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21.08.11 - Engadiner Sommerlauf

... und es war Sommer

Autor: Klaus Duwe

Es gibt nichts Schöneres als ein Sommertag in dieser Bergwelt. Bunte Blumen am Uferweg, türkisfarbenes Wasser, grüne Wälder und Wiesen und der blaue Himmel. Diesmal sind es keine Rhythmusstörungen, das Herz macht Freudensprünge.

 
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Der Silvaplanasee ist wegen des Malojawindes ein Mekka für Surfer. Es gibt sogar den Engadin Surf  Marathon, die höchstgelegene und längste Windsurfregatta der Welt.  Da muss es doch nach  Ski und Surf Marathon ganz einfach jetzt auch endlich einen Marathonlauf geben!

Gegenüber des Sees liegt der Ort Silvaplana, auf unserer Seite Surlej mit der Talstation der Corvatschbahn. Nach gut 5 km sind wir am im 19. Jahrhundert erbauten Schloss Crap da Sass.  Gleich erreichen wir die erste Verpflegungsstelle. Verdutzt schaue ich zwei gut gekleidete Passanten an, die mir ein Tablett entgegenhalten. Neugierig schaue ich in die rote Schüssel. Sieht nach Raclette aus und ist es auch. „Kannst Du haben. Der, für den es gedacht ist, ist schon durch.“  Zweifelnd schaue ich ihn an.  Warmer Käs‘ und dann noch laufen? Der Mann versteht. „Den hier gibt es hinterher.“ Er hält mir eine Schnapsflasche hin. Ich ergreife die Flucht.

Der Weg ist jetzt ein gutes Stück asphaltiert. An dem kleinen idyllischen See steigt er kurz etwas an, dann geht es eben meist durch schattigen Wald weiter.  Genau über den Weg hat eine Festgesellschaft ihr Zelt gebaut. Lautstark bejubelt geht es hindurch und weiter.  Wir nähern uns St. Moritz und erkennen schnell die imposante Anlage des Kempinski (km 10).  Das 5-Sterne-Hotel gehört zu den Sponsoren des Laufes und macht den Teilnehmern gute Angebote. Auch Herbert Steffny ist mit seinem Laufseminar hier zuhause.

 
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Das mondäne St. Moritz-Dorf liegt am steilen Nordufer des St. Moritzersees. Wir sind am Südufer in St. Moritz-Bad, wo sich neben dem Heilbad auch die Sportanlagen befinden. Von hier kann man ideal zu ausgedehnten Läufen auf völlig ebenen Wegen um den See starten.

Schnell lassen wir die Häuser hinter uns und tauchen wieder eine traumhafte, ursprüngliche Berglandschaft ein. Zwischenzeitlich muss ich meinen ersten Eindruck vom Streckenprofil etwas korrigieren.  Es gibt keine langen Anstiege, dafür aber einige kurze und heftige. Alles kein Problem und schon gar nicht ein Hinderungsgrund. Man sollte es aber wissen.

Der malerische Stazer See (km 15) ist nur ein kleines Gewässer. Den vielen Badegästen nach zu urteilen ist er auch nicht tief und deshalb auch nicht sehr kalt. Ich würde es  ja schon gerne testen, belasse es dann aber bei der Erfrischung, die es an der nahe gelegenen Verpflegungsstelle gibt. Wieder kommt ein kleines Waldstück. Der Schatten tut gut. Die Temperaturen sind ja aufgrund der Höhe gar nicht extrem, man empfindet sie aber so.

Richtung Pontresina (km 18) führt uns ein abschüssiger Weg durch freies Feld. Pontresina ist Zentrum des Nordischen Skisports. Früher gab es auch Alpine Wettkämpfe, zuletzt 2003, als in St. Moritz die Ski-WM ausgetragen wurde. Im Ort gibt es viele alte Häuser im typischen Engadiner Stil, mit Erkern, Gittern und Malereien. Sehenswert ist auch die Kirche StaMaria aus dem 12. Jahrhundert.  Und natürlich gibt es viele erstklassige und noble Hotels und Restaurants. In den Ort kommen wir nicht. Wir laufen parallel zur Verkehrsstraße, auf der man in Gegenrichtung über den Berninapass (2328 m) ins italienische Veltlin kommt. 

Gut zu sehen ist der Muottas Muragl (2453 m). Den Berg erreicht man mit einer  über 100 Jahre alten Standseilbahn, der ältesten Bergbahn im Engadin. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die Engadiner Seenplatte und die Auswahl zwischen unzähligen Wanderzielen.

 
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Den letzten schattenspendenden Baum haben wir längst gesehen. In der prallen Sonne laufen wir dem Flaz entlang. Fleißige Helfer pumpen Wasser aus der Erde, um die Läufer zu erfrischen. Getränke gibt es reichlich, auch Riegel, Obst und Gel. Die Versorgung ist perfekt. 

 Silvana erzählt mir von ihrem Urlaub an der Ostsee, von Wind und Regen. Ich denke an den Marathon in Rostock (Stichwort „Land unter“) und kann die Sonne plötzlich wieder genießen.

St. Moritz ist auch per Flugzeug erreichbar. Der kleine Flughafen liegt in der Nähe von Samedan auf 1707 m Höhe und ist damit der höchstgelegene in Europa. Einen Linienbetrieb gibt es aber nicht. St. Moritz fliegt man im eigenen oder gecharterten Jet  an.

 
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Es wird hart. „Ist das Bever?“ Vor uns liegt ein kleiner Ort, am Kirchturm kann ich ihn erkennen. „Ja, das ist Bever.“ Die junge Frau ist erleichtert.  Rauch steigt auf, es riecht nach Essen. Am Bever See wird gegrillt. Ein Paradies für Familien mit ihren Kindern. Ist Baden verboten? Das Wasser zu kalt? Ich sehe niemanden schwimmen.

Noch zwei Kilometer.  Wir laufen jetzt direkt auf Bever zu, machen aber noch einmal einen kleinen Umweg. Alte Bauernhäuser, tief in die Mauern eingelassene, blumengeschmückte Fenster, enge Gassen.  Dann das Ziel bei der Schule. Ein Dorffest für die Läufer und für die Bevölkerung.  Links die die Kirche San Giachem (St. Jakobskirche) aus dem 14. Jahrhundert, rechts auf der Wiese der Zielbogen, herzlicher Applaus.  Statt einer Medaille gibt es ein nützliches Accessoire von Adidas.

Nun kann ich nicht mehr damit angeben, noch nie unter 42 km gewertet zu sein. Der Engadiner Sommerlauf ist mir das aber wert. Die Ausnahme habe ich aber für einen der schönsten Läufe gemacht, die ich kenne.  

Impressionen

 

 
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