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28.04.18 - Madeira Island Ultra Trail

Spektakulärer Mini

Diesmal hat Artikel 3  des Kölschen Grundgesetzes "Et hät noch immer jot jejange" keine Gültigkeit für mich. Ich war sieben Wochen an der Achillessehne verletzt und muss beim Madeira Island Ultra Trail (MIUT) passen. Wieder einmal kann ich die Königsdisziplin nicht laufen. Nix ist mit 116 Kilometern und 7.200 Höhenmetern. Es gilt Artikel 2  "Et kütt wie et kütt". "Wat wellste maache" (Artikel 7).

Da ich aber schon alles gebucht habe, reise ich auch an. Immerhin kann ich seit zwei Wochen wieder laufen und somit Wanderungen auf meiner Trauminsel im Atlantik machen. Und statt der absoluten Herausforderung der Königsdisziplin mache ich den 16er Mini. Auch schön.

Dienstag komme ich an. Mittwoch gehe ich direkt zum Forum Machico und hole mir meine Startunterlagen. Schon beim Eintreten ins Forum werde ich erkannt. Ich fühle mich wieder wie zu Hause, schließlich bin ich bereits zum fünften Male auf Madeira.
Rasch habe ich meine Startunterlagen. Geduldig erkläre ich, dass ich nur den Mini laufen werde. Ich werde bedauert und muss versprechen, dass ich nun mindestens noch einmal wieder kommen werde um den 115er zu machen.

Der Lauf brummt. Was ich 2012 beim ersten Male als aufstrebende Trailrunning Veranstaltung mit insgesamt 150 Teilnehmern erlebte, ist nunmehr eine seit Monaten für alle vier angebotenen Läufe ausgebuchte Veranstaltung mit ca. 2.500 Teilnehmern.

Ich genieße das Leben in Machico und mache meine geliebten Levadawanderungen, u. a. von Portela hinab zum Start des Mini in Porto da Cruz und von Portela über die Casa das Funduras hinab zur Boca da Risco und vor dort den weiteren Laufweg des Mini entlang der Levada do Canical. Abends sitze ich in der Bar Xenica und trinke Poncha. Die Pasta Party am Donnerstag lasse ich aus.

 

 
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Warten mit Rum

 

Wehmütig schaue ich am Freitagabend um 21.00 Uhr den Teilnehmern des 115er zu, wie sie am Parkplatz gegenüber dem Dom Pedro Hotel die Busse zum Start in Porto Moniz besteigen. Wie gerne wäre ich auch unter ihnen.

In der Nacht zum Samstag ist es frisch und es stürmt. Und es regnet. Der Wind peitscht die Regenfahnen vor sich hin. Jetzt tun mir die 115er leid. Ich bin wenig begeistert. So ein Wetter hatte ich mir nicht gewünscht. Allerdings lässt der Regen nach, als ich mich auf den Weg zu den Bussen mache.

Ich besteige den Bus, der Start des Mini ist um 9 Uht in Porto da Cruz. Die Strecke ist mir von meinen Wanderungen auf der Insel und den bisherigen Läufen beim MIUT bestens bekannt. Sie führt von Porto da Cruz hinauf nach Larano und entlang der spektakulären Nordküste bis zur Boca da Risco und von dort nach Machico.
In Porto da Cruz, unterhalb des imposanten Adlerfelsen (Penha de Aguia) gelegen, blühen bereits die Afrikanischen Liebesblumen u.v.a. Pflanzen.

Der Adlerfelsen ist jedoch oben noch in den Wolken. Es regnet noch immer leicht. Viele Läufer stehen geschützt in Cafes usw. Ich suche mir eine spezielle Unterkunft für die dreiviertel Stunde Wartezeit.

In Porto da Cruz gibt es eine Rumfabrik. Und die steht 50m neben dem Startgelände am Strand. Man kann sie zur Besichtigung frei betreten. Schon bin ich drin und schaue den Rummachern bei der Arbeit zu. Das Zuckerrrohr wird gepresst und der Abfall geht auf LKWs. Ich steige ein Stockwerk im Inneren hinauf und finde einen Stuhl. Schön warm ist es auch und allein vom Geruch könnte man schon fast betrunken werden. Immerhin verzichte ich auf eine Kostprobe.

Kurz vor dem Start gehe ich hinüber und reihe mich in die Menge der Läufer ein. Mit mir wollen 560 Läufer den Mini in Angriff nehmen. Mit dem 115er, 81er, Marathon und Mini wird für jede Leistungsklasse etwas beim MIUT geboten.

 

 
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Bizarre Felsen und erste Stufen

 

Pünktlich um 9 Uhr fällt der Startschuss. Nach 100m biegen wir scharf links ab und laufen an der Rumfabrik vorbei. Es geht um eine kleine Halbinsel.  Vor uns in der stürmischen See ragt ein Felsen aus dem Meer. Die  Halbinsel zeigt bizarre Felsformationen. Das ist doch schon mal ein Vorgeschmack. Am Ende der Halbinsel laufen wir an einem Schwimmbad (ohne Wasser) vorbei hinunter zum Strand. An Cafes und Restaurants vorbei geht es aus Porto da Cruz hinaus.

Die Passage direkt unterhalb der markanten Steilfelsen am Meer ist beeindruckend. Und sehr matschig. Es gibt doch tasächlich etliche Läufer die versuchen hier ohne Matschkontakt durch zu kommen. Alte Trailhasen laufen einfach geradeaus. Matsch kriegt man so oder so genug ab.

Eine kleine Brücke bringt uns weg vom Strand über einen Bach. Direkt nach der Ponta da Maia beginnt das große Steigen nach Larano. Stufen führen uns hinauf. Und schon bin ich ausgebremst. Auf den Stufen ist Überholen nahezu unmöglich. Nach den Stufen kommen alte typische mit kleinen Steinen gepflasterte Wege, auch schön steil. Diese Wege findet man auf der ganzen Insel.

Eine erste Levada wird erreicht und lässt uns einige Meter auf gerader Strecke Luft holen vom Anstieg. Auch hier ist es auf dem schmalen Weg entlang des Wasserkanals sehr matschig. Obacht ist angesagt. Der Regen hat übrigens aufgehört. Mir wird warm. Ich lasse dennoch die dünne Regenjacke zum Schutz gegen den Wind an.

Ein kurzes Stück führt uns über ein steiles Sträßchen weiter aufwärts,  hin zu den nächsten Treppen. Wir erreichen Häuser und auf Straße geht es weiter empor. Porto da Cruz wird immer kleiner und liegt schon weit unterhalb von uns .Die Strecke führt nochmals weg von der Straße. Über Treppen geht es hinauf zur nächsten Levada. Diese führt wieder zur Straße.

Auf dem Weg hinauf nach Larano sind noch recht viele in Nutzung befindliche landwirtschaftliche Flächen zu sehen. Aber auch hier sind schon erste aufgelassene Terrassen zu erkennen. Die Arbeit ist sehr mühsam und wirft nicht viel Ertrag ab. Im Tourismus lässt sich das Geld leichter verdienen und so liegen mehr und mehr Flächen brach.

Es geht weiter ordentlich hinauf. Immerhin sind beim Mini auch 360 Höhenmeter zu bewältigen. Ich halte mich zurück. Nach zwei Wochen leichten Trabens kann von Laufform bei mir noch nicht die Rede sein. Ich will vor allem beim Anstieg hinauf nach Larano meine Kräfte schonen.

 

 
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Am Abgrund

 

Das letzte Stück bis zur VS in Larano laufen wir auf Asphalt. An der VS werfe ich einen Blick zurück auf die markante Küste und den Adlerfelsen. Nach 4 Km haben wir 315 Hm aufwärts geschafft. Nun kommt eine meiner Lieblingsstrecken auf Madeira. Es geht entlang der beeindruckenden steilen Nordküste zur Boca da Risco.

Ein Schild weist die Läufer darauf hin, dass es bis zur zweiten VS beim Mini in Ribeira Seca noch 7,5 Km sind. 80 Hm hinauf und 175 Hm runter. Auf einer breiten Piste geht es, aber schon bald sind wir für einige Kilometer auf einem schmalen Pfad. Absolut spektakulär!  Die Ausblicke sind überwältigend.

Unser Trail führt uns über mehrere kleine Bäche, teilweise auf glitschigen Stufen. Es ist ein Genuss, hier zu laufen. Wie gerne wäre ich jetzt hier auf den letzten Kilometern des 115ers. Im leichten Auf und Ab bewegen wir uns in Richtung des Felsvorsprungs Espigao Amarelo. Hier befindet sich ein kniehoher Vermessungsstein.

Der Pfad windet sich weiterhin  sehr spektakulär und ausgesetzt entlang der Nordküste. Mehrere Passagen sind gesichert. Es tun sich Abgründe von 300m Tiefe mit fantastischen Blicken auf. Aber man sollte sich nicht zu sehr ablenken lassen, sonst ist man schnell eben diese 300m tiefer unter. Zwei Wasserfälle lassen ihr Wasser auf uns herunter. Bei Sonne wären sie eine willkommene Abkühlung. Jetzt eher nicht.

Ich genieße den Lauf in vollen Zügen. Ein schönes Comeback nach der Verletzung. Den letzten Abschnitt zur Boca do Risco nimmt uns Baumheide auf, die schönsten Ausblicke haben wir hinter uns. Immer wieder laufe ich auf langsamer werdende Läufer auf.  Bereitwillig macht man Platz. Obrigado!

Die Passhöhe der Boca do Risco mit ihren 360 m Höhe ist der höchste Punkt der Strecke. Ich werfe einen letzten Blick zurück auf die steile Nordküste und stürze mich in den Abstieg.

 

 
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Abwärts

 

Es geht ordentlich abwärts. Und das mit richtiger Matschpampe. Die oberen Regionen im Norden Madeiras sind noch stark bewaldet. Kurz hinter der Passhöhe kommt links ein Gehöft. Wir laufen auf steinigem Untergrund. Vorsicht ist angebracht,  die Steine sind glitschig aufgrund der Nässe. Nach einer Weile wird der Untergrund jedoch einfacher zu laufen.

Wie weit weg das Gehöft doch von einer nächsten Ansiedlung liegt. Eine Straßenanbindung gibt es nicht. Ich kann kaum erahnen, wie aufwändig und mühselig die Landwirtschaft unter solchen Bedingungen ist. Kein Wunder, dass entlang des Pfades viele brachliegende Terrassen zu sehen sind.

Unter uns taucht die Levada do Canical auf. Sie zieht sich von Canical bis Marocos. Als Wanderung sehr empfehlenswert. Wir biegen links ab und folgen dem matschigen Weg am Wasserkanal nun bis zum alten Canical Tunnel oberhalb von Machico.

Auf unserem Weg sehen wir noch etliche in Nutzung befindliche Terrassen, aber auch viele Brachflächen. Angebaut werden u. a. Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Kartoffeln …

Dank des Regens der letzten Nacht ist der schmale Weg parallel zur Levada richtig schön matschig, Pfützen stehen auf dem Weg und man muss weiterhin aufpassen, wohin man tritt. Der Wasserkanal führt uns mit minimalem Gefälle ohne Auf und Ab dem Ziel entgegen. Dafür müssen wir allerdings jede Biegung des Berges mitmachen.

 

 
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Wasserhaus

 

Eine Straße wird gequert und die Startnummern werden erfasst. Auf der anderen Straßenseite laufen wir entlang der Levada weiter. Vorher stärken wir uns an der zweiten VS des Mini. Noch 4 Km 220 HM abwärts sind es bis zum Ziel.

Ob es eine Unachtsamkeit wegen des vermeintlich nahen Ziels ist? Ich will eine Läuferin fotografieren und bleibe dazu stehen. Beim Umdrehen passiert es, ich liege im Matsch. Aber die Kamera bleibt fest in der Hand und es ist nichts passiert. Außer dass ich richtig dreckig bin.

Wir nähern uns dem Wasserhaus. Hier verschwindet die Levada im alten Canical Tunnel. Einige Häuser mit schönen Blumen geschmückt kündigen das Wasserhaus an. Ich entdecke sogar frische Erdbeeren, kann aber widerstehen, sie räuberisch abzuernten.

Am Wasserhaus queren wir die Straße, die auch gleich links im Tunnel verschwindet. Wir bleiben auf der Machico zugewandten Seite und steigen an einem Wasserreservoir  wenige Meter abwärts zu einer erneuten Levada. Eine heikle Passage. Zwar nur ein kurzer Abstieg, aber wegen der Nässe nicht ohne. Die Levada hat zwar kein Wasser, dafür aber auch keine Höhenunterschiede.  

Ich kann schon das Forum Machico in der Bucht ausmachen. Vorher heißt es jedoch kurz vor dem Pico da Facho über eine Wiese abwärts zu laufen. Auch diese ist glitschig und halte mich entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten beim Abwärtslaufen merklich zurück. Einige Ziegen sind links und rechts der Wiesenpiste an Pflöcken festgebunden und grasen.

Die ersten Häuser nehmen uns auf. Über Straße geht es weiter abwärts bis uns eine steile Treppe hinab zum Strand bringt. Eine letzte Kraftanstrengung bringt uns über eine Brücke und hinein geht es in den Zieleinlauf.

Ich bin zwar nicht so euphorisiert wie bei meinen bisherigen Zieleinläufen beim MIUT, schließlich sind 16 Km kein Marathon oder Ultra, aber Spaß gemacht hat mir der Lauf trotzdem. Ich fühle mich wieder als Läufer. Und den 115er wird es auch im nächsten Jahr noch geben. Allerdings heißt es sich bei der Anmeldung zu beeilen. Alle vier Strecken beim MIUT waren auch in 2018 wieder rasch ausgebucht.

 

 
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Die Sonne kommt

 

Kaum bin ich durchs Ziel gelaufen und greife bei der Verpflegung zu (Tipp: Honigkuchen, Hmmmm), da glaube ich eine Erscheinung zu haben. Nein, ich meine nicht das nette Mädel, das mir die Medaille um den Hals hängt. Die Sonne geht auf. Ein bisschen spät, aber 115er, 81er und Marathonis haben noch was davon.

Ich verzichte auf die angebotene Duschgelegenheit und laufe in mein nahe gelegenes  Quartier in Machico. Dort genehmige ich mir eine warme Dusche und schon ist der Regen am Tagesanfang vergessen.

Erfrischt gehe ich zum Forum Machico zurück und löse meinen Essensgutschein ein. In der Tiefgarage sind Berge an Essen aufgehäuft. Mit vollem Magen schaue ich sodann den Zieleinläufen der wahren Helden des Tages zu. Wie gerne wäre ich jetzt noch auf der Strecke!

Am Sonntag sind gegen Mittag die Siegerehrungen und danach gibt es einen Closing Cocktail. Ich greife gerne beim Honigkuchen zu und auch den angebotenen Madeira lasse ich nicht unbeachtet. Ein wahrlich schöner Ausklang der Veranstaltung, an der ich bestimmt nicht zum letzten Male teilgenommen habe.

 

Fazit

Auch der Mini ist ein toller Lauf. Spektakuläre Strecke an der Nordküste und schöne Levadapassagen. Wie gewohnt perfekt organisiert. Empfehlenswert.
Optimal mit einem Urlaub zu kombinieren.


Adeus!

 

Sieger

Männer
MIUT 115    Andris Ronimoiss    13.57,10 Std.
Ultra 85    Germain Grainier      9.59,29 Std.
Marathon    David Cheraz      3.47,14 Std.
Mini        David Lopez      1.09,15 Std.

Frauen
MIUT 115    Mimmi Kotka    15.51,31 Std.
Ultra 85    Katie Schilde    10.33,38 Std.
Marathon    Sarah Vieuille      4.29,37 Std.
Mini        Luisa Freitas         1.20,42 Std.

 

 

Informationen: Madeira Island Ultra Trail
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