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13.09.14 - Jungfrau-Marathon

Ein Sommer der Superlative

Wir laufen weiter im Tal der Weissen Lütschine Richtung Lauterbrunnen. Bei km17 verengt sich der Weg, die ganze Partie kommt immer zum Stillstand. Stop ‚n’ Go für einige Minuten. Am jenseitigen Ufer fährt die Eisenbahn, die Fahrgäste jubeln uns zu. Die Höhenmeter werden immer mehr. Als für ein paar 100m die Sonne auf die Strecke scheint, genieße ich die wärmenden Strahlen. Immer wieder hat man freien Blick auf die Gletscher am Ende des Tales, das sieht einfach gut aus.

 
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Lauterbrunnen begrüßt uns mit vielen applaudierenden Zusehern und einem großen Parkhaus – Ende des Autoverkehrs hier. Weiter geht es nur mehr zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Hubschrauber. Der berühmte Staubbach stürzt über die senkrechte Felswand hunderte Meter ab, ein tolles Naturschauspiel! Dutzende Wasserfälle soll es im Verlauf dieses Tales geben.

Kurz vor Halbmarathon stärke ich mich ausgiebig mit Iso, Gel und Bouillon. Meine Getränkeflasche in der linken Hand fülle ich auf, sicher ist sicher.

Michael ist auch hier, wir haben uns im Mai beim Rennsteiglauf kennen gelernt. Auch hier knipsen wir uns gegenseitig. Das hat sich bewährt, das machen wir in Zukunft immer so. Meine Frau sagt: „Laufen macht Freunde, laufen macht Freude.“ Wie recht sie doch hat!

Halbmarathon nach 2h18min, laut Hochrechung sollte ich dann mit einer Laufzeit von etwa  6h30 Stunden im Ziel sein. Wie auch immer, ich bin frisch aufgetankt, die Sonne scheint, von weitem leuchtet der Schnee, es ist wunderschön hier und ich genieße die letzten flachen Kilometer. Dass das heute meine langsamste Marathonzeit werden wird, ist mir schon länger klar.

Die Strecke führt uns an die schattige Uferseite, die Steelband spielt von OMD „Joan of Arc“, wenn ich mich nicht täusche. Die machen das echt gut. Km24, leichtes Gefälle nun. Hier verliert mein Laufcomputer den Kontakt zum Satelliten. Die Sonne scheint gerade erst die Hubschrauberbasis erreicht zu haben, auf den Scheiben des Helis ist nach Raureif. Nun in der Sonne am rechten Ufer die Weisse Lütschine runter, es wird bald ernst werden.

Nach km25, wieder in Lauterbrunnen, gibt es noch einmal Bouillon, Bananen, Energieriegel. Der Alphornbläser hat gerade Pause, es wird steil.

Laufen tut da keiner mehr, nun wird zügig berggewandert. Meist im Schatten, in vielen Serpentinen geht es bergwärts. Schon bald hat man einen prächtigen Ausblick auf das Lauterbrunnental. Ist noch nicht lange her, da waren wir da unten. Ständig ändert sich der Blickwinkel, ständig neue Eindrücke, und einer ist schöner als der andere.

Da und dort setzen sich welche aufs Gemäuer, sei es um die Landschaft wirken zu lassen oder weil sie eine Pause brauchen. Die Physiostation ist gut frequentiert, eifrig wird massiert.

Nach 2km Anstieg gibt es Wasser, nun kann man am Hang entlang laufen. Viele Veranstalter haben als Faustregel, alle +/- 5km gibt es eine Labestelle. Hier trägt man dem Streckenprofil Rechnung, schon nach weiteren anderthalb km die nächste Labe. Der Blick auf das Jungfraumassiv wird immer grandioser. Da treffe ich einen neuen Bekannten vom Vorabend. Er sagte, er starte immer weit hinten und überhole dann nicht viele. Da meinte ich, dann könnten wir uns ja treffen unterwegs. Genauso ist es.

 
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Längst stehen alle 250m Entfernungstafeln. Von km zu km, das würde einfach zu lange dauern. Außerdem kann man im Notfall seine Position besser bekannt geben.

Die Physiostation in Wengen (km29,1) hat reichlich Besuch. Die Masseure haben alle Hände voll zu tun. Weiter in Wengen (km30,3) wird die nächste Zwischenzeit genommen, 3h49 habe ich bisher gebraucht. Viele Zuseher feuern uns an, zum Teil stehen die wohl schon seit zwei Stunden hier.

Man weiß, die Schweiz ist mehrsprachig. Die Anfeuerungen sind daher vielfältig: Vor allem „Hopp!“, aber auch „Jawoll!“, „Heja!“, „Supr!“, „Supr Leischtig!“, „Allez!“ und hin und wieder ein „Bravo!“

Hier ist es nicht durchgängig steil, immer wieder kann ich auch laufen und immer wieder diese prachtvolle Landschaft genießen! Oberhalb fährt gerade die Zahnradbahn, die von der Kleinen Scheidegg runter kommt. Man kommt sich vor, wie in einer Modelleisenbahnlandschaft. Alles ist friedlich und schön sauber.

In kurzer Folge weiterhin Labestellen und Sanitäter. Schließlich komme ich zu einer Stelle, die ich schon unzählige Male im TV gesehen habe, im Winter: Die Unterführung unter der Zahnradbahn beim Haneggschuss! Eine der Schlüsselstellen der Lauberhorn-Abfahrt der Ski-Herren. Hier wurden schon Spitzengeschwindigkeiten von über 160km/h erreicht. Und ich bin in der Gegenrichtung unterwegs. Heute weiden hier Rinder.

Bei km35 lerne Renate kennen, sie ist für ihren Schwager eingesprungen. Um CHF 20,- konnte sie ummelden. Sie ist zum ersten Mal in der Schweiz und ganz begeistert von der Gegend.

Auf der Forststraße kann ich gut laufen. Ich habe schon Bedenken gehabt, ob ich nicht zu Nahe zum Termin hintrainiert hatte. Habe ich auch, aber ich habe mein Tempo gefunden und so kann ich es lange aushalten. Ohne Sani und Masseur, ich brauche nur regelmäßig Nahrungszufuhr. Und die ist ja erstklassig gewährleistet. Immer wenn ich Nachschub brauche, bekomme ich sie. Vor allem Bouillon lasse ich keine aus. Salziges ist gefragt, ich schwitze entsprechend.

 
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Wenn ich mich umdrehe, sehe ich unter mir eine Karawane bunt gekleideter Sportler, rechts das weiße, vergletscherte Bergmassiv. Über mir der blaue Himmel, rechts grüne Almen, was für ein Bild!

Auf der Forststraße komme ich gut voran, ab und zu ein Weidegitter, das ist nicht störend. Bei km37 bin ich 5 Stunden unterwegs, habe nur mehr 5km vor mir. Aber diese paar km haben es in sich, wie ich bald erfahren sollte.

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