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28.04.18 - Innsbruck Alpine Trailrun Festival

Rundlauf für Fortgeschrittene

Nomen est omen: Das Innsbruck Alpine Trailrun Festival drückt bereits im Namen all das aus, was die Veranstaltung aus- und auch so besonders macht. Zum vierten Mal lädt Österreichs Alpenkapitale zum naturnahen Jahresaufgalopp. Innsbruck selbst steht dabei - wörtlich genommen - im Mittelpunkt. Hier schlägt das organisatorische Herz, hier wird gestartet, hier wird gefinisht. Aber gelaufen wird woanders: Es ist die Natur 360 Grad rund um die Stadt, die überaus vielgestaltig den Laufkurs prägt.

Dem Charakter eines Festivals entspricht, dass man ein ganzes Bündel an Distanzen bereithält, auf denen sich die Teilnehmer, je nach Lust und Vermögen, läuferisch austoben können. 15, 25, 42, 65, 85 km lauten die Optionen, wobei für den Streckenverlauf mathematisch betrachtet schlicht die Formel gilt: Die jeweils kürzere ist Teilmenge der jeweils längeren Distanz.

In gewisser Weise erscheint dabei der K65 als „Mutter“ aller Läufe. Auf 67,5 Kilometern mit 2.300 Höhenmetern umkreist der Kurs, mit Start und Ziel vor dem Tiroler Landestheater, in einem weiten Bogen vollständig die Stadt. Der K85 tut dies auch, allerdings mit einer Ausstülpung, die den Läufern einen zusätzlichen anspruchsvollen 18 km-Ausflug gen Süden bis nach Telfes im Stubaital beschert. Der K25 wiederum deckt das erste Drittel des K65 bis zum Natterer See ab, der K42 in Fortsetzung die folgenden beiden Drittel. Und der K15? Der entspricht quasi dem Schlussspurt des K65.

Der weiträumige Platz zwischen der Hofburg und dem schon erwähnten Landestheater am Rande der Innsbrucker Altstadt ist für alle Läufer der erste Anlaufpunkt. Hochherrschaftlich ist das Ambiente ringsum. Mit Bühne, Videoleinwand, dicken Lautsprecherboxen, einem Zeltdorf und Freiluftbiergarten hat man hier den adäquaten Rahmen eines Festivals geschaffen.

 

 
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Das Bestehen des gestrengen Checks des Pflichtgepäcks ist die erste, aber sicherlich leichteste Hürde für die Teilnehmer. Erst danach, festivalmäßig mit Bändchen am Handgelenk, bekomme ich die Startnummer als offizielle Insignie meiner Startberechtigung. Und die ist in diesem Jahr für den K65, nachdem ich im Vorjahr beim K42 erstmals Festival-Erfahrung sammeln konnte. Wie Ihr seht: Es hat mir offensichtlich gefallen. Und anscheinend nicht nur mir: Über 2.300 Anmeldungen kann der Veranstalter verbuchen, ein Plus von 40 % gegenüber dem Vorjahr.

Zumindest ein Teil dieses Plus entfällt auf ein Lauf-Special, das Neugierigen, Nachteulen und Laufjunkies bereits am Donnerstag geboten wird. In der Dämmerung um 20:30 Uhr startet erstmals der Innsbruck Nighttrail, im Veranstalterjargon K7 genannt. Auf 7 km mit 400 Höhenmetern rauf und runter erhält man die Gelegenheit, aus der Höhe von Norden aus einen nächtlichen Blick auf das Lichtermeer Innsbrucks zu werfen. Das klingt verlockend, ist aber als Warm Up zumindest für klassische Wochenend-Lauftouristen terminlich nicht ganz optimal positioniert.

Ein Muss ist am Freitagabend die Schupfnudel-Party im schmucken Kristallsaal des Congress-Zentrums. Mit fünf Schupfnudel-Varianten, auf Porzellan und weißem Tuch serviert, lässt diese Party das übliche Carboloading-Einerlei weit hinter sich. Nebenbei werden wir beim Briefing auf den anstehenden Event vorbereitet. Das macht schon vor dem Start richtig Laune.  

 

Start um acht

 

Früh aufzustehen gilt es für Starter des K65. Nicht gar so garstig früh wie für die K85er, die schon zu nachtschlafender Zeit um 5 Uhr auf die Piste gejagt werden. Aber ausschlafen ist auch für mich nicht angesagt. Immerhin: Im Läufer-Hotel Ramada Tivoli gibt es für die „early birds“ bereits ab 6:15 Uhr Frühstück und das ist schon mal ein guter Start vor dem Start. Per Buslinie J geht es von hier direkt in die Altstadt. Ein paar Schritte weiter, schon stehe ich im Startgelände, auf dem aus allen Himmelsrichtungen die Läufer eintrudeln. Ein ansehnlicher Haufen ist das, denn mit den Läufern des K65 gemeinsam gehen auch die des K25, der teilnehmerstärksten Distanz, an den Start. Mit 250 zu über 700 sind die Ultras deutlich in der Minderheit.

 

 
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Kurz vor acht wird es voll im Startkanal. Die Stimmung ist wie das Wetter: einfach perfekt. Die Kraft der Sonne lässt allerdings schon jetzt erahnen: Die zu erwartende Traumkulisse wird man mit viel Schweiß bezahlen müssen. Der Startschuss erlöst die Harrenden und eine Läuferflut ergießt durch das rote Start-/Zieltor über den Asphalt. Bis 21:15 Uhr, also 13:15 Stunden habe ich Zeit, den Weg ins Ziel zu finden. Ein beruhigendes Polster.

Easy running ist auf den ersten beiden Kilometern angesagt, gerade recht zum Einlaufen. Direkt hinein in die historische Altstadt geht es zum Auftakt. Sightseeing im Sauseschritt erleben wir beim Run durch die Gassen. Die pittoresken Fassaden fliegen nur so an uns vorbei und natürlich darf auch das berühmte Goldene Dachl als Top Spot nicht fehlen.

Nur wenige Minuten später ändert sich die Szenerie schlagartig: Aus der mittelalterlichen Enge hinaus tretend öffnet sich vor uns die Weite der Natur. Am Horizont prangt mächtig der schneebedeckte Riegel des Karwendel, in dichtem Grün bis ins Herz der Stadt auslaufend. Vor uns fließt träge der Inn. Der breiten Uferstraße folgend begleiten wir ihn ein Stück weit. Auf unserem Weg passieren wir die futuristischen Stationen Congress und Löwenhaus der Hungerburgbahn. Als Zubringer der Innsbrucker Nordkettenbahnen ermöglicht sie von der Stadtmitte aus den direkten Zugang zu den unnahbaren, schroffen Gipfeln des Karwendel, dessen Flanken bis über 2.600 Meter ansteigend die Stadt gen Norden begrenzen.

Über den hölzernen, überdachten Hans-Psenner-Steg queren wir den Inn. Ein herrlich kühler Wind weht über den Fluss. Die Kühlung sollte man genießen. Denn am jenseitigen Flussufer dürfen wir erstmals auskosten, worum es hier tatsächlich geht: Trailrunning. Allerdings zunächst einmal von der weniger genussvollen, weil anstrengenden Art. Ein Naturweg windet sich durch dichtes Grün steil in die Höhe, mal etwas angenehmer in weiten Serpentinen, dann wieder sehr direkt. Da, wo der Pfad besonders schmal ist, schnaufen die Läufer powerwalkend dicht an dicht. Vorbei am Gelände des Alpenzoos stoßen wir vor bis zum 300 m über der Stadt gelegenen Ortsteil Hungerburg, wo die aus der Altstadt herführende gleichnamige Schienenseilbahn endet und man, in die Seegrubenbahn umsteigend, zum Sprung in die luftigen Höhen des Karwendels ansetzt. In solche Höhen springen wir nicht, sondern bleiben auf dem Boden der Tatsachen: Und das sind trailige Höhenpfade in den Wäldern zu Füßen der Nordkette, denen wir nun immer weiter gen Westen folgen.

 

Im Schatten der Nordkette

 

Einen finalen Panoramablick auf die Nordkette dürfen wir von Hungerburg aus genießen, dann schließt sich dieses Sichtfenster nach oben für die nächsten Kilometer. Die Welt der Waldtrails bestimmt unser Tun und Denken. Das bedeutet: Zumeist auf Single-Trails geht es über Stock und Stein, wobei mit „Stock“ unzählige Wurzeln gemeint sind, die nur darauf warten, uns bei einer Unachtsamkeit aus dem Gleichgewicht zu bringen. Andererseits: Genau deswegen sind wir hier. Und noch voller Energie und Tatendrang stellen wir uns mit Spaß der Herausforderung. Herrlich ist der Weg vor allem dort, wo uns ein dicker weicher Nadelteppich wie auf Watte laufen lässt.

 

 
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Jenseits von Hungerburg gilt es noch weitere hundert Höhenmeter zu erobern, ehe sich der Kurs tendenziell mehr bergab als -an bewegt. Aber so genau weiß man dies angesichts der vielfältigen Profilwechsel nie. Eine nette Abwechslung bietet eine schneegefüllte Senke, die wir samt Bach queren müssen. Wie an so mancher Engstelle gibt es auch hier einen kleinen Läuferstau.

Unweit des Höttinger Bild, einer Wallfahrtskapelle mitten im Wald, ist nach 6,7 km auf einer lauschigen Wiese der erste Verpflegungsposten eingerichtet. Besonders bei Studenten im Prüfungsstress soll die Kapelle ein beliebtes Pilgerziel sein, wobei ich mir vorstellen könnte, dass es vor allem der Marsch durch die Natur ist, der den Kopf frei bläst.

Und weiter geht es durch den Wald. Sozusagen als Chill-Out-Area wechseln sich bequeme Naturwege mit den ausgesetzten Pfaden ab. Stangensteig wird der Trail hier genannt, was möglicherweise an der hohen Dichte der Baumstämme liegen mag, durch die sich der Pfad windet. Zumindest einer der Läufer vor mir scheint kurzfristig den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen und bleibt comedyreif im Abgalopp an einem Baumstamm „kleben“. Passiert ist ihm bei der intensiven Baumumarmung zum Glück nichts.

Im Ortsteil Kranebitten verlassen wir unser Waldrefugium. Bekannt ist der Ort vor allem wegen des hier ausgesprochen stadtnah im Tal angelegten Innsbrucker Flughafens, passagierzahlmäßig immerhin der drittgrößte der Republik. Nur aus der Ferne erspähen wir kurz die Flugpiste, ansonsten präsentiert sich uns der Ort in beschaulicher dörflicher Idylle. An einem weiteren Verpflegungsposten verabschieden wir uns nach 11,2 km von den Hängen der Nordkette.

 

Durch Wald und Wiesen zum Natterer See

 

Zum zweiten Mal queren wir den Inn. Auf einem breiten, flachen Schotterweg folgen wir seinem Lauf erneut ein Stück weit. Optisch ist diese Passage ein besonderer Leckerbissen, denn sie eröffnet uns gen Norden wie nach Süden freien Bergblick.

Über die Inntalautobahn hinweg und an Völs vorbei gewinnen wir in einem stillen Seitental zunehmend wieder an Höhe. Längst nicht so ausgesetzt wie zuvor sind die Wege hier und erlauben ein zwar weniger spannendes, aber deutlich entspannteres Laufen. Unglaublich intensiv leuchtet das frühlingsfrische Grün der Bäume und Sträucher um uns herum in der Sonne. Dort wo sich das Tal weitet, präsentiert sich in nicht minder satten Farben ein vom Löwenzahn gelb getupfter Wiesenteppich.

 

 
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Einem munteren Gebirgsbächlein folgen wir durch das sich zeitweilig verengende Tal. Ein weiteres Mal ein Bilderbuchbergpanorama dürfen wir erleben, als wir die Ausläufer von Axams und damit den westlichsten Punkt unseres Kurses erreichen und von dort quer durch die weiten Almwiesen weiter nach Birgitz vorstoßen. Speis und Trank locken nach 20,2 km mitten im Ort.

Vorbei an weiß blühenden Obstbäumen setzen wir zum nächsten Leckerbissen für Trailpuristen an. Warum auch immer: Akademikersteig heißt der wurzelige Pfad, der sich durch die dschungelige Landschaft tendenziell aufwärts in Richtung Götzens schlängelt. Unterwegs blicken wir auf die malerisch in die Natur eingebettete Burgruine Vellenberg. Abgelöst wird der Pfad schließlich durch einen breiten Wirtschaftsweg direkt am Saum zwischen Wald und einer schier endlosen Wiesenfläche. Entspannt lassen sich hier die Kilometer nur so abspulen.

Ein heftig durch den Wald ansteigender Pfad bedeutet das Ende der Gemütlichkeit und fordert einmal mehr die Puste. Durch die Einsamkeit des Waldes dringendes menschliches Gejohle kündet jedoch schon von Ferne das nächste Zwischenziel an. Immer mehr Menschen säumen das finale Steilstück des Weges und feuern uns, über das Wurzelgebälk hoch japsend, an.

Wie aus dem Nichts taucht jenseits der Steigung hinter den Bäumen ein langgezogener Gebäudekomplex auf, vor dem dicht an dicht die Menschen harren, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen: Es sind die Nicht-mehr-Läufer des K25, die sich hier, auf dem Campingplatz am Natterer See von ihrem von reichlich Publikum gefeierten Zieleinlauf erholen. Und auch die Noch-nicht-Läufer des K42, deren erste Vorhut dem Start um 12:30 Uhr entgegen fiebert. Der große Schwung der K42´ler steht noch aus: Die kommen im Shuttle-Konvoi erst noch aus Innsbruck. Und dann sind da natürlich auch die Läufer des K65, die an einer Weiche nach links zur Verpflegungsstation gelotst werden, um dort kurz zu verschnaufen und dann wieder im dichten Grün der Natur zu verschwinden.

Apropos Verpflegung: Da erwartet uns an allen Stationen ein richtiges Verwöhnprogramm: Wurst, diverse Käse, Tomaten, Nüsse, Kuchen, g`spritzte Säfte und Obst peppen das obligate „Energy“-Einerlei auf. Konsequent ist man in Sachen Müllvermeidung. Es gibt keine Einwegbecher. Ein eigenes Trinkgefäß gehört zur Pflichtausrüstung.

Die folgenden, mir schon aus dem Vorjahr bekannten Kilometer führen weitgehend im leichten Auf und Ab und meist quer durch den Wald dahin. Entspannter Trailspaß, könnte man sagen. Die 25,5 km mehr, die ich gegenüber dem Vorjahr in den Beinen habe, merke ich allerdings deutlich. Frisch gestärkt bin ich jedoch hoch motiviert: Nur noch 42 km!

 

Durch die Sill-Schlucht

 

Der Veranstalter hatte es schon angekündigt: Noch mehr Trailspaß als im Vorjahr soll es 2018 geben. Was er damit meint, darf ich unter anderem jetzt erleben. Im letzten Jahr liefen wir geradewegs dem Bergisel, Innsbrucks Hausberg mit der berühmten Schanze, entgegen, um dann, nach Überquerung der Brenner-Autobahn, in die Sill-Schlucht gleich hinter dem Berg abzutauchen. Heute ist das anders und zunächst bin ich etwas irritiert. Denn ich merke, wie wir uns via Natters immer weiter in das zum Brenner führende Wipptal hinein bewegen und damit vom Bergisel und der Sill-Schlucht, für mich das Streckenhighlight schlechthin, entfernen. Aber die orangenen Wegweiser und Flatterbänder zeigen unmissverständlich: Falsch abgebogen bin ich nicht.

 

 
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Was der Kursplaner im Schilde führte, kann ich aber dann doch bald erkennen: Hinab zum Talgrund werden wir auf Höhe von Zenzenhof gelotst und queren hier ein wild rauschendes Flüsschen. Es ist der Sill. Der „Einstieg“ mag weniger spektakulär als direkt am Bergisel sein. Spektakulär ist aber der um das drei- bis vierfach verlängerte Kurs, den wir nun in der Schlucht gen Innsbruck zurücklegen dürfen.

Unberührte Naturlandschaft säumt die steilen, bisweilen bizarr felsigen Ab- und Überhänge zu beiden Seiten der Schlucht. Da, wo der Sill mehr Platz hat, wirkt er relativ zahm, laden idyllisch  gelegene Kiesbänke zum Verweilen ein. Doch an den vielen Engstellen tost das milchig-hellbläuliche Wasser beängstigend ungestüm und gischtend dahin. Auch unser Pfad wechselt ständig das Temperament: Mal verläuft er gemütlich und flach entlang des Ufers, dann wieder führt er in jähem Rauf und Runter ausgesetzt durch Fels und Urwald. An etwas prekären Stellen wachen Helfer, um im Fall des Falles einem unachtsamen Läufer beistehen zu können. Hoch über der Schlucht, geradezu weltentrückt, sehe ich die Brenner-Autobahn queren. Zu hören ist nichts von ihr: Das Rauschen des Wassers schluckt jedes sonstige Geräusch.

Der wilde Pfad, Teil des St. Romedius Pilgerweges, mündet in einen etwas komfortabler ausgebauten Weg. Und ich merke: Jetzt bin ich auf bekanntem Terrain, dort, wo ich schon im letzten Jahr durch die Schlucht trabte. Das finale Teilstück direkt unterhalb des Bergisel ist optisch nochmals besonders eindrucksvoll. Teils über Stege und Brücken führt der Weg hier entlang der Sill. Es ist kaum zu glauben, so nahe der Stadt eine solch faszinierende und urtümliche Landschaft finden zu können. Für Momente, geradezu unwirklich sehe ich hoch über mir den Aufbau der Skisprungschanze silbrig über den Baumwipfeln blitzen. Näher kommen wir diesem Wahrzeichen Innsbrucks nicht mehr.

Ohne Zweifel: Auch 2018 ist die Sill-Schlucht wieder die Trail-Attraktion des Kurses. Als erneute bergläuferische Herausforderung entpuppt sich der Ausstieg. Ein Pfad windet sich durch Nadelwald jäh den Abhang empor. Wie aus einer anderen Welt taucht einmal mehr über uns die Autobahntrasse, hier von turmhohen Betonpfeilern getragen, auf. Direkt unter der bebenden Fahrbahndecke tauchen wir durch – ein befremdliches Gefühl. Weiter geht es auf dem Pfad, bis uns ein herrschaftliches Gebäude, das Tiroler Kaiserjägermuseum in exponierter Lage signalisiert: Jetzt sind wir richtig in Innsbruck angekommen.

 

Von Innsbruck durch die Bergwelt nach Hall

 

36 km sind bewältigt, als wir am Bierstindl, einer Innsbrucker Biertrinkinstitution, die nächste Verpflegungsstelle anlaufen. Inmitten eines rustikalen Gartens ist sie eingerichtet. Nahe der Wiltener Basilika sind wir hier, deren markant rosarote Fassade herrlich kontrastiert zum Schneeweiß der Berge und dem Blau des Himmels.

Die nächsten beiden Kilometer sind eher als Pflichtübung zu betrachten. Wegen Bauarbeiten an der Autobahn müssen wir einen aus Trailläufersicht wenig erbaulichen Schlenker auf Asphalt durch den Süden Innsbrucks über uns ergehen lassen, bis wir, nach erneuter und letztmaliger Über- und dann Unterquerung der Autobahntrassen wieder auf dem „rechten Weg“ sind und damit zurück in die Natur gelangen.

 

 
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Auch bei der bevorstehenden Passage zur Nachbarstadt Hall haben sich die Veranstalter getreu dem Motto „Mehr Trail – mehr Spaß“ Neues einfallen lassen. Zwischen kommodem Forstweg und  wurzeligem Waldpfad wechselnd geht es in Richtung Aldrans zunächst primär moderat bergan. Zumeist umschließt uns blickdicht der Wald, doch wo er sich öffnet, belohnt uns der Ausblick auf das Inntal und die Nordkette im Hintergrund. Anders als im letzten Jahr steht nun nicht mehr der Weg durch das Pfarrtal hinab nach Ampass und die nachfolgende bequeme, aber eher eintönige Gerade nach Hall auf dem Programm, sondern wir bleiben in der Höhe. Genauer gesagt: Wir legen nach einem Zwischenstopp am Herzsee nochmals einige Höhenmeter drauf und hangeln uns auf einem Panoramahöhenweg von Alm und Alm. Optisch ohne Zweifel ein Gewinn ist der neue Kurs, auch streckentechnisch ist mehr geboten, aber wie alle Neuerungen verbunden ist er auch mit einem ganzen Stück mehr Laufarbeit. So richtig auf die „Muckis“ geht dann der jähe Abstieg durch den Wald hinab nach Hall am Boden des Inntals.

 

Via Hall weiter nach Thaur

 

Über eine überdachte Holzbrücke queren wir abermals den Inn und stoßen direkt vor ins Herz der historischen Altstadt, deren einstige Bedeutung als wichtiger Marktplatz und Münze man dem Ort noch heute ansieht. Vor uns ragt der wohl markanteste der Haller Türme in die Höhe: Der Münzerturm. Direkt auf diesen halten wir zu. Weithin sichtbar überragt das trutzige Rund des Turms die Burg Hasegg, einst Teil der Stadtbefestigung, seit dem 16. Jh. und 250 Jahre lang auch landesfürstliche Münzstätte. Durch ein Tor geht es hinein in den Burghof und dort finden wir, wie so oft, wenn die Umgebung besonders schön ist: eine Verpflegungsstelle. Reger Andrang herrscht hier, aber das ist kein Wunder: Denn mittlerweile rollen die Hundertschaften der Marathons das Feld von hinten auf.

 

 
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50 km sind bewältigt, aber noch einige läuferische Aufgaben stehen bevor. Die erste ist, über Stiegen und Stufen und durch enge Gassen die Altstadt zu queren. Im Laufschritt passieren wir die Herz-Jesu-Basilika. Weiter geht es, noch im Flachen, durch die Vororte von Hall und dann - endlich -  wieder hinaus in die Natur, „Auge in Auge“ der Nordkette entgegen.

Schnurstracks führt unser Weg in Richtung Berge, immer die imposante Kulisse im Angesicht. Nur leicht geht es bergan, aber dafür stetig. Und das reicht, mich nurmehr im Schleichtempo fortzubewegen. Etwas Erleichterung bringt es, als unser Kurs parallel zum Hang abschwenkt. Über die weiten Blumenwiesen hinweg leuchtet im Gegenlicht das Inntal vor und unter mir, schimmern die Berge am Horizont. Innere Einkehr ist allerdings wieder gefragt, als es wenig später durch den Wald weiter geht. Ein Alibi für einen ausgedehnteren Break liefert mir nach knapp sechs Kilometern und insgesamt 55,4 km die Versorgungsstelle, die oberhalb des Dorfes Thaur neben dem exponiert gelegenen Romediuskircherl wildromantisch postiert ist. Jetzt müssen schon mehrere Becher Cola herhalten, um mich bei Laune bzw. in Schwung zu halten.

 

Finale Herausfordungen

 

Das mit dem Schwung muss ich allerdings vertagen: Denn extrem steil lotsen uns die Streckenschilder über ausgetretene Erdabsätze gleich hinter der Kapelle weiter in die Höhe. Die Mühe lohnt aber: Pittoresk wie wuchtig tauchen naturumwuchert die Mauern der mittelalterlichen Burgruine Thaur über uns auf. Mitten durch die Burg führt unser Weg und dann erst einmal breit und bequem in der Höhe weiter. Ein letztes Mal auftanken können wir an der Station Rechenhof nach 59,2 km, und das sollte man auch nutzen. Denn als (fast) finale Gemeinheit lauern 200 weitere Höhenmeter durch Busch und Wald. Und die haben es in sich. Langsam und fatalistisch schleichen die Läufer den immer immer ausgesetzteren und schmäleren Weg empor. Nein, Laune macht das nicht mehr, aber da muss man einfach durch.

 

 
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Der höchste Punkt ist erreicht. Doch der eigentlich aufmunternde Satz „Jetzt geht es nur noch runter“ sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass von Entspannung in der Folge keine Spur ist. Fast 500 Höhenmeter sind downhill zu bewältigen. Und das mit teilweise beängstigendem Gefälle. Unterbrochen von ein paar Verschnaufpausen gewährenden flacheren Pasagen schraubt sich der Kurs immer wieder in engen Serpentinen jäh in die Tiefe. Nicht einfacher wird die Sache dadurch, dass einem mittlerweile die jungen Wilden des zuletzt in Hall gestarteten K15 latent im Nacken sitzen und unerschrocken in die Tiefe preschen.

Je weiter wir uns dem Inntal annähern, desto besser ausgebaut werden die Wege. Freizeitjogger und Spaziergänger deuten an, dass die Stadt nicht mehr fern sein kann. Durch das Gesträuch werden die ersten Ausläufer der Stadt im Tal sichtbar. Ein paar Kurven weiter stehe ich wieder am Hans-Psenner-Steig – der Kreis schließt sich.

Jenseits des Steigs geht es direkt am Ufer des in der Nachmittagssonne glänzenden Flusses weiter. Am Rennweg zweigen wir von der Uferpromenade ab und im Schatten der hohen Bäume des Hofgartens geht es schnurgerade dem lärmenden Ziel entgegen.

 

 

Stimmungsfinish

 

Schon von fern ist der Zielbogen zu sehen. Je näher ich komme, desto intensiver werden die Anfeuerungsrufe. Richtig emotional ist die Stimmung beim Einlauf. Eine dichte Traube umringt den Zielbogen, der Moderator begrüßt jeden Einläufer mit Namen. Was für ein Empfang. Von anderen Bergläufen kenne ich das Gefühl der „Einsamkeit des Langstreckenläufers im Ziel“, hier ist das anders, was sicher auch dem Konzept des kollektiven Zieleinlaufs der verschiedenen Distanzen zu verdanken ist.

 

 
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Mit dem Zieleinlauf endet das „Festival“ jedoch keineswegs. Weiter gefeiert wird auf dem Landestheatervorplatz und ab 18 Uhr die After Race-Party mit Tiroler Knödeln, Livemusik und Siegerehrung im Dogana, dem riesigen Hauptsaal des Congress-Zentrums.

Gerade einmal vier Jahre ist das Event des ITRS im Sinne des Wortes am Laufen. Aber die Professionalität, das große Engagement rundherum und auch Zuspruch der Teilnehmer lassen erahnen, nein: erwarten, dass diese Veranstaltung zu den international Großen der Trail- und Berglaufszene aufrücken wird. In Österreich ist sie es schon.

 

Informationen: Innsbruck Alpine Trailrun Festival
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