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30.03.14 - DKV UrbanTrail de Luxembourg

Urban Trail: Packt eure Rücksäcke

Es geht auf Wegen in den Mauern entlang und auf Treppen bergab. Wir sind wieder am Fluss und folgen ihm ein kurzes Stück. Die farbigen Häuser erinnern mich an Venedig. Vor mir baut sich eine alte Steinbrücke auf. In deren Hintergrund thronen auf hohen Felsen historische Paläste und Kirchen. Was für ein Bild!

Über eine Treppe erreiche ich die Brücke. Hier hält ein Helfer ein Hinweisschild für die Läufer vom 56 km und 13 km Lauf hoch. Gleich folgt die Weiche für die Läufe. Helfer weisen mich nach rechts. Es geht relativ flach und gerade aus weiter.

Bald finde ich mich im Wald wieder. Auch hier geht es erst mal Treppen hoch, dann aber wellig weiter. Der Untergrund ist optimal zu laufen. Zweimal muss man von Helfern gesichert über eine Straße, das ist aber kein Problem. Dann steht eine Helferin mitten auf dem Weg, sie weist mich nach rechts den Berg hinauf. Es ist ganz schön steil. Oben führt ein schmaler Trail wellig weiter, dann geht es wieder bergab. Aha, ich bin wieder auf dem gleichen Weg wie vorher. Das hätte man auch einfacher haben können, mehr Spaß macht aber die trailige Variante. Bei km 11,6 kommt dann die erste Essensstation mit Zwischenzeitmessung. Hier sieht es aus, als ob eine ganze Armee zu verpflegen sei. Vermutlich führen hier noch andere Strecken vorbei. Eigentlich habe ich noch keinen Hunger. Aber es gibt Orangenstücke und Honigkuchen, da greife ich gerne zu.

Auf schmalen Trails geht es weiter. Immer stehen Helfer an den Abzweigen. Was für ein Aufwand. Es geht hoch und runter und das Laufen macht mächtig Laune. Einmal fragt mich ein junger Helfer, ob ich denn Letzte sei. Ich kann es nicht sagen. Ich habe schon lange keinen Läufer mehr gesehen, aber von Besenradlern ist auch keine Spur. Also vermute ich noch andere hinter mir.

Vor mir wird es laut. Die Autobahn kommt in Sicht. Unser schmaler Trail führt darunter hindurch. Es geht steil bergab und dann auf der anderen Seite wieder bergauf. Ich höre Schritte hinter mir. Brigitte kommt mit flottem Tempo den Berg herauf. Sie überholt und zieht mich schwungvoll mit. Das kurze Gespräch ist nett, leider kann ich nicht dran bleiben. An der nächsten VP sehe ich sie das letzte Mal, sie wird mir bis zum Ziel fast eine Stunde abnehmen.

Kurz hintereinander müssen wir zweimal unter der Autobahnbrücke durch. Ist das immer dieselbe? Ich hab die Orientierung komplett verloren. Die nächste VP ist bei km 17,5 am Ortsrand von Hesperange. Die Jugendlichen sind gut drauf und Musik dröhnt aus einem Lautsprecher. Es gibt Wasser, Iso und Apfelsaft, Orangen, Bananen, Äpfel und Kekse. Die wenig befahrene Straße führt uns hinunter in den Ort und über eine futuristische Fußgängerbrücke über die Alzette.

Ich genieße den Wald. Das erste Grün kommt schon zum Vorschein. Dazu blühen ganze Felder von Buschwindröschen und Veilchen im lichten Laubwald. Es ist völlig still. Das nahe Glockengeläut zeigt mir aber, dass bewohnte Gegend nicht weit sein kann. Dann folgen mir plötzlich Schritte. Chantal und Nora aus Luxemburg kommen von hinten. Ein paar aufmunternde Worte später sind sie vorbei. Da bleibe ich jetzt aber dran.

Ein Helfer sitzt im Liegestuhl. Kurz dahinter ist ein Teil des Weges abgesperrt, und Pfeile kommen aus der Gegenrichtung. Reflexartig halten sich die Mädels vor mir links. Da springt der Posten auf und weist sie energisch auf den geraden Weg. Ah, hier kommen wir später nochmal vorbei. Ich bin gespannt wann.

Wir passieren eine weitere Verpflegung (km 23,5). Die steht mitten auf einer Kreuzung. Vermutlich bedient sie auch die andere Seite. Genial, wenn die Versorgung mehrfach benutzt wird. Bei dem gewaltigen Aufgebot an Helfern unterwegs werden sie wenigstens hier entlastet. Wir verlassen den Wald. Felder soweit das Auge reicht. Die vor mir laufenden Frauen sind gut zu erkennen. In brütender Hitze geht es schattenlos auf staubigem Feldweg entlang. Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet,  dass ich die vom Veranstalter vorgeschriebene Eigenverpflegung wirklich brauchen würde. Aber nun bin ich über meinen Wasservorrat im Rucksack ganz froh.

 
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Mann bin ich fertig. Ich schalte den Kopf aus und setzte einfach einen Fuß vor den anderen. Plötzlich sind die vor mir laufenden Mädels verschwunden. Nur ein Auto steht wie eine Fata Morgana in der flirrenden Hitze auf dem Weg. Der Helfer weist mich rechts über die Wiese. Gleich bin ich im Schatten. Es geht noch ein Stück am Waldrand entlang und dann auf einen unwegsamen Wiesenpfad bis zur Straße. Hier (km 28,8) stehen, lauschig an einem kleinen See, motivierte Helfer. Schon von weitem klatschen sie mir zu und feuern mich an. Ich muss mich erst mal stärken. Die Hälfte der Strecke ist geschafft.

Noch ein kurzes Stück verfolgt mich die Sonne, dann bin ich plötzlich in einem dunklen Tannenwald. Hier ist die Luft so frisch und kühl, dass es mir augenblicklich besser geht. Vom breiten Weg lotst mich eine Helferin wieder auf den Trail. Vor einer winzigen Holzbrücke ist eine weitere Zeitmessung aufgebaut. Mit lautem Piep werde ich elektronisch erfasst. Zwei Spaziergänger bleiben extra stehen, um dieses seltsame Schauspiel zu verfolgen, dann feuern sie mich lautstark an. Motiviert geht es weiter.

Ich laufe an einer hohen kahlen Böschung entlang. Weit oben verläuft die Zugtrasse. Nach ein paar Windungen im Wald geht es durch eine Baustelle zwischen übermannshohen Steinhaufen hindurch. Die Pfeile sind wirklich eindeutig, so dass ich nie in Gefahr bin, falsch zu laufen. Nun geht es an der Bahntrasse entlang. Auf der anderen Seite der Schienen kann ich durch die Bäume die weißen Marmorkreuze des amerikanischen Militärfriedhofs erkennen. Auf dem 21 ha großen Areal liegen über 5000 amerikanische Soldaten begraben, die während der deutschen Ardennenoffensive zum Ende des Zweiten Weltkrieges vom 16. bis 25. Dezember 1944 hier gefallen sind. Mit der Grabstätte des General George S. Patton Jr. wird diesem Soldatenfriedhof eine besondere Ehre zu Teil. General Patton verstarb am 21. Dezember 1945 in einem Heidelberger Militärhospital und wurde auf eigenen Wunsch auf dieser Kriegsgräberstätte, zwischen zwei Fahnenmasten, beigesetzt.

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Informationen: DKV UrbanTrail de Luxembourg
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