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15.06.14 - Eifelmarathon

Viel Eifel und viel Bitburger

Jetzt wir es nett. Die Halbmarathonis kommen von vorn. Ich feuere sie an; viele von ihnen antworten oder klatschen ab. An der VP versuche ich, keinem im Weg zu stehen, denn ich habe ja mehr Zeit als sie. Nach den schnellen Hirschen kommt das Feld der Langsameren, die hier ihren Spaß haben wollen. Jeder lacht und hat ein gutes Wort. Dann werden es weniger und schließlich bin ich wieder allein auf der Strecke. Da kommt das Besenfahrrad mit dem Letzten. Ich feuere ihn an: „auch Du wirst das Ziel erreichen“. Dann fällt mir auf, dass er ziemlich schnell unterwegs war. Als dann die Nächsten kommen, wird mir klar, dass das bereits der führende Marathoni war. Peinlich, peinlich.

 
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Das ständige Entgegenkommen motiviert mich zügig zu laufen. Die Strafe folgt auf den Fuß. Meine Beine werden schwer. Jetzt halte ich erst einmal an der nächsten VP an. Dort gibt es Bitburger alkoholfrei. Das ist ein Wort. Noch einen Apfelschnitz für unterwegs und gestärkt, sowie etwas langsamer, setze ich meinen Weg fort. Nach einem längeren Stück auf der Straße liegt hinter einer Kurve Schloss Hamm. Schon von Weitem höre ich die Klänge von Dudelsäcken. Im Schlosshof, wo der Halbmarathonstart war, ist es jetzt ruhig. Ein Moderator sagt mich an und an der VP kann ich mir aussuchen, was ich haben möchte. Es gibt auch nochmals Schwämme. Man hätte sie bereits bei der Startnummernausgabe erhalten können, aber ich dachte nicht, dass man sie brauchen würde. Die Sonne brennt mittlerweile aber doch ganz schön. Auf den schattigen Wegen hatte man das gar nicht so gespürt. Ich verzichte trotzdem darauf einen Schwamm mitzunehmen und erfrische mich hier nur kurz.

Ich verlasse den Schlosshof durch das hinteren Tor und laufe bergab. Es geht über die Straße und auf einen schmalen Trail. Jetzt kommen mir viele Marathonläufer entgegen und auch das Fahrrad der führenden Marathonfrau. Das ist ganz schön eng und ich versuche, den Entgegenkommenden so gut wie möglich auszuweichen. Auf der Straße wird es dann besser; hier hat jeder seine eigene Seite. Dann liegt der Biersdorfer Stausee vor mir. Es geht auf einen winzigen Trail. Eine Familie mit diversen Krachmacher -Instrumenten feuert mich an. Der Trail ist nur kurz und ich erreiche eine lange Brücke. Auf der anderen Seite stehen Feuerwehrmänner bei ihrem Auto. Ich bin unsicher. Wo trennt sich die Ultrastrecke vom Marathon? Auf jedem Schild steht nur Marathon, deshalb frage ich lieber mal nach. Nein, ich bin hier richtig.

Also gut, es geht links wieder in den Wald. Oberhalb des Stausees führt die Strecke auf einem lauschigen Waldweg entlang. Viele Spaziergänger sind hier unterwegs. Ich laufe konzentriert von einem leuchtend gelben Pfeil zum nächsten. Eigentlich ist alles super markiert, aber wenn ich vor und hinter mir keinen Läufer sehe, bin ich doch immer verunsichert. Nur, wenn dann wieder ein Kilometerschild steht, bin ich beruhigt.

Hier ist es wunderbar zu laufen. Der Waldpfad ist weich und wellig. Unter mir liegt der Stausee der heute bei dem super Wetter von Bootfahrern und anderen Erholungssuchenden lautstark bevölkert ist. Bei mir oben ist es ruhiger und ich genieße jeden Schritt. Für meine Ziel-Zeit von 6 Std 45 müsste es auch gut passen. Was will ich mehr? Bald ist das Ende des Stausees erreicht. Ich fummle ein Tütchen Salz aus meiner Tasche; es müsste bald wieder eine VP kommen. Sie liegen im Schnitt 3 Kilometer auseinander. Es geht über die Staumauer und ein Moderator sagt mich an. Ein Helfer weist mir den Weg nach links zur Verpflegung und dann geht der weitere Weg aber nach rechts. Ich überlege kurz, ob ich mir den Umweg über die Verpflegung schenken soll. Aber ich hab das Salz ja schon in der Hand, und so gönne ich mir diesen Abstecher.

Der Moderator fragt mich in der Zwischenzeit ob Norbert auch noch kommt. Der weiß wohl nicht wie schnell mein Mann unterwegs ist. Ich klär ihn auf und entschwinde über den Parkplatz. Gerade kommt ein Läufer entgegen. Er warnt mich, dass es jetzt richtig steil werden würde. Da bin ich mal gespannt. Zuerst geht es bergab, dann geradeaus. Mir schwant nichts Gutes: vor mir liegt ein Berg. Der Weg geht beinahe senkrecht nach oben. Die Entgegenkommenden können kaum bremsen. Schritt für Schritt steige ich auf der Straße nach oben. Als der Asphalt endet muss ich mich kurz orientieren. Es gibt 2 Pfeile: an dem einen steht „Hinweg“ an dem anderen „Rückweg“. Jetzt ist klar: ich muss noch weiter nach oben (km 25).

Hier ist es richtig schön. Immer wieder öffnet sich der kühle Wald und gibt fantastische Ausblicke frei. Ich bin ganz alleine und genieße die Ruhe. Der Weg ist eindeutig mit gelben Pfeilen markiert. Trotzdem bleibe ich konzentriert. Ich bin froh, dass ich unten noch etwas getrunken habe. Da es nun immer wieder bergauf geht brauche ich viel mehr Zeit, als gedacht. Ich glaube, die Strecke führt mehrfach im Kreis und die Richtung ändert sich ständig. Manchmal sehe ich den Stausee unter mir und kann sogar den Sprecher hören. Dann hinter km 29 erreiche ich die VP. Es gibt richtiges Bitburger. Die Helfer sind locker drauf und laden mich ein, doch hier zu bleiben. Ich nehme kurz auf der Bierbank Platz, doch dann muss ich weiter.

 
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Es geht noch bis km 31 so. Dann erreiche ich endlich die Stelle, wo mich der Pfeil auf den „Rückweg“ schickt. Schnell bin ich wieder beim Moderator und der VP (km33). Am Stausee entlang geht es weiter. Der Weg führt auf der Strandpromenade und am Café vorbei. Hier werde ich sogar von den Gästen beklatscht. Viele Spaziergänger sind unterwegs. Wenn ich unsicher werde, ob der Weg noch stimmt, kommt gleich das Kilometerschild. Eigentlich sind es nun drei. Eines für den Halbmarathon, eines für den Marathon und dann das für den Ultra.

Dann erreiche ich die vom Hinweg bekannte Strecke. Ich bin gerade auf dem winzigen Trail bergauf, da höre ich plötzlich Schritte hinter mir. Eine junge Frau in türkisenem Shirt kommt von hinten. Ich frage, wo sie so lange war. Sie meint, dass sie immer in gleichem Tempo unterwegs ist. Ich schließe daraus, dass ich wohl langsamer geworden bin. Zusammen laufen wir im Schloss Hamm ein. Hier ist es ganz schön windig. Die Helfer kämpfen mit den Schirmen. Ich verweile etwas. Als ich das Schloss verlasse, ist das türkisene Laufshirt schon außer Sichtweite.

 
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Irgendwie kommt mir die Strecke jetzt kürzer vor. Die Kilometer nehmen erfreulich schnell ab. Dunkle Wolken versperren der Sonne den Ausblick und machen das Laufen angenehmer. An den VPs ist es schon ziemlich leer, aber Cola und Wasser gibt es immer noch und Weintrauben sind auch nicht zu verachten. Außerdem sparen die Helfer nicht mit Anerkennung.

Plötzlich höre ich wieder Schritte hinter mir. Verena, die Läuferin in Türkis kommt schon wieder von hinten. Sie hat sich irgendwo verlaufen und ist einen unnötigen Berg hinauf. Die nächsten Kilometer behalte ich sie immer im Blick. Während ich bei jeder Steigung gehe, läuft sie unermüdlich im gleichmäßigen Tempo. Sogar das steile Stück, wo mir vor Stunden der Führende beim Halbmarathon entgegen kam, joggt sie hinauf. Bei km 44 hab ich sie wieder eingeholt. Wir kommen ins Gespräch. Unwillkürlich passen wir unser Tempo einander an. Während ich hoch gehe, trippelt sie mit winzigen Schritten neben mir her, bergab drossle ich mein Tempo und wir laufen locker hinunter. So vergehen Kilometer um Kilometer.

Bei km 50 steht eine Zuschauerin und beglückwünscht uns schon mal. Es geht, mit Pylonen von der Straße abgetrennt, bergab. Ein Helfer lotst uns über die Straße. Dann kommt die letzte Kurve und wir gehen gemeinsam durchs Ziel. Norbert und Bernd erwarten mich bereits. Es gibt eine Medaille. Auf Norberts Bitten hin haben die freundlichen Helfer von Bitburger zwei Flaschen für mich zur Seite gestellt. Das war jedoch nicht notwendig: es gibt noch genügend. Dazu noch jede Menge Bananen und Äpfel.

Vor dem Bürgerhaus ist die Siegerehrung für den Marathon in Gange. Die Ehrung für die Ultras gibt es eine Halbe Stunde später. Der Belgier Luc Dirckx konnte in der fantastischen Zeit von 3:39:14 Std den Ultra-Lauf gewinnen. 2 Minuten später schaffte es Gerd Mertens als zweiter und mit 4:29:47 wurde Robert Gotto dritter. Dirckxs Landsfrau Hilde Geerts  hatte bei den Frauen die Nase vorn: 5:05:29 Std reichten zum knappen Sieg vor der erst 25 jährigen Rebecca Lenger, die nur  29 Sekunden später im Ziel war. Natalia Uzunbajakava war mit 5:14:31 nur unwesentlich langsamer.

Rita Brandenburg kann nun offiziell den Lauf beenden. Die familiäre Veranstaltung war wieder ein voller Erfolg. Für das Startgeld von 30 Euro bekommt man neben der gut gefüllten Startertasche einen Marathon oder Ultra, mit Verpflegungsstellen alle 3 Kilometer, verteilt auf einer anspruchsvollen, landschaftlich schönen Strecke.

Aufgrund der Streckenführung als Wendepunktstrecke und der Austragung mehrerer Läufe gleichzeitig werden die Verpflegungsstellen optimal genutzt und zumindest auf der ersten Hälfte kommt keine Langeweile auf. Beim Rückweg auf der langen Strecke konnte ich immer wieder Bekanntes erkennen ohne dies aber als eintönig zu empfinden. Meine Befürchtung, dass man beim Ultra einfach irgend einen Streckenabschnitt mehrfach läuft hat sich nicht bestätigt. Die Verlängerung gibt dem Lauf ein eigenes Gesicht und macht ihn doppelt anspruchsvoll.

Wir sind übrigens glücklich Zuhause angekommen und das Auto ist in der Werkstatt.

 

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