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16.08.14 - Swiss Irontrail

„Der schönste Ultratrail der Welt“

Ab Lenzerheide erwarteten uns ein langer Anstieg bis zum Aroser Weißhorn. Auf dem ersten Stück befanden wir uns auf der Marathonstrecke des Graubünden Marathon, der allerdings weiter oben zum Parpaner Rothorn abzweigt. Wir ließen das Parpaner Rothorn wie auch das Parpaner Weißhorn rechts von uns liegen, um mit einem weiteren steilen Anstieg das Urdenfürggli (km 58/2546 m) zu überschreiten.

Doch so schnell ging der Aufstieg nicht voran. Die Dunkelheit und einsetzender Schneefall zwangen uns zu einem Stopp. Wir schlüpften in Regenhosen, zogen warme Mützen und Handschuhe über und setzten die Stirnlampen. Dann  konnte uns aber nichts mehr aufhalten! Steil hinauf zum Urdenfürggli ohne Halt, gleich weiter zur VP Hörnlihütte (km 60/2511 m), wo zwischenzeitlich wieder einige Höhenmeter verloren. Mit weiteren 3 Kilometern auf steinigen Bergwegen sollten wir den Gipfel des Weißhorns, dem höchsten Punkt der T81-Strecke,  erreichen.

Schon weit unterhalb des Gipfels war es so nebelig, dass wir die Wegmarkierungen manchmal kaum erkennen konnten. Da half auch der Reflektor am Flatterband nicht. Auf dem Gipfel des Weißhorns (km 63/2653 m/) hatten wir dann Mühe, wegen der schlechten Sicht die Streckenmarkierungen überhaupt zu sehen. Besonders schwierig war es auch deshalb, weil kein eindeutiger Pfad über den Gipfel führte, nur gleichfarbiges Geröll war zu erkennen. Nach einigem Suchen kamen wir dann endlich auf den richtigen Weg, der uns nach Arosa hinunter führen sollte. Auf nur 6 Kilometern verloren wir mehr als 900 Meter, längst schmerzten die Beine, die Sicht war immer noch schlecht und der Lichtkegel unserer Stirnlampen leuchtete gerade mal die wenigen Meter vor uns aus. Das erforderte sehr viel Konzentration. Wir waren ja schon mehr als 12 Stunden auf den Beinen und hatten die meisten Höhenmeter hinter uns gebracht.

Am Eingang der VP Arosa (km 69/1739 m/Zeitlimit Sa 23:05) begrüßte uns freundlich eine Rennärztin, die uns dann ins warme Innere einer Bunkeranlage begleitete. Die gemütliche Verpflegungsstelle wieder verlassen zu müssen und gegen eine dunkle, kalte Nacht auszutauschen, kostete dann schon eine gewisse Überwindung. Aus diesem Grund hielten wir uns erst gar nicht lang in der VP drin auf, nur schnell etwas Essen und Trinken, die Ausrüstung kontrollieren und dann wieder hinaus ins Kalte.

Weniger als ein Halbmarathon war die Strecke bis nach Davos noch lang und die hohen Berge hatten wir auch hinter uns gelassen. Doch diese 20 Kilometer hatten es trotzdem wieder in sich. Die Wege zogen sich über steile Hänge und nasse, matschige Wiesen, es schien endlos. Kein richtiger Aufstieg und kein wirklicher Abstieg.

Plötzlich kam von hinten jemand mit flutlichtartiger Beleuchtung. Eine zierliche Läuferin wars, die uns mit leichtem Schritt überholte. Wir konnten ihr unmöglich folgen – zumindest nicht in ihrem Tempo. Es war Denise Zimmermann, die Gesamtsiegerin des T201. Sie hatte sich vor allen Konkurrentinnen und Konkurrenten an die Spitze gesetzt und war souverän ihr Rennen gelaufen. Einfach toll!

Nach dieser beeindruckenden Abwechslung kamen wir wieder in unseren alten Trott, bis wir endlich die Lichter der VP Jatzhütte (km 80/1831 m) sehen konnten. Ein kurzer Aufstieg und wir hatten die letzte VP auf der Strecke erreicht. Nach einer kleinen Stärkung ging es auf steilsten Pfaden in nur 2 Kilometer um mehr als 500 Höhenmeter hinauf. Großer  Kraft- und Stockeinsatz waren gefordert. Auch diesen Anstieg meisterten wir hervorragend und erreichten den Strelapass bei km 82 und 2346 m.

Kurz durchatmen und dann stürzten wir uns den Berg hinunter bis nach Davos. Na ja, so einfach ging das nicht, denn die ersten Meter waren sehr geröllig und steil und wir wollten nichts mehr riskieren. Aber wenn es der Weg zuließ, erhöhten wir entsprechend das Tempo und wurden schneller. Über die Schatzalp (km 85/1861 m) ging es dann in ewigen Schleifen, vorbei am gleichnamigen Hotel und an der Bergstation der Schatzalpbahn, hinunter ins Zentrum zum Arkadenparkplatz an der Promenade.

Leider war morgens um kurz vor 5 Uhr kaum jemand im Zielbereich anzutreffen, einzig die Helfer freuten sich über unser Ankommen. Nach einer kurzen Gratulation wurde uns gegen das hinterlegte Pfand der  GPS-Tracker abgenommen, ebenso der  Datasport-Zeitmesschip. Schließlich erhielten wir unser T81-Finisher-Shirt überreicht, das wir stets mit Stolz tragen werden.

Das war also der T81 Swiss Irontrail. Wir waren überglücklich, das Ziel in 18 Stunden 23 Minuten erreicht zu haben! Jetzt ein paar Stunden schlafen und dann mal schauen, wer noch auf den verschiedenen Strecken unterwegs war. Der Zielsschluss in Davos war ja erst am Sonntag früh um 6 Uhr, die Siegerehrung der einzelnen Swiss Irontrail-Strecken erfolgte allerdings schon am Samstag um 19 Uhr.

Insgesamt hat mir die Veranstaltung gut gefallen. Nach dem Abbruch 2012 (schlechtes Wetter, schlechte Streckenmarkierung) war ich gespannt, was die Organisation um Andrea Tuffli aus diesen Erfahrungen gelernt hat. Die Streckenmarkierung war ausreichend und ok, besonders auch in der Nacht, dank der Reflektorenbänder. Die Abstände zwischen den Verpflegungsstellen waren mit 10 bis 15 Kilometern optimal, was je nach Verfassung eines Läufers und Streckenbeschaffenheit zwischen 2 und 3 Stunden entsprach. An den VPs gab es  immer eine Auswahl an Getränken und das Essenangebot variierte je nach Größe der VP (Verpflegungsplan).

Neben einer netten Begrüßung war auch immer ein kurzes Gespräch mit den Helfern möglich, die bei Nacht, Nässe und Kälte eisern ausharrten. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Auch jenen, die in der Organisation schon Monate vor dem Start im Hintergrund zum Gelingen des Irontrails beigetragen haben, gilt mein ganz besonderer Dank!

 

Auszug aus der Rangliste


T201 (201,8 km; Davos–Davos; +/-11 480 m).

Männer:

1. Thomas Ernst (Winterthur) 38:54:15.
2. Marcel Knaus (FL-Ruggell) 25:52 zurück.
3. Chad Lasaster (UAE-Abu Dhabi) 2:19:06.

Frauen:

1. Denise Zimmermann (Mels) 38:15:54.
2. Marta Poretti (I-Busto Arsizio) 8:43:06.
3. Jeanette Dalcolmo (Klosters) 11:41:08.


T141 (145,8 km; Samedan–Davos; +8220 m/-8370 m).

Männer:

1. Marco Gazzola (Claro) 22:33:18.
2. Florian Grasel (A-Erlach) 2:00:01.
3. Frank Maier (D-Aichwald) 8:34:49.

Frauen:

1. Arianna Regis (Claro) 30:00:34.
2. Jeanette Odermatt (Siebnen) 7:27:14.
3. Nicole Pfaue (D-Remshalden) 7:27:19.

 

T81 (88,1 km; Savognin–Davos; +5010 m/-4630 m).

Männer:

1. Jay Aldous (I-Roma) 12:29:20.
2. Alister Bignell (F-Servoz) 15:38.
3. Andreas Allwang (München) und Jacques Dehnbostel (DK-Kbenhavn) 37:59.

Frauen:

1. Brigitte Eggerling (Chur) 14:25:01.
2. Anja Hofmann (Ladir) 2:13:54.
3. Kimberly Strom (F-Challex) 3:44:46.


T41 (42,7 km; Lenzerheide–Davos; +2660 m/-2510 m).

Männer:

1. Gion-Andrea Bundi (Davos Platz 4:23:39.
2. Marco Wildhaber (Flumserberg) 21:14.
3. Anton Philipp (D-Weitnau) 22:31.

Frauen:

1. Simone Philipp (D-Weitnau) 6:10:54 und Ildikó Wermescher (D-Landsberg am Lech) 22:31.
3. Natalia Roman (Goldau) 54:03.


T21 (21,1 km; Arosa–Davos; +1140 m/-1330 m).

Männer:

1. Martin Guess (USA-Colorado) 2:07:27.
2. Lorenzo Naldi (I-Firenze) 6:31.
3. Andreas Hobi (Sargans) 12:05. 

Frauen:

1. Lena Kropf (Rabius) 2:44:59.
2. Brooke Mcmillen (USA-Boulder) 2:22.
3. Nadia Placereani (Sissach) 9:12.

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Informationen: Swiss Irontrail
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