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24.06.17 - Special Event

Heide-Ultra-Trail: Der weiße Fleck

Man kommt ja beim Sammeln gut rum. Meer, Berge, auswärts im fernen Gefilde; trotzdem gibt es Gegenden, wo man einfach nicht hinkommt. Bis jetzt. Die Lüneburger Heide war so ein weißer Fleck auf meiner Läuferlandkarte.

Der Heide-Ultra-Trail ist ein Geschenk. Und was für eins. 80 oder 52 km, detailliert vorbereitet, mit Liebe und Herzblut veranstaltet, an alles wird gedacht. Klaus und Petra haben toll organisiert. Lassen uns loslaufen, frieren und schwitzen mit uns, füttern und tränken die Läufer vor, während und nach dem Lauf.  Einfach großartig.

Sporthalle Schneverdingen, am Rand des riesigen Naturschutzgebietes. Aber auch irgendwie mittendrin. Gerade eben gestartet (um 7) sind wir rasch in der schönsten Heide. Und gleich auch im Moor. 15 traben ab. Nach der Hitze der letzten Woche ist Nieselregen was richtig Schönes. Zu wenig zum Ärgern, aber zu viel ohne Regenschutz. Jeder findet so sein outfit.

Schon nach 2 km trennen sich die Flotten von den Gemächlichen und bald hat jeder die Heide für sich.

 

 
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Diese Ruhe. Im Moor quaken Lurche und Frösche um die Wette, die finden das Wetter ganz toll. Aber nach dem Moor ist es vollkommen still. Die Vögel warten ab, den Niesel mögen sie nicht. Die Laufschuhe knirschen leise im Sand, das ist alles. Entspannung pur. Nach den glitschigen Bohlenwegen im Moor laufen wir auf mal breiten, mal schmalen Pfaden. Noch ist es flach bis wellig. Wegmarkierungen gibt es erstmal nicht. Dafür hat jeder eine Karte (wasserdicht verpackt!) , der GPS-Track funktioniert auch. Kurze Umwege kommen vor, sind aber nicht schlimm.

Oberhaverbeck, der 1.VP. Petra labt uns mit allem, was das WoMo hergibt. Hier steigen die Touristen normalerweise in die Kutschen nach Wilsede, momentan ist noch nix los. Schnell wieder in den Wald und zum Hermann-Löns-Wanderweg. Der führt zum wohl schönsten Teil der Strecke, dem Totengrund. Ein Trockental, ziemlich tief. Oben an der Kante der Weg. Trail pur. Wurzeln und Steine, Glitsch und Schlamm. Und diese Aussicht, diese Ruhe. Hier kommen die Kutschen nicht hin...

Wilsede bei 30 km. Der Ort ist so urtümlich geblieben, wie‘s nur ging. Ein großes Museum. Für eine autofreie Zone rasen mir zu viele PKW um die Ohren, denn aus dem Ort raus folgen wir einer Straße  Pfui-Deibel-Asphalt. Vor 20 Jahren war das noch feldsteingepflastert! Schnurgerade der Weg direkt nach Döhle,  noch so ein berühmter Ort.  Den betreten wir aber nicht. Erst kommt das Abenteuer.

Auf einer weiten Schleife hat vor wenigen Tagen ein Sturm ganze Arbeit geleistet. Woanders auch, die Deutsche Bahn brach ja wieder mal zusammen,. Hier liegen die Trümmer formatfüllend über dem Trail. Durchwühlen, überklettern, umgehen, hier ist Improvisation gefragt. Ich komme so gerade mal durch. Aber meine Bewunderung gilt den Streckenmarkierern mit dem MTB. Die sind auch hier durch... Jawohl, diskrete orangene Punkte helfen uns beim Orientieren, erleichtert es enorm, für den Rest der Strecke...

 

 
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Kleine Bäche mit verwunschenen Tälern, mit dichtem Wald drumrum und nassen Holzbrücken drüber, auch nochmal die Glitschbohlenwege. Das ist das Thema bis zum VP2 bei km 45. Dort hat Klaus seine Eltern postiert. Mit Gustav, dem aufgeregten Foxterrier.. Auch im WoMo. Es gibt alles noch reichlich, Cola geht immer, wer schlemmen möchte, kann gegenüber im Hotel Sudermühlen so richtig essen fassen. Dauert aber, und wir müssen weiter.

Zwischenzeitnahme an allen VP, meine liegt so bei 6 Stunden. Der Weg nach Norden, nach Undeloh (wieder so was Berühmtes) führt durch Bilderbuchheide. Weite Sicht. Erika überall. Und der Wacholder. Schnelles Laufen, das geht hier. Einfache Trails, breite Wege.

Aber auch hier gilt: Pünktchen suchen, Karte gucken. Sonst Umweg. Wär ja nicht so schlimm, aber trotzdem. So mit frischer Kraft könnte man übermütig werden. Kurz vor Undeloh wieder Sturmschäden, die können problemlos umgangen werden. Hier verliere ich dann die Spur. Laut Karte total richtig, aber ohne Pünktchen... naja, ich lande auf einem erstklassigen Singletrail und erreiche nach kurzer Zeit den korrekten Weg. Nun am Waldrand entlang, unter und über Bäumen nach Wilsede, diesmal von Norden her.

Dieser Trailabschnitt und auch der nächste ist wild. Aufpassen. Stolpergefahr!. Aber sowas von schön. Von dem weiten Panorama lassen sich keine Fotos machen, da muss man selber hin. Es geht auf den Berg, den Wilseder. Natürlich oben drüber. Und Klaus hat einen tollen Trail für uns gefunden. Klasse. Die Sicht ist oben toll. Alles im weiten Umkreis. Wo wir waren, wo wir noch hin müssen. Das fand schon Herr Gauss toll, der von hier aus Trigonometrie betrieben hat. Ein Gedenkstein erinnert daran. Die Bergspitze ziert ein Findling, ein paar wunderschöne, alte Bäume umgeben die Kuppe. Ein Traum.

Flott runter und auf richtig wildem Trail auf den nächsten Berg. Ohne den Gipfelstein hätte ich das noch nicht mal gemerkt. Der zweithöchste Mountain hier, sowas...

Der Trail wird zum Weg, dieser zur Straße. Nach Oberhaverbeck zurück. Kein Regen mehr, schon seit geraumer Zeit. Vögel zwitschern, Kutschen klappern. Einige Unentwegte sind außer uns unterwegs. Und rauf auf den nächsten Berg, dann zum VP bei Petra. Erstmal erholen. 64 km liegen hinter uns, das macht schon müde. Aber auch so toll...

Petra hatte gut zu tun, schließlich kommen hier auch die 52er vorbei. Und noch immer ist alles da. Trotzdem ist es gut, etwas Futter bei sich zu haben, denn die 20 km zwischen den VP können sich ziehen. Was sich jetzt zieht, ist das Schlussstück; eigentlich nur noch 16 km. Erstmal berghoch. Oben der Wind. Ein kurzer Schauer noch, dann kommt die Sonne.

 

 
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Im weiten Bogen um ein Heidestück rum, dann tauchen wir in dichten Wald ein. Ein Singletrail führt quer durch, direkt aufs Ziel zu. Aber es zieht sich in die Länge. Kaum Orientierung bis auf die Querwege, man könnte meinen, man käme nicht vorwärts.
Vorsicht an der B3, sehr schnelle Autos hier. Kein Risiko eingehen. Dann kommt noch ein Psychostück. Kurz nach einem kleinen See biegen wir auf eine endlose Piste ein. Auch noch leicht bergauf. Und soo lang. Das kostet mich den letzten Nerv. Sowas mag ich nicht so sehr. Bloß 1,7 km, Augen nach unten, weiter. Gleich das Ziel ...

Halt, da war noch was. An einer Sandgrube entlang, an einem Zaun, noch ein Singletrail. So zum Abschied. Ein wenig Straße, die Halle, und ... Jubel. Begrüßung. Buffet, Dusche, Medaille, Urkunde, die Freunde, alte und neue... Es dauert, bis wir aufräumen und verschwinden...

Fazit

Ein Super-Einladungslauf in einer einzigartigen Landschaft von einzigartigen Menschen. Davon werde ich noch meinen Enkeln erzählen, garantiert! Ganz lieben Dank an Klaus und Petra und alle an der Orga beteiligten für ein einmalig schönes Lauferlebnis!


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