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30.04.11 - Harzquerung

Wart ihr schon mal druff?

Es pfeift und dampft, Geräusche aus vergangenen Tagen. Gegenüber der Turnhalle ist der Bahnhof Westerntor und Standort der bekannten Harzer Schmalspurbahn. Diese Bahn würde uns mit 25km/h bequem an den Zielbereich nach Nordhausen bringen, wir bräuchten statt unserer Startnummer nur eine Fahrkarte. Die Sonne läßt sich schon ganz früh blicken und die Vorfreude auf die bevorstehenden 51 km wird immer größer.

Ganz viele Läufer machen sich schon zum x-ten Mal auf diese Harzquerung und schwärmen uns vor, dass dieser Lauf überhaupt der schönste von allen sei. Sie haben übertreiben nicht, das verrate ich schon mal.

Gegen 8:15 Uhr verlassen wir unser Nachtlager und geben unsere Kleiderbeutel am bereitgestellten LKW ab. Es stehen zwei LKW´s bereit. Einer für die 25 km Läufer und einer für die 51 km Läufer. Nun müssen wir nur noch ca. 300 Meter bis zur Startlinie gehen, um zu erkennen, gestartet wird gegen den Berg. Bei der Startaufstellung treffen wir Bekannte unter anderem auch Ina und Klaus, mit den wir bereits beim Bilstein-Marathon ein paar Worte wechselten. Beide nehmen die komplette Strecke, wie auch schon in Bilstein, als Walker unter die Füße.

Gemeinsam trainieren sie, wie wir beide auch, für den Transalpin-Run. Schnell erzählen wir uns die Trainingstaktiken und schon fällt der Startschuss.

 Das über 500 Teilnehmer starke Läuferfeld setzt sich langsam in Bewegung. Kein Gedrängel, kein Geschiebe, diszipliniert laufen alle hintereinander auf die erste Steigung. Man kann nicht rennen, vielleicht ganz vorne. Wir sind mal wieder sehr weit hinten und da geht es nur im Schritttempo voran – aber es machte Spaß. Hinter mir höre ich es hecheln und schnaufen dann sagt ein Läufer: „Bist du das Hans?“ Nein, es hört sich wirklich nicht gut an, es sei denn man wäre ein Hund! Ein Husky genauer gesagt, dem dieses Tempo viel zu langsam ist. Mit seiner Kraft und Power hätte er locker sein Herrchen den Berg hinaufziehen können. Aber auch die beiden müssen sich einreihen. So geht das etwa 15 Minuten und ganz langsam kann man vom Traben ins Laufen übergehen. Nach ca. 45 Minuten erleben wir das erste richtige Highlight – ein in der Morgensonne ruhig liegender Stausee – mit ein wenig Fantasie kann man sich nach Kanada versetzt fühlen.

Erst 6 km gelaufen und im Lauf ist schon alles drin, was sich ein Landschaftsläufer wünscht.

45 Jahre war der Harz geteilt. Zwei Drittel lagen in der DDR, ein Drittel im Westen, dazwischen die fast unüberwindliche Grenze mit Stacheldraht, Todesstreifen und Schießbefehl. Alles fast schon unwirklich, wenn man diese wunderschöne Landschaft sieht.

 
© trailrunning.de 43 Bilder

Wir überholen einen Läufers und kommen ins Gespräch. „Wart ihr schon mal druff?“ fragt er.  Ja, bei diesem Lauf ist es wohl wie bei dem Rennsteiglauf, da ist man wohl druff auf dem Weg, Berg, oder was auch immer. Zumindest warn mer gut druff, wie wir Hessen sagen, auch wenn die Muskeln, Knochen und Gelenke ständig ein Wörtchen mitreden wollen.

Immer wieder mal überholt man einzelne Wanderer, die man nicht nur an der Startnummer, sondern auch an den schweren Rucksäcken erkennen kann. Die Wanderer sind bereits seit 5:00 Uhr auf der Strecke und ich frage mich, ob es wohl angenehmer wäre zu wandern statt zu laufen? Aber dann höre ich, wie sich einer über seine schmerzenden Füße beklagt und ich denke: Also doch keine Alternative.

Ganz bewusst versuchen wir jeden Eindruck aufzunehmen. Wir müssen aber aufpassen, die Wege sind sehr anspruchsvoll. Es gilt Baumstämme zu übersteigen, kleine Flussläufe müssen auf rutschigen Holzstegen überquert werden und immer wieder mal Wurzeln und Gestein. Die Bilder zeigen euch das ständige Auf- und Ab der Strecke, immerhin 1200 HM kommen zusammen.

Entlang der Strecke sind in Abständen von jeweils etwa 10 Kilometern insgesamt vier Verpflegungspunkte aufgebaut, an denen es Schmalz- oder Butterbrote, Äpfel, Zitronen oder, ganz lecker, Orangenscheiben gibt. Auch bei den Getränken gibt es alles, von Tee bis Cola. Die Strecke ist gut und eindeutig markiert mit zusätzlichen Kreidepfeilen auf dem Boden. 

Breite, befahrbare Wege gibt es so gut wie keine. Meist läuft man auf kleinen, wunderschönen Pfaden. So kann man die Landschaft des Harzes tatsächlich, wie beschrieben, in seiner Ursprünglichkeit genießen. Ich meine sogar, Wildschweine gehört zu haben. Es fällt auf, dass kaum ein Läufer mit Ohrstöpseln unterwegs ist.

Die Zeit vergeht im Nu. Mir fällt eine liebe Freundin ein, für die schon ein Stein auf dem Asphalt ein Hindernis darstellt. Was für den einen Läufer noch ein genialer Trail ist, ist für den anderen schon eine Zumutung. Meistens weiß man ja im Vorfeld nicht, auf was man sich einlässt und welche Herausforderungen auf einen warten. Aber das ist der Reiz bei Landschaftsläufen oder beim Trailrunning.  Ich laufe weiter und überlege, wie ich ihr  das vielleicht mal schmackhaft machen kann.  Ich arbeite daran, versprochen, Heike!

 
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Längere Zeit bergauf zu laufen ist sehr anstrengend – körperlich und mental. Man läuft nicht gegen die Anderen sondern nur gegen den Berg. Bei Kilometer 39 haben wir den höchsten Punkt der Strecke erreicht, den Poppenberg, 600,8 m hoch. Für uns nicht hoch genug, denn den 1894 errichteten 33,5 Meter hohen Aussichtsturm besteigen wir auch noch. Die zusätzlich Mühe lohnt sich. Bei dem herrlichen Wetter heute ist die Sicht fantastisch und reicht bis zum Thüringer Wald. Vor diesem Aussichtsturm gibt es eine weitere Verpflegungsstation. Von oben sehen wir viele Läufer beobachten die wir irgendwann mal überholt hatten. Lange hielt es uns aber nicht dort oben, denn dort pfiff ein kalter Wind, für ein Foto war aber noch Zeit.

Beim Marathon ist man bei Kilometer 39 glücklich,  den Lauf bald geschafft zu haben. Für uns geht es heute aber noch 12 Kilometer weiter. Dass es dabei jetzt nur noch bergab gehen sollte, ist ein Gerücht. Erst ab Kilometer 46 und der letzten Verpflegungsstation kann man es rollen lassen, wenn man noch was drauf hat. Wir waren schon mal schneller bergab.

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