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13.09.09 - Pfälzerwald-Marathon

''Staffel oder Halber?''

Autor: Klaus Duwe

Als ich nach 55 Minuten wieder am Beckenhof (km 17) bin, sind die Trommler und Ausflügler noch da, die Zuschauer aber längst weitergezogen und ich habe ein kleines Privatduell hinter mir. Schon geraume Zeit sehe ich vor mir einen schwergewichtigen jungen Mann, eher Kugelstoßer als Läufer. Nur ganz langsam kann ich seinen Vorsprung verringern, denn trotz seines Gewichtes ist er ganz gut zu Fuß. Jetzt, bei der Steigung da vorne, werde ich ihn kriegen. Er kämpft, läuft den ganzen Berg hoch und nur mit Mühe kann ich an ihm vorbeiziehen. Es ist ein Staffelläufer. Er schwitzt wie ein Bär, aber seinem Lächeln entnehme ich, dass es ihm Spaß macht. Gleich kommen wir an die Verpflegungsstelle, ich mache ein paar Bilder, trinke und esse eine Kleinigkeit. Und was macht der Kerl? Zieht einfach im Laufschritt weiter. Sind das am Ende gar keine Fettpolster auf seinen Rippen, sondern Wasserspeicher?

Fast 10 Minuten brauche ich, bis ich ihn wieder eingeholt habe. Wir verlassen jetzt kurz den Wald, laufen über eine Lichtung in Richtung B 10, die wir über eine Brücke queren. Gleich darauf sind wir am Hombrunner Hof, wo für meinen Staffelläufer Endstation ist. 12 Kilometer ist er gelaufen, und glücklich sieht er aus.

Bei mir müssen es schon 42 Kilometer sein bis zur Glückseligkeit. Davon habe ich jetzt gleich die Hälfte. Auf einem geteerten Weg laufen wir bequem parallel zur B10 und ich suche immer wieder den Waldrand nach Pilzen ab. Über 1000 Sorten findet man im Pfälzerwald, davon 200 essbare. Steinpilze müsste es hier geben. Aber was würde ich jetzt tun, wenn ich welche finden würde? Shirt raus, Knoten rein und einpacken. Von meinen Trainingsläufchen habe ich schon öfters ein schmackhaftes Pilzgericht heim gebracht. Aber heute finde ich wohl eher einen Elwetritsch. Elwe… was? Elwetrisch. Nie gehört? Komisch. Die Viecher gibt es seit ein paar hundert Jahren. Entstanden sind sie so: Bei einem Unwetter verliefen sich einmal eine handvoll Hühner, Gänse und Enten im Pfälzerwald. Weil sie nicht mehr zurück zum Hof fanden, gründeten sie mit Kobolden, Elfen und anderen Fabelwesen eine eigene Familie. Jeder weiß, dass es sie gibt, obwohl noch nie jemand welche wirklich gesehen hat. Ganz entfernt erinnern Elwetrische  an Wolpertinger, die ja in Bayern zuhause sind.

Zeitmäßig bin ich überraschend gut unterwegs. 2:15 für die Halbdistanz auf diesem Kurs sind für mich super. Auch die nächsten Kilometer lege ich trotz Auf und Ab in einem ganz normalen Tempo zurück. Auch die Steigung beim Fumbacher Jägerheim (km 23) nehme ich im Laufschritt.

 
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Bei km 26 gibt es wieder eine üppige Vollverpflegung, wie schon von Anfang an: Wasser, Iso, Cola, Bananen, Riegel und Äpfel. Sogar Kaffee wird mir angeboten. Wäre nicht schlecht, ist mir jetzt aber zu heiß. Weiter geht’s, eine abwechslungsreiche Schleife durch den Badischen Sommerwald steht an. Sie führt uns bis ins Tal der Rodalb und manchmal vermitteln ein paar Felsbrocken einen Eindruck von der bizarren Felsenwelt des Pfälzerwaldes. Bei der Frage nach dem größten zusammenhängenden Waldgebiet in Deutschland hätte ich auf den Bayerischen Wald oder den Schwarzwald getippt. Es ist aber der Pfälzerwald (1771 qkm).

Irgendwann bei km 35 kommt ein so steiler und so langer Anstieg, dass ich es dem Kameraden da vorne gleich tue und marschiere. Es wird der letzte Anstieg sein, denke ich und täusche mich gewaltig. Auch die letzten Kilometer geht es immer rauf und runter. Und man kennt es: hat man mal mit dem Marschieren angefangen …

Die Verpflegungsstellen kommen jetzt alle paar Kilometer. „Wir wollen, dass es Dir gut geht“, sagt mir einer. „Danke, dann räum mal die Berge zur Seite.“ Nach 90 Minuten bin ich wieder am Ausgangspunkt der Schleife. „Sind schon viele durch?“, frage ich. „Nöööö, nur ein paar“, antworten die Mädels im Chor. Und eine fügt an: „Und alle jünger als Du“. Spaß verstehn die „Pälzer Mädscher“ auch.

Trotz der Mühe, die die Strecke jetzt macht, es ist ein Vergnügen, hier zu laufen. Alles passt: die Landschaft, die Menschen, die Verpflegung – einfach herrlich. Die nächste Teerstraße gehe ich hoch. Oben stehen ein paar Leute, muntern mich auf. „Lauf, komm, lauf, es ist nicht mehr weit“. Als ich wieder den Laufschritt aufnehme, klatschen sie, bis ich nicht mehr zu sehen bin.

Ich bin raus aus dem Wald, komme in ein Wohngebiet. Ich laufe jetzt tatsächlich wie der Teufel. Nicht so schnell, aber so laut. Unter meinem rechten Schuh hat sich ein dicker Stein festgesetzt. Auf dem Asphalt hört sich das so an: „Schlapp, klack, schlapp, klack …“ wie der Teufel mit seinem Pferdefuss.

 
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Ein paar Teenies haben einen riesigen Laufsprecher auf die Straße bugsiert und machen nun den Läufern und Nachbarn eine Freude. „Noch 800 Meter“, sagt mit der Streckenposten. Ich warte immer darauf, dass es abwärts geht. Aber es geht rauf. Endlich, rechts taucht die erste Messehalle auf, ein paar Zuschauer feuern mich an. Trommler warten auf mich und signalisieren gleichzeitig den Leuten in der Halle: „Da kommt gleich wieder einer“.

 
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Dann ist der herrliche Lauf zu Ende. Wenn es was zu meckern gibt, dann das: statt Knödel, Fleschknepp oder Saumagen gibt es Flammkuchen. Lässt sich da was machen?

Marathonsieger

Männer

1. Thomas Dehaut, LLG Landstuhl  2:42:30
2. Hans-Jörg Dörr, TV Hatzenbühl  2:44:06
3. Holger Exner, AC Mutterstadt 2:51:55

Frauen

1. Stefanie Fulde, PSV Pirmasens 3:22:08
2. Anne Staevens, LG Trampeltier 3:30:10
3. Stefanie Krieg, LG Muli 3:43:04

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Informationen: Pfälzerwald-Marathon
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