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09.06.13 - Eifelmarathon

400 Mio. Jahre Geschichte

Der Eifelultra im Rahmen des Eifel-Marathon in Waxweiler

Am 9. Juni fand der Eifel-Marathon in Waxweiler zum 16. Mal statt, aber das erste Mal mit einem Ultramarathon über 51,4 Kilometer. Ebenfalls im Veranstaltungsprogramm waren ein ganzer sowie ein halber Marathon und ein 10-km-Lauf. Bei der Anmeldung konnte man sich am preiswerten Frühstücksbüffet (3 €) stärken und letzte Einkäufe an den Sportartikelständen tätigen.

Gestartet wird um 9.00 Uhr und es geht zunächst 2 km ortsauswärts um dann wieder zum Startpunkt zurückzukehren. Danach geht’s dann nach Biersdorf am See.

Doch wo hat dieses malerische Dörfchen in der Südeifel eigentlich seine Ursprünge?

Lange Zeit vermutete man die Ursprünge des Ortes in der Zeit um 700, doch 2002 legte man die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckten Überreste einer römischen Siedlung frei, die schon auf etwa 150 nach Christus datiert werden. Die wenigen Reste der Siedlung können die Läufer beim km 4,2 rechts des Weges sehen.

Eigentlich beginnt die Geschichte aber schon viel früher, und zwar vor rund 400 Mio. Jahren, im Devon, dem ältesten Erdzeitalter der Eifel. Das Eifelgebirge verdankt seine Entstehung dem Devon, als einem Teil des größten Faltengebirges der Erde, des variskischen Grundgebirges — welches vom französischen Zentralmassiv bis Schlesien-Böhmen und vom Ruhrgebiet bis einschließlich der Alpen reichte. Zu Beginn des Devonzeitalters, als die Eifel und ganz Mitteleuropa ein ungeheures warmes Meer war, lagerten Ton, Sand und Schlick/Schlamm ab und in diesem Sediment (Ablagerung) wurden Meerestiere, Schnecken, Brachiopode (Muscheln) Trilobiten, Dreilappkrebse, ja sogar Seelilien und Seesterne im Meeresschlamm eingebettet, die im Laufe von Jahrmillionen unter Luftabschluss versteinerten.

 
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Durch Verschiebung und Anhebung entstand dann später das variskische Grundgebirge, das einmal mehr als 4.000 Meter hoch war und dann wieder durch Erosion auf die heutige Höhe abgetragen wurde. Die fossilen Tiere und Pflanzen kann man im Devonium Museum in Waxweiler (Laufkilometer 4,5) bestaunen, oder mit viel Glück im Steinbruch, den die Läufer bei Kilometer 3 passieren, finden.

Bei Kilometer 4 kommen die Läufer dann wieder in den Ort Waxweiler. Dessen erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen „Waleswilre“ erfolgte in einer vom Prümer Abt Farabert II. am 15. Juli 943 ausgestellten Prekarie-Vertrag, in der ein Ramengar und seine Ehefrau Adalgard der Abtei Prüm seine Güter in Waxweiler zuwendete. Danach folgte eine wechselvolle Geschichte.

Im Jahr 1794 hatten französische Revolutionstruppen die Österreichischen Niederlande, zu denen das Herzogtum Luxemburg gehörte, besetzt und im Oktober 1795 annektiert. Unter der französischen Verwaltung gehörte das Gebiet zum Kanton Arzfeld, der verwaltungsmäßig dem Departement Wälder zugeordnet war. Waxweiler wurde Hauptort (chef-lieu) einer Mairie.

Aufgrund der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress wurde 1815 das vormals luxemburgische Gebiet östlich der Sauer und der Our dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung gehörte die Gemeinde Waxweiler, damals in der Regel noch „Wachsweiler“ geschrieben, von 1816 an dem Kreis Prüm im Regierungsbezirk Trier und von 1822 an zur Rheinprovinz und hatte eine Apotheke und eine Postexpedition erhalten. Am 1. April 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Heilhausen eingemeindet.

 
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Im Ortszentrum am Jakobsweg liegt auch die berühmte Kirche St. Johannes der Täufer, die mit prächtigen Altären einen Besuch wert ist. Die Läufer selbst hasten jedoch hier zügig vorbei, um sich dann am Ortsausgang, dann den Hügeln und der Natur zu widmen. Nach kurzer Zeit geht es dann teilweise an der Prüm entlang und die Wege werden zu schmalen Pfaden. Um es dann richtig „trailig“ zu machen, hat der Veranstalter keine Mühen gescheut und die Himmelspforten geöffnet, um den Läufern 6 Stunden Dauerregen zu bescheren. Der sorgt dann auch für „schönsten“ Matsch auf der Strecke.

 
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Etwa nach 18 km führt die Strecke ganz überraschend durch das Schloss Hamm, die größte der noch bewohnten Eifelburgen. Diese spätmittelalterliche Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert in Hamm bei Bitburg, beherbergt an diesem Tag einen der reichlich bestückten Verpflegungsstände. Schottische Musiker versuchen hier den durchnässten Läufern mit Dudelsacklängen, den „Marsch zu blasen“. Die Stimmung hier ist trotz des Regens toll, und wir genießen das Abmiete, bevor wir uns wieder auf den Weg in die Eifelwälder begeben.
Es geht immer wieder auf und ab, bevor dann der Bitburger See zu unser linken auftaucht, den wir dann umrunden. Auf der Staumauer nach etwa 23 Kilometern trennen sich die Wege: Während die Marathonis den Bitburger Stausee umrunden und dann den Rückweg nach Waxweiler antreten, stehen den Ultraläufern noch ein neun Kilometer langen Abstecher zur Einsiedelei am Berghang westlich des Sees bevor.

 
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Nach dieser Schleife, mit deutlichen Anstiegen, begeben sich die Ultras dann ab der Staumauer wieder auf die Marathonstrecke. Am Seeende biegen wir dann rechts auf die Strecke ein, auf der wir den Hinweg bereits zurückgelegt hatten. So erreichen wir dann auch zum zweiten Mal an diesem Tag das Schloss Hamm. Es sind nur noch wenige Läufer auf der Strecke und es wird einsam im Regen. 3 km vor Waxweiler verlassen wir dann den bekannten Weg und biegen rechts auf eine Straße ein, die gut 2 km ansteigt, bevor sie sich in Richtung Waxweiler wieder bergab windet.

 
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Kurz vor dem Ziel hat man noch einmal einen tollen Blick ins Tal auf Waxweiler. Nun geht es in schneller Fahrt den letzten Kilometer hinab ins Ziel, wo einen neben der Finisher Medaille auch noch eine Überraschungstüte mit Proben der Brauerei Bitburger erwartet. Das ist dann schon das zweite Carepaket, da man bei der Anmeldung bereits eine Tüte mit Produkten von Arla, der früheren Milchunion Hocheifel erhalten hat.

Alles in Allem bietet diese neue Ultrastrecke nach dem Ultradebüt von Monschau im letzten Jahr, alles was man als Trailläufer erwartet: Schöne Landschaft, tolle Trails, gute Stimmung und knapp 900 Höhenmeter auf 51,4 km.

Am schnellsten bewältigte übrigens Gert Mertens die Ultradistanz mit 3:56:20 Stunden als einziger unter vier Stunden, also gut zweieinhalb Stunden schneller als ich.

 

Informationen: Eifelmarathon
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