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02.01.15 - Zagora Sahara Trail

Verzaubert von der Schönheit der Wüste

Ein steiler Anstieg auf einem steinigen Weg bringt uns dann über den Col de Tizi n´oum lâachar-Pass mit 1070 m. Danach befinden wir uns auf schmalen, teils gut zu laufenden Gebirgspfaden. Immer wieder muss ich stehen bleiben, um die Farben und das Licht auf mich wirken zu lassen. Um uns herum erheben sich rotbraune Tafelberge, die in der Sonne leuchten. Durch die vielen Niederschläge der vergangenen Woche sind die Wege und Hänge mit bunten Blumen gesäumt. Ein einzigartiges Farbenspiel!

Samir hat die Gruppe in einem schnellen Laufschritt bereits verlassen, weil er sich um das Biwak und unsere dortige Ankunft kümmern muss. Lahcen und Lhoucine teilten sich nun die Aufgaben, Lhoucine ist meist vorne und zeigt uns den Weg und Lahcen folgt uns unauffällig mit seinem schweren Gepäck in der Hand. Bald schon erreichen wir das Biwak à l´Oasis Djabi.

 
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Unter hohen Palmen steht bereits das Zelt, in dem wir später essen und schlafen. Alles ist für uns vorbereitet: Der süße Minztee, ein typisches marrokkanisches Getränk, ist bereits aufgebrüht und wird gleich nach unserer Ankunft serviert. Nun muss noch das Holz fürs Lagerfeuer gesammelt werden, um es dann auch gleich zu entzünden. Mit dem Sonnenuntergang hinter den Hügeln kommt auch gleich die Kälte. Wir ziehen unsere warmen Kleider an und versammelten uns am Lagerfeuer.

 
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Die Nacht ist wie vorhergesagt bitterkalt. Sobald aber die Sonne über den Hügeln aufgeht, kommt die Wärme zurück. Wir können, noch gut eingepackt, zum Frühstück draußen sitzen. Nachdem dann das Biwak abgebaut und bereit zum Verladen auf den Dromedaren ist, gibt es ein Foto und schon geht es los.

Heute ist eine längere Strecke vorgesehen, aber ohne nennenswerte Höhenmeter. Wir laufen zumeist flach durch oder entlang des Flusses oued Lmhasser, ein Tag inmitten wunderschöner Schluchten, gesäumt von bizarren Tafelbergen. Schließlich erreichen wir den See Amda n´oumssafi, wirklich einladend zum Baden, auch wenn das Wasser eiskalt ist. Lahcen nutzt die Gelegenheit sofort und springt ins kalte Nass.
Wenige Kilometer weiter besuchen wir dann eine Nomadenfamilie, die uns freundlich aufnimmt. Gleich wird wieder Minztee zubereitet und leckeres Fladenbrot und Obst gereicht. Nach dieser kurzweiligen Stärkung geht´s auch gleich schon wieder weiter.

 
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Allmählich lassen wir die Berge hinter uns und erreichen die Steinwüste Chegaga. Aus der Ferne konnten wir schon die hohen Sanddünen erkennen. Aber wie weit weg sie tatsächlich sind, können wir nicht  abschätzen. Das Flussbett des oued Chegaga macht nicht viel Freude, das Laufen über die großen ausgetrockneten Sandplatten ist höchst anspruchsvoll,  auch wenn wir sie liebevoll Schokoladenstücke nennen. Außer der Farbe haben sie wahrlich nichts mit der Süßigkeit gemeinsam. Es ist eher ein mühsames Unterfangen und nach der Anstrengung des Tages kein Laufgenuss mehr.

Irgendwann erreichen wir die Sanddünen von Chegaga und schon haben wir ein neues Problem:  Der Sand in den Schuhen. Eine Sanddüne nach der anderen müssen wir überqueren, vorbei an anderen Biwaks, bis wir endlich das unsere erreichen.  Die Dünen sind voller Menschen, um den Sonnenuntergang zu erleben. Es ist ja auch der Silvesterabend.

Für die Nacht haben wir zwei Zelte. Leider hat  Lahcens Geländewagen eine Panne, so dass unser Gepäck erst verspätet eintrifft. Ich habe zum Glück alles Notwendige im Laufrucksack und kann gleich die warmen Duschen genießen.  Schnell in die warmen Klamotten und zurück ins Biwakzelt.

Inzwischen sind nicht nur die Koffer angekommen, auch der Wein ist da und sogleich wird in lustiger Runde angestoßen. Später sitzen wir zusammen im Biwak-Restaurant. Es geht hoch her. Es wird getanzt und gesungen, der Abend vergeht viel zu schnell. Das neue Jahr beginnt für mich in den Dünen, in der Kälte der Sahara und bei  sternenklarerem Himmel.

Sonnenaufgang am Neujahrstag. Ich laufe mit Lhoucine noch mal auf die Dünen, um die aufgehende Sonne mit ihren warmen Strahlen genießen. Nach dem Frühstück brechen wir dann mit dem Geländewagen auf.  Heute ist kein Lauf geplant. Die Strecke wäre mit etwa 60 Kilometern auch viel zu weit. Nur Samir will laufen, Training für den MdS. Er macht sich zeitgleich mit uns auf den Weg.

 
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Mit dem gesamten Gepäck auf dem Dach des Geländewagens fahren dann auf Sand- und Steinpisten, manchmal auch querfeldein, in Richtung Mahamid zur Palmeraie de ouled-Driss. Dort bekommen wir Mittagessen, bevor wir Dromedaren in ein weiteres Biwak in den Dünen von Erg Lihoudi getragen, oder besser gesagt, geschaukelt wurden. Es ist lustig, auf dem Rücken eines Dromedars zu sitzen, aber Höhenangst darf man nicht haben. Ehrlich gesagt: Laufen finde ich aber trotzdem schöner!

Es folgt der schon gewohnte Ablauf: Schlafbiwak aufsuchen, warme Klamotten für die kalte Nacht anziehen  und es sich im Essenszelt bequem machen. Es ist stockdunkel und einer fehlt noch aus unserer Gruppe. Samir ist bisher nicht eingetroffen. Lhoucine hat aber bereits übers Handy Kontakt aufgenommen. Alles im Plan. Für mich ist es ein Rätsel, wie sich hier einer orientieren kann. Alles sieht doch fast gleich aus. Ich wäre wohl verloren. Lahcen und Lhoucine machen ein Feuer auf einer Düne und  Samir hat keine Mühe, zu uns zu finden.  Jetzt können wir den restlichen Abend gemeinsam genießen.

Am Morgen gibt es wieder ein einfaches Frühstück, heute allerdings mit einem typischen, würzigen Berberomelett. Einfach lecker das Essen hier bei den Berbern! Nachdem alles gepackt und im Geländewagen verstaut ist, laufen wir über die Dünen und durch Steinwüsten, um am Flussbett des Draas wieder zurück in die Palmeraie zu gelangen. Eine nette Trainingsrunde über Sanddünen, Steine und durch Gestrüpp! Nach dem Mittagessen in der Palmeraie packen wir erneut das Geländeauto, um zurück nach Zagora zu fahren. Ein Stopp in Tamegroute, dem Töpferdorf, bringt uns die marokkanische Töpferkunst näher. Ein kleines Souvenir aus Tamegroute soll mich immer an diese schönen Tage in der Wüste von Zagora mit all den netten Leuten erinnern.

 
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Zurück in Zagora beziehen wir das Hotel La Palmeraie an der Hauptstraße, wo wir auch gemeinsam zu Abend essen. Für Joe geht am nächsten Morgen um 6 Uhr der Bus nach Marrakech - ein großer Abschied! Unser letzter Tag in Zagora gehört dem Zagora-Berg. Lhoucine begleitet uns dorthin und wandert mit uns durch die Oasen und am Fluss Draa entlang.

Lhoucine kann uns viel zu Land und Leuten, Flora und Fauna erklären. Nach dem Mittagessen will uns Kaoutar noch in ein typisches marrokkanisches Hamam, einem Badehaus, entführen. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Ein letztes Abendessen mit Lahcen, Lhoucine und Kaoutar runden die ganze Abenteuerreise ab. Unser Bus nach Marrakech soll um 7.45 Uhr fahren. Wieder wartet eine fast achtstündige Busfahrt über das Atlasgebirge. Ich bin neugierig, denn auf der Hinfahrt war ich ja nachts unterwegs und konnte die Berge des Atlasgebirges nicht sehen. Einfach atemberaubend!

In Marrakech sind wir im Hotel Riad Maud mitten in der Medina untergebracht, unweit des Jamaâ El Fana-Platzes, dem zentrale Marktplatz von Marrakech. Ein Spaziergang durch die Souks gehört zur Pflicht.  Am nächsten Tage startet der Rückflug bereits um 9 Uhr. Unvergessliche Tage liegen hinter mir.

Wenn Joe mit seinem Laufbericht vom Sahara Trail-Marathon und ich mit meinen Eindrücken von der Wüstentour Euch Lust auf Zagora gemacht haben, sehen wir uns vielleicht beim nächsten Mal. Es würde uns freuen.

 

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Informationen: Zagora Sahara Trail
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