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05.09.09 - Jungfrau-Marathon

Er ist es, der schönste Marathon der Welt

Autor: Klaus Duwe

Auch bei mir ist einiger Druck weg, ich laufe nach 2:20 über die Zeitmatte. Nur einmal war ich 5 Minuten schneller. Na also, geht doch. Die nächsten 4 Kilometer sind kein Problem. Sie führen bequem ins Lauterbrunnental mit den Wasserfällen und dem herrlichen Bergpanorama und mit leichtem Gefälle auf der Verkehrsstraße zurück zum Festplatz. An der nächsten Verpflegungsstelle sollte man kräftig zugreifen. Jetzt, nach gut 25 Kilometern zeigt der Jungfrau Marathon sein anderes Gesicht. Jetzt wird er zum Bergmarathon.

Durch den Wengwald geht es in 26 Kehren steil hinauf  in den Wintersportort Wengen (1.284 – 30 km). Alle  250 Meter wird die Distanz angezeigt: 26,250 km – 26,500 km … Ich glaube es nicht, wie langsam ich bin obwohl ich ohne Rast nach oben gehe. Teilweise führt der Weg entlang der Wengernalmbahn, der einzigen Verkehrsverbindung in den autofreien Ort. An fast jeder Kehre stehen Kinder mit Kuhglocken, es ist pausenlos am Bimmeln. Als Punkt 12 Uhr das Geläut der Kirchenglocken dazu kommt, wird es fast feierlich.

 
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Zu diesem Zeitpunkt ist das Rennen entschieden. Innerhalb von nur zwei Minuten laufen die drei Erstplatzierten in Ziel: Wyatt Jonathan (2:58.33,4 ), der Schweizer Tarcis Ançay (2:59.55,4) dann der Tscheche  Robert Krupicka (3:00.38,1). Hermann Achmüller wird Vierter. Er hat alles probiert und nach Wengen als Zweiter fast zu Jonathan Wyatt aufgeschlossen. Dabei hat er zuviel Kraft gelassen.    

Der Weg wird flacher und nach einer lang gezogenen Kehre erreichen wir die ersten Häuser von Wengen. Etliche Zuschauer sind schon weiter gezogen, aber trotzdem ist die Stimmung super und nur mit der bei einem großen Citymarathon zu vergleichen. Jedes Jahr ist die Durchgangsstraße mit anderen Utensilien geschmückt. Einmal sind es die JM-Finisher-Shirts, ein anderes Mal ausrangierte Laufschuhe, diesmal bunte Luftballons. 

Ich lasse mich am Bahnhof mit Guggemusik und viel Applaus einen kurzen Anstieg hochtreiben und drücke auf der Schleife um den Ort noch einmal auf’s Tempo, bevor es an der Steigung hinauf nach Allmend endgültig vorbei ist mit der Rennerei.

Inzwischen ist auch das Frauen-Rennen entschieden. Claudia Landolt (3:34.24,4 ) ist lange zurückgelegen, hat sich erst nach Lauterbrunnen nach vorne gearbeitet dann auf der Moräne alles klar gemacht. Zweite wird Jasmin Nunige (3:36.47,6) vor der Äthiopierin  Addis Gezhagne  (3:40.42,3). Britta Müller ist beste Deutsche auf Platz 10. 

 
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Der folgende Streckenabschnitt hinauf zur Wengernalm ist für mich mit der schönste überhaupt. Der breite aber steile Weg quert die Piste des weltberühmten Lauberhornrennens und schon kommen die weißen Zacken der Jungfrau ins Blickfeld. Bereits 1811 wurde der 4158 m hohe Berg erstmals bestiegen (Johann Rudolph und Hieronymus Meyer). Wesentlich später, 1857, war dann der Mönch fällig. Christian Almer aus Grindelwald, der auch mit dem Matterhornbezwinger Edward Whymper unterwegs war, gelang die Erstbesteigung. Ein Jahr später stand er als erster Mensch auf dem Eiger (3970 m).

Das Dreigestirn ist jetzt komplett. Die Landschaft ist paradiesisch. Saftige Almwiesen, dunkle Wälder, die weißen Berge vor dem strahlend blauen Himmel – „ist das schön“, höre ich dutzendfach Läuferinnen und Läufer staunend sagen. Schöner als heute kann man diesen Marathon nicht erleben. Die Szenerie wird von einem Mountain-Piper musikalisch untermalt. Um ihn optimal auf den Chip zu bannen, ist mir auch ein kleiner Umweg über den Wiesenhang nicht zu viel. Überhaupt, wofür bin ich denn unterwegs? Ich habe nichts von einer tollen Zeit, wenn ich mit leerem Chip ins Ziel laufe. Ich bin wegen der Eindrücke unterwegs, die Ergebnisliste interessiert mich nicht.

Ganz ignorieren darf man die Zeit beim Jungfrau Marathon aber nicht. Nach 14.25 Uhr wird beim Wixi (1830 m – km 38) niemand mehr durchgelassen. Da gibt es kein Erbarmen. Ungefährdet von einem zwangsweisen vorzeitigen Ende passiere ich nach 5:01 Stunden den Kontrollposten und sehe der Moräne und den 400 m Anstieg gelassen entgegen. Seit letztem Jahr gibt es zum finalen Anstieg zwei verschiedene Zugänge. Damit entfällt der fast schon obligatorische Stau gleich am ersten Anstieg. Aber vor der Moräne trifft man sich dann wieder, um sich in die Schlange hinauf zum höchsten Punkt (Eigergletscher 2205 m) einzureihen. Klaglos wird sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. Manchmal muss man für einen kurzen Moment, der gerade für ein Foto reicht, stehen bleiben. Dann geht es weiter.

 
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