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31.07.10 - Swissalpine

Der Besondere

Spätestens ab Platta Naira, von wo der K42 zur Alp Funtauna geleitet wird, kann sie uns Ultras bis zum Scalettapass nicht mehr behindern, denn wir sind jetzt auf dem Panoramatrail. Der Teilnahmerekord ist auf diesem Streckenabschnitt zu bemerken. Es sind mehr Leute unterwegs, und die Läufer, auf welche ich auflaufe, sind nicht nur Frühstarter. Schade, dass ich dieses Lieblingsstück nicht in meinem Rhythmus laufen kann, auch wenn sich fast alle um Fairplay bemühen. Ich höre nur einen verbalen Ausraster einer Frühstarterin, als sie freundlich darauf aufmerksam gemacht wird, dass drei Leute hinter ihr gerne vorgelassen würden.

Drei Kilometer vor dem Scalettapass ist im alpinen Niemandsland ein Verpflegungsposten aufgebaut, welchem gerade Mr. Swissalpine, Andrea Tuffli, seine Aufwartung macht. Wir wechseln ein paar Worte, dann zieht es mich weiter auf den Panoramatrail. Je näher ich dem Übergang zum Dischmatal komme, umso dichter wird die Kolonne auf dem Trail, besonders ab der Stelle, wo der K42 wieder auf unsere Route stößt.

Die Massageliegen auf dem Scalettapass überlasse ich den geplagten Muskeln, welche diese Behandlung brauchen, schnappe mir – endlich – eine allerdings arg verdünnte Cola und laufe weiter. Kaum habe ich zum Abstieg angesetzt, setzt sich wegen des defekten Gummibandes der Gamasche ein kleiner Stein im Schuh fest. Ich wäge ab, was besser ist: Die Unannehmlichkeit bis dorthin auszuhalten, wo der Weg breit genug zum einfachen Überholen ist, oder gleich jetzt für besseren Gehkomfort sorgen, dafür abwärts nicht mein Tempo laufen zu können. Ich entscheide mich fürs Warten und probiere der unkontrollierten Bewegung des Störenfriedes mit den Zehen Einhalt zu gebieten.

 
© trailrunning.de 30 Bilder

Der Streckenabschnitt hinunter zum Dürrboden kommt mir ganz anders vor, als ich ihn in Erinnerung habe. Es ist das erste Mal, dass ich den Hang und das Tal so in der Sonne liegen sehe.

Die vierzehn Kilometer von Dürrboden bis ins Ziel haben es in sich. Hier zeigt sich, ob schon vorher alle Körner weggeworfen wurden oder ob die Einteilung stimmt.  Für mich ist die Konzentration der Knackpunkt. Ich möchte mich nicht  -wie auf diesem Abschnitt bisher leider üblich - wegen einer kleinen Unachtsamkeit der Länge nach hinlegen. Das bedeutet, dass ich entweder laufe oder die Aussicht genieße. Beides aufs Mal ist mir zu gefährlich.  Aber anders geht es auch nicht, denn der schönste Ausblick ist der zurück, dorthin, wo wir herkommen.

Irgendwo zwischen Kilometer 70 und 75 lasse ich mich durch einen Läufer ablenken, der stehen bleibt, und prompt bleibe ich an einer Wurzel hängen. Mein Bemühungen, mich aufzufangen, werden reaktionsschnell vom Läufer nebenan unterstützt, indem er mich am Arm packt und am Straucheln hindert.

Mit diesem Warnzeichen vor Augen nehme ich beim letzten Verpflegungsposten einen Becher Cola und dann die letzten dreieinhalb Kilometer in Angriff. Nach dem kurzen Anstieg beim Golfplatz geht es auf einem schönen Spazierweg hangseitig durch den Wald in Richtung Davos Platz. Zwischen den Bäumen ist die Stadt zu sehen und bald sind auch schon Sprachfetzen aus den Lautsprechern des Sportzentrums zu hören. Diese letzten Kilometer laufe ich zusammen mit Bruno, der kurz vor der dem Ziel seines ersten Ultras noch frisch wirkt und als Teilnehmer in der Klasse M25 nicht zur großen Maße gehört.

Für mich bleibt im Ziel die Uhr ein Stück später stehen als bei den beiden bisherigen Malen. Deswegen schmeckt mir das Akoholfreie keine Spur schlechter. Die Vergabe des Finishergeschenks ist eine kleine Geduldsprobe, wofür die Veranstalter aber nichts können, denn die Laufjacken wurden beim Hersteller falsch verpackt. Die anschließende Abgabe der Medaillen beim Verlassen der „Runners Area“ wirkt hingegen wenig feierlich, um nicht zu sagen lieblos. Als Vielläufer lege ich keinen besonderen Wert darauf, für die Ersttäter und Wenigstarter, die nicht aus dem Stand eben mal so einen Ultra abspulen, wäre ein persönliches Umhängen nach der Ziellinie die würdigere Form der Übergabe.

Jetzt steht mir noch der härteste Teil des K78 bevor, das Duschen mit Wasser, dessen Temperatur nicht vollumfänglich mit meinem Wärmeempfinden in dieser Sache kompatibel  ist. Ich möchte gerne wissen, ob die Eishockeyaner, die diese Duschen sonst benützen, wirklich so harte Hunde sind, dass denen das nichts ausmacht…?

Wie dem auch sei, der Jubiläumsanlass des Swissalpine wird mir gesamthaft in bester Erinnerung bleiben. Als Urgestein der langen Bergläufe ist er als solcher schon etwas Besonderes für die Laufszene im Allgemeinen und als Start in meine hoffentlich noch lange dauernde „Ultralauf-Karriere“ hat er einen besonderen persönlichen Stellenwert. Dazu kommt, dass er mit seiner Streckenführung und der Vorbereitung, die für ein erfolgreiches Ankommen notwendig ist, für mich ein Abbild des Lebens und seiner unterschiedlichsten Situationen ist. Weitere Überlegungen dazu nehmen seit einigen Wochen musikalische Gestalt an. Wenn ich damit die Ziellinie überquert habe, drücke ich sie Interessierten dann gerne aufs Ohr.

Siegerinnen und Sieger

K 78

Männer:

1 Buud, Jonas (SWE)  05:49:14 
2 Lorblanchet, Thomas (FRA)  06:04:38 
3 Rey, Jean-Yves (SUI) 06:09:02

Frauen

1 Nunige, Jasmin (SUI) 06:39:28 
2 Meneghin-Pliska, Maja (SUI) 06:43:52 
3 Zeller, Corinne (SUI) 06:44:33

K 42

Männer

1 Lobb, Huw (GER) 03:16:03 
2 Breuil, Thierry (FRA)  03:18:25 
3 Strothmann, Dirk (GER)  03:23:24

Frauen

1 Girand, Maud (FRA)  04:04:24 
2 Jenny, Manuela (SUI)  04:14:15 
3 Meier, Regula (SUI)  04:16:51

C 42

Männer

1 Kümpel, Jochen (GER)  02:43:07 
2 Kvikstad, Rune (NOR) 02:49:49  
3 Mertens, Gert (BEL) 02:55:39 

Frauen

1 Hebding, Marion (GER)  03:10:01 
2 Zwahlen, Edith (SUI)  03:15:30
3 Kauri, Mari (FIN)  03:16:43

 

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