Eintauchen ist angesagt. Zuerst im wahrsten Sinn des Wortes. Während Mitteleuropa unter der Hitze leidet, ist der Sommer im hohen Norden nur dem Namen nach einer. Die Leute stellen sich darauf ein, dass es bereits dem Herbst zugeht. Die Bekannte im Dorf, welche für den Schwedischen Wetterdienst Aufzeichnungen macht, hat innerhalb 48 Stunden 50mm Niederschlag gemessen und die Tageshöchstemperatur kratzt gerade so an der zweistelligen Zahl.
Perfektes Wetter also, um eine Woche vor dem Anlass in die Geschichte einzutauchen. Das ist ziemlich einfach, denn auf der Website sind alle diese Informationen zu finden, sogar die Schilderungen dazu von Peder Svart, ungefähr aus dem Jahr 1560.
Die Geschichte des Wasalaufs, dem «Vasaloppet», und somit auch einem seiner Derivate reicht aber bis ins Jahr 1520 zurück.
Damals befand sich Schweden in einer Union mit Dänemark. Die Unzufriedenheit mit dem dänischen König war groß, nicht zuletzt seitens Gustav Eriksson Vasa, einem Adelsmann, dessen Widerstand dazu geführt hatte, dass er in Dänemark inhaftiert worden war. Doch dem 24-jährigen Gustav gelang die Flucht. Nachdem er im Frühjahr 1520 südlich von Kalmar an Land gegangen war, begann er einen langen und gefährlichen Marsch nach Norden. Unterwegs forderte Gustav Bauern und Dorfbewohner auf, gegen die dänischen Behörden zu revoltieren, doch ohne Erfolg. Daraufhin setzte er seine Hoffnungen auf Dalarna, wo die Menschen als zäh und entschlossen galten und sich selten den Entscheidungen von Behörden und Königen beugten. Gustav wurde in ganz Dalarna von den ihn verfolgenden Dänen gejagt, doch die Bevölkerung gewährte ihm Unterschlupf und schützte ihn vor den Soldaten von König Christian.
Nach einem Monat auf der Flucht durch Dalarna stand Gustav vor der Kirche in Mora und sprach zur Menge. Nur wenige Wochen zuvor waren sein Vater und sein Bruder zusammen mit etwa 80 weiteren Magnaten im „Stockholmer Blutbad“ enthauptet worden. Gustav fragte, wie lange sie solche Gräueltaten noch hinnehmen könnten, und forderte sie auf, zu den Waffen zu greifen. Doch das Volk wollte sich zunächst mit den benachbarten Dörfern beraten, bevor es sich für den Krieg entschied.
Die Dänen waren ihm dicht auf den Fersen, und noch bevor er die gewünschte Antwort erhalten konnte, war Gustav gezwungen, auf Skiern seine Flucht nach Westen in Richtung Norwegen fortzusetzen. Einige Tage später erreichten die Nachrichten von König Christians brutalen Verwüstungen in ganz Schweden Mora, und die Menschen bedauerten nun, dass sie Gustav nicht sofort unterstützt hatten. Moras zwei beste Skifahrer, Lars und Engelbrekt, wurden auf die Verfolgung des flüchtenden Gustav Vasa geschickt und holten ihn in Sälen ein. Gustav ließ sich überreden, mit ihnen nach Mora zurückzukehren, um den Kampf gegen König Christian anzuführen.
Im Jahr 1521 begann Gustav seinen Kampf, angeführt von den Männern aus Dalarna. Es dauerte zweieinhalb Jahre, bis der Krieg vorbei war und Schweden ein freies Land war. Am 6. Juni 1523 wurde Gustav Eriksson Vasa auf einer Nationalversammlung in Strängnäs zum König eines freien Schwedens gewählt.
Anders Pers aus Mora ist der Vater des Vasaloppet. Aus seinen Ideen entstand das größte Skirennen der Welt. Er schrieb über das damalige Interesse am Skisport und stellte einen Bezug zu Gustav Erikssons Vasas Flucht auf Skiern von Mora in Richtung Norwegen im Jahr 1521 her.
In einem Artikel in der Lokalzeitung „Vestmanlands Läns Tidning“ vom 10. Februar 1922 brachte er die Idee eines Vasaloppets auf den Weg. Die überregionale Zeitung „Dagens Nyheter“ druckte seinen Artikel am nächsten Tag ab und sprach sich gleichzeitig für ein Langstrecken-Skirennen – eine Ausdauerprüfung – zum Gedenken an Gustav Vasa aus.
Nach einer intensiven Debatte in der Presse, in der sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente vorgebracht wurden, beschloss der Vorstand des IFK Mora (IFK= Idrottsföreningen Kamraterna; auf Deutsch «Sportverein Die Kameraden») am 5. März, ein Proberennen auszurichten, sofern eine angemessene finanzielle Unterstützung vorhanden wäre. „Dagens Nyheter“ spendete den Veranstaltern 1.000 Kronen und ermöglichte so die Austragung des ersten Vasaloppet am Sonntag, dem 19. März 1922.
Wenn ich diesen Zeitablauf sehe, finde ich ein Quäntchen Wahrheit in der Aussage, dass früher alles besser war. Wer kann sich heute vorstellen, dass von der ersten Idee bis zur Austragung die Bürokratie so schnell überwunden ist?
Während vieler Jahre war der Skilauf von Sälen nach Mora, das Original, alles, was den Vasalopp ausmachte. Mittlerweile gibt es für die Langläufer eine Menge anderer Startmöglichkeiten, unter anderem auch ein Format für Jugendliche.
Nicht nur das. Es gab auch eine Diversifizierung in den Sommer und andere Sportarten hinein. Zuerst wurde die Strecke 2009 statt mit Skiern mit dem Rad, genauer gesagt mit Mountain Bikes, ins Portfolio aufgenommen, fünf Jahre später folgten die Laufbewerbe. In dieser Reihenfolge findet im August auch die Austragung statt: Zuerst der Cykelvasan, eine Woche später der Ultravasan. Wer bei beiden über die gleiche Distanz startet und über diese im März schon auf den schmalen Latten ins Ziel kam, findet sich in der Gesamtwertung aller drei wieder und ist Finisher des Vasatrippeln.
Die Königsdisziplin ist natürlich die Originalstrecke. Es ist bei meiner Anmeldung nicht der stille Protest eines Demokraten, welcher mit Monarchien nichts am Hut hat, sondern dass ich der Wirklichkeit ins Auge schaue. Das Angebot einer Menge von Optionen ermöglicht mir, trotz eines Zeitlimits ausserhalb meiner Möglichkeiten auf dem Ultravasan 90, Teil dieser Sommeredition einer schwedischen Sporttradition zu sein. Als einer von fünf Vertretern meines Landes stehe ich in der Startliste für die zweitlängste Strecke. Die zählt mit ihren 45 Kilometern in der Statistik des 100 Marathon Clubs auf den Punkt als Ultralauf.
Die Anreise aus dem hohen Norden beginne ich am Donnerstag. Mit einem Campingstop auf halber Strecke teile ich mir die über zehnstündige Fahrt auf und habe am Freitag genügend Zeit, um ohne Hetze die Startunterlagen abzuholen und die Ambience auf mich wirken zu lassen.
In Schweden ist Vieles digitalisiert, doch gibt es Einschränkungen für diejenigen, die nicht zur Herde gehören. Damit man dazu gehört, braucht man keine ans Ohr geheftete Kennmarke, dafür ein Bank-ID. Diese wiederum gibt es nur, wenn man eine Personennummer sein Eigen nennen kann. Und diese erhält man entweder bei der Geburt oder bei der Wohnsitznahme in Schweden. Sonst ist man digitaler Aussenseiter.
Umso löblicher ist es, dass es eine eigene Vasaloppet-App gibt, deren Gebrauch auch den Teilzeitaufenthaltern und sonstigen Ausländern möglich ist. In dieser App ist der QR-Code meiner Registrierung, mit welcher mir umgehend die Startunterlagen ausgehändigt werden
Am Morgen fährt um 08.30 Uhr der Bus zum Startort. Der bei der Anmeldung mitgebuchte Fahrschein ist ebenfalls in der App hinterlegt. Wer Familie dabei hat, lässt sich häufig fahren, da es entlang der Strecke verschiedene Parkmöglichkeiten hat und so die Fangruppe immer wieder in Aktion treten kann.
Im Bus stört es nicht, dass es heftig regnet. Ich hoffe darauf, dass der Regenbogen zuvor das Zeichen ist, dass heute alles gut kommt.
Der Start befindet sich im Norden von Oxberg. Das tönt nach Metropole, ist aber nichts anderes als ein kleiner Ort, wie es sie in Schweden zu Hunderten gibt, doch schon immer war dieser Ort als Etappenort des Vasaloppet von Bedeutung.
Je näher es auf die Startzeit zugeht, umso mehr klart das Wetter auf. Der Regenbogen war keine Täuschung
Um 10.00 Uhr geht es los. Fem, fyra tre, tva, ett und los geht es – in die falsche Richtung. Mora liegt südöstlich und wir laufen nach Westen. Ohne Aussicht auf rasche Kurskorrektur, denn links abbiegen gäbe mehr als nur nasse Füsse. Neben uns liegt der Oxbergsjön, dessen Ufer wir mit kleinem Abstand folgen.
Nach viereinhalb Kilometern gibt es bereits ein erstes Mal Wasser und Sportdrink. Daran könnte man sich gewöhnen und darf es auch. Der Versorgungsplan weist diesen Abstand zwischen Erfrischungsstationen als Standard aus.
Kaum ist das Wasser im Magen, gibt es auch für die Augen keines mehr. Das westliche Ende des Sees ist erreicht und bald führt der Weg durch einen weiteren kleinen Ort, für ein Dorf zu klein, für einen Weiler zu gross.
Zwei weitere, leicht ansteigende Kilometer in Hörweite zur Strasse mit dem sinnigen Namen «Vasaloppsvägen» und unmittelbar nach deren Unterquerung die nächste Erfrischungsstation und der erste Fanparkplatz. Vor der Straßenunterführung sind wir auf die Strecke des Ultravasan 90, also die Originalspur, eingebogen. Das bedeutet, dass ich von jetzt an immer wieder von einer roten oder blauen Startnummer überholt werde. An dieser Stelle haben die fünf Stunden vor uns gestarteten Ultras der Ultras schon 55 Kilometer in den Beinen.
Wenig später könnte eine liebevoll gezimmerte, überdachte Holzstruktur für Verwirrung sorgen. «Välkommen till Mora». Moment mal, bis dorthin sind es doch noch 37 Kilometer? Stimmt, was das Ziel anbelangt. In Bezug auf die Gemeindegrenzen ist Schweden mit großer Masche gestrickt. Ein Beispiel: Die Kommune Arvidsjaur in Lappland ist sogar doppelt so groß wie Mora und würde einen Sechstel der Schweiz abdecken. Rechnerisch kommt auf einen Quadratkilometer ein Einwohner. Dem musst du aber zuerst einmal begegnen, denn die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Kleinstadt selbst, die anderen 3000 leben den Traum der Stille in Nachbarschaft zu Ren, Elch, Bär, Auerhuhn und Adler.
Stille umgibt auch hier die Läuferschar auf weiten Strecken. Das Knirschen des Kieses auf der welligen Forststraße, das Knacken einzelner Zweige auf dem Waldweg und das dumpfe Echo des federnden Untergrunds beim Auftreten sind die Begleitgeräusche. Auf den Singletrails allenfalls die Atemgeräusche der anderen Läufer.
«Läufer? Gibt es da keine Läuferinnen?» Trotz generischem Maskulin in meinem Bericht gibt es auch Läuferinnen. Und ich würde meinen, sehr viele sogar! (Wie das Verhältnis bei den Gestarteten war, entzieht sich meiner Kenntnis, doch in der Finisherliste werden mehr Frauen als Männer stehen.)
Gesammelte Höhenmeter werden gleich wieder abgebaut und dann kommt die dritte Getränkestation. Hier gilt es aufzutanken, denn wenig später geht es ans Schwitzen bei dem beim Vasaloppet legendären Lundsbäckbacka. Ich lasse mir sagen, dass an diesen Anstiegen auf den schmalen Latten der Weizen oftmals endgültig von der Streu getrennt wird.
Ohne Skis, dafür mit einem neuen Laufschuh an den Füßen und noch im ersten Drittel der Strecke, geht es mir gut. Die Treter, genau für die vorkommenden Arten von Untergrund, enttäuschen nicht. Das Risiko des Blindkaufs hat sich gelohnt. Und auch am anderen Ende des Körpers ist alles im grünen Bereich.
Wald, Wiesen, akkurat gemähte Grünflächen vor den Stugor, den Freizeithäuschen, dazu das perfekte Wetter. Mir gefällt es hier.
Angesteuert wird nun der südliche Teil des Startortes Oxberg. Wie die Skilangläufer müssen auch wir die ganze Schleife absolvieren, bevor wir am Verpflegungsstand zugreifen können. Dazu gehört für mich die ikonische Blaubeersuppe, nicht wissend, welche Wirkung diese auf Magen und Darm haben wird. Was soll’s, wenn ich schon dabei bin, will ich das Original erleben.
Ich frage mich, welche Funktion das Gebäude von der Größe eines ordentlichen Einfamilienhauses, angeschrieben mit der „OXBERG - VASALOPPS KONTROLL“, den Rest des Jahres wohl hat.
Auf die Gemüsebrühe verzichte ich noch, schnappe mir ein Brötchen und spüle den letzten Bissen noch mit Wasser runter, bevor der letzte Abfalleimer kommt. Darauf, dass kein Abfall auf der Strecke landet, wird peinlich genau geachtet.
Für den folgenden Abschnitt sind Ausgangs Kontrollpunkt wieder zahlreiche Familien und Freunde mit enthusiastischen Anfeuerungsrufen, Plakaten und transparenten zugegen.
Die nächste Streckenkontrolle wird in Hökberg sein, bereits jenseits der Streckenhälfte und mit versprochenem Mittagsbuffet.
Auf diesen knapp zehn Kilometern gibt es keine Monumente oder historische Wahrzeichen. Dafür gibt es entspannendes Waldbaden und vor einer Holzbrücke zuerst einen Generator mit Reservekanister und danach ein Holzgestell mit einer oben befestigten Regenbrause, aus welche Wasser aus dem Bach gepumpt wird. Insgesamt drei solche Duschen habe ich gesehen.
Beim kleinen Dorf Gopshus mit seinen zahlreichen urigen Gästehäusern und Hütten gibt nicht nur beidseitig Wald, sondern eine schöne Aussicht über das Tal. Der Preis dafür sind ein paar Höhenmeter nach vorher sanft welligem Weg. Verwunderlich ist das nicht, denn im Winter wird auf dem Slalomhang dem alpinen Skifahren gefrönt.
Etwas später wird von einem Sponsor die Freiheit beschworen, sich zu bewegen. Gleichzeitig gibt es das Angebot, einen der beiden Laufstege zu nutzen und dabei gefilmt zu werden. Ich schlage ein, und werde später einen schönen Erinnerungsclip herunterladen können.
Das Willkommens-Transparent und die zahlreichen auf der Wiese geparkten Autos künden den Hauptverpflegungspunkt an. In Hökberg gibt es wieder ein ähnliches, wenn nicht gar identisches Gebäude für den Kontrollpunkt.
Die Abfolge der angebotenen Verpflegung habe ich nicht im Überblick und ich greife einfach zu. Pfannkuchen mit Marmelade zum Auftakt, dann etwas Gemüsebrühe für den Salzhaushalt. Bei den Getränken mache ich es ähnlich. Sportgetränk, Cola und Wasser. Die süßen Leckereien und den Kaffee verschiebe ich auf später, schließlich bin ich in Schweden, wo das Kaffeetrinken mit der „Fika“ institutionalisiert und vermutlich bereits in den Genen verankert ist. Der dazu notwendige Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen und jeder, der sich in der Mitte des Morgens und des Nachmittags bei einer Behörde während einer halben Stunde vergeblich um eine telefonische Kontaktnahme bemüht hat, weiß, von was ich spreche.
An der Zeit würde es nicht liegend. Davon hätte ich genug, Beim Verlassen dieses Postens habe ich ein Polster von vier Stunden auf den Cut Off. Das ist sehr beruhigend, umso mehr, als dass ich bei meinem letzten Ultraversuch – zugegebenermaßen mit weitaus mehr Höhenmetern und einem sehr technischen Abschnitt in der ersten Hälfte – nach 2/3 der Distanz und fast 4/5 der zu bewältigen Steigung aus dem Rennen genommen wurde. Nicht, weil ich zu erschöpft gewesen wäre. Ich war bloß nicht schnell genug.
Schön rollend geht es weiter durch den vorwiegend lichten Wald, zwischendurch aber auch an Kahlschlägen vorbei. Ausforsten wäre nicht rentabel, in Schweden wird komplett abgeholzt und dann neu aufgeforstet. Ein positiver Kontrast dazu sind die beiden Orte, welche man im deutschsprachigen Alpenraum als Alp, Alpe oder Alm bezeichnen würde. Statt weidende Kühe mit Glocken sind mitleidende Familienmitglieder und Freunde mit Glocken am Wegrand zugegen.
Mit dem Kontrollpunkt Eldris ist die verbleibende Kilometerzahl einstellig geworden. Mit Chips und Cola decke ich meinen Treibstoffbedarf. Zu wissen, dass ich fast viereinhalb Stunden Vorsprung auf das Zeitlimit habe, ist beruhigend, gleichzeitig nimmt es aber auch einen Teil der mentalen Energie, gegen das Nachlassen der sonstigen Energie zu kämpfen.
Dass die Sonne nun fast ungehindert scheint, ist in zweierlei Hinsicht zu spüren. Die Schwüle nimmt zu und die Spur des Wasalaufs ist breit und dadurch der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Zum Glück habe ich immer noch einen kleinen Elektrolytvorrat für einen solchen Fall in der Weste. Den brauche ich, um das plötzlich auftretende Durstgefühl zu bekämpfen.
Zum Glück ist auch auf diesem Teilstück nochmals eine Getränkestation eingerichtet. An dieser überschlage ich kurz die zeitliche Situation und stelle fest, dass ich die ins Auge gefasste Zielzeit mühelos schaffen werden. Und dann spüre ich es. Dieses Stechen. Kein Seiten- oder sonstiges körperliches Stechen. Es ist der Hafer, der mich sticht. Wenn ich das aktuelle Tempo durchziehen kann, werde ich sogar eine Viertelstunde vorher unter dem einzigartigen Zielbanner durchlaufen. Der Ehrgeiz gibt mir die Energie, die letzten Kilometer durchzuhalten.
Dann kommt es, das letzte Kilometerschild. Die Läuferin vor mir klatscht es ab. Der Weg führt nun über den Campingplatz, wo es nochmals Zuspruch aus den Campingstühlen gibt, dann über die Holzbrücke, hinauf und hinein in den langen Zielkanal.
Zuschauer feuern an, eine Staffel wartet auf ihren Schlussläufer, um mit ihm und einem Hund auf dem Arm gemeinsam ins Ziel zu laufen.
Und dann ist es so weit: Ich laufe unter dem fest installierten Zielbanner hindurch mit dem Motto des Vasaloppet: In der Spur der Väter, für zukünftige Siege.
Der Zielbereich ist groß und fasst die ununterbrochen Eintreffenden problemlos. Mit umgehängter Medaille nehme ich einen Becher Wasser und gehe damit weiter zur Übergabe des wertigen Finisher-Shirts.
Danach hole ich mir ein bleifreies isotonisches Hopfengetränk vom Sponsor. Der Verantwortliche sagt mir, dass er den Platz im Kühlcontainer brauche, für Läufer, denen die relative Hitze nicht bekommen sei. Dazu gibt es ein feines Essen, für mich der schmackhafte vegetarische Kebab. Das gehört zum Gesamtpaket.
Mit dem Shuttlebus geht es dann vom Gepäckdepot zum Duschen in der Schwimmhalle. Man könnte meinen, ich würde dort von jemandem erwartet, der über die Jahre meine Laufberichte gelesen und meine diesbezügliche Vorliebe kennt. Wenn dem so ist, übertreibt er heute fast ein wenig. Ich komme nicht in den Genuss einer warmen, sondern einer heißen Dusche – und ich meine wirklich heiß.
Solchermassen erfrischt geht es mit dem Bus zurück zum Zielbereich, wo ich nochmals ein Ohr und ein Auge voll nehme, bevor ich mich zum Parkplatz begebe und den nächsten Ultra auf Rädern in Angriff nehme. Die Szenerie wird ähnlich sein: Wald, Seen und zwischendurch Wiesen und farbige Häuser. Allerdings werde ich sie vom Fahrersitz aus nicht so entspannt geniessen können wie zu Fuß.
Dass ich am Freitag als Zuschauer schon Teil der Veranstaltung war, hat mein Erlebnis bereichert. Der Zieleinlauf des Funkisvasan war zwar schon im Gange als ich eintraf und ich habe nur noch einen Teil der Teilnehmenden gesehen. Funkis ist der schwedische Kurzbegriff für «funktionshindrade», also für Menschen mit Beeinträchtigungen. Egal wie diese Beeinträchtigung aussieht, es gibt nur zwei Kategorien: 2 oder 4 Kilometer Strecke.
Dann kam der Barnens Galopp, der Kinderlauf. Die Startnummer ist für alle gleich: Eine blanke Eins. Die Zielszenen waren herrlich!
Der Trailvasan 10 für alle ab elf Jahren findet am Freitag als Abschluss und Anlass für alle Geschwindigkeiten statt und führt in einer Schlaufe hinaus zum Skistadion und zurück. Besonders beeindruckt hat mich die Ankunft der – der Größe und dem Aussehen nach zu schließen - vermutlich jüngsten Teilnehmerin im Feld nach weniger als einer Stunde!
