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02.09.17 - SoonwaldNaheUltraTrail

Tolles Sammlerstück

Wer Freude hat an stetig steigenden Steigungen und sehr gefälligen Gefällen, wird im Ziel mit einem seltenen und ungewöhnlichen Sammlerstück belohnt. Wenn die Sonne scheint und  dazu noch der gesamte Ort auf den Beinen ist und beim Innenstadtfest feiert, dann passt das eine zum anderen. Die engagierte Orga hat alles richtig gemacht!

SoNut könnte auch Soonut heißen. So heißt der Naturpark - Soonwald. Südlich der Mosel und nördlich der Nahe gelegen, ein sehr angenehmes Fleckchen Erde. Kulturhistorisch war hier auch schon einiges los, alte Burgen überall. Entlang der Nahe gibt es Weinbau, so manches leckere Tröpfchen kann man kosten. Der Soonwaldsteig führt quer durch, von Kirn nach Bingen, zum Teil mit dem Saar-Hunsrück-Steig zusammen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Steig hat mit Steigung zu tun. Das ist kein Wanderweg, sondern ein recht anspruchsvolles Gewege, auch Trail genannt. Schmal, steil, steinig. Rauf und runter. Und überall da, wo es wirklich schön ist. In Windungen, die Täler rauf und wieder runter, manchmal kann man an der Sonne die Himmelsrichtung erahnen, bis zur nächsten Kurve. Und an allen Burgen, Stollen, Mühlen, Kapellchen vorbei. Nichts wird ausgelassen. Höchstens mal ein Richtungsschild von einem abgelenkten Läufer ...

 

 
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Samstag, ganz, ganz früh: Startnummernausgabe im Schulhof des E. Felke- Gymnasiums. Von 6:20 bis 7:20. Dann ein Kurzbriefing und ab zum Bahnhof. Der Zug ist pünktlich, der wartet nicht. Zuspätkommer haben dann ein Problem. Er bringt uns in 10 min. nach Kirn. Hier wird es gleich losgehen.  Erst die gemütliche, dann die flotte Truppe, 90 Starter alles zusammen. Der supernette Bürgermeister spendiert uns Kaffee und Rosinenteilchen am VP 0 im Sitzungssaal, damit hat keiner gerechnet. Briefing für die Strecke: Ein "Ab hier" mit Zusatz zeigt die Richtungsänderung an, wenn wir den Soonwaldsteig verlassen sollen. Dieser ist gut beschildert und die ersten 36 km sollten problemlos sein. Noch eine heitere Ansprache, Startschuss und ab.

Links der Schornstein der Kirner Brauerei, vor uns der Aufstieg. Laufen kommt später, erstmal gemächlich. Wir sind die gemütliche Truppe. Es juckt in den Beinen, jaja, der Tatendrang, aber besser langsam. Körnchen nicht zu früh verpulvern. Es ist auch ordentlich steil, kurz drauf dürfen wir alle hm wieder hergeben. Durch einen Vorort durch, dann hat uns der Wald wieder. Hier kann man nun auch laufen. Ein schmaler Trail in Wellen und Windungen. Die Schilder lernt man auch zu lesen. Alles flutscht. Eine prachtvolle Waldlandschaft, Burgen, Aussichten, Wiesen und Bäche. Und 12 km bis zum VP1.

 

 
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Gründlich auftanken. Denn der nächste VP kommt in 10 km. Lange Wege, mächtig viel Höhenmeter. Der Trail hat manche Schotterwege zur Erholung zu bieten, Straßen werden nur gequert, Asphalt hat es ganz wenig. Viel Kultur kommt. Eine alte Blei-Zink-Grube mit kurzen Stollen, eine gewaltige Burgruine und eine Keltenhöhenburg. Die Kelten sind gerade zuhause, ihre PS haben sie im Pferch angebunden und teilen gerade die letzte Beute unter sich auf. Das sieht der eifrige Läufer aber nur, wenn er sich zum Zaun schleicht.

Was nun kommt, ist knallhart: ein Anstieg, so ab km 18 bis etwa 24. Gesamt nur 300 hm. Aber es zieht sich. Und zieht sich. Meine Beine wollen einfach nicht in den Laufschritt fallen. Der Weg ist breit und einfach. Hier holt mich die flotte Truppe ein, fröhlich flitzen sie vorbei, ein Hallo, und weg sind sie. Sie werden nach 6:12 h im Ziel sein. Tolle Leistung.

VP2, fast oben, hat alles. Einfach alles und reichlich. Sogar Sitzbänke sind aufgestellt. Wo hat man so was schon erlebt? Klar- nur hier denkt man so fürsorglich an den ermatteten Läufer. Mit klarem Kopf, manche vielleicht im Zucker- oder Colaschock, erreichen wir erst einen Aussichtsturm und dann den Teufelsfels. Quarzitbrocken in jeder Größe liegen herum und der Deibel hat sie mit der Kante nach oben in den Weg gesteckt. Die schlimmsten hat die Orga mit hellgrüner Farbe markiert, das hilft! Bloß hier nicht stürzen, Steine sind hart und diese hier ganz besonders.

Aber rasch wird der Weg besser laufbar und auf dem Höhenzug entlang ohne Wellen quasi zur Erholung. Bergab in Serpentinen, schnell ist das hier und schnell ist man am Wegesschild vorbei... Dann heißt es kehrt machen. Schild suchen, den richtigen Weg nehmen. Ist vielen so passiert, an den rechtwinkligen Abknickungen in die Brennesseln rein.

 

 
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Unten ein Flüsschen mit Brücke neben der B42, dann ein furchtbarer Anstieg im Quarzitgeklumpe, steil und schlauchend. Aber machbar. Hier trifft man auf ein oder zwei Schotterhänge, als ob gerade eine Lawine abgegangen wäre. Auf halber Höhe dieses Anstieges unerwartet ein Stück richtig guter Waldweg. Kein Abzweig in Sicht, also krame ich im Rucksack die Karte raus und gucke mal, wo ich denn so bin.  Fein, es geht ja noch hoch, aber auf diesem Weg, endlich mal ausruhen. Schiet, wann kommt denn mal ein Schild, dahinten vielleicht, auf der Karte passt es ja, naja nach der Kurve vielleicht. Und wieso liegt der Steinbruch links, der müsste doch rechts...

Der aufmerksame Leser ahnt es natürlich gleich: der Trottel hat sich verlaufen! Schlimmer noch: Er kehrt nicht um, sucht sich was Eigenes und verpasst so die Burg Koppenstein. Aber ich habe auch was gelernt: Auf der Zufahrt zum Steinbruch lerne ich auf Probestücken sämtliche Asphaltmischungen kennen, die sie hier anbieten. Ist doch auch mal was.

Den Berg rechts umzingelt, treffe ich wieder auf den Soonwaldsteig. Nach dieser Steigung kommt noch eine. Erst frisch gemachte Straße, dann offene Wiese, dann ein Schlammtrail. Und das im Regen. Wetter.com hatte wieder mal Recht. Ganz, ganz oben steht der Aussichtsturm Alteburg, hier ist Schluss mit dem Soonwaldsteig. "Ab hier",  dick markiert. Runter vom Berg, flottes Laufen auf weichem Waldboden und unten  VP3 nach 16 km. Endlich...

So, noch 24 km. Wohl versorgt, satt und zufrieden, der Regen hat auch aufgehört, auf leicht fallender Schotterstraße durch den Wald. Flatterband an den Büschen erfreut das Herz, ich bin richtig! Und wieder "Ab hier", ein Willigis-Vitalsteig mit lila Symbolen für die nächsten 10 km. Feiner Trail, schön schlammig, dem Regen sei‘s gedankt. Irgendwer hat den Weg freigeschnitten, Gras und Brennesseln liegen rum, unten im Wald, an den Hügeln und oben auf einer Freifläche. Einfach dem gemähten Gras folgen. Die großen Höhen haben wir zwar hinter uns und die steilen Abschnitte auch, aber immer noch kostet es reichlich Kondition.

Eine Gleitschirmfliegerschule ist aktiv, direkt an unserem Weg. Freundliche Piloten wünschen uns viel Erfolg. Für alle Ausgelaugten und Krampfgeplagten steht auch eine Salzlecke am Waldrand bereit, hier wird wirklich an alles gedacht...

VP4, der letzte auf der Strecke. Man lernt, dass Kirner Bier gut gekühlt am Besten schmeckt. Die Vor-Ort-Ressourcen werden sinngemäß genutzt. Ab hier noch so 12 km, mit Flatterband markiert, bis zum Ziel. Ein langer Anstieg noch, dann wird es wellig, oben in den Hügeln über Bad Sobernheim. Hier lerne ich auch eine sehr nette Teilnehmerin aus Budapest kennen. Ihr macht es überhaupt nichts aus, zwei Maras ist sie schon gelaufen und nun hier. Ihr Freund hat gerade den Lauf gewonnen und sie will jetzt schnell zu ihm. Damit er sich keine Sorgen macht. Toll, was? Und weg ist sie.

Andreas holt mich ein. Der Lauf ist sein Geschenk von seiner Frau, die vor jedem VP alle Läufer begrüßt hat. Mit dem Fahrrad hat sie auch gut zu tun gehabt. Die Sonne sinkt allmählich, das Licht im Wald ist toll. Statt Waldboden weiches Moos, besser geht‘s nicht. Noch ein Steilhang runter. Am Golfhotel fängt ein guter Weg an. Nur - vom Ziel ist nichts zu sehen. Gar nichts. Und bloß noch 2-3 km. Nur Gegend, die aber schön.

Immer dem Flatterband nach.  An einer Straßenunterführung dann endlich: Fast geschafft! Ein paar hundert Meter noch, alles wirkt wie ausgestorben. Klar, die sind auf dem Fest.

Unser Ziel kommt überraschend, eine Kurve und wir sind da. Frank hängt uns das Sammlerstück um: Ein Soonwaldsteig-Schild. Den ganzen Tag vor Augen und nun zum Mitnehmen!

Kirner Weizen, Crepes, Cidre, Spieße, Pommes, Burger, Tapas - das Fest hat viel zu bieten, die Speicher sind schnell wieder voll. Wer so spät kommt, braucht auch nicht lang auf die Siegerehrung warten: Die jeweils 5 Schnellsten und das schnellste Team werden gefeiert. Ein kleiner Höhepunkt des Festes, für uns ein großer.


Fazit

Von Läufern für Läufer, das merkt man deutlich. Es geht kaum besser. Die Strecke ist anspruchsvoll. Trailschuhe sind wichtig, Stöcke können in der ersten Hälfte sehr viel helfen. Wer hungrig ist, packe sich was ein, die Abstände der VPs sind zwar ok, aber das Gelände fordert viel Kraft. Die Pflichtausrüstung hat ja jeder dabei, ohne diese geht gar nichts. Wer also ein Soonwaldschild braucht, laufe 2018 hier mit. Unvergesslich!

 

Informationen: SoonwaldNaheUltraTrail
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