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12.05.12 - GutsMuths-Rennsteiglauf

Mittendrin und live dabei

Runter geht‘s extrem steil, einige jammern ganz beträchtlich. Einen guten Kilometer weiter und 200 Höhenmeter weniger, erreichen wir die Grenzwiese, die nächste große Futterstation. Mein erster Weg führt wieder zum Schleim, hier wird er mit Erdbeergeschmack angeboten. Diesmal werde ich nicht enttäuscht, dieser schmeckt vorzüglich, ist optimal angemacht. Aber auch das weitere Angebot ist nicht zu verachten. Ich kann gar nicht von allem probieren, was mich gerade anmachen würde.

 
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Gut gestärkt geht’s weiter. Ab Possenröder Kreuz treffen die Wanderer auf die Strecke. Schon wird es teilweise eng auf den Wegen. Am Getränkestand kann ich mein erstes Köstritzer ergattern. Irgendwas geht mir hier aber ab? Ja, richtig, sonst steht doch immer ein einsamer Trompeter im Wald und bläst uns ein Ständchen. Der Abschnitt Grenzwiese – Ebertswiese ist der flachste Abschnitt der Strecke, nur wenige Steigungen, oft sogar längere Gefällstücke beinhaltet dieses Segment.

Ich kann mich noch gut erinnern, vor drei Jahren lief ich mit Jan und wir konnten richtig Tempo aufnehmen. Heute ist er längst über alle Berge. Ich fühle mich seit meiner ersten Flüssigkeitsaufnahme wirklich gut, hatte nicht eine Spur einer Krise, auf meine Zeit schlägt sich das aber nicht nieder. Obwohl ich das Gefühl habe, noch nie so viel an den Anstiegen gelaufen sein, komme ich irgendwie nur im Schneckentempo voran. Ist mir zwar nicht so wichtig, aber etwas schneller wäre ich trotzdem gerne unterwegs. Ich habe meine 2009er-Zeit von unter 9 Stunden im Kopf, da habe ich heute wohl keine Chance.

Ankunft Ebertswiese, die Hälfte unseres Kurses haben wir hinter uns. Am Eingang ist ein Sprecher mit Lautsprecheranlage postiert, fast jeder wird namentlich begrüßt. Heidelbeer-Suppe wird hier angeboten, sie entpuppt sich als eine etwas dünnere Form des normalen Schleims. Direkt nebenan ist der Würstchenstand. Die sind wirklich der Hit und ich lasse sie mir nie entgehen. Wir haben jetzt genau Mittagszeit, da passen sie auch hervorragend. Werden ständig frisch und heiß aufgebrüht.

Noch deftiger wird es an der nächsten Brotzeitoase, anders kann man es kaum bezeichnen. Angeboten werde u.a. Knacker und Schmalzbrote. Das liest sich jetzt so, als ob wir nur von Fressstelle zu Fressstelle laufen …und ja, ist tatsächlich so, dafür ist der Rennsteiglauf auch berühmt und so ein Angebot gibt wohl auch nicht woanders. Was 40 Jahre gut war, wird sich hoffentlich auch die nächsten Jahre nicht verändern.

 
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Kilometerangaben werden bis auf einige Anfangs- und Endkilometer in Fünferschritten angezeigt, ziemlich genau beim 50er Schild zeigt sich heute zum ersten Mal die Sonne. Schlagartig wird es spürbar wärmer, aber konstant kann sie sich noch nicht durchsetzen. Die Wolken wehren sich noch, mir ist jetzt aber deutlich wohler.

Nach überqueren der Tainingsstrecke der Wintersportler – die hier immer Vorfahrt haben – erreiche ich den Grenzadler bei Oberhof. Knapp 55 km sind durch. Wer nicht mehr kann oder das Zeitlimit von 9 Stunden nicht schafft, kann oder muss nach links abbiegen und über die Zeitmessmatten laufen und kommt so in eine separate 55-km-Wertung, inklusive Medaille.

 
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Ab Rondell wird es wieder spürbar ansteigend, es geht rauf zum höchsten Punkt des Supermarathon-Kurses. Diesen bildet am Großen Beerberg „Plänckners Aussicht“ (Km 61,7). Von einem Getränkesponsor wurde in den 90er Jahren einmal ein Preis gestiftet. Diesen erhielt der Läufer, der als 974. hier (Höhe 974 m) ankam. Er war der wertvollste Preis in der Rennsteiglauf-Geschichte.
Der schöne Aussichtspunkt trägt den Namen des Erfinders der Rennsteigwanderung Julius von Plänckner. Um die Aussicht aber wirklich einfangen zu können, müsste man noch etwas aufsteigen, die Bäume versperren vom Weg die Sicht. Für heute lass ich es gut sein mit Exkursionen entlang der Strecke, merke mir aber den Punkt einmal vor, vielleicht pack ich ihn ja beim nächsten Mal.

Die letzten gut 10 km bis ins Ziel kann man es rollen lassen, wenn man noch ausreichend Kräfte besitzt. Meist geht es abwärts. Wichtige Stationen zwischendrin sind noch die VP-Stellen Schmücke und Kreuzwege. Alte Rennsteig-Hasen wissen warum: hier kann man nochmal richtig nachtanken, Köstritzer Schwarzbier steht auf der Angebotsliste. Ich ordere BiCo, so bezeichnet der Helfer meinen Wunsch nach je einem Becher Bier und Cola und mischt in mir gleich zusammen.

Der letzte Energieschub bringt mich bis knapp vor’s Ziel, dann bin ich blau vom Schlussfinish und muss noch auf das letzte Hügelchen eine kleine Geheinlage einlegen. Den Zieleinlauf vor begeisterten Zuschauern lasse ich mir aber laufend nicht nehmen. Nur wenige Minuten ohne Bewegung im Zielraum lassen mich spüren, wie kalt es doch trotz der Sonnenstrahlen ist. Ich bin froh, als ich meine wärmenden Klamotten überstreifen kann und sehne mich nach einer heißen Dusche, die ich nach einem kleinen Nickerchen im Zelt aufsuche.

 
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Ein Mehrzweckgebäude unterhalb der Campingwiese ist zu einer übergroßen Duschkabine umfunktioniert worden. Als Umkleidekabine dient ein großes Zelt, das neben dem Gebäude errichtet wurde mit direktem Übergang. Aus 46 Duschköpfen läuft ununterbrochen bis 18 Uhr heißes Wasser. Dann wir abgestellt. Wer zu spät dran ist, muss ungewaschen die Heimreise oder zu den nachfolgenden Festivitäten antreten.

Die Waschgelegenheit war nicht immer so komfortabel wie heute: Bis vor knapp 10 Jahren wurde hier noch im Freien unter Feuerwehrschläuchen geduscht die einfach in die Höhe gehalten wurden. Wenn ich mir das für heute so vorstelle...

Jetzt aber auf zur Party. Jan tigert schon irgendwo an den Ständen umher und ist auf der Suche nach warmen Getränken, um seine Bronchien anzuwärmen, sie sind arg mitgenommen. Als ich das Festzelt betrete, stehen bereits alle auf den Bänken, Fahnen werden geschwenkt und es wird gefeiert und geschunkelt. Hier zeigen sich die wahren Ausdauerathleten. Ich bin mittendrin und live dabei. Zum ersten Mal darf ich das Spektakel erleben und bin begeistert. Die Stimmung im Zelt ist schon auf dem Siedepunkt, da ist es noch nicht dunkel ….

 
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Aber ich mache mir Sorgen um Jan, er hat sich schon früh ins Zelt zurückgezogen. Jammern ist nicht sein Ding, aber ich kann es ihm ansehen dass er nicht gesund ist. Für die Nachtstunden ist Frost angesagt. Ob die Kälte seinem angeschlagenen Körper bekommt? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Nächstes Jahr gibt es auch wieder eine Rennsteigparty. Um 20 Uhr wird das Zelt abgebaut, Heizung auf Vollleistung gedreht, wir hauen ab. Wie freue ich mich auf mein (vorgewärmtes) Bett. 
 

Sieger

Supermarathon

 

Männer

1 Seiler, Christian (GER) LC Erfurt/LG Hörsel 05:10:20
2 Stegner, Carsten (GER) TRAIL Magazin 05:26:37
3 Stork, Christian (GER) Team Salomon 05:27:42

Frauen

1 Russ, Karin (AUT) MSCRogner Bad Blumau 06:21:31
2 Baumann, Katja (GER) Geh-Punkt Weißenburg 06:24:57
3 Schiebel, Gitti (GER) TV Immenstadt 06:29:29

2499 Finisher

 

 
Siegerehrung Supermarathon Männer
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Marathon


Männer

1 Bräutigam, Marcel (GER) Laufclub Erfurt 02:38:09
2 Bergmann, Sebastian (GER) TU Ilmenau 02:50:56
3 Nitsche, Sebastian (GER) Berlin 02:52:11

Frauen

1 Eisenacher, Kristin (GER) USV Erfurt 03:12:17
2 Jakob, Anja (GER) VSC Klingenthal 03:14:17
3 Herzberg, Anna (GER) Uni Jena 03:14:53

3422 Finisher

 

 

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