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28.07.12 - Swissalpine

K 78: Natural Running

 

Spina bis Wiesen

 

 
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Der Anstieg nach Spina zieht das aus K30-, C42- und K78-Teilnehmern bestehende Feld noch mehr auseinander. Täglich grüßt das Murmeltier in Spina. Auf dem blauen Banner über der Straße prangt wie jedes Jahr in aus Stroh geflochtenen Buchstaben der Gruß der Einwohner an uns Läufer. Wummernde Bässe gibt es anderswo, hier kommt man in den Genuss von Treichelgeläut. Natural Running eben.

Beim Wechsel auf Naturbelag hinter Spina ist alles ganz entspannt. Jeder kann sein Tempo laufen und ich kann kaum glauben, dass schon 15 Kilometer hinter mir liegen. Noch weniger, dass beim Verlassen des Waldes schon die Kirche von Monstein vorne an der Biegung auftaucht. Eine weitere Biegung, dann geht es wieder hinunter ins Tal. Lieber Joe, für dich wäre es eine Biegung zu viel. Geradeaus ginge es zur höchstgelegenen Brauerei, dem „last beerstop bevor heaven“.

Verdursten muss aber niemand, denn ein „normaler“ Verpflegungsposten kommt gleich. Die Besetzung repräsentiert den Altersquerschnitt der Bevölkerung. Wer da anpackt ist Teil eines Teams, ohne das auch eine von potenten Sponsoren unterstützte Veranstaltung nicht stattfinden könnte. Grob gesagt kommt auf fünf Läufer ein Helfer.

Der folgende Abschnitt auf der Straße gibt den Bergab-Spezialisten genügend Freiraum zur Entfaltung, bevor der Untergrund weicher und der Ausdehnungsraum beschränkter wird. Am Talboden angekommen, werden wir über das Gleis der Rhätischen Bahn geführt. Das Gasthaus Schmelzboden befindet sich zusammen mit einem kleinen Bergbaumuseum im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Bergwerksgesellschaft. Silberberg heißt die linke Talflanke, gefördert wurde trotzdem kein Edelmetall, sondern Erz, das hier in der Hoffnungsau verhüttet wurde.

Die folgenden fünf Kilometer durch die Zügenschlucht sind ein Traum, zumal die Sonne die Szenerie erhellt. Die Straße mit Naturbelag und den roh in den Fels gehauenen Tunnels kommt mir vor wie ein Relikt aus längst vergessener Zeit, dabei sind es noch keine vierzig Jahre her, dass sich der gesamte Straßenverkehr von Filisur nach Davos darauf abwickelte. Bevor ich beim Bärentritt auf den Singletrail wechsle, muss ich mir den Fingerkitzel gönnen und über die Aussichtskanzel einen Blick tief hinunter in die Schlucht werfen. Einfach umwerfend dieser Blick. Zum Glück nur im übertragenen Sinne und mit einer genügend hohen Steinbrüstung vor mir.

Von Weitem schon ist die sonst ruhig und abseits des Dorfs gelegene Bahnstation Wiesen auszumachen. Familien und Fangruppen erwarten ihre Angehörigen, Freunde, Bewunderte und Helden. Ich erwarte, dass ich an der Bahnschranke warten muss. Nichts dergleichen ist der Fall. Entweder hat der Fahrplan geändert oder ich bin in der Marschtabelle in einer anderen Kolonne zu finden als bisher. Auch auf dem Wiesener Viadukt ist weit und breit keine Spur von Zug auszumachen. Ich habe auch den Eindruck, dass bei früheren Teilnahmen der Strom der Läufer auf dem Eisensteg dichter war.

 

Wiesener Viadukt bis Filisur

 

 
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Noch ein paar Bilder von Läufern beim Passieren dieser besonderen Stelle machen und dann ab auf den komfortablen Trampelpfad nach Filisur. Dort, wo er breiter wird, ist das nächste Etappenziel fast schon Sicht. Aber auch der dunkel verhangene Himmel in Richtung Tiefencastel, wohin der C42 geht. Das Albulatal aufwärts sieht es noch besser aus. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zwischen den typischen Häusern mixe ich mir mit freundlicher Unterstützung einer Helferin eine neue Pulle Iso. Ich mache heute auf teilweise Autonomie. Das Wissen um Speis und Trank im Angebot, in einer vorab veröffentlichen Tabelle akribisch festgehalten, deren Verträglichkeit für mein System und um meine Vorlieben lässt es mich so handhaben.

 

Filisur bis Bergün

 

 
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Kann ich dem drohenden Regen davonlaufen? Diese offene Frage und die Hoffnung dahinter ist gerade das Richtige für meine Motivation für das nächste Stück. In meiner Erinnerung zieht sich der Abschnitt bis Bellaluna endlos und mit genau dem Grad an Steigung, den ich nach dreißig Kilometern nicht der mir zusagenden Art zurechne. Mit einem Frühstücksnachbarn ähnlichen Baujahrs komme ich darauf, dass wir als Kinder (zu einer Zeit als der Verkehr noch auf der alten Straße nach Davos ging) beide mit unseren Familien Urlaub in der Familienherberge in Wiesen, einem arg in die Jahre gekommenen, für günstigen Familienurlaub für Selbstversorger umgenutzen Hotel gemacht haben. Einfach war's und hinterließ bleibende, schöne Erinnerungen. Und so wie die Zeit seit damals im Nu vergangen ist, taucht auch schon das Gasthaus Bellaluna auf. “Bella luna“, schöner Mond oder„ Bal a l’una“, der Tanz um eins, die Herkunft des Namens ist nicht klar. Ein berüchtigter Hexentanzplatz soll hier gewesen sein.

 

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