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22.08.20 - Matterhorn Ultraks

Die Diva von allen Seiten

Lange habe ich gezweifelt, ob das Rennen stattfinden wird. Nachdem Corona die Eventszene komplett lahmgelegt hatte, finden im August wieder vereinzelt Veranstaltungen statt. Mit ausgeklügelten Hygienekonzepten wagen sich die ersten Lauveranstalter wieder buchstäblich an den Start. Waren die Ansteckungszahlen im Juni und Juli erfreulich zurückgegangen macht mir der Anstieg im August wieder Sorgen. Sollte der Lauf doch noch abgesagt werden und kann man so tatsächlich von einer sicheren Veranstaltung sprechen? Wir hatten im Juli selbst einen Lauf organisiert und konnten erleben, dass sich alle Beteiligten an das Hygienekonzept gehalten haben und die damit verbunden Auflagen dem Spaß am Laufen nichts anhaben konnten. Warum sollte es hier also anders sein?

 Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, es ist möglich in der freien Natur Laufveranstaltungen mit vielen Menschen durchzuführen. Ein entsprechendes Konzept beim Start sorgt dafür, dass auf der Strecke immer genügend Abstand ist und die Hygienemaßnahmen an den Verpflegungsstationen könnten von mir aus gerne so bleiben. Wenn es auch ab und zu an der Verpflegung im Eifer des Gefechts mal etwas enger zuging und der Abstand im wahrsten Sinne des Wortes etwas zu kurz kam, hatte ich immer ein gutes Gefühl. Jedenfalls habe ich mich an den windigen Verpflegungsstationen sicherer gefühlt, als zuhause in den überfüllten Einkaufspassagen. Aber das soll es zu dem Thema auch gewesen sein. Schließlich war ich nicht in Zermatt, um Hygienekonzepte zu prüfen, sondern um die alte Diva, das Matterhorn zu besuchen. Diva deshalb, weil sich der Berg der Berge gerne mit Wolken verschleiert. Bei meinen bisherigen Besuchen waren Wolken die stetigen Begleiter und für diesmal ist auch noch schlechtes Wetter gemeldet. Zumindest für den Renntag. Aber die Berge sind ja bekanntlich unberechenbar und so lass ich mir die Stimmung im Vorfeld nicht vermiesen.

 

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Der Autor berichtet vom „SKY“-Wettbewerb. Das  ist mit 49 km und 3600 HM  die klassische Distanz beim Matterhorn Ultraks.


Weitere Wettbewerbe: 
„Active“ – 19 km und 1150 HM,
„Mountain“ – 32 km und 2000 HM
„Extreme“ – 25 km und 2876 HM
„Vertical“ – 2,3 km und 655 HM

 

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Zermatt


Wir reisen mit einer großen Vereins-Gruppe schon am Donnerstag an, um uns vor dem Lauf wenigstens etwas zu akklimatisieren. Vom Berner Oberland mit dem Autoverlad bis nach Visp erreichen wir das Rhonetal. Von hier aus geht es zu einigen Sehnsuchtsorten. Jedes Tal hat sein eigenes Abenteuer anzubieten. Wir biegen schon gleich ab ins Mattertal Richtung Zermatt. In Täsch ist Schluss. Ab hier geht es mit der Bahn ins autofreie Zermatt. Unser Hotel liegt gleich in der Bahnhofstraße und ein Blick aus dem Fenster zeigt mir die Diva unverhüllt im Abendlicht. Wenn das mal kein guter Anfang ist!

Es ist schon spät und so sind wir froh, dass wir in der nahegelegenen Pizzeria noch etwas essen können. Die Preise in Zermatt sind schon sehr heftig und so nehmen wir als Absacker unser mitgebrachtes Hopfengetränk im erfreulich großen Hotelzimmer ein.

 

 
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Am nächsten Morgen geht es nach dem üppigen Frühstück gleich zur Startnummernausgabe. Die Sonnen brennt vom wolkenlosen Himmel und lässt das Matterhorn in seiner ganzen Pracht erstrahlen. Eine kleine Marathonmesse verkürzt die Wartezeit und nach kurzem Anstehen haben wir unseren Startbeutel in der Hand. Darin sind ein Paar Socken und schon das Finishershirt. Kneifen geht also nicht mehr. An der Startnummer hängen drei Gutscheine für eine fünfzigprozentige Ermäßigung bei den Bergbahnen. Damit geht es gleich zur Gornergratbahn. Wir fahren mit der Zahnradbahn bis zum höchsten Punkt der morgigen Strecke, dem Gornergrat auf 3120 Meter Höhe. Wie sollte es anders sein, die Diva hat sich in ein leichtes Wolkenkleid gehüllt. Ein seitlicher Schleier zieht sich bis zum Gipfel. Für mich ist das Matterhorn einer der schönsten Berge. Umgeben von lauter Viertausendern, dominiert es majestätisch die Kulisse. Zu seinen Füßen winden sich die Gletscher, und die umgebenden Gipfel zollen schneebedeckt den nötigen Respekt.

Trotz hohem Touristenaufkommen ist der Gornergrat ein ausgezeichnetes Ausflugsziel und der zugegebenermaßen hohe Fahrpreis sein Geld wert. Wer es weniger touristisch mag, geht einfach ein Stück entlang des Grats und findet dort seinen romantischen Aussichtspunkt ohne den Trubel der Gipfelstation. Das Wetter ist hervorragend. Wir genießen noch ein Bier auf der Sonnenveranda und machen uns auf zum Riffelsee, um noch etwas die Streckenbeschaffenheit zu erkunden. Ganz weit unten lässt sich Zermatt erahnen. Bedenken bezüglich des Höhenunterschiedes und der damit verbunden Strapazen des morgigen Aufstiegs schiebe ich beiseite. Der moderate Abstieg bis nach Rotenboden muss für heute reichen. Wir sparen uns die Körner für morgen. Die größte Sorge bereitet uns das Wetter. Soll es doch schon am Vormittag regnen.

 

Renntag


Der Blick aus dem Fenster lässt nur eine graue Wolkenwand erkennen. Kein Matterhorn in Sicht. Das Hotel hat uns das Frühstück schon um halb sechs bereitgestellt. Kalt ist es nicht und so packe ich die Regenhose nochmal aus. Wir gehen zum Startgelände, wo wir in verschiedenen Blöcken im Abstand von fünf Minuten starten werden. Das Matterhorn zeigt sich nur leicht verschleiert, aber dunkle Wolken kündigen durchwachsenes Wetter an. Ab Mittag soll es dann aber besser werden. Hauptsache es regnet nicht schon beim Start. Die Regeln werden noch einmal erklärt und schon geht es los.

 

 
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Wir laufen durch die Hauptstraße von Zermatt und werden von unseren Mädels, die später auf der 30 Kilometer Strecke starten, angefeuert. Wir erreichen die Mattervispa, den durch Zermatt fließenden Gebirgsbach. Von jetzt an geht es nur noch berghoch.   Wir sind auf der gleichen Strecke, wie beim Zermatt Marathon. Auf dem breiten Fahrweg sortiert sich das Feld, bevor es auf schmalere Pfade geht.  Ein felsiger Abschnitt sorgt schon gleich für Abwechslung. Die Diva versteckt sich hinter einer dichten Wolkendecke. Schade. Dafür ist das Klima perfekt zum Laufen. Oder besser gesagt zum Wandern, denn Laufen ist bei der Steigung für mich nicht mehr drin. Recht zügig bin ich in Sunegga, dem ersten Verpflegungspunkt. Ich nehme etwas Wasser und ISO und weiter geht’s.

 

 

 
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Hoch zum Gornergrat


Jetzt erst mal ein Stück bergab,  quasi als Anlauf für den anschließenden Weg zum Gornergrat. Nach dem kleinen Weiler Findeln geht es durch lichten Lärchenwald bergauf. Die Wolken reißen zwischendurch immer wieder auf und gewähren Ausblicke auf die uns umgebenden schneebedeckten Gipfel. Genauso schnell geht der Vorhang wieder zu und wir steigen keuchend immer weiter hoch. Schnell ist die Baumgrenze erreicht. Der Bewuchs wird immer spärlicher, bis wir nur noch Schotter unter den Laufschuhen haben. Einzelne Tropfen fallen auf den staubigen Boden. Es ist angenehm kühl. Eine Regenjacke brauche ich nicht. Für zehn Sekunden geht der Vorhang wieder auf und ich sehe schon oben, ganz weit oben, die Kuppeln der Bahnstation. Immer öfter zeigen sich blaue Streifen am Himmel. Wir kommen zum Gornergratsee. Jetzt ist es nicht mehr weit. Wir steigen rechts hoch durch ein Geröllfeld und sind auf dem Gornergrat. Die Wolken sind jetzt unter uns. Wir ziehen über den breiten Grat und genießen die Ausblicke auf die unter uns liegenden Gletscher und die uns umgebenden Viertausender. Die Diva ist leider komplett verhüllt und will sich noch nicht zeigen. An der Bahnstation ist der Verpflegungspunkt. Ein Schluck Cola muss reichen. Die Wasservorräte werden nachgefüllt und schon geht es in den Downhill. Zum Verweilen ist es zu frisch.

 

 
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Downhill nach Furi


Auf gut laufbaren Wegen geht es nun 900 Meter in die Tiefe. Die Temperaturen sind ab dem Riffelsee wieder besser. Nach der Riffelalp gibt es einen kleinen Anstieg, um gleich darauf die restlichen vierhundert Höhenmeter bis nach Furi abzusteigen. Wir werden jetzt begleitet von den Läuferinnen und Läufern der 30 Kilometer Strecke. Entlang des Furggbaches erreichen wir den Gletschergarten und vorbei am Waldspielplatz erreichen wir die Hängebrücke. Fotografieren kann ich hier nicht. Zu sehr schwankt die Brücke. Nichts für zarte Gemüter. Die ganze Konstruktion schüttelt sich hin und her. Erst als weniger Personen auf der Brücke sind wird es besser.

 

 
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Anstieg zum Schwarzsee


Danach folgt der lange Anstieg zum Schwarzsee. Im Briefing wurde schon davor gewarnt. Die Sonne hat nun endgültig den Kampf gegen die Wolken gewonnen und so bin ich froh, dass es zu Anfang noch etwas Schatten gibt. Stoisch stapfe ich den Berg hoch. Über uns surrt die Kabinenbahn und in der Höhe erkenne ich die Station. Leider ist es erst die Mittelstation. Ab dort sind es noch dreihundert Höhenmeter über einen Grat. Die Läuferinnen und Läufer ziehen sich wie eine Perlenkette darüber. Majestätisch zeigt sich über dem Ganzen das Matterhorn, das die Szene dominiert. Der Anblick ist einfach unbeschreiblich und lässt alle Strapazen vergessen. Die Streckenführung ist fantastisch. Trotz der Sonne ist es angenehm frisch. Wir sind auf knapp 2600 Metern und eine frische Brise tut fast so gut, wie das kalte Bier an der Schwarzseehütte. An der Verpflegung fülle ich die Vorräte auf. Ich treffe auf bekannte Gesichter und wir nehmen den Rest der Strecke gemeinsam in Angriff.

 

Panoramatrail nach Trift


Erstmal geht es 400 Meter bergab auf die Stafelalp. Wir überqueren einen Bach und steigen wieder auf. Das Matterhorn immer an unserer linken Seite steigen wir den Talboden hoch. Vor uns schneebedeckte Viertausender. Die Strecke ist traumhaft schön. An den vielen kleinen Wasserläufen kühlen wir uns ab. Die Luft wird wieder dünner, sind wir doch auf 2700 Metern Höhe. Ein fantastischer Panoramatrail führt uns wieder zurück in Richtung Trift. Das Matterhorn liegt jetzt rechts neben uns. Vor uns, in weiter Ferne, erkennen wir die Gipfelstation der Gornergratbahn. Unvorstellbar, dass wir vor wenigen Stunden noch dort waren. Die beiden silbernen Kuppeln blinken in der Sonne.

Der Weg führt immer leicht bergab und ich muss aufpassen, dass ich die Augen auf der Strecke lasse. Ein Stolperer ist das letzte, was ich jetzt noch gebrauchen kann. Beim Abstieg nach Trift laufen wir schon im Schatten des Berges. Am Hotel Trift gönnen wir uns noch ein kaltes Bier, bevor wir zum letzten Abschnitt aufbrechen.

 

 
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Zieleinlauf


Knapp zweihundert Höhenmeter geht es ein letztes Mal bergauf. Ab dann folgt der Abstieg nach Zermatt. 900 Höhenmeter Downhill. Wir haben das Matterhorn jetzt im Rücken,  es geht Richtung Ziel. Im Tal wirft der Berg schon Schatten über die Häuser. Ein letztes Steilstück durch einen ramponierten Lärchenwald und schon laufen wir über die Straßen von Zermatt. Touristen und Finisher jubeln uns zu. Noch eine Kurve um den Tennisplatz und schon laufen wir durch den Zielbogen. Elf Stunden Zwanzig rund ums Matterhorn. Ich kann mir gerade nichts Besseres vorstellen. Ein fantastisches Lauferlebnis geht zu Ende.  Unverhüllt steht die Diva noch im Hintergrund, bis nach zwölf Stunden alle Läuferinnen und Läufer im Ziel sind.

 

Fazit

 

Der Matterhorn Ultraks ist ein fantastischer Lauf im Hochgebirge. Alle Wege sind gut laufbar. Es gibt nur wenige technische Abschnitte. Somit ist der Lauf auch für Traileinsteiger gut geeignet. Wer es etwas entspannter möchte, kann auf einer der kürzeren Distanzen starten. Für Hartgesottenen gibt es noch den „Extreme“, der seinem Namen alle Ehre macht. Die Region um Zermatt ist eine hervorragende Urlaubsdestination (das nötige Kleingeld vorausgesetzt). Zahlreiche Bergbahnen erschließen die Gipfelwelt rund ums Matterhorn.

 

Informationen: Matterhorn Ultraks
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