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11.09.21 - Ultratrail du Müllerthal (UTML) Luxemburg

Leoparden in Luxemburg

Wölfe? Ja!. Luchse? Auch!. Aber Leoparden, hiier im beschaulichen Luxemburg ? Doch, ja! Aber nur heute, am Tag des UTML, was so viel heißt wie UltratrailMullerthalLuxemburg. Der Leopard (ein Erfrischungsgetränk) ist der Sponsor.

Zum 5. Mal geht es auf die Strecke. Und die hat viel zu bieten: 112 km gesamt mit 2700hm entlang des hervorragend beschilderten Mullerthal-Trails. Eine sehenswerte und und sehr zu empfehlende Wanderstrecke entlang der Naturschönheiten der kleinen luxemburgischen Schweiz. Genauer: durch die Schluchten, denn da sind freigewaschene Sandsteinformationen in jeder Menge und Schönheit. Enorm beeindruckend! Und genau da toben sich die Leoparden aus. Nur das Nummernschild unterscheidet sie von den Nicht-Leoparden (sprich Wanderern), die auch gern beiseitetreten, wenn es mal eng wird. Und das wird es oft genug!

 

 
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00:05. Der Tag beginnt und auf dem Marktplatz von Echternach, der ältesten Stadt des Landes, fällt der Startschuss. Genau unterhalb der großen Abtei und der Willibrordsbasilika. Jede Menge Historie gibt es zu bewundern und gemütlich ist es auch noch. Die Flutschäden sind beseitigt, die Lokale geöffnet, es riecht lecker, als ich am Abend meine Startnummer abhole. Nur mit Coronazertifikat selbstverständlich. Kann auch gerne auf Deutsch sein, denn das ist zweite Amtssprache hier. Allmählich versammeln sich die Langstrecken-Leos und warten auf den Start. Meiner kommt erst um 5, da haben bereits viele von ihnen die ersten 37 km geschafft.

Der Mullerthal-Trail besteht nämlich aus drei großen Routen, jede so 37 km lang. Diese sind  in Kreisen angeordnet, die sich berühren. Alle drei Routen zusammen sind 112 km lang, die Routen 2 und 3 dann 75. Dafür bin ich gemeldet. Und man kann auch nur Route 2 laufen (Trail) oder den Shorty mit 15 km. Eindeutig ist die Route 2 die schönste, aber auch die schwierigste. Hier sind die Sandsteine,  mit Höhlen, mit Spalten, mit senkrechten Wänden, vom Wasser zerfressen, zum Teil eingestürzt… die Erosion hat hier ganze Arbeit geleistet!

Die anderen Routen zeigen mehr Aussichten, das Hochplateau, die Burgruinen… Das sieht man aber nur bei Tag, weniger im Spotlight der Stirnlampe. Die ganz, ganz schnellen Leos traben oft im Dunkeln an den Felsen vorbei auf den Ehrenplatz auf dem Treppchen, müssen aber im Hellen nochmals wiederkommen, um die Schönheiten zu bewundern. Da mach ich lieber langsam und nur einmal.

Mir kommt entgegen, dass die ersten drei Stunden fast nur auf Singletrails durch den Wald führen. Oben am Hang, unten am Hang, schwieriger Untergrund: glitschig vom Regen, lose getretenes Geröll, viel Sand und auch Schlamm. Stolperfallen jede Menge. Die pittoresken Felsen erreiche ich genau beim Hellwerden nach 11 km. Die Zeit ist gut investiert. Nochmal 11 km sind es bis zum ersten VP.

 

 
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Die schmalste Felsspalte gibt es hier: Kuelscheier - 30 cm und sie wird noch schmaler. Und der Trail geht genau da durch! Der Rucksack schabt am Felsen, die Stöcke auch, tiiieef einatmen und Bauch einziehen, seitlich… dann geht es. Es folgen später noch mehr, aber die sind etwas breiter. Tagsüber gibt es auch Gegenverkehr… Sowas ist klasse. Treppen führen hoch und runter, vor den Felsen auf dem Geröllhang, in den Felsen, über die riesigen Blöcke – das alles macht den Trail zum Geheimtipp!

Heringer Millen. 22 km. 4:15h. Puh. Aber ich bin heile und intakt. Eine Bouillon und ne schnelle Hochrechnung: noch 50 km und das langsam, macht 4,15 mal 3 plus Reserve, ich bin drauf und dran, das Zeitlimit zu reißen. 14:30 Stunden sind das für meinen Teil insgesamt, aber unterwegs sind noch drei Stationen mit Cutoff zu knacken! Das wird knapp! Egal. Gut betankt und mit Reservecola in der Flasche geht es weiter! Hier beginnt die Route 3 mit laufbarerer Strecke. 37 km sind es, sie enden genau wieder hier. Um 16 h muss ich durch sein.

Entlang der Schwarzen Ernz geht es nach Norden. Ein Flusstal weitet sich, hier kann man zunächst Gas geben und Zeit gutmachen. Dann nach links, ins Halerbaachtal und dann den Haupeschbach hoch. Malerische Bachtäler sind das  -  und ein anspruchsvoller Trail, nur aufwärts. Nicht sooo steil, aber schier endlos. Weiter oben treten dann wieder die Felsen hervor, manchmal bleibt nur wenig Platz zum trocken durchkommen. Kleine Stege erleichtern den Uferwechsel. Abzweige gibt es nicht, verlaufen geht eigentlich nicht. Fast ganz oben kommt ein kleiner See, dann die Burgruine von Befort.

 

 
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An diesem eindrucksvollen Kasten vorbei geht es weiter das Bachtal hoch. Erst bei km 32 hat man etwas flacheren Wald vor sich. Die Hochebene, sanft wellig, dichter Wald wechselt sich mit Feldern ab, der Mais hat eine frische grüne Farbe. Darüber blauer Himmel – da fehlt eigentlich nur ein VP! Aber Verpflegung hat man ja auf dem Rücken. Noch 2 km sanft bergauf, dann senkt sich der Weg in Richtung Larochette. An der Weißen Ernz sind die Wege gut zu laufen und bei 37 km kommt tatsächlich ein VP! Die Rettung! Denn stramm hoch und runter - so ist die Fortsetzung des Trails. Mal oben am Hang, mal unten.  Ganz gemein ist das Schild „Larochette 500m“. Wir traben aber nach links wieder mächtig hoch und sind bald auf Höhe der Kirchturmspitze! Erst dann dürfen wir runter. Der tiefere Sinn erschließt sich unterwegs: Die Aussicht auf die riesige Burganlage des Ortes ist phantastisch. Die prägt hier einfach alles!

 

 
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Jetzt unten über eine Hauptstraße, hier sind die Schilder schwer zu sehen, und eine Treppe hoch. Nach Supp sind es noch 2,5 km, der cutoff um 13:30, das wird knapp. Tatsächlich erreiche ich den Kontrollpunkt mit einer Gruppe anderer Leos aber mit einer präzisen Punktlandung!

Die Suppe ist lecker und für die nächsten 15 (oder 17?) km haben wir 2,5 Stunden Zeit. Könnte reichen, wären da nicht diese Anstiege. Hoch, in der Sonne wieder aufs Plateau. Immerhin auf richtigen Wegen und oben mit einer phantastischen Aussicht!  Der Trail runter ins Tal der Schwarzen Ernz ist auch toll, zieht aber die Körnchen aus den Knochen. Mannmannmann. Unten dann über die Straße und alles wieder hoch. Keiner läuft mehr. Wir ächzen und stöhnen, die Abstände werden immer größer. Und die Zeit knapper.

Ganz oben liegen wieder Felder vor uns, wir bleiben aber in einem recht welligen Waldgelände. Entspannende Abwärtspassagen gibt es auch und ein Stück malerischen Weg zwischen Felswänden durch, die total vermoost sind.  Hier steckt viel Wasser im Boden, ein kleines Moor beweist es. Dann aber nichts wie runter! Mit Tempo! Zur Kallektuffquelle – normalerweise. Aber Schäden am Weg erzwingen eine Umleitung, es gibt ordentlich Höhe dazu - und schon ist die Zeitschätzung perdu.

Unten am Fluss längs in Richtung Heringer Millen bleiben uns aber die Abschnitte am Scheissendempel erspart; das ist ein kleiner Wasserfall mit schöner Steinbrücke und aufwendigen Holzwegen. Auf lauter Nicht-Leos treffe ich hier, denn das ist einer der leicht erreichbaren Höhepunkte des Trails. Mit dem cutoff wird das so nichts. Aber: irgendwie ist der wohl abgestellt, oder verlängert; niemand wird irgendwie aufgehalten. Noch so 15 km bis Finish, das wäre genau der Shorty-Trail. Auch wenn der so niedlich klingt, hat er es noch mächtig in sich. Es ist hier die zweite Hälfte der Route 2, der schönste und anstrengendste Abschnitt der ganzen Tour. Erstmal geht es hoch, 3 km nur aufwärts, manchmal auf Treppen. Erst bin ich alleine und frage mich, ob ich da am VP durchgeschlüpft bin; dann kommen einige Langstrecken-Leos und überholen. Alles klar.

 

 
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In Berdorf ist cutoff um 18h. Vorher kommen aber noch reichlich Felsen, der Predigtstuhl ist der Eindrucksvollste davon. Riesige, zerklüftete Wände, ein Wegelabyrinth und ein Parkplatz. Da nun drüber und in die Felsen auf der anderen Seite. Schmale und breite Wege, vom Regen ausgespült aber gesichert, führen nach Berdorf.

Hier gibt es einmalig tollen Käse! Und leckeres Ziegenmilcheis! (Aber nur zu den Öffnungszeiten des Bauernhofes mitten im Ort). Der VP hat wenigstens Cola und Wasser. Ich kriege nichts mehr runter, mir ist schlecht. Nur noch Wasser geht, aber auch nur nach einer längeren Pause. 8 km noch und 1,5 Stunden Zeit.

Da Berdorf auf dem Plateau liegt, heißt das nominell abwärts. Und die ersten 2 km stimmt das auch. Einen langen Feldweg runter auf den Wald zu. Dann links nach Echternach im Tal eines fast trockenen Baches. Grotten werden durchquert, in denen früher Mühlsteine gebrochen wurden. Die runden Löcher sieht man deutlich. Im Sand und auf Stegen arbeiten wir uns vor. 4 km sind geschafft. Aber dann: die Felswände, die Blöcke und wir dazwischen auf den Treppen, oft mit Geländer oder Seilsicherung. Hier wird noch mal alles verlangt. Hat man dann die Serpentinentreppe erreicht, sind nur noch zwei km übrig.

Davon geht einer noch wild rauf und runter, bis wir auf unseren Zuweg vom Start gelangen. Dann nur noch abwärts und durch die Fußgängerzone zum Marktplatz. Unter dem Jubel des Publikums versteht sich. Ich glaube, das waren alles Leos, die sich isotonisch mit nem Diekirch versorgten. 14:12 Stunden. 73 km. 2000 hm. Gemessen mit Garmin. Das passt zu meinem Zustand. Ich komme kaum aus dem Liegestuhl hoch…

 

 

Fazit

 

Ein Geheimtipp für Läufer und Wanderer ist das Mullerthal-Trailevent allemal. Und das nicht nur am Tag des UTML. Zur Erkundung in aller Ruhe lohnt es sich auch an allen anderen Tagen. Mit guten Trailschuhen kommt man prima durch, Stöcke behindern eher nur. Ich habe meine jedenfalls nicht eingesetzt. Die Naturschönheiten sind einfach toll und suchen ihresgleichen weit und breit. Leckere Stärkungen gibt es auch überall zu finden, aber man muss auch was im Rucksack haben. Das Pflichtgepäck ist schon sinnvoll zusammengestellt!

 

Informationen: Ultratrail du Müllerthal (UTML) Luxemburg
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