Der Hunsbuckel Trail, auch liebevoll HuBuT abgekürzt, wirbt zurecht als „Der Traillauf über Deutschlands schönste Hängeseilbrücke ‚Geierlay‘“. Aber er ist viel mehr als das. Ein fantastisch geplanter und perfekt umgesetzter Trail mit familiärer Stimmung.
Die berühmte Brücke wird nur auf dem Ultratrail über 47 km erreicht, also muss man sich natürlich für diese längste Distanz anmelden. Ich kenne den Hunsrück auch noch gar nicht, insofern ist mehr auch besser. Wenn man mit Freunden oder Familie kommt gibt es aber auch kürzere Strecken von 27 und 12 km im Angebot. Die Zeitbegrenzung auf allen Strecken geht bis 17 Uhr. Wichtig ist die rechtzeitige Anmeldung: Es gibt nur 600 (!) Startplätze, der Lauf ist Wochen vorher ausgebucht. Akkreditierung als ITRA National League und UTMB-Index Lauf machen das Angebot noch attraktiver, die 47 km sorgen zudem für alle 100-Marathon-Begeisterten für einen weiteren Zähler und einen Eintrag beim DUV.
Morgens um 8 Uhr geht es los, also Abfahrt in Düsseldorf um 5, um sicher zu sein, den Start nicht zu verpassen. Verkehr gibt es um diese Zeit nur wenig, alles perfekt. Auf der Rückfahrt, es ist ja ein Sonntag, trifft man aber eine ganze Reihe an Urlaubsrückkehrern. Aber kein Problem, man hat dann ja sein Tagwerk bereits hinter sich.
Veranstalter des HuBuT ist ein lokaler Sportverein, der TuS Laubach, wobei Laubach unter 500 Einwohner hat. Der Ort wird also praktisch von Läufern überrannt. Nur dass man gar nicht durch den Ort läuft, und überhaupt eigentlich auf der ganzen Strecke kaum durch irgendwelche Ansiedlungen. Natur pur.
Der Empfang ist schon einmal richtig gut. So wie es sein soll: Sportplatz am Rande des Dorfes als Startzone, der daneben liegende Festplatz mit Zelten zur Anmeldung und zum Feiern danach. Parken auf einer mit Pfosten und Bändern provisorisch aufgeteilten Wiese direkt daneben. Einweisung und Abholung der Unterlagen perfekt, es gibt sogar eine Auswahl von Geschenken dazu, die richtig nützlich sind. Erstaunlich bei der Größe. Und sogar eine saubere Toilette gibt es, nicht nur ein Dixie-Klo, wie es sonst oft üblich ist. Die Startnummer hat, wie man es inzwischen öfter sieht, unten kopfüber gedruckt das Streckenprofil. Ich habe öfter draufgeschaut, als ich es erwartet hätte. Sehr hilfreich, sollte überall so sein.
Kurz vor 8 wird auf dem Sportplatz eine Leiter aufgestellt und es gibt noch einige Ansagen. Der Gewinner des letzten Jahres und der des Jahres davor sind dabei. Ein Teilnehmer des ersten HuBut, der danach eine echte Laufkarriere hingelegt hat. Auch ein Junggesellenabschied ist dabei. Coole Aktion! Man ist sofort drin und fühlt sich persönlich deutlich stärker als Gruppe als bei vielen Läufen, zumal ja nur etwa 200 Läufer am Start sind. Auf der Strecke geht es genauso familiär zu.
Diese führt in einer großen Runde im Uhrzeigersinn um die Orte Kastellaun und Buch herum, aber eben nicht durch die Orte. Man könnte bei der Anfahrt und dem Anblick von Hochebenen mit ausgedehnten trockenen Feldern und zahlreichen Windrädern schon befürchten, dass man vor allem genau dort laufen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Schon direkt nach dem Start geht es in den Wald und man ist zu 80% unter Bäumen unterwegs. Das ist wegen des Wetters auch nicht schlecht, denn trotz eines angenehmen Starts bei 18 °C steigt es bis mittags auf 31 °C an. Immerhin nicht auf die 38 °C der letzten Tage. Die Strecke ist also absolut sommertauglich. Wirklich gut gemacht! Und da es über Nacht etwas geregnet hatte ist es auch weniger staubig als es hätte sein können.
Grob gesprochen verläuft der Trail im ersten Drittel flach oder fällt gut laufbar ab. Viel Single Track, dicht zwischen den Bäumen, nicht auf breiten Waldwegen. Das Naturerlebnis – und die angenehme Kühle – ist wunderbar. Übrigens, die erste Straßenüberquerung, bei der tatsächlich etwas Verkehr ist, ist sogar von der lokalen Polizei temporär bewacht. So sicher habe ich mich selten gefühlt. Ansonsten gab es aber nur wenige und noch weniger Verkehr.
Bei Kilometer 15 die erste Versorgungsstation (die anderen waren bei 26 und 35), direkt am Fuße des Turms einer alten Burgruine, dem „Hexentürmchen“. Glücklicherweise kein böser Zauber zu spüren, nur gute Stimmung. Das zweite Drittel verläuft dann auch weitgehend auf Trampelpfaden, aber mit richtig Steigung. Ein paar Kurze Stücke haben sogar Drahtseile und Stahlsprossen zum Klettern, sind aber unproblematisch. Es wird nur richtig anstrengend und das Tempo sinkt.
Zusätzlich muss man aufgrund vieler Wurzeln auf der Strecke aufpassen. Ich bin aber nur zweimal gestolpert ohne zu stürzen, aber mit einem Stoß auf den Zehnagel und einem Ausflug in einen Brombeerstrauch. Daheim also Betaisodona auf den Oberschenkel.
Ein besonderer Abschnitt wurde bereits bei der Einweisung angekündigt: Umgefallene Baumstämme. Nicht einer oder zwei, sondern dutzende. Schön, interessant, aber auch wirklich anstrengend. Drunter und drüber, auch gekrabbelt, Hauptsache nicht abrutschen oder hängen bleiben.
Das letzte Drittel verläuft auf breiteren Wegen, die gut zu laufen wären, wenn es nicht auch tendenziell bergauf zurück zum Ziel ginge, mit einigen steileren Abschnitten. Bergab kann man hier, aber praktisch fast auf dem gesamten Trail gut laufen, so dass man immer mal wieder eine Motivation hat, nicht zu spät anzukommen. Hier geht es dann auch teilweise über Felder, aber meist am Waldrand, und zweimal durch eine Bach-Unterführung. Dank der aktuellen Trockenheit bekam man jedoch keine nassen Füße, was im Normalzustand der Fall gewesen wäre.
Auf der Strecke gibt es auch einige Brücken, die nebenan eine Furt hatten. So mancher Läufer hat gerne auf die Brücke verzichtet und sowohl die Füße als auch teilweise die ganzen Körper ins kühle Nass getaucht. Warum auch nicht. Die letzten zwei Kilometer waren dann auf der gleichen Strecke wie der Hinweg, flach und sogar etwas bergab, so dass man gut laufend ins Ziel kommen konnte, egal wie viel man vorher lieber gegangen ist. Tiere gibt es auch zu sehen. Morgens ein Fuchs, ein paar Rehkitze und zwei Pfaue, woher auch immer die kamen. Nur letztere waren langsam genug, um ein Beweisfoto einzufangen.
Ach ja, und dann gibt es ja noch diese Hängeseilbrücke „Geierlay“, etwa bei Kilometer 21, 360 Meter lang und 100 Meter hoch. Und mit jeder Menge Touristen. Ein Parkplatz ist direkt in der Nähe, also sehr guter Zugang für alle Altersgruppen. Schon spannend, die Bilder sprechen für sich. Glücklicherweise war der Wind nicht sehr stark, genug, um etwas Abkühlung beim Laufen zu erfahren, aber zu schwach, um die Brücke in Bewegung zu setzen. Das haben nur die hunderte von Leuten auf der Brücke getan, aber nichts Schlimmes. Allein die Tatsache, dass ich beim Schreiben erst so spät überhaupt an dieses Highlight denke, zeigt, wie interessant und gut gemacht der Trail an sich ist.
Im Ziel dann ein Top-Empfang mit Gratulation über Lautsprecher und einer tollen Medaille: Graviertes Logo des HuBuT auf Schiefertafel. Habe ich noch nie gesehen. Tolle Idee und passend für die Region. Am Ziel trifft man dann ebenfalls gefühlt die gesamte Bevölkerung des Dorfes, oder wenigsten alle Mitglieder des TuS Laubach.
Die Läufer bekommen direkt am Ziel noch ein alkoholfreies Bier oder Radler oder Malzbier oder Cola, auf dem Festplatz wird dann ausgiebig gegrillt. Es gibt reichlich Auswahl, faire Preise und viel Platz zum Sitzen. Dadurch, dass nicht nur die Läufer da sind, hat das Ganze gefühlt eher den Charakter eines Dorffestes als eines Laufwettbewerbs. Wirklich schön, man fühlt sich wohl in Laubach.
Kastellaun ist übrigens an sich auch ganz nett, große Kirche und interessante Burgruine. Und auf dem Weg hätte natürlich auch noch Koblenz gelegen, wenn man sich mehr Zeit hätte nehmen wollen.
Ein unbedingte Empfehlung – aber rechtzeitig anmelden!
Die Läufe im Überblick:
|
Strecke [km] |
Höhenmeter[m] |
Finisher |
Beste Zeit [h] |
Median Zeit [h] |
Cut-off [h] |
|
47 |
1.200 |
223 |
03:43 |
06:29 |
9:00 |
|
27 |
500 |
178 |
01:59 |
03:12 |
8:00 |
|
12 |
100 |
108 |
00:45 |
01:19 |
7:00 |
Plus Kinder- und Jugendläufe über 300, 700 und 5.000 m.
