr von den über 300 Höhenmetern zwischen der Verpflegung auf Tschüvel und dem Kulminationspunkt Keschhütte überwunden sind, umso mehr verdrängen Felsen und Geröll das Grün.

Vor der Keschhütte, bei der Zeitnahme, kommt die Stunde der medizinischen Wahrheit. Traditionell steht der Rennarzt dort, von dessen prüfendem Blick die weitere Teilnahme abhängt. Ich habe keine Schwierigkeiten die Triage zu überstehen, aber auch er kann mir keine Cola verschreiben. Die gibt es leider erst auf dem Scalettapass. Dorthin sind es aber noch sieben Kilometer. Bevor ich den Abstieg nach Platta Naira in Angriff nehme, sehe ich mich erst – zusammen mit vielen anderen - noch am Panorama satt.

 
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Beim Abstieg auf dem teilweise schmierigen Trail habe ich erstmals ein Überholproblem. Es handelt sich aber nicht um einen Ultra mit Frühstart, sondern um eine Teilnehmerin des K42, die mit iPod-verstöpselten Ohren, zufrieden mit sich und der Welt, die Welt um sich herum nicht wahrnimmt und keinerlei Anstalten macht, zur Seite zu treten.

 

Informationen: Swissalpine Irontrail
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