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17.05.14 - GutsMuths-Rennsteiglauf

Klasse Klassiker

Gedanklich habe ich mir die heutige Strecke in drei, allerdings sehr unterschiedliche  Abschnitte aufgeteilt. Auf den ersten 25 km bis zum Großen Inselsberg warten die  meisten Anstiege. Insbesondere beabsichtige ich zurückhaltend zu laufen, sonst drohen die restlichen zwei Drittel brutal zu werden. Ganz Gemach, es ist doch auch kein Renn-Steig. Außerdem werden wir hier erstmals durch unsere Fans erwartet, da empfiehlt es sich noch einigermaßen entspannt auszusehen. Das 37 km lange Mittelstück des Kurses verspricht häufiger auch mal flache Abschnitte, bevor wir nach insgesamt 62 Kilometern den Großen Beerberg als höchsten Punkt der Strecke erreichen. Danach warten noch 10 überwiegend abfallende km, durch zwei knackige Steigungen garniert, auf uns.

Das erste Mal Getränke gibt’s am “Waldsportplatz” (km 7) und ich glaube erst nicht, meinen Augen trauen zu können: Erster Wasserstand leer, zweiter leer, dritte leer. Aber ich finde dann hinter dem Tee doch noch etwas und muß mich nicht schon jetzt auf Iso oder Cola einlassen. Sogar Obst hätte man jetzt schon bunkern können! Ihr seht bereits schon und werdet es später noch häufiger bemerken: Das Angebot ist Bombe!

Bisher nur auf einem Zubringer unterwegs, erreichen wir den eigentlichen Rennsteig bei km 7,4 in einer Höhe von 434 m NN. Bisher weitestgehend über feste Waldwege unterwegs, komme ich gut voran, die Steigung ist moderat. Was ist das denn? Am Rand steht bereits zum zweiten Mal ein Mitläufer in Tarahumara-Sandalen und pult sich den Dreck zwischen den Zehen heraus. Ist das jetzt wirklich sinnvoll oder soll es cool wirken? Riesige Holzlager am Wegrand erfreuen den begeisterten Holzheizer in mir nur bedingt, denn die Scheite lagern dort erstens noch in Stammform und zweitens gehören sie mir nicht. Die zuhause gehabt, ich hätte ausgesorgt.

 

 
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Wir kommen bei km 13 / 570 m NN zur Getränkestelle “Ascherbrück”, an der ich auf Tee umsteige. Das Wasser ist mir zu kalt, außerdem mag ich unterwegs keine Kohlensäure. Zwei unentwegte fahnenschwingende HSV-Fans begrüße ich vor dem morgigen entscheidenden Relegationsspiel gegen Greuther Fürth mit einem einfühlsamen „Na, ihr Zweitligisten!“, aber sie lachen nur und wir wissen ja: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ist für die Hanseaten ja gut gegangen.

Auf dem Pummpälzweg, benannt nach einem Kobold aus der Thüringer Sagenwelt, etwa 30 Holzskulpturen schmücken ihn auf jedem seiner km, überwinden wir etliche weitere Höhenmeter. Markus macht mich auf einen Läufer aufmerksam, der ein Shirt mit einem besonderen Aufdruck trägt: „40 x Supermarathon“. Wahnsinn, Klaus Krüger läuft ihn heute seit 1975 tatsächlich zum vierzigsten Mal, einfach unglaublich. Und ein netter Kerl ist er dazu. „Du weißt schon, daß das ein Wettkampf ist!“, meint er augenzwinkernd, als ich ihm ein kurzes Gespräch aufs Ohr drücke. Drei weitere seiner „Kollegen“ werde ich heute noch bemerken und vor die Linse bekommen. Was für eine Gnade, so lange so verletzungsfrei so weit laufen zu können! Georg Hilden spricht mich an, er ist heute mit Peter Wedelgaß unterwegs. Natürlich, letztens waren wir noch gemeinsam beim Rheinsteig-Erlebnislauf unterwegs! Ich schätze diese netten, unverhofften Wiedersehen sehr.

Weiter merklich aufwärts geht es über die Bergwachthütte (km 15) zur ersten Verpflegungsstelle “Glasbachwiese” bei km 18 / 647 m NN). Erfahrene wissen, was jetzt kommt, Neulinge passen auf: Der Schleim. Wem bei dieser nicht ganz passenden Bezeichnung nicht schon schlecht geworden ist, muß ihn ausprobieren. Der flüssige, warme Art Haferbrei in verschiedenen Geschmacksrichtungen (am Brocken erstmals kennengelernt) ist wirklich der Hit, für mich als bekennenden Eintopfjunky, Milchreis- und auch Grießbreiesser gerade in der Version Heidelbeere (mit jeder Menge ganzer Früchte) hervorragend. Unter zwei Bechern verlasse ich keinen Stand mehr. Das übrige Angebot ist umwerfend.

Das Trailerherz in mir jubiliert, als ich endlich einmal den festen Waldweg verlassen und auf einen schönen Wurzelweg wechseln darf. Das ist zwar herausfordernd zu laufen, macht mir aber sehr viel mehr Spaß. Im Anstieg zur “Hirschbalzwiese” (km 20 / 691 m NN) gibt’s bei km 21 auf 740 m NN erneut Flüssiges. Die Verpflegungsdichte ist so hoch, da braucht wirklich niemand etwas mitzuschleppen und sich damit unnötig zu belasten.

Es wird immer diesiger, das Kameraobjektiv beschlägt, was ich aber dummerweise erst zuhause bemerke. Beeindruckende Baumformationen erfreuen mein Auge, wer behauptet da, Wald wäre langweilig? Hier steht doch Naturgenuß an, dann sollte man auch die Unterschiede wahrzunehmen versuchen. Ich glaube, heutzutage können die meisten Menschen mehr Automarken aufsagen als unterschiedliche Bäume benennen.

 

 
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830 Höhenmeter sind kurz unterhalb des Oberen Beerbergs (km 24 / 841 m NN) erreicht. An normalen Tagen hat man von dort bestimmt eine schöne Aussicht, ich schenke mir heute den Abbieger, es hat sich völlig zugezogen. Ein markantes Zwischenziel ist mit dem Inselsberg (km 25,5 / 916 m NN) erreicht. Angeblich soll man hier Türme sehen können, heute aber bestenfalls ganz schemenhaft, jeder Fotografierversuch wäre völlig sinnlos. Genau so kenne ich es vom Brocken.

Heftig ist der Abstieg, zunächst über Treppen, dann auf festem Untergrund. Auf nur 1,3 km geht es 160 HM bergab auf 746 m NN zur Verpflegungsstelle “Grenzwiese”. Hier heißt es wieder Suppe, äh Schleim, fassen. Kurz hinter der Verpflegungsstelle steht Markus’ und meine bestellte Jubelabteilung („Ihhh, bist Du feucht!“) und so kommt auch meine heute-nicht-Läuferin zu ihrem ersten Schleimkontakt.

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