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15.06.19 - Montafon Totale Trail

Lauf der Superlative!

Dieser Lauf wird mir immer in Erinnerung bleiben! Nur positiv natürlich und als sehr anspruchsvoll, mit allem, was ein Trailläuferherz höherschlagen lässt. Nachdem ich bereits 2018 beim Arlberg-Montafon-Marathon über die 33 km durchs Silbertal am Start war, war ich total gespannt auf die Strecke des Montafon Totale Trail (= MTT).

Leider konnte der diesjährige MTT mit den beiden langen Distanzen nicht auf der Originalstrecke durchgeführt werden. Es mussten im Vorfeld einige Änderungen vorgenommen werden, die ich kurz erwähnen möchte. Aufgrund einer Revision der Versattla Gondelbahn (ursprünglicher Zieleinlauf, gehört zu Gaschurn) musste das Ziel zum ersten Mal zur Valiserabahn (gehört zu St. Gallenkirch) verlegt werden. Die Höhenmeter und Distanzen blieben allerdings gleich, so bemerkte Dieter Reis, der neue Rennleiter des MTT lässig. Schließlich zwang auch das Wetter den Veranstalter sich wegen der Schneelage einige Streckenabschnitte auszudenken.

Dieses Jahr lag noch so viel Schnee auch schon unterhalb 2000 m, dass es nicht möglich war, überall einen Weg zu bahnen und für den Lauf passierbar zu machen. Die Schneemassen waren einfach zu viel. Die Bergwacht und die freiwilligen Helfer hatten schon genug Arbeit im Vorfeld der Veranstaltung zu leisten, um allein die vielen Schneefelder abzusichern, die nicht zu umgehen waren.

In Schruns, dem 4000 Bewohner großen Hauptort des Montafons, sollte dieser Traillauf stattfinden, der bereits zum 4. Mal seit 2016 ausgetragen wurde und der unter den Trailläufern als technisch sehr anspruchsvollem Lauf gilt. Zur Auswahl gab es zwei verschieden lange Distanzen, weitgehend auf denselben Wegen: zum einen die 47 km-Strecke „Ultra“ mit 4200 Höhenmetern im Aufstieg und dann eine kürzere Distanz ( „Trail“ genannt) mit 33 km und 3300 Höhenmetern.

Das Besondere dieser beiden Trails ist der Zieleinlauf auf dem Berg mit 2010 m.  Die Strecke zurück ins Tal und nach Schruns wird später mit der Seilbahn überwunden bzw. mit dem Bus zurückgelegt. Dadurch haben die beiden Trails deutlich weniger Höhenmeter bergab als bergauf. Schließlich gibt es zusätzlich zu den beiden langen Strecken noch einen 10 km-Berglauf mit anspruchsvollen 1200 Höhenmetern. Start ist die Talstation (813 m) und das Ziel Bergstation (2010 m) der Valiserabahn.

Alles begann mit einer Pasta Party auf dem wunderschönen Kirchplatz von Schruns, die Startnummernausgabe war nur in der Alpin Sport Zentrale zu finden, die nur wenige Meter vom Kirchplatz entfernt liegt und gleichzeitig die Touristeninformation beherbergt. Das Starterpaket mit der Startnummer (schwarz für den Ultra, rot für den Trail), einer Checkpoint-Karte für die Kontrollstellen und Eventshirt konnte sowohl am Freitagabend als auch am frühen Samstagmorgen abgeholt werden. Bei der Entgegennahme der Checkpoint-Karte wurde mir erklärt, dass diese vor dem Start aktiviert, an den Kontrollstellen unterwegs eingescannt und im Ziel dann wieder deaktiviert werden müsse. Das sei dieses Jahr ein Test, damit der Veranstalter darüber informiert ist, in welchem Streckenabschnitt sich ein Läufer gerade befindet. Eine zusätzliche, aber sinnvolle Kontrolle zur Sicherheit der Läufer im alpinen Gelände!

An der Alpin Sport Zentrale (690 m) war auch am nächsten Morgen die Gepäckabgabe der Läufer vor dem Start möglich, um dann nach dem Zieleinlauf sein Duschzeug und Kleidung auf dem Berg vorzufinden.


 
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Nur einmal um die Ecke war auch schon der Start für die beiden Strecken Ultra und Trail am Samstagmorgen um 7 Uhr, wo die am Abend vorher ausgehändigte Checkpoint-Karte von Helfern aktiviert wurden. Sogleich war ich im Startbereich, der durch Barrieren vom Rest des Platzes getrennt war. Ein kurzes Briefing hielt der Rennleiter Dieter Reis, selbst ein passionierter Trailläufer, zur Strecke mit Hinweisen zu den Schneefeldern, den Streckenänderungen und dem Cut-off um 14 Uhr an der Garfrescha. Der Veranstalter hatte diesen frühen Cut-off so gewählt, dass alle Trailer aber auch die unzähligen Helfer und die Bergwacht an der Strecke sicher entweder noch auf den Berg oder aber ins Tal kommen konnten. Die Läufer, die sich auf der Ultrastrecke befanden, mussten nach dem Zeitlimit dann auf den 33 km-Trail wechseln und wurden automatisch in dieser Wertung aufgelistet.

Für den Berglauf fiel erst um 11 Uhr an der Valisera Bahn Talstation in St. Gallenkirch (813 m) der Startschuss.

Endlich konnte es los gehen – um 7 Uhr wollte die ganzen Läufergruppe gespannt die Schrunser Kirchturmuhr hören, es war mucksmäuschenstill geworden. Und schon beim ersten Glockenschlag stürmten die vorderen Reihen los, ich weiter hinten war auch bereit, das Starterfeld der Ultra- und der Trailstrecke war recht überschaubar. Zuerst eine Runde durchs Dorf und schon nach einem Kilometer ging die Strecke durchs Zamangtal zur ersten Verpflegungsstation (1340 hm/km 6/VP Lifinar) bergauf. Ich hatte mich auf viel bergauf eingestellt und freute mich auf die Herausforderung! Dann verlief die Strecke durch einen wunderschönen Buchenwald hinauf auf das Hochjoch (1862 m/km 10/VP Kapell) und den höher gelegenen Sennigrat (2300 m). Die Baumgrenze war schon längst überschritten, so dass sich eine tolle Sicht auf das Montafoner Tal auftat.

An der Wormser Hütte (2305 m) vorbei ging´s auf das 2395 m hohe Kreuzjoch, um dann wieder in leichtem Bergab auf wunderschön grünen Wiesen zum Grasjoch (1975 m/km 17/VP Grasjochhütte) zu gelangen. Ich bereitete mich auf einen weiteren Anstieg zum Roßbergjoch (2315 m/km 19) vor und hatte auch sogleich den zuvor erwähnten, megalangen Abstieg nach St. Gallenkirch (813 m/km 26/VP Valiserabahn Talstation) vor mir. Beim Briefing machte uns der Rennleiter Dieter darauf aufmerksam, dass wir besonders darauf achten müssten, behutsam an die lange Bergabstrecke zu gehen und erwähnte dabei die wenigen Kilometer, nur sieben, dafür betonte er die vielen Höhenmeter, die ich auf der Strecke bis zur Talstation verlieren würde, immerhin 1500 Höhenmeter.

Und das strengte wirklich wahnsinnig an, so dass ich beim Erreichen der Talstation Valiserabahn und auch durch die vielen Schneefelder bedingt schon sah, dass es nicht mehr bis zum Cut-off um 14 Uhr an Garfrescha (1485 m/km 30/VP Brunellawirt) reichen würde, egal wie die Trails und auch die Steigung sein würde. Ich hatte nur noch knappe 45 Minuten Zeit, das würde niemals reichen! Nun ja, ich hatte auch nicht mit so viel Schnee und Schneefeldern gerechnet, die ich in den nur 25 Kilometern überwinden musste. Manchmal waren diese recht flach und ich konnte schnell durchgehen, jedoch bei steilen, abschüssigen Schneefeldern musste ich langsam gehen, um nicht auszurutschen und den Abhang ungebremst hinunterzurutschen. Dazwischen war es oft auch noch nass und matschig durch den abschmelzenden Schnee, so dass ich da auch keine Zeit gut machen konnte.


 
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An der Verpflegungsstation nahe dem Gasthaus Brunellawirt (Garfrescha) wurde mir freundlich mitgeteilt, dass es nur noch geradeaus auf der 33 km-Strecke weitergehen würde. Es wären ja nur noch 5 Kilometer bis zur Bergstation der Valiserabahn! Mir stellte sich die Frage, wie lang der Trail nun wirklich wäre, da mein Garmin schon 30 Kilometer anzeigte, plus 5 Kilometer sind dann ja schon 35 Kilometer?! Zu meinem Erstaunen funktionierte wohl das Kopfrechnen noch recht gut! Na ja, es half alles nichts, denn wenn ich ins Ziel kommen wollte, musste ich halt wohl oder über den Berg hinauf. Nach etwa 2 Kilometern begrüßte mich eine kleine Verpflegungsstation „Madrisella Bahn Talstation“ (km 32). Dort blieb ich auch nicht lange stehen, es war kühl geworden, die Sonne war hinter dicken Wolken verschwunden und das anfänglich gute sonnige Wetter hatte sich verabschiedet. Aber so lange ich in Bewegung war und lief, musste ich keine Jacke oder ein Langarmshirt überziehen. Es war eigentlich so auch noch von den Temperaturen angenehm.

 

 
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Nun sah ich auch schon von unten das Valisera Hüsli, das auf immerhin 2010 m Höhe liegt. Mir wurde erst jetzt bewusst, dass dieses kleine Haus auf der Bergkuppe ganz weit oben in den Wolken mein heutiges Ziel sein würde. Eigentlich nah und doch so fern! Dazu musste ich nur noch ein paar steile Höhenmeter hinter mich bringen…leichter gesagt, als getan! Entlang steiler Skipisten ging´s auch gnadenlos nach oben, manchmal so steil, dass ich überlegte, ob ich nicht auf allen Vieren schneller vorankommen würde. Am Rand des Weges konnte ich noch die Pistennummern sehen, die noch nicht weggeräumt waren. Der Winter im Montafon war ja auch erst kurz zu Ende! Auch hier lag noch massenhaft Schnee, den ich zum Teil umgehen konnte, manchmal jedoch nahm ich einfach den kürzesten Weg mittendurch. Die Strecke führte etwas höher hinauf als das Ziel Valisera Hüsli, um noch einmal Fahrt bei leichtem, angenehmen Bergab ohne große Anstrengung ins Ziel aufzunehmen.

Dort begrüßte mich der Rennleiter höchstpersönlich und gratulierte mir zu meinem Finish. Ich musste nun nur noch meine Checkpoint-Karte deaktivieren lassen. Im Tausch dafür konnte ich mir ein Glas Marmelade nehmen, es standen die verschiedensten Früchte zur Auswahl – eigentlich eine gute Idee!

Die Zielverpflegung war reichahltig, ich füllte meine leeren Depots, so dass ich gestärkt im unweit vom Valisera Hüsli gelegene Berghaus „Bella Nova“ duschen konnte. Ich wollte nicht verschwitzt mit der Gondel ins Tal fahren, auf den Bus warten und dann noch nach Schruns fahren, um mich nicht auch noch zu erkälten. Die Valisera Bahn hatte ich bereits bei km 26 schon einmal gesehen, ich war in einer der Umlaufgondel ganz allein und konnte noch einmal die wolkenverhangene Aussicht über die Bergwelt genießen. Dort nahm ich nach nur wenigen Minuten des Wartens den Linienbus in ungefähr 20 Minuten zurück nach Schruns brachte.

Nun bleibt mir nur noch, mich bei der Organisation ganz herzlich für den tollen Event zu bedanken. In erster Linie möchte ich ein großes Lob dem Rennleiter aussprechen, der im Vorfeld sich wirklich bemüht hatte, den Läufern trotz der widrigen Schneelage einen super spannendes Trailabenteuer zu bieten. Nicht zu vergessen sind die vielen Helfer an den 7 Verpflegungsstationen und auch im Ziel, aber auch der Bergwacht, die sich an besonders exponierten Stellen positioniert hatte und für alle Fälle ausgestattet war. Sie hatten das Einscannen der Checkpoint-Karte vorgenommen, was übrigens eine super Idee war und sowohl dem Veranstalter als auch dem Läufer die Sicherheit gab, jederzeit informiert zu sein. Die rosa Sprüh-Markierung der Laufstrecke war ebenfalls perfekt und immer deutlich zu sehen, manchmal ergänzten rot-weiße Flatterbänder in Bäumen oder Sträuchern die Wegmarkierung.

Die Organisation hatte an der Strecke ausreichend viele Verpflegungsstationen aufgebaut. Beim 47km-Ultra gab es einen Verpflegungspunkt mehr als beim Trail. An der VPs war immer genug zu Essen und zu Trinken bereit (eine genaue Liste mit Getränken und Essen konnte sich jeder auf der Homepage der Veranstaltung anschauen!). Die Startnummer beinhaltete auch gleichzeitig die Talfahrt mit der Valisera Gondelbahn und auch den Bus zurück nach Schruns. So war für alles gesorgt und jeder Läufer konnte zufrieden zurück ins Tal!

Ein toller Tag war nun zu Ende und ich hatte mir fest vorgenommen, ein zweites Mal diesen Trail zu laufen, vielleicht dann auf der Originalstrecke, nicht wie dieses Jahr auf einer „alternativen“ Strecke, die jedoch nicht minder  anspruchsvoll, anstrengend, aber auch mit schönen und attraktiv Ausblicken als das Original war.
Abschließend möchte ich noch die Siegerzeiten der drei Hauptläufe auflisten:
Der Ultra hatte insgesamt 59 Finisher, davon 11 Frauen und 48 Männer. Die geringe Finisherzahl ergab sich aus dem recht knapp bemessenen Cut-off beim Brunelliwirt/Garfrescha. Alle Läufer, die zu spät dort den Cut-off passierten, wurden wie schon zu Anfang erwähnt auf die 33 km-Strecke umgeleitet und waren somit auch in der Wertung des Trails mit aufgenommen. Das betraf ja auch mich, ich hatte ja eine schwarze Startnummer für die 47 km und musste das letzte Stück auf der kürzeren Trailstrecke zurücklegen. Daraus ergab sich dann bei dem 33 km-Trail eine etwas größere Finisherzahl, 98 waren es insgesamt, davon 20 Frauen und 78 Männer.

Beginnend mit dem Ultra über 47 km / 4200 hm war der Österreicher Andreas Gehrer mit 6:27:45 Stunden im Ziel, nur 4 Minuten später kam der Deutsche Thomas Miksch (6:31:55 Stunden) an und weitere 10 Minuten später als Dritter schließlich Amadeus Wild (6:41:50 Stunden).

Bei den Frauen hatte die Ungarin Ildiko Wermescher die Nase vorne und siegte in 7:48:35 Stunden, gefolgt von zwei Deutschen Stefanie Gil (7:52:26 Stunden) und Petra Friedrich (8:42:09 Stunden).

Beim Trail über 33 km / 3200 hm teilten sich die drei ersten Plätze der Österreicher Daniel Zugg (4:36:30 Stunden), der Deutsche Eric Leidenfrost (4:48:45 Stunden) und der Italiener Rainhard Pixner (5:06:19 Stunden).

Bei den Frauen führte die Deutsche Andrea Gemassmer in 5:45:52 Stunden, nur drei Minuten später erreichte die Österreicherin Julia Walser in 5:48:01 das Ziel am Valisera Hüsli, gefolgt von der Deutschen Alexandra Gundel in 5:58:28 Stunden.

Und schließlich noch der Berglauf über 10 km / 1200 hm, bei dem zwei Deutsche die Nase vorne hatten: Christoph Steinmüller in 1:12:47 Stunden vor Lukas Stein mit 1:17:14 Stunden, gefolgt vom Österreicher Harald Gunzin 1:20:22 Stunden.

Gleich drei Deutsche Frauen waren an der Spitze des Berglaufes: Sylke Schmitz siegte in 1:25:55 Stunden, dahinter kam dann Marie-Luise Heilig-Duvenäscher in 1:27:23 Stunden im Ziel an und auf Rang drei war Johanna Steinmüller mit 1:39:01 Stunden auf dem Valisera Hüsli angekommen.

 

Informationen: Montafon Totale Trail
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