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21.09.16 - Special Event

Burgos Ultra Trail: Der Weg der Legenden

Autor: Joe Kelbel

Der Burgos Ultra Trail ist ein 252 km langer Traillauf, der in 6 Etappen gelaufen wird. Er führt durch die autonome Region Kastilien-Leon in Nordspanien. Startort ist in der Nähe von Burgos, der ehemalige Krönungsstadt der Könige von Kastilien.

Geschichte wird von Politik und Religion geschrieben. Legenden werden von Augenzeugen in die Welt gebracht, dienen der Nachwelt als Warnung, Parallelen zur Gegenwart sind  erwünscht. Begleitet mich auf eine ungewöhnliche Reise:

Die 31 Laufkameraden schlafen schon lange, als ich nach Mitternacht in Trashaedo del Tozo, dem Headquater der Trailorganisation eintreffe. Joao, der gerne betont, daß ich ihm in Kambotscha das Leben gerettet habe, ist noch wach, wir haben viel zu besprechen. Manu Pastor, der Organisator, hat auf Wunsch eines guten Läufers Bierdosen gekauft, 700 Stück. Wir alle kennen uns von den Läufen in Bhutan, Sri Lanka und Kambotscha, daher ist es mir vertraut, daß die Läuferinnen immer um 4 Uhr anfangen zu schnattern. Das bestätigt meine Theorie, daß Frauen nachts mehr erleben, als Männer. Egal, ich werde jedenfalls bester Deutscher bei diesem Lauf sein.

Noch vor meinem ersten Kaffee erscheint Laura, die Rennärztin, um meinen Gesundheitszustand und die geforderte Pflichtausrüstung zu checken. Ich soll auch angeben, wer im Katastrophenfall zu verständigen wäre, ich gebe eine Baden-Badener Telefonnummer an.

 

Erste Etappe 48 km +1400m- 1840m
Die verleugneten Stadt Bravum

 

Zweihundert Jahre regierten die Römer auf der spanischen Halbinsel, doch die im Nordwesten lebenden Kelten (Gallier) waren immer noch nicht bezwungen. Der Stamm Turmogi galt als besonders aggressiv und unbezwingbar, er lebte in der Höhenfestung Ulaña. Rom beorderte sieben (!!!) Legionen zu diesem Felsen, um die Festung einzunehmen. Die Legion des Augustus wurde so gedemütigt, daß es ihr zukünftig verboten war, den Namen und das Banner des Imperators zu tragen. Da erschien Augustus höchstpersönlich vor Ort, leitete von nun an die Belagerung. Nach sieben Jahren zogen es die Kelten vor, sich mit Beeren der Eibe zu vergiften, anstatt von den Römern erschlagen oder zu versklavt zu werden. Das frustrierte die Römer sosehr, daß die Existenz der Keltenstadt Bravum (lat. Stadt der Tapferen) nicht in der Geschichtsschreibung erscheint.

 

 
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Es ist noch stockdunkel, als wir nach 15minütiger Fahrt in Bravum, oder Castro de la Ulaña,  ankommen. Seit 1997 sind  270  Gebäudereste freigelegt worden. Die Ausgrabungen bezogen sich zusätzlich auf die steilen Zugangswege, die vom Fluß Ebro führen, wo einst die Vorfahren der Tumorgi herkamen. In den Nischen und Ritzen der schmalen Canyons, unserem Trailrevier, fand man Knochen, die haben die Familien der keltischen Krieger hier versteckt. Es sind die Knochen ihrer Väter, Männer und Söhne, die sich selbst vergifteten.

Bravum liegt auf einem Tafelberg (1231 m), er ist 3 x 3 Kilometer groß, von steilen Klippen umgeben. Unterhalb ist ein Schutzgraben erhalten, in dessen kompliziertem Mauersystem Haustiere gehalten wurden.

Aus einem lichten Wäldchen tönt eigenartige Musik. Zwei Druiden  empfangen uns dort. Kein Startbogen, keine Zeitmessmatte, kein Weg, aber eindringliche, gurgelnde Worte. Manu übersetzt: „Gebt niemals auf, niemals! Und wenn die Römer kommen, dann schneidet euch die Kehlen durch, oder esst von der Eibe!“ Dabei greift sich der Druide dramatisch an die Kehle und stößt einen gruseligen Ton aus. Manu sagt, dies sei Iberisch- Keltisch. Ich muss lachen, denn die Römer haben die Schriften der Kelten vernichtet. Aus den wenigen Inschriften auf  Steinen kann man keine Sprache rekonstruieren.

 

 
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Am Rande des Tafelberges angekommen, beginnt ein technisch schwieriger Abstieg, bevor wir über ein Hochmoor laufen. Hier gibt es tausende Megalithbauten und -gräber,  Valdemuriel genannt, die über 6000 Jahre alt sind. Die meisten sind nur für geschulte Augen erkennbar. Nach einer Stunde kommen wir in Santa Cruz del Tozo an, wo mir einer der Druiden am VP einen Eibenast in die Hand drückt, auf englisch aber warnt,  das Zeug sei tödlich. Ich weiß es!

Im Tal des Rudron Flußes ist es urig schön, entlang des Weges sind Quelltöpfe, die aus dem löchrigen Karstgebirge entspringen. Gegenüber liegt Moradillo del Castillo an einer Steilwand. Beim folgenden Aufstieg liegen versteinerte Ammoniten auf dem Weg, sie rieseln einfach aus einer Bruchstelle des Berges.

Vor der Bar in Santa Coloma del Rudrón wurde erstaunlich viel Rotwein konsumiert, man brüllt mir hinterher, ich beginne mit dem Aufstieg zum Dolmen Valdemuriel (4000 v.Chr) und laufe in die Grabkammer hinein.  Am späten Nachmittag erreiche ich unser heutiges Ziel, das noble Dorf Sedano (Sellerie), am Fluß Moradillo gelegen. Die Kirche aus dem 15. Jahrh. ist auf einer Anhöhe gelegen. Dann gelange ich zu einem Gästehaus der Universität, unserem heutigen Camp.

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