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09.07.11 - Zermatt-Marathon

Lieb und teuer

Autor: Klaus Duwe

Die ganze Zeit ist noch eine andere Läuferin in meinem Blickfeld. Laut Shirtaufdruck kommt sie aus dem Oberen Wiesental. Weil mir keine originellere Anmache einfällt, frage ich halt, wo das ist. Aha, im Schwarzwald. Wieder was gelernt. Heidi hat mich durchschaut:  „Das kennst Du doch“. „Na ja, ich war mir nicht sicher.“ 

Heidi kommt aus Freiburg und kennt jeden Bergmarathon in der Schweiz. Aber Rita, die Wiesentälerin, ist genau das Gegenteil. Als ich wissen will, ob sie das erste Mal in Zermatt ist, sagt sie mir wie so nebenbei, dass sie überhaupt das erste Mal auf einer Marathonstrecke ist.  Zweimal schlucke ich und frage dann, wer sie denn auf die Schnapsidee gebracht hätte. Seit Februar läuft sie. Vorher war sie mit dem Rad unterwegs. Und als ihr Lebensgefährte und einige Vereinsmitglieder die Reise nach Zermatt planten, wollte sie halt mit – als Begleiterin. Erst letzte Woche hat sie dann gedacht, dass zuschauen ja blöd sei, laufen dagegen schön. Jetzt rennt sie vor mir her und ich habe Mühe, ihr zu folgen. So sind sie, die Schwarzwälder.

In Täsch (1439 m – km 14,7) ist für den Autoverkehr Endstation. Seit 2006 gibt es das neue Matterhorn-Terminal mit Parkhaus und direktem Zugang zu den Shuttlezügen nach Zermatt. In  nur 12 Minuten ist man in dem weltberühmten Ferienort.

 
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Deutlich länger brauchen auch die schnellsten Marathonis für die knapp 6,5 km, denn der Weg ist nach dem Hohsteg über die Vispa teilweise schmal und steil und manchem werden  hier die ersten Gehpausen aufgezwungen. Von einer Anhöhe aus hat man dann endlich Zermatt im Blick. Nur dort, wo der Kundige die markante Pyramide des Matterhorns  weiß, hängen dichte Wolken. Der Motivationsschub, den der Prachtblick sonst verursacht, bleibt aus. Aber auch so die das nächste Ziel, die Verpflegungsstelle und die Halbdistanz in Zermatt (1620 m - km 21) kein Problem. 

Dass ich hier im letzten Jahr nicht weiterkonnte, hat mich lange beschäftigt.  Ich hatte einen schlechten Tag. Heute ist ein anderer Tag. Es geht mir gut. Ich lasse mir Zeit um mich ausgiebig zu stärken. Erst dann laufe ich über die Zeitmatte.  Ich liege fast 40 Minuten unter der geforderten Durchgangszeit und kann stressfrei meinen Lauf fortsetzen.

Die Bahnhofstraße mit den teuren Uhren- und Schmuckgeschäften, Restaurants und Hotels ist wie immer sehr belebt. Am Hotel Monte Rosa weisen Gedenktafeln darauf hin, dass Edward Whymper hier übernachtete, wenn er in den Zermatter Bergen unterwegs war. Der Engländer war es, der die Aufmerksamkeit erst so richtig auf das Matterhorn lenkte.  Auf die Einheimischen übte bis dahin der 4634 m hohe Monte Rosa die weitaus größere Faszination aus.

Whymper war es schließlich auch, der in einem dramatischen Wettlauf als erster den Gipfel des Matterhorns (4478 m) erreichte, seinen Sieg gegen den fast zur gleichen Zeit im italienischen Breuil gestarteten Widersacher Jean-Antoine Carrel aber teuer bezahlte. Am 14. Juli 1865 stürzten auf dem Rückweg nämlich vier seiner Seilgefährten tödlich ab. 

 Auf der gepflasterten Dorfstraße geht es etwas aufwärts. Schaut man in die Seitengassen, entdeckt man alte Hütten, die auf  mit runden Steinplatten abgedeckten Säulen errichtet sind. Mäuseteller nennt man diese Steinplatten. Sie verhindern nämlich, dass die Nager in die Hütten gelangen. Das wäre blöd, denn dort werden Fleisch und Wurst getrocknet.

Das Matterhorn hält sich weiterhin bedeckt. Nur der gewaltige Sockel ist zu erkennen. Wir laufen eine kleine Schleife in Richtung Schwarzsee, wenden aber gleich, um zurück in den Ort und schließlich hinauf nach Sunegga zu laufen. Zunächst ist es eine geteerte Straße, über die schön gelegene Hotels,  Pensionen und schließlich abgelegene Ausflugslokale erreicht werden.  Der Blick auf Zermatt  ist phantastisch, trotz der immer dichter werdenden Bewölkung. 

 
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Sunegga (2262 m – 32,2 km) ist eine herrliche Sonnen- und Aussichtsterrasse, die man von Zermatt aus auch auf nicht alltäglichem Weg erreichen kann – durch den längsten Standseilbahntunnel der Schweiz nämlich. Egal wie, ist man oben, verschlägt einem das Bergpanorama die Sprache. Unmöglich, hier achtlos durchzurennen.  Auch unten am Leisee, wo sich sonst das Matterhorn spiegelt, lasse ich Zeit für einige Fotos liegen.

 
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Auf schmalem Pfad geht es oberhalb des  Findelbaches  bergauf in Richtung des Findelgletschers, von dem rechts majestätisch der Monte Rosa aufragt. Hinter Gebüsch und Felsbrocken liegt etwas versteckt der romantische Grindjisee, dessen Ufer über stabile Holzbohlen begehbar  ist. Bei Gant wechseln wir auf die andere Talseite, wo es jetzt eben oder abwärts vorbei  zum  Grünsee (2300 m) geht.

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Informationen: Zermatt-Marathon
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