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09.09.23 - Special Event

Pyrenees Stage Run: Laufen, Berge, Abenteuer, Freundschaft und pure Freude

Ich hab‘s geschafft. Ich liege im Zielbereich auf der Massagebank und lasse mir die geschredderten Beine massieren. Ich bin glücklich und stolz, das Rennen hinter mich gebracht zu haben.  Kurz bevor ich wegdämmere, wird das letzte Team angekündigt. Alle springen auf und bilden einen Zielkorridor. Frenetischer Applaus begleitet das englische Paar ins Ziel, wo die beiden in Tränen des Glücks ausbrechen.

Auch ich kann jetzt die Tränen nicht mehr zurückhalten. Alle um mich herum lachen und weinen im Wechsel. Die Belastung fällt von allen ab. Wir umarmen uns, heulen ein wenig und dann wird getanzt und gefeiert bis die Schlussläufer und die Verpflegungsteams eintreffen. Es gibt kein Halten mehr. Jordi und Tomas, die beiden Veranstalter werden durch die Luft gewirbelt.

 Sieben Tage sind wir gemeinsam gelaufen, haben gemeinsam gelitten, uns unterstützt und gemeinsam gefeiert. Sieben Tage voller Freundschaft, fantastischer Landschaften, spektakulärer Streckenführung, Emotionen und unvergesslicher Erinnerungen.

Das ist das Konzept dieser herzlichen Veranstaltung.

 

Aber von Anfang an ...

 

Nach unserem Abenteuer in Jordanien wollten wir auch in diesem Jahr wieder ein gemeinsames Projekt in Angriff nehmen. Im letzten Jahr war ich mit dem gleichen Veranstalter schon beim Costa Brava Stage Race und die gute Stimmung und perfekte Orga hat mir die Entscheidung für das Pyrenees Stage Race einfach gemacht. Je näher das Rennen dann gerückt ist, desto größer wurden die Zweifel. Und das Trainingscamp auf Teneriffa, wo ich mich zumindest etwas an die Höhe gewöhnen wollte, fiel dem Waldbrand zum Opfer. Burkhard und Astrid aus unserem Dreierteam konnten sich im August bei einer Hüttentour in den Alpen den nötigen Feinschliff erwerben. Bei mir muss es diesmal auch so gehen.

Es stehen 220 Kilometer mit satten 15.000 Höhenmetern an. Das laufe ich normalerweise in einem Monat (wenn es gut läuft). Obwohl ich mich ansonsten immer gut auf meine Läufe vorbereite und auch etwas über Land und Leute in Erfahrung bringe, gehe ich diesmal komplett unbedarft ins Rennen. Mal schauen, was kommt.

 

 
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Wir reisen schon am Freitag mit dem Auto an, was den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Wir checken in einem netten Hotel ein und schlendern noch ein wenig durch das kleine Städtchen Ribes de Freser.  Dort treffen wir auf eine Gruppe Belgier, die im letzten Jahr schon an der Costa Brava dabei waren. Jenny, die mit uns gefahren ist, trifft ihre Teampartnerin Nicole. Myriam und Paul aus unserem Verein sind vom Flughafen Barcelona mit dem Zug angereist. Wir wissen nicht so richtig, was uns erwartet und sind alle ziemlich aufgeregt.

Am nächsten Tag ist Check-In. Leider ist das Wetter etwas wechselhaft. Ein Thema, dass uns schon im Vorfeld großes Kopfzerbrechen bereitet hat. Immerhin sind die Vorhersagen seit gestern recht gut. Aber das kann sich in Bergen ja schnell ändern.

In der großen Sporthalle holen wir unsere Sachen ab. Ein GPS-Tracker, eine Startnummer, ein Zeitmess-Chip und eine große Tasche, die unser gesamtes Gepäck für die nächsten sieben Tage aufnehmen muss. Draußen schüttet es wie aus Eimern. Den halben Tag verbringen wir so mit der Auswahl der wichtigsten Kleidungsstücke, Schuhe und was man eben so braucht. „Reduce to the Max“ lautet die Devise. 

Dann geht es wieder zur Sporthalle, wo ein üppiges Buffet auf uns wartet. Erst essen, dann Briefing mit den wichtigsten Infos zum Ablauf des Rennens und der Strecke für den nächsten Tag. Immerhin soll es morgen trocken bleiben. Und windig.

 

Stage 1: Von Ribes de Freser nach Nuria
Aller Anfang ist einfach

 

Um viertel nach fünf steht Buki schon unter der Dusche. Astrid und ich ziehen uns schnell die Decke über den Kopf. Morgens zählt jede Minute. Um 6 Uhr dann Frühstück im Hotel, Abgabe der Tasche und los zum Start. Wir haben einen Zielbeutel bekommen. Darin sind die Sachen, die man bis zum Start braucht oder gerne im Ziel haben möchte. Ein Becher mit dem Teamnamen und bei mir ist es noch eine warme Jacke und ein frisches Shirt. Später kommen noch FlipFlopps dazu.

 

 
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Der Start ist um 8 auf dem Marktplatz. Wir sind alle aufgeregt. Der spanische Startsong, der uns die kommenden Tage begleiten soll, macht die Beine locker und schon geht es los. Ein Stück durch den Ort und dann auf einfachen Wegen bis nach Pradines, einem kleinen Örtchen, das wir aber nur streifen. 900 Höhenmeter haben wir schon. Die dafür vorgesehene 1 Stunde und 50 Minuten haben wir gut geschafft.  900 Höhenmeter sollen direkt darauf folgen.

Jetzt wird es aber steiler. Die Bäume treten zurück und über Kuhweiden geht es weiter bis auf 2.585 m. Es wird karg und windig. Wir frieren und ziehen Jacke und Mütze über. Schnell geht es wieder ins Tal. Viele Steine, Blockwerk und Geröll. Wir überqueren an einer kleinen Hütte einen Bach und es geht direkt wieder hoch. Jetzt laufen wir in den Wolken. Der Wind bläst uns fast weg. Schnell sind wir auf dem letzten Pass. Im Tal sehen wir schon das Santuari de Nuria im Hochtal, das nur mit einer Zahnradbahn zu erreichen ist. Direkt davor steht der Zielbogen. Astrid und Burkhard sind durstig und ich habe Mühe hinterherzukommen.

 

 
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Die erste Etappe ist geschafft. Ich verzichte auf die Massage und trinke lieber eine warme Suppe und ein Bier. Mit der Bahn geht es wieder zurück ins Tal. Abends dann Essen in der Sporthalle. Die Tagessieger der einzelnen Kategorien werden geehrt und nach dem Briefing gibt es die Bilder des Tages und das passende Video. Sehr stimmungsvoll. Ich nehme noch einen Schluck Wein, der wie das Wasser und die Limonade jeden Abend auf dem Tisch steht, und ab geht es ins Bett. Die ersten 27 Kilometer und 2400 Höhenmeter wären damit im Kasten. Das lief für den Anfang recht gut.

 

Stage 2: Vom Santuari de Nuria nach La Masella
Zum Top of the Race

 

Die zweite Etappe beginnt mit der Bahn zum Santuari de Nuria. Die heutige Etappe ist mit 35 Kilometer etwas länger. Dafür hat sie nur 1.700 Höhenmeter im Anstieg. Acht Stunden Zeit haben wir dafür. Nach einer kurzen Rampe geht es recht steinig aber flach bis nach Fontalba, wo die erste Food Station auf uns wartet. Das Wasser wird aus dem Bach geschöpft und mit Chlortabletten behandelt. Ich mag den Chlorgeschmack gar nicht und nehme ISO.

 

 
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Jetzt geht es steil nach oben. 950 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt des Rennens, dem Puigmal auf 2911m. Erst über endlose Kuhweiden, dann immer steiniger. Die Route ist schon von weit unten gut zu erkennen. Die kleinen bunten Punkte, das sind die Läuferinnen und Läufer vor uns.

 Astrid und Burkhard machen ordentlich Tempo und ich bin ständig am Limit. Mit der Höhe nimmt auch der Wind stetig zu und oben auf dem Gipfel werden wir fast weggeblasen. Steinige Single-Trails mit fantastischen Ausblicken zu den uns umgebenden Gipfeln und Hochtälern führen uns wieder in gemäßigtere Zonen. Es folgen Weiden mit Kuh- und Pferdeherden.

Nach der letzten Verpflegung geht es dann gut laufbar durch den Wald bis wir schließlich La Masella, unseren Zielort erreichen. Der Zielbogen steht direkt an unserem riesigen Ski-Hotel. Die vielen anderen Hotels und Ferienwohnungen sind alle verwaist. Hier tobt im Winter bestimmt der Bär, aber im Sommer ist hier alles tot.

 

 
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Wir sind auch ziemlich tot und für den Pool ist es schon zu spät, obwohl wir fast eine Stunde vor dem Cutoff im Ziel sind. Nach dem Zielbier nehme ich heute die Massage in Anspruch. Das Mädel fragt mich, wo mein größtes Problem liegt. Ich zeige auf die Liege neben mir, wo Astrid schon massiert wird. Wir lachen. Aber wenn ich das Ding bis zum Ende laufen will, muss ich etwas Tempo rausnehmen. Also beschließen wir, dass ich ab morgen vorne laufe.

 

Stage 3: Guils de Cerdanya nach Enchamp (Andorra)
Willkommen in Andorra
 

Ein Bus bringt uns zum nächsten Startort. In dem Bergdörfchen Guils de Cerdanya ist auf dem kleinen Dorfplatz der Zielbogen bereits aufgebaut, als wir ankommen. Es ist schon ordentlich warm und ich erfrische mich am Dorfbrunnen. Die Beine fühlen sich noch gut an. Die tägliche Massage mit Eis wirkt Wunder.

 

 
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 Zuerst geht es recht einfach über ein paar Kuhweiden und Forstwege bis zur ersten Verpflegung, die noch mit Auto zu erreichen ist. Dann wird es steiniger. Nach 15 Kilometern haben wir den ersten hohen Pass erreicht. Im Downhill folgen wir einem Bachlauf, der sich durch den Pinienwald schlängelt. Es wird jetzt grüner und die Geologie hat auch gewechselt. Runde Granitblöcke erinnern mich an Korsika.

Es ist jetzt sehr warm und der Aufstieg  zum Coll de L’Illa ist sehr schweißtreibend. Wir betreten Andorra.  Jetzt geht es nur noch bergab. Zuerst steinig und  baumlos bis zum Refugi de Fontverd. Ab dort tauchen wir ein in das UNESCO Welterbe Valle Madriu-Perafita- Claror. Der Weg führt steinig aber gut laufbar direkt am Bach entlang, der sich durch einen frischen Pinienwald ins Tal schlängelt.

 

 
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In einer der Selbstversorgerhütten ist unsere letzte Verpflegung untergebracht. Es ist sehr warm und wir freuen uns über die zusätzliche Wasserstelle am Lago Engolaster. Danach folgt noch ein kurzer aber heftiger Abstieg nach Enchamp, unserem Etappenziel in Andorra.

Die Massage mit Eis ist ein Genuss. Das eiskalte Zielbier muss ich nicht erwähnen. Wir sind froh, die lange Etappe gut überstanden zu haben. Morgen folgt die kürzeste Etappe. Also quasi Ruhetag, wenn man von den fiesen beiden Anstiegen mal absieht.

 

Stage 4: Encamp nach Arinsal
Bergfest beim Adventure Stage

 

Heute müssen wir die Strecke selbst navigieren. Wir sind auf dem Wanderweg GR 11 unterwegs, der recht gut mit weiß-roten Zeichen markiert ist. Das ganze Gebiet ist besonders streng geschützt. Ich denke mal, dass deshalb die Markierung mit Flatterband nicht gestattet wurde. Aber kein Problem. Die einzelnen Stages wurden ja vorher alle zur Verfügung gestellt und ich kenne keinen Trailrunner, der bei einem solchen Rennen auf den Komfort einer GPS-Uhr verzichten würde.

 

 
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Am Coll d’Ordino haben wir nach 4,3 Kilometern und 790 Höhenmetern den ersten Anstieg schon mal im Sack. Danach geht es gut laufbar bergab in das kleine Örtchen Ordino-Segudet. Ein paar Hügel weiter sind wir in Arans und freuen uns bei der mörderischen Hitze über eine geöffnete Bar. Zuerst ein Aqua con gaz mit Eis und Zitrone und danach noch ein eiskaltes Bier. So gestärkt ist der letzte lange Anstieg des Tages zum Coll de les Cases ein Klacks.

Auch der Rest bis nach Arinsal vergeht wie im Flug. Das Ziel ist auf einem Platz direkt an einem kleinen Flüsschen, in dem sich die Läuferinnen und Läufer von der Hitze abkühlen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Eine Helferin gibt Tanzunterricht zu einem der Songs, die immer wieder gespielt wird. Wir verzichten auf das angebotene Zusatzprogramm.

Man hat die Wahl zwischen einer Bustour nach Andorra oder einem Besuch im Wellnessbad. Wir nehmen lieber ein Bad in dem Flüsschen und begrüßen alle Finisher, die nach und nach eintreffen. Am hoteleigenen Pool machen wir noch ein Schläfchen. Nach dem üppigen Essen verzichten wir auf das Briefing und gehen heute besonders früh zu Bett. Morgen erwartet uns ein harter Tag.

 

Stage 5: Arinsal nach Tavascan
Weite Blicke, tiefe Seen

 

Heute kommt eines der Highlights der Strecke. Wie immer geht es mit einem Paukenschlag los. 870 Höhenmeter auf 5,5 Kilometer sollen in 1,5 Stunden bezwungen werden. Dann direkt nochmal 600 Höhenmeter zum Portella de Baiau. Es geht also von Anfang an recht heftig berghoch zum Alt Pirineu Natural Park.

Wir passieren erste Bergseen und der Blick vom höchsten Punkt der Strecke zum Baiau See ist wirklich atemberaubend. Das Wasser schillert in allen Blau- und Grüntönen. Berge, soweit das Auge reicht. Über uns strahlend blau der Himmel. Ich bin total berührt von der Schönheit dieser Landschaft.

 

 
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Der anschließende Downhill bringt mich wieder in die Realität. War der Anstieg schon hart, ist der Abstieg zum See brutal. Sehr steile Schutthänge und lose Felsen geben keinen Halt. Manche rutschen auf dem Hosenboden herunter, ich lasse mich in den Schutthängen einfach im Geröll heruntergleiten. Es ist wirklich gefährlich und für einen Läufer aus den USA ist dann hier auch Schluss. Er hat sich im Downhill verletzt und kann den Lauf nicht fortsetzen. Er muss mit dem Heli ausgeflogen werden. Ja, auch das ist Trailrunning. Unachtsamkeiten werden direkt bestraft und im felsigen, rutschigen Terrain passieren dann auch mal Unfälle.

 

 
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Wir sind alle froh, den Abstieg heil überstanden zu haben. Nach der Schutzhütte La Molinassa wird es einfacher und nach dem letzten Anstieg zum Coll de Tudela ist nur noch die Hitze ein Problem. Wir nehmen jede Gelegenheit zum Abkühlen wahr, bevor wir nach einem letzten steinigen Abschnitt das schöne Dörfchen Tavascan erreichen.

 

Stage 6 Tavascan nach Esterri D‘Àneu
Die Etappe der schönen Ausblicke

 

Der Unfall auf der gestrigen Etappe hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, aufzupassen und sich auf die Strecke zu konzentrieren. Die Beine werden so langsam müde, obwohl es für uns drei besser läuft als erwartet. Außer einer unbedeutenden Blase bei Burkhard sind wir noch recht frisch und motiviert.

Nur Astrid, die fitteste von uns, macht mir Sorgen. Gestern Abend lag sie frierend im Bett, obwohl es sehr warm war. Sie hat auch nicht viel gegessen und fühlt sich etwas unwohl. Sie beschwert sich nicht, aber ich merke Ihr an, dass sie nicht so richtig in Form ist. Nun gut.

 

 
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Die heutige Etappe ist mit 27 Kilometern recht kurz. Allerdings sind wieder sehr technische Abschnitte dabei. Es geht los mit einem flachen Abschnitt durch Wiesen bis zu einem Skilift. Dann folgt der einzige, aber lange Anstieg, der es in sich hat. Nach 10 Kilometern haben wir so gut wie alle Höhenmeter für heute schon hinter uns, also etwa 1.600.

Der Abstieg zur Collada dels tres Estanys ist dann technisch sehr anspruchsvoll. An den schwierigsten Stellen sind Fixseile gespannt. Helfer achten darauf, dass sich niemand verletzt. Schwindelerregend geht es durch Geröll, Steinplatten und Blockwerk in die Tiefe. Wir werden entlohnt mit dem atemberaubenden Blick auf die drei Bergseen. Im Hintergrund die Bergkette der Pyrenäen, soweit das Auge reicht. Unfassbar schön.

Viel zu schnell geht es vorbei, an rauschenden Gebirgsbächen und kleinen Seen durch steile Wiesen und Geröllabschnitte bis zum Fuße eines Wasserfalls. Dort beginnt der recht einfache und gut laufbare Downhill, bei dem wir immer wieder kleine Dörfchen und Weiler passieren.

 

 
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Unsere Finishline liegt mitten im Ort. Es ist brütend heiß. Wir waschen uns am kleinen Dorfbrunnen den Staub von den Beinen und warten im Schatten auf die Massage. Es lohnt sich eigentlich immer zu warten, bis alle Teams im Ziel sind. Die Stimmung im Zielbereich ist so fröhlich und herzlich. Alle umarmen sich. Wir sind jetzt zu einer großen Familie zusammengewachsen. Man freut sich mit und für die anderen. Wir hatten schließlich denselben Weg und wissen wieviel Schweiß und auch mal Tränen nötig waren, um die Strapazen des Tages wegzustecken. 

Bei der Massage merke ich, wie sehr die Beine gelitten haben. Dabei kommt die schwerste Etappe noch. Deshalb ist das Abendessen heute auch schon eine halbe Stunde früher. Beim Briefing merkt man den Teams an, dass der Respekt vor der morgigen Schlussetappe hoch ist.

 

Stage 7 Esterri D’Àneu nach Salardú
Abschied mit einem Paukenschlag

 

Wir müssen früh raus. Der Start ist heute schon um sieben. Es erwarten uns zum Finale 33 harte Kilometer mit 2300 Höhenmetern. Die Cutoff-Zeiten der einzelnen Abschnitte machen klar, dass es heute technisch und fordernd wird. Wortlos packen wir unsere Taschen ein letztes Mal.

Astrid gefällt mir nicht. Sie hat schlecht geschlafen. Die Nacht war sehr heiß und wir haben gehörigen Respekt vor dem, was auf uns wartet. 15 Teams sind schon aus dem Rennen. Einige Teilnehmer haben sich auch einen Ruhetag gegönnt und sind bei der Schlussetappe nochmal dabei.  Sie werden zwar nicht als Finisher gewertet, aber können wieder in das Rennen einsteigen. Mein Frühstück besteht aus einem Kaffee und einem Croissant. Dazu ein frisch gepresster Orangensaft. Mehr bekomme ich nicht herunter.

 

 
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Es ist noch dunkel, als wir am Startbogen stehen. Man spürt die Anspannung. Die Australier sind heute wieder dabei. Ruth aus England hatte gestern Magenprobleme, aber steht wieder neben uns. Die Läuferin, die am ersten Tag gestürzt war und eine Platzwunde an der Stirn hat, steht mit einem riesigen Veilchen gut gelaunt neben mir. Wie schön. Die Tasmanischen Teufel sind auch wieder am Start. Sie waren unsere ständigen Begleiter. Die lustigen Spanier und die Amerikaner sind heute Morgen ganz still. Die Belgier sind auch wieder komplett am Start. Wir umarmen uns alle nochmal vor dem Finale und dann geht es auch schon los.

Die Sonne steht noch hinter den Bergen, aber die Strecke ist einfach und wir brauchen in der Dämmerung keine Lampen. Schnell steigen wir den ersten Anstieg hoch. Die ersten 1000 Höhenmeter haben wir bei der ersten Verpflegung bei km 6,8 schon im Sack. Nach einem kurzen Downhill geht es in den nächsten Vertical. Es wird steinig, wir steigen über Blockwerk. Die Steinplatten werden immer größer. Bei den kurzen Downhills ist Aufmerksamkeit gefordert. Die Aufstiege sind steil und schwer.

 

 
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Ich höre Astrid hinter mir stöhnen, wenn mal wieder große Felsbrocken zu erklimmen sind. Die Leichtigkeit der letzten Tage ist dahin. Die Schwierigkeiten nehmen jetzt nach jedem Anstieg zu. Die Granitblöcke werden immer größer und wir brauchen beide Hände, um vorwärtszukommen. Kleine grüne Seen empfangen uns mit grandioser Schönheit nach jedem Grat, den wir erreichen. Trotz aller Anstrengung genieße ich die Ausblicke und spektakulären Eindrücke. Bei der folgenden Streckenführung genieße ich mit die schönsten Laufmomente, die ich in meinem bisherigen Läuferleben erleben durfte. Ich bin von der Landschaft überwältigt.

Die bunten Shirts der Läuferinnen und Läufer zwischen den riesigen Felsklötzen wirken absurd klein. Nach jedem Anstieg wird es noch steiler. Wir suchen die beste Route in den Felslabyrinthen. Oft müssen wir von Fels zu Fels springen. Der Abstieg zur Verpflegung an der Mataró Hütte ist wildes Gekraxel. An der Hütte gibt es Verpflegung mit Barbecue. Ich habe eine Dose Bier im Rucksack, die hervorragend dazu passt.

Der weitere Weg führt uns entlang einiger türkisfarbener Seen. Dann kommt der letzte nennenswerte Anstieg für heute. Beim anschließenden Abstieg zur Saboredo Hütte ist wieder ein Seil gespannt. Helfer unterstützen uns beim Abseilen. An dem Refugio ist die nächste Verpflegung. Außerdem gönnen wir uns kalte Getränke aus dem Kühlschrank des Hüttenwirtes.

 

 
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Das Schlimmste haben wir hinter uns. Wir liegen gut in der Zeit und schlendern durch ein schönes Hochtal mit Pferdeweiden talwärts und erreichen einen gut laufbaren Pfad, der nach ein paar Kilometern in einen guten Fahrweg mündet. Hier lassen wir es nochmal rollen. Die Hitze ist jetzt noch die einzige Schwierigkeit.  In einem kleinen Ort noch eine letzte Wasserstation und dann sehen wir schon das Ziel Salardú.

Wir werden empfangen, wie Sieger. Die letzten Meter die Straße hoch geben wir sogar nochmal richtig Gas. Unsere Vereinskollegen erwarten uns mit kühlem Bier und einer herzlichen Umarmung. Auch die anderen Teams gratulieren und umarmen uns. Ich kann es noch gar nicht fassen. Wir haben das Ding gerockt. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Ein letztes Mal lasse ich mir die Beine massieren, bis das nächste Team eintrifft. Dann lasse ich den Emotionen freien Lauf und wir feiern mit der ganzen PSR-Familie, bis alle im Ziel sind.

 

 
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Die Siegerehrung am Abend ist unbeschreiblich. Voller Emotionen, Freude, Glück und Dankbarkeit. Sogar Bernhard, der sich verletzt hatte, grüßt aus dem Krankenhaus. Es geht ihm glückerweise den Umständen entsprechend gut.

Wir waren ein fantastisches Team, bei einer fantastischen Veranstaltung mit vielen herzlichen Menschen, die ihren Sport wirklich lieben. Ein Erlebnis der Extraklasse.

 

Fazit

Das Pyrenees Stage Race ist ein Etappenlauf mit 7 Stages. Die Route orientiert sich an dem Weitwanderweg GR 11 und führt durch 5 Nationalparks in Spanien und Andorra. Die Organisatoren legen dabei nicht nur Wert auf atemberaubende Landschaftseindrücke, sondern auch auf die Gemeinschaft der Läuferinnen und Läufer.

Es wird in Zweier- oder Dreier-Teams gestartet. Bei Verletzung oder anderen Probleme kann auch eine Etappe ausgelassen und später wieder in das Rennen eingestiegen werden. Man ist dann zwar nicht mehr in der Finisher-Wertung, kann das Rennen aber fortsetzen. Die Unterbringung erfolgt in guten Hotels oder auf eigene Faust. Das Abendessen, Briefing usw. erfolgt aber gemeinsam. Ich empfehle die Unterbringung mit Full-Service im Hotel. Man muss sich um nichts kümmern, die Hotels sind gut bis sehr gut und die Preise sind sehr fair.

 

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten vor dem Start eine große Tasche, die zum jeweiligen Zielort transportiert wird (und dort in der Hotellobby auf die Finisher wartet).

Nach jeder Etappe wird eine Massage angeboten. Sehr gute Zielverpflegung direkt am Zielbogen. Morgens und abends gemeinsames Essen entweder im Hotel (wenn groß genug) oder in der örtlichen Sporthalle. Sehr üppig und ausreichendes Buffet mit allem, was man so braucht inklusive Wein, Limo. Manchmal auch Bier.

Die Organisation ist sehr familiär und herzlich. Perfekte Information der Teilnehmenden mit Roadbook, täglichem Briefing, Bilder und Video des Tages. Tägliche Siegerehrung.  Besser geht’s nicht!

 

Strecke

220km, +-15.000 Hm in 7 Etappen
in Spanien und Andorra, 5 Nationalparks

 

 

 

 


 
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