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11.04.15 - Kyffhäuser Bergmarathon

Generalprobe

Nach langer Zeit zieht es mich wieder ins nördliche Thüringen zum Laufen. Der Kyffhäuser-Berglauf, den viele Trailläufer als Vorbereitung für spätere Laufausflüge ins unebene und bergige Gelände nutzen, zieht von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer an. Die 2000er-Marke ist längst gerissen und dieses Jahr haben sich sage und schreibe über 2500 Sportler in die Listen eingeschrieben. Beim Marathonbewerb schaut es gar so aus, dass die Startnummern ausgehen und man sich mit denen für den Halben behelfen muss.

Nachdem es dieses Jahr mit Frühling, warmen Lüfterl, singenden Vögerln und kurzen Klamotten bisher mau ausgeschaut hat, dreht Petrus am Rad und präsentiert uns ein Bilderbuchwochenende. Keine Wolke am Himmel und Temperaturen bis an die 20 Grad.

Mit Henriette Appel geht es auf die rund 400 Kilometer lange Reise, die leider aufgrund des starken Wochenendverkehrs eine gute Stunde länger dauert als sonst. Aber wir haben Glück und kommen noch im Zeitfenster der Startnummernausgabe in Bad Frankenhausen an. Zwar sind die Pensionen in der 9000 Einwohner zählenden Stadt ausgebucht, doch für den Läufer ohne großen Anspruch steht eine große Turnhalle für eine Unterkunft von Freitagabend bis Sonntagmorgen zur Verfügung. Fünf EUR werden pro Übernachtung fällig und wer nicht hungrig in den Tag hinein laufen will, der zahlt für ein Frühstücksbuffet in einer Gaststätte den gleichen Preis hinzu.

Die Startnummern erhalten wir in Sekundenschnelle. Außer ein wenig Werbung finden wir in der Starttasche die Startnummer, auf deren Rückseite ein Einmalchip aufgeklebt ist. Auf dem Schlossplatz, eine fußballfeldgroße Wiese, sind zahlreiche Zelte für das Catering, für die kleine Läufermesse und die Nummernausgabe aufgebaut. Auf beiden Seiten sind Start und Ziel bereits aufgebaut.

Was ist denn alles geboten? Neben dem Marathon gibt es noch Gelegenheit für ein Läufchen über 22, 14,9 und sechs Kilometer. Über diese Strecken können auch Walker mit und ohne Stecken und Wanderer ihrer Lust nachgehen. Und für den Nachwuchs gibt es einen Bambini- und Schülerlauf. Geführte Wanderungen werden auch angeboten. Die Biker dürfen sich zudem über 21,5, 42 und 59 Kilometer austoben.

Die Kinderläufe und die geführten Wanderungen sind kostenlos, aber nicht umsonst, denn sie machen Spaß und bringen Interessantes über Land und Leute zutage. Der Halbe kostet 21 EUR, der volle 33 EUR. Nachmeldungen sind gegen einen Zuschlag von fünf EUR bis zum Starttag möglich.
Dafür erhalten wir die volle Infrastruktur, Urkunde aus dem Internet, Medaille, reichhaltige Verpflegung während des Rennens und eine Duschmöglichkeit. Wer sich noch nicht genug am Wettkampftag bewegt hat, der kann dann abends beim Sportlerball noch sein Tanzbein schwingen.

 

Vor dem Start

 

Am nächsten Morgen weckt uns ein Handysignal mit einem melodischen Klang. Nach dem gemeinsamen Frühstück machen wir uns 30 Minuten vor dem ersten Start des Tages (Marathon, 08.30 Uhr) auf dem Weg zum Schlossplatz.

 
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Tipp: Vor der Sporthalle das  Auto gleich stehenlassen, ihr seid in fünf Minuten zum Festgelände marschiert. Dort brummt bereits das Geschäft bei der Nummernausgabe und der kleinen Läufermesse. Vor dem Zelt studieren bereits einige den Streckenverlauf und das Höhenprofil, das beim Marathon knapp 700 Höhenmeter betragen soll. Es dauert nicht lange, dann taucht Wolfgang Bernath auf, der heute am Kyffhäuser zum ersten Mal an den Start gehen wird. Vor den Bergen dürfte ihn nicht bange werden, denn das Siebengebirge vor seiner Haustüre ist alles andere als flach.

„Sie dürfen zur Startlinie vorkommen“, so werden wir von der Moderatorin aufgerufen, sich vorne anzustellen. Die politische Prominenz hat sich auf der Bühne versammelt und wartet auf den Start. Rund 300 Marathonis wollen sich heute beweisen. An der Startlinie hat einer seine liebe Mühe mit seinem Schäferhund, denn der Vierbeiner freut sich auf seinen Sonntagsauslauf und schlüpft aus seiner Leine.

 

Erstes Stück in Bad Frankenhausen

 

Ein Schuss, dann beginnen 300 Marathonis ihre lange Reise, die uns auf einer weiten Schleife durch das Kyffhäusergebirge führen wird. 70 Quadratkilometer Fläche bei einer Ausdehnung von 20 Kilometer Länge und bis zu sieben Kilometer Breite, das sind die Grunddaten des Mittelgebirges, das an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt liegt. Die höchste Erhebung ist der 473 Meter hohe Kulpenberg mit dem Fernsehturm, der bekannteste Ort ist die Reichsburg Kyffhausen mit dem Kyffhäuser-Denkmal. Beide Stätten werden wir auf unseren Trip anlaufen.

 
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Gleich nach dem Start rennen wir am Schloss Frankenhausen vorbei. Der Bau geht im Mittelalter auf eine sogenannte Unterburg zurück, die als Teil der Stadtbefestigung ausgebaut war. Während der Bauernkriege im 16. Jahrhundert erhob sich die städtische Bevölkerung mit den aufständischen Bauern gegen die Obrigkeit. In dessen Folge wurde das Schloss stark beschädigt. Der große Stadtbrand von 1689 vernichtete das wieder aufgebaute Schloss erneut. Erst viel später wurde das Herrschaftsgebäude in der heutigen Form wiederaufgebaut. Nach dem ersten Weltkrieg fand das Stadtmuseum einen Unterschlupf darin.

Ein paar Schritte weiter rennen wir an der Unterkirche vorbei. Die St. Marienkirche, wie sie auch genannt wird, wird 1215 als Kloster der Zisterzienserinnen erbaut. Heute nutzt die evangelische Kirche das Gotteshaus, in dem der Taufstein aus weißem Marmor und der Altar sehenswert sind. Wenn mehr Zeit für eine Stadtbesichtigung wäre.

Es geht durch die Altstadt, teils auf Asphalt, teils auf Kopfsteinpflaster zum Anger, wo zumindest ein paar Zuschauer stehen. Viele werden es auf der Strecke nicht werden. Wer beim Marathon auf Zuschauerzuspruch angewiesen ist, der muss halt in die Großstadt. Nach ein paar Metern auf der für uns gesperrten Bundesstraße 85 biegen wir nach links auf die Rottleber Straße ein. Guter Asphalt zum Einrollen. Ein paar Augenblicke läuft Joe neben mir. Er versucht, mich zum morgigen Bilstein Ultra zu überreden. Vergeblich.

Stattdessen komme ich ins Reden mit Andreas und Ulrike Pautzsch. Kennt Ihr nicht?  Sie stehen dem Kanu- und Laufverein Altenburg vor, der den Skatstadtmarathon organisiert. Vor sechs Jahren fand der Lauf das erste Mal in Altenburg statt, mehr aus einer Laune heraus. Da zur Premiere aber bereits 2000 Sportler an den Start gingen, konnte man nicht anders und machte weiter. Am 13. Juni ist es wieder soweit.

 

Rottleben, Steinthaleben

 

Recht gefällig geht es auf der Kreisstraße Richtung Rottleben weiter, bis das Asphaltband nach links abbiegt und wir auf einem rustikalen und holprigen Feldweg Rottleben linkerhand liegen lassen. Die evangelische Kirche St. Johannes (erbaut im 12./13. Jahrhundert) dominiert das Ortsbild.

 
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Kurz nach der Falkenmühle erreichen wir die Barbarossahöhle, die 1865 entdeckt wurde. Der Sage nach soll Friedrich I Barbarossa in der Höhle (seinem Schloss) solange schlafen, bis Deutschland geeint und sein Bart dreimal um den Tisch gewachsen ist. Dann soll das Ende der Welt kommen oder er aufwachen, um wieder zu herrschen. Bis dahin soll kein guter Kaiser mehr kommen.
In Steinthaleben finden wir die erste Verpflegungsstelle. Wasser, Tee, Cola, Obst steht im Angebot, da braucht keiner verhungern. Etwa alle fünf bis acht Kilometer können wir auftanken. Einige Anwohner schauen zu und helfen aus. Flein, der Ort bei Heilbronn (Stichwort Trollinger Marathon), hat eine Partnerschaft mit Steinthaleben geschlossen. Wir verlassen den Ort auf einer geteerten Ortsverbindungsstraße.

Die Bäume und Sträucher sind kurz vor dem Ausschlagen, der Frühling ist dieses Jahr ein wenig später dran als üblich. Zumindest stehen die Forsythien schon in voller Blüte. Die Sonne heizt uns nun schon ein wenig ein. Am Morgen zeigte das Thermometer noch deutlich weniger als zehn Grad, nun wird es dem Autor zu warm, der an einem Unterstand sich des langen Laufhemds entledigt.

Nun geht es länger bergauf. Als die Steigung endet und der weitere Verlauf Richtung Kelbra gefällig wird, biegen wir rechts ab, wieder ansteigend. Der Grat markiert die Landesgrenze von Thüringen zu Sachsen-Anhalt.

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Informationen: Kyffhäuser Bergmarathon
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