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31.07.10 - Swissalpine Irontrail

Der Jubiläums-K 78 in über 300 Bildern

Autor: Klaus Duwe

Es geht noch einmal kurz steil bergan und dann nur noch abwärts bis Filisur (1032 m - km 31). Man hört schon Durchsagen über die im ganzen Ort aufgestellten Lautsprecher. Zuvor holt mich Eberhard ein, der das Kapitel Swissalpine wegen dem Zeitfenster eigentlich auch abgeschlossen hatte. Jetzt ist er mit großer Begeisterung erneut dabei. Kurz vor dem Ort überholen uns die ersten K31-Läufer, schon bald darauf kommen die Führenden des K78, unter ihnen der Schwede Jonas Buud, der schon dreimal gewonnen hat. Unwillkürlich fällt mir die Geschichte ein, wie er 2007 als völlig unbeschriebenes Blatt nach Davos kam und sich bei Andrea Tuffli erkundigte, wo er sich nachmelden könne. Er wolle den K 78 laufen - und gewinnen, ließ er den verdutzten OK-Chef wissen. Der kennt sich normalerweise in der Laufszene ganz gut aus. Aber Jonas Buud, nie gehört. Überhaupt: Passt das zusammen, ein Schwede und Berglauf? Nun ja, Marathon sei er schon mal gelaufen, einen Ultra noch nicht. Ja, dann solle er sich eben mal eine Startnummer holen und sich die Sache ansehen, meinte da der höfliche Schweizer. Der Fall war für Andrea Tuffli erledigt.

Aber dann die Sensation. Der blonde Schwede schert sich nicht um die Favoriten (Seriensieger Grigory Murzin, Vorjahressieger Giorgio Calcaterra) und läuft einfach sein Tempo. Und das ist für die Konkurrenten spätestens ab dem Aufstieg zur Keschhütte zu hoch. Der Schwede gewinnt. Auch 2008 und 2009. Und als er gestern auf der Pressekonferenz gefragt wird, was er sich diesmal ausrechnet, sagt er knapp: „Ich will gewinnen.“ 

 Die nächsten 7 Kilometer geht es dem Flüsschen Albula entlang, bis Bellaluna ziemlich bequem auf einem breiten Naturweg. Wir sind gerade bei der Verpflegungsstelle, als uns die ersten Frauen überholen. Jasmine Nunige ist dabei. Das überrascht mich. Kürzlich beim Zermatt Marathon ist sie bei km 25 ausgestiegen. Kaputt sei sie gewesen, richtig kaputt. Und mit ihrem Heimrennen, dem Swissalpine, den sie auch schon zweimal gewonnen hat, werde es wohl nichts werden. So sagte sie mir noch und ich fühlte mich getröstet. War ich doch an gleicher Stelle ebenfalls ausgestiegen. Solche Tage gibt es halt. Heute ist sie auf dem Weg zu ihrem dritten Sieg und ich zu meinem schönsten Swissalpine.

Wir wechseln hinüber zur Verkehrsstraße, der wir bis Bergün folgen. Zuvor stößt noch Schneggi zu uns. Auch so einer, der mit dem Swissalpine und den Durchgangszeiten so seine Erfahrungen hat. Heute ist er richtig aufgekratzt, so kenn ich ihn gar nicht. Den Lauf nennt er schon jetzt den „Schönsten aller Zeiten.“ Eberhard und ich nicken.

 

Bergün/Val Tuors/Cants

 

 
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Dann wird das Bergdorf Bergün (1335 m – km 39) erreicht. Gleich am Ortseingang sind das Kleiderdepot und die Verpflegungsstelle. Wer Probleme hat, sollte hier aussteigen und mit dem Zug zurück nach Davos fahren. Im weiteren Verlauf der Strecke ist das nicht mehr ganz so einfach und eventuell mit einem langen Rückmarsch verbunden. Der Ort steht ganz im Zeichen des Swissalpine. Um 11.30 Uhr wird hier der K 42 gestartet, der nach einer Schleife um den Ort auf die Strecke des K 78 stößt und ihr bis zur Keschhütte folgt. Jetzt bilden die Teilnehmer zusammen mit den vielen Zuschauern eine imposante Kulisse. Im Zentrum fällt gleich der Platzturm La Tuor aus dem 13. Jahrhundert auf, ansonsten ist jedes Haus entlang der Straße, meist aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, ein Schmuckstück für sich. Typisch für den Engadiner Stil sind die Fassadenmalereien, Erker und Fenstergitter sowie das Sgraffito, eine spezielle Putztechnik.

Zuerst ist der Weg ins Val Tuors noch geteert, dann wird er etwas schmaler und steinig. Die Steigung ist aber meist moderat und ich  kann weite Strecken entlang des tosenden Gebirgsbachs laufen. Trotzdem werde ich ständig überholt, was aber für keinen ein Problem ist. Längst habe ich die Marathondistanz hinter mir. Länger bin ich seit drei Jahre nicht gelaufen. Ich nehme es gar nicht zur Kenntnis. Ich fühle mich gut, habe mir die Kräfte bis hier hin gut eingeteilt. Wir erreichen die Almhütten von Davant (km 45) und wenig später Chants (1822 m – km 47).

Die kleine Almsiedlung ist ein beliebtes Ausflugsziel, es sind viele Schaulustige hier. Nach einer ausgiebigen Verpflegung und Erfrischung am kühlen Brunnen geht es weiter.

 

Aufstieg zur Keschhütte

 

 
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Auf den nächsten gut 5 Kilometern steigt die Strecke um 810 Meter an. Es beginnt ganz gemütlich nach der Holzbrücke in weitläufigen Serpentinen durch schattigen Wald. Aber bald wird es steiler, steiniger und immer unwegsamer. Dann sind wir jenseits der Baumgrenze. Der schmale Pfad schlängelt sich steil durch Almwiesen, deren Grün immer spärlicher wird und schließlich einer Stein- und Felswüste weicht. In langen Kolonnen marschieren die Alpines  nach oben. Keiner drängelt, keiner schimpft. Ich hatte mir das nicht so einfach vorgestellt. Zwei Verpflegungsstellen hat man auf diesem Streckenabschnitt eingerichtet. Das reicht, weil es trotz intensiver Sonne heute nicht zu warm ist. Ansonsten ist es schon zu empfehlen, zumindest eine Trinkflasche mitzuführen.

 

Informationen: Swissalpine Irontrail
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